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Überforderung + Stellen- oder sogar Berufswechsel als Einsteiger nach der Ausbildung

Alexander1736

Neues Mitglied
Schönen guten Tag zusammen,

eine kleine Einführung zu mir:
Ich (M, 23) habe Juli letzten Jahres meine 3jährige Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen und wurde in meinem Ausbildungsbetrieb (Industriekonzern in Krefeld/NRW) als Sachbearbeiter im Vertrieb befristet übernommen.

Die Befristung war auf ein Jahr angesetzt und weil die Leute sehr zufrieden mit mir sind, habe ich bis in genau einem Jahr eine Verlängerung angeboten bekommen und auch angenommen - inwiefern eine dann unbefristete Übernahmemöglichkeit besteht, kann ich momentan noch nicht abschätzen.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Ich habe bereits angekündigt, dass ich höchstens bis Ablauf dieses Vertrages bleiben werde, da ich mich innerlich von dem täglichen Arbeitstrott aus diversen Gründen überfordert fühle, diese beispielsweise wären Folgende:

1. Unser Vertriebsteam ist seit meinem Einstieg stark dezimiert worden, da die Kollegen gekündigt haben und die Stellen auch erstmal nicht nachbesetzt werden(wir sind nur noch zu ca.60% besetzt).

2. Mein Kundenstamm besteht leider aus sehr durchwachsenen Kunden: Einigen wird hier förmlich der A**** gepimpert und bei anderen kann ich davon träumen, mal den geplanten Liefertermin einzuhalten.

3. Andauernd sind unsere Anlagen in Störung oder Vormaterial kommt nicht pünktlich oder im Versand passt was nicht oder bei der Produktion wird das Material beschädigt etc. etc.

4. Mir wird nicht unbedingt die größte Hilfsbereitschaft der Kollegen vermittelt - eher wird die Verantwortung an eine andere Stelle abgegeben oder es heißt "Dafür bin ich nicht zuständig" / "Schauen wir mal" / "Tja, so ist das"

5. Es war schon während der Ausbildung absolut nicht meine Traumposition aber aus persönlichen Gründen dachte ich mir damals halt "Friss oder stirb".

6. Ich kann Zuhause nicht mehr abschalten, weil man jeden Morgen das Gefühl hat, sich neu erfinden zu müssen und das jeglich Planung schon innerhalb weniger Stunden keine Gültigkeit mehr hat.

7. Und natürlich bin ich selbst der größte Faktor:
Ich bin einfach zu sensibel, möchte für jeden (Kunden und Team) das Bestmögliche rausholen aber fast jede Woche liegt irgendein Fall auf dem Tisch/im Postfach wo sich vor allem Punkt 3 wiederfindet.

Und aufgrund einer sehr stressigen Jugendzeit (Scheidung der Eltern, alkoholkranke Mutter, Verschuldung der Mutter aufgrund von Jobverlust und damit Fall in "Armut" (also Armut für deutsche Verhältnisse - man hat halt abgewogen, welche Rechnung man am ehesten nicht bezahlt)) wünsche ich mir eigentlich gerade jetzt, wo endlich "Struktur" da ist, nichts mehr, als einfach mal Entspannen zu können und zufrieden zu sein.

Die Situation meiner Eltern hat sich stabilisiert, ich hab eine eigene Wohnung, hab alles an materiellen Dingen die ich brauche und hab mir Geld zurückgelegt - und trotzdem kann ich nichts davon genießen, weil ich einfach nicht damit zufrieden sein kann, 8 Stunden Lebenszeit am Tag zu opfern.

Und das alles hat mich dazu bewogen meinem Team jetzt schon anzukündigen, dass sie bis Dezember noch fest mit mir rechnen können.
Ab dem neuen Jahr werde ich mich dann auf Jobsuche begeben und wenn es schlecht läuft bin ich eben bis zum Ablauf meines befristeten Vertrages raus.

