Ich glaube wer behauptet, er könnte das von einander trennen, macht sich selbst etwas vor bzw. verdrängt eine ganze Menge... klar kann man Sex ohne Gefühle haben, aber die wahre Kernaussage ist ja in der Regel "da ich Gefühle und Sex von einander trennen kann, ist meine Liebe genau so viel wert, egal wie viel Sex ich mit anderen hatte/habe". Und dieses meist unausgespruchene Ansprungsdenken finde ich übergriffig. Letztendlich läuft es halt darauf hinaus, dass man den Partner nicht für Sex braucht und nur emotional an ihn gebunden fühlt - z.B. weil er lieb/nett/einfühlsam/hilfsbereit usw. ist.
Der eigentliche, biologische Ursprung von Liebe und Partnerschaft ist die Gemeinschaft zwischen Mann und Frau, in der die eigenen Kinder geschützt aufwachsen können bis sie eigenständig lebensfähig sind. Das ist der tiefere Sinn warum die Evolution "Liebe" bzw. das Bedürfnis nach einer Partnerschaft in uns geschaffen hat. Leider werden diese Instinkte in unserer aktuellen Gesellschaft von vielen Akteuren missbraucht, um uns zu kontrollieren... zum Beispiel wenn dir jemand sagt, du kannst deine sexuellen Triebe nach Belieben ausleben und brauchst keine Verantwortung mehr dafür zu übernehmen oder dich von einer Familie "einschränken" zu lassen. Oder das noch als "Selbstverwirklichtung" darstellt. Menschen, die auf ihre niederen Triebe fixiert sind, sind leichter zu manipulieren und zu kontrollieren. Und man kann ihnen viele Dinge verkaufen, wie gesundheitsschädliche "sichere" Verhütungsmittel und was sonst noch alles an dem Thema mit dran hängt. Es hat schon seine Gründe, warum in unserer Gesellschaft viele Menschen nicht mehr beziehungsfähig sind bzw. es einen demographischen Wandel gibt.
Für jemanden, der eine Familie gründen möchte und verantwortungsvoll mit seiner Sexualität umgeht, ist dieses "Trennen von Sex und Gefühlen" im Grunde ein Schlag in den Magen... weil es doch zeigt, dass man auf sexueller Ebene ersetzbar ist und sich die andere Person ihren Spaß jederzeit anderswo holen kann. Und um nochmal auf die Evolution und Instinkte zurückzukommen: Bei Männern triggert so eine Einstellung auch die Angst, ein "Kuckuksei" ins Nest gelegt zu bekommen. Frauen hingegen können damit wahrscheinlich einfacher umgehen, da sie sich biologisch gesehen (instinktiv) sicher sein können, dass ihr Kind "das Eigene" ist.
Ich kann nur sagen für mich wäre eine Beziehung mit jemandem, der "Sex und Gefühle/Liebe von einander trennen kann", nicht denkbar. Über das was in der Vergangenheit passiert ist kann man immer reden, aber aktiv so eine Einstellung zu vertreten find ich respektlos dem Partner gegenüber. Außer dieser ist an einer ähnlich "oberflächlichen" (im Sinne von Missachtung der biologischen Hintergründe von Liebe sowie der Gefühle des Partners) Beziehung/Liebe interessiert. Und was mir bei dem letzten Satz noch einfällt: Wenn jemand behauptet, Gefühle und Sex von einander trennen zu können und die Meinung vertritt, deshalb sei alles in Ordnung, blendet damit auch die Gefühle eines Partners aus, der mit dieser Einstellung eben gerade nicht klarkommt. Und in der impliziten Erwartung, dass der Partner diese Gefühle "schluckt" bzw. verdrängt, weil sie in der Sichtweise des anderen "falsch" sind, liegt die eigentliche Respektlosigkeit und emotionale Gewalt...