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Trennung der Eltern + Chemo der Mutter

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Gast

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Hallo!
Seit einigen Wochen weiß ich, dass meine Mutter Brustkrebs hat. Der Tumor wurde entfernt, es sollte soweit alles gut laufen, bis die Ärzte dann doch zu einer Chemotherapie rieten. Alles Dinge, die sich überstehen lassen, jedoch kam zwischendurch dann noch die Trennung meiner Eltern dazu, mein Vater zog aus und ich als Kind (zwar schon 21) stand und stehe zwischen den Eltern, da beide mir etwas anderes erzählen, was die Sache noch schwieriger macht. Ich finde, ich bin alt und stark genug die Sache zu verkraften, da eine Trennung meiner Meinung nach schon längst hätte sein müssen. Jedoch kommt jetzt noch die Chemotherapie meiner Mutter hinzu, die seit Montag begonnen hat. Meiner Mutter geht es sehr schlecht und das nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Mein Vater kommt ab und zu nach Hause, kann sich aber wohl im Moment noch nicht entscheiden ob er für die Zeit der Chemo bleibt oder ob er überhaupt nicht mehr kommt. Klar, für einen Menschen auch schwer, jemanden in so einer Situation zurückzulassen. Das ganze ist noch komplizierter, als dass ich es hier geschildert habe. Nur belastet mich das ganze sehr, ich versuche vor meiner Mutter und auch Familie stark zu sein, aber vorhin ist alles in mir zusammengebrochen, ich schaffe es einfach nicht. Ich wohne nicht mehr Zuhause, was die ganze Sache noch schwieriger für mich macht, da ich als älteste Tochter mich auch dafür verantwortlich fühle, mich dann Zuhause zu kümmern , da meine Mutter ja nichts mehr machen kann. Ich studiere außerhalb, das Studium kann ich nicht abbrechen oder mir eine Auszeit nehmen (was meine Eltern denke ich mal auch nicht wollten). Aber ich frage mich, wie es laufen soll, wenn mein Vater nicht nach Hause kommt. Eine Person muss da sein, damit meine Mama den Rücken frei hat und sich auf sich selbst Konzentrieren kann. Für mich bedeutet es auch einfach Stress, wenn ich jedes Wochenende nach Hause fahren müsste, da ich viel zu lernen habe und auch nicht möchte, das die Uni darunter leidet, was aber anscheinend nicht zu vermeiden ist. Dieses Wochenende bin ich nach Hause gefahren, da ich sonst ein schlechtes Gewissen gehabt hätte. Mein Vater meint zwar, dass ich nicht hätte kommen brauchen, aber es läuft hier sonst einfach nicht. Grade eben bekomme ich 5 Aufgaben aufeinmal (Wäsche abhängen, falten, in Schhränke räumen, Treppe saugen, Dreck wegmachen, bügeln etc. ) ist ja auch alles gar kein Problem, nur irgendwie frage ich mich dann auch wie es gehen soll, wenn ich nicht da bin und was mein großer Bruder (23) für eine Rolle hier übernimmt. Anscheinend komme ich hier wirklich nach Hause um den Haushalt zu machen, natürlich ist es ein Ausnahmezustand und selbstverständlich, da sag ich ja auch nichts gegen, aber das kann es nicht sein, dass alles auf mich zurückfällt, nur weil meine Mutter nicht kann. Es muss auf alle zurückfallen, meinen Vater, meine Geschwister ... aber im moment habe ich das Gefühl, ich bin die einzige die für alles dann hier verantwortlich ist. Ich muss mich auch mal sehr um meine Schwester (13) kümmern, sie hat es sicherlich noch schwerer als ich. Aber ich brauche einfach mal Rat, wie ich es auch für mich klären und vereinbaren kann, Zuhause hier alles zurückzulassen und dann am Wochenende nicht immer nach Hause fahren zu müssen und kein schlechtes Gewissen zu haben. So klappt es auf Dauer nicht. Ich will jetzt auch nicht nur an mich denken, alle sind betroffen, nur für mich macht es das alles nur schwieriger, da ich 200km von Zuhause wegwohne....
Ich hoffe mir kann jemand einen Rat geben, möchte mit Freunden auch nicht darüber reden, da viele mir sicher nicht richtig helfen können. Ich weiß, sie sind für mich da, aber so eine Ausnahmesituation haben viele einfach noch nicht erlebt ...

Langer Text, aber ich bitte um Rat!

Danke.
 
Lieber Gast (Gästin?),

das ist wirklich nicht leicht, da in der Tat viel an dir hängenbleibt, und sich deine Mutter wahrscheinlich auch nicht mehr zu gern von deinem Vater helfen lässt - aufgrund der Situation.

Mir fallen spontan drei Sachen ein:
Zunächst ist dein Bruder mit in der Verantwortung. Vielleicht hat er noch gar nicht ganz verstanden, wieviel Arbeit an dir hängt. Und dass es bei dir mit dem Studium auch um deine berufliche Zukunft geht. Spanne ihn ein. Das muss gehen.

Die Krankenkasse bezahlt in bestimmten Fällen eine befristete Haushalthilfe. Meines Erachtens liegt hier ein solcher Fall vor. Beantragen!

Jetzt hat das Semester ja leider schon angefangen - aber prinzipiell könntest du versuchen, ein Urlaubssemester zu nehmen. Vielleicht kannst du auch jetzt direkt eine Weile aussetzen. Sprich doch mal mit den Lehrkräften/ dem Studentensekretariat.

Die Chancen sind sehr gut, dass deine Mutter wieder für lange Zeit gesund wird. Meine Mutter hatte mit etwa 50 Brustkrebs, ein ähnlicher Fall. Sie blieb nach Operation und Chemo 15 Jahre lang gesund. Leider hatte sie vor 2 Jahren einen Rückfall, dann auch wieder Chemo. Nun hoffen wir, dass sie noch einmal so gut davonkommt wie das letzte Mal. Wenn ich dazu einen Rat geben darf: Es gibt, so weit ich weiß, einerseits das Verfahren, dass der ganze Körper von der Chemo "durchflutet" wird - oder das Verfahren, nur einzelne Bereiche zu behandeln, z.B. nur den Brustraum. Das soll schonender sein und wird z.B. in Heidelberg gemacht - aber! : Eine gute Bekannte von uns erhielt diese Behandlung, entwickelte dann andernorts Metastasen, die dann zu spät erkannt wurden. Meine Mutter hatte jetzt die Ganzkörperbehandlung. Sie hatte zuerst große Angst davor, wurde dann aber sehr umsichtig behandelt, zusätzlich gibt es Medikamente gegen Übelkeit und auch Kortison als Entzündungshemmer. Sie hat es viel viel besser vertragen als damals vor 15 Jahren.

Deine Mutter wird bestimmt wieder gesund - die Chancen sind sehr gut, wenn es frühzeitig erkannt wurde.

Die Scheidungsproblematik kenne ich auch - ich war auch 21, als meine Eltern sich (endlich...) trennten. Habe mir auch viel zu lang die Stories von beiden Seiten angehört, dann irgendwann kategorisch gesagt, dass ich als Kind dieser Beziehung das alles nicht wissen will, mir nicht mehr anhöre und natürlich jede Stellungnahme dazu ablehne.

Spanne deinen Bruder ein - und nimm vielleicht wirklich ein Urlaubssemester. Das ist eine Ausnahmesituation.

Alles Liebe und gute Besserung für deine Mama.
 
Hallo! Danke, für deine schnelle Antwort. Ich bin übrigens weiblich (also eine Gästin 😉 )

Also erstmal zu deiner Aussage, dass du die das Gerede deiner Eltern auch nicht mehr anhören wolltest und konntest, kann ich echt gut nachvollziehen. Nachdem mein Vater dann die Koffer gepackt hatte, habe ich auch lange mit meiner Mutter telefoniert und auch mit meinem Vater. Beide erzählen mir was vollkommen unterschiedliches.
Meine Mutter ist tiefst enttäuscht, dass er gerade "jetzt", wo doch alles den Bach herunter geht, abhaut und mein Vater sagt mir immer, meine Mutter hätte ihm ständig gesagt, dass er doch endlich verschwinden soll. Was soll ich da denken? Ich kann keinem der beiden zustimmen und möchte mich auch auf keine Seite stellen. Nur wenn meine Mutter wieder anfängt davon zu erzählen, kann ich ihr nicht Recht geben, da ich immer noch die Worte von meinem Vater im Kopf habe und umgekehrt genauso.
Zudem habe ich von meinem Vater noch zu hören bekommen, dass er ja vor längerer Zeit überlegt hatte, sich vor einen LKW zu schmeissen und dass meine Schwester mehr oder weniger kein Wunschkind ist, meine Mutter hatte ihm vorgeworfen, dass er doch besser hätte aufpassen müssen.
Von jedem habe ich mir mindestens 2 Stunden angehört , was er zu der Sache zu sagen hat, aber im Endeffekt muss ich auch ganz ehrlich sagen, hätte ich am liebsten bei beiden gesagt " es ist gut, ich will davon jetzt nichts mehr hören" - aber ich möchte dann auch beide nicht so zurückstoßen, vor allem nicht meine Mutter...

Zur Zeit ist mein Vater anscheinend auch wieder da, abends übernachtet er bei seiner Schwester und kommt dann am nächsten Tag wieder. Ich weiß nicht, was da läuft, aber so ein hin und her ist auch ätzend.
Gestern hat er noch zu meiner Mutter gesagt, ich sollte hier doch mal was tun. So nach dem Motto " die kann ja dann alles hier übernehmen was ich sonst machen müsste". donnerstag abend wo ich zuhause angekommen bin, kam auch nur so ein satz, von wegen seinetwegen hätte ich ja nicht kommen brauchen. Klar, ein "schön dass du da bist" hätte auch gereicht.
Meine Mutter meint, mein Vater ist i m Moment auch nicht so ganz bei sich, vorhin meinte er schon wieder mich mehr oder weniger anmeckern zu müssen. Allerdings sehe ich das nicht ein, er kann auch normal mit mir reden, da ich im Moment auch sehr empfindlich auch so etwas reagiere.

Zu der Sache mit dem Studium... Ich kann nicht mal eben 1 Semester aussetzen. Ich studiere auf Bachelor hin und das ganze ist durchstrukturiert. Würde ich jetzt aufhören, könnte ich in 1 Jahr erst wieder anfangen und das will ich nicht.
Andererseits steh ich zur zeit auch total unter Stress, ich kann hier Zuhause einfach nicht lernen,w eil hier im Haus zu viel Unruhe ist und ich auch ganz andere Dinge im Kopf habe. ICh lese einen Text und weiß danach schon gar nicht mehr was im letzten Satz stand, ich bekomme einfach keinen Zusammenhang, auch wenn ich den Text mehrmals lese. Ich habe noch 14 Vorlesungen nachzubereiten, damit wollte ich am Wochenende anfangen, da ich auch Freitag eine Klausur schreibe und die bestehen möchte und dass nicht mit einem schlechten Schnitt, da alle Noten am Ende zusammen gezählt werden. Es geht einfach nicht, am liebsten würde ich meine Sachen packen und wieder zurück fahren,aber das kann ich auch nicht machen. Dann würde wieder das schlechte Gewissen zum vorschein kommen.

Mit meinem Bruder ist es so eine Sache, ich mag nicht mit ihm darüber reden, weil ich mich dann sowieso wieder aufrege und auh nicht als "bestimmerin" da stehen möchte, ich finde er ist alt genug zu sehen was er jetzt zutun hat und er muss es sich nicht von mir sagen lassen.
Andererseits macht er ja auch, wenn man ihn fragt, er hat uns heute auch zum Perückenladen gefahren, wo ich dann mit meiner Mutter nach einer Perücke geguckt habe ... Waren dann noch einkaufen , aber als wir wieder Zuhause waren, verschwindet er in sein Zimmer und kommt auch erst zum Essen wieder runter, wenn man ihn ruft. Er bleibt nicht mal untern, räumt die Einkäufe mit weg oder sonstiges.
Und das ist das, was mich hier so nervt, ich bin dann in der Küche und mir wird wieder gesagt, was ich zu machen habe. und ist klar, dass ich dann mal wieder genervt bin und auch mal was rauslasse, was ich dann aber auch wieder nicht will. vorhin meinte meine mutter dann wieder "wenn es dir zu viel ist, dann lass es doch einfach sein". es ist ja nicht das problem, mal den tishc zu decken, aber einfach immer der gedanke, dass man eh selbst nur angesprochen wird, weil der große bruder ja in seinem Zimmer ist.

Zu der Haushaltshilfe: die KRankenkasse bezahlt die wohl nicht, man hat Anspruch darauf, wenn man Kinder glaub ich unter 12 oder 13 im Haus hat. Mein Vater sollte sich einfach mal entscheiden was jetzt sache ist oder nicht, wenn er wegbleibt, wird eine haushaltshilfe auch nötig sein müssen, dann muss die eben bezahlt werden.

Für mich ist es alles einfach S**** im Moment. Na klar gehts meiner Mutter noch schlechter, aber ich merke jetzt einfach ersteinmal, dass ich meine PRobleme zurückstecken muss und das nicht für 1 Woche, sondern für mindestens 1 Jahr ...

Meine Mutter bekommt übrigens eine Ganzkörperchemo, um die letzten Tumorzellen, die sich noch im Körper befinden könnten , abzutöten.
Die Chance gesund zu werden liegen bei ihr sehr hoch, da der Tumor auch noch nicht gestreut hatte.

Ich bin eigentlich auch ganz froh, wenn ich morgen abend wieder zurück fahren kann. Ich fühle mich hier Zuhause einfach nicht mehr wohl und das schon seit langem . Ich mag mein Zimmer hier nicht mehr und auch