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Als neue Stelle oder sogar Berufung habe ich mir folgende 3 Sachen überlegt:

1. Möglichkeit: Teilzeitanstellung (am ehesten als Sachbearbeiter)
Da die kaufmännischen Berufe für mich nur Brötchenverdienst aber keine Leidenschaft sind und ich Erfahrung in dem Gebiet habe, wäre eine Anstellung in Teilzeit eine Überlegung wert.

+ Mehr Zeit für mich und meine Hobbies (Gitarre/Bass/Gesang + Fitness)
+ Allgemeiner Freiraum zur Selbstverwirklichung
+ Mehr als 1000,-€/Monat brauche ich nicht, weshalb ich auch keinen großen Einschnitt in direkter Folge für mich hätte; klar, weniger Rentenpunkte, aber von mir aus arbeite ich bis zum Umfallen in Teilzeit wenn es dann eben nicht reicht.
Mmn ist das Leben nicht dazu da, um auf eine möglichst auskömmliche Rente hinzuarbeiten, nur um dann vielleicht mit 70 zu gar nichts mehr fähig zu sein, was mich glücklich macht

- Momentan wenig Stellenangebote in dem Bereich; das Meiste hier in der Umgebung ist eher Buchhaltung, Lagerist, Einzelhandelsverkäufer, Projektmanager
- Eventuell mache ich mir damit den Lebenslauf kaputt, sollte ich nach meiner "Findungsphase" doch in 5 Jahren wieder in einen Vollzeitberuf zurückkehren wollen
- Erklärungsnot vor Familie und Freunde


2. Möglichkeit: Umschulung in einen Pflegeberuf / als Pflegehilfskraft
Kaufmann bin ich nur geworden, weil ich finanziell für meine Mama da sein wollte - jedes Ausbildungsgehalt und Taschengeld ist bis zu einem halben Jahr vor Beendigung meiner Ausbildung an sie gegangen.
Von meiner persönlichen Einstellung her würde ich aber viel lieber Menschen helfen und da habe ich mich in vergangener Zeit am ehesten mit der Altenpflege beschäftigt.

Hier ist das größte Hemmnis natürlich, dass ich keine Ausbildung oder Qualifikation habe.
Vielleicht hat von euch ja jemand Erfahrung in dem Bereich "Quereinsteiger in der Pflege".


3. Möglichkeit: Einen Sachbearbeiterjob in einem anderen Unternehmen
Diese Möglichkeit wäre wahrscheinlich die "Einfachste" - vielleicht habe ich Glück und es passt aber es könnte auch genau umgekehrt laufen und nach einigen Monaten ist es wieder entweder eine Sisyphusarbeit oder ein pures Absitzen der Arbeitszeit.

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So, dann mal zum Ende meine letztendlichen Fragen an euch ;-)

1) Wie kommt ihr mit einer Vollzeitarbeit klar, wo "gefühlt" nichts rechtzeitig klappt und man unglücklicherweise Anlaufstelle für alle ist (Einkauf, PPS, QS, Verkauf und natürlich Kunde)?

2) Hat jemand hier Erfahrung mit dem Wechsel von Voll- in Teilzeit? Also vor allem in Bezug auf das persönliche Befinden?

3) Hat jemand Erfahrung mit den Umschulmöglichkeiten in die Pflege von einem kaufmännischen Beruf aus?


Vielen vielen Dank schon mal für eure Hilfe :)
 

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maryanne

Aktives Mitglied
Hallo!

Da es in Deutschland einen Pflegenotstand gibt, werden auf jeden Fall Leute gesucht in den Berufen Krankenpfleger oder Altenpfleger.

Deine Idee lieber in Teilzeit zu arbeiten kann ich sehr gut nachvollziehen. Und ich kann es auch nur empfehlen. Lieber weniger lang und dafür konzentriert und effektiv arbeiten, als unglücklich 8 Stunden täglich deiner wertvollen Lebenszeit einer Firma zur Verfügung zu stellen.

Es ist dein Leben, gestalte es so, dass es dir Freude macht.

Viel Erfolg!:)
 

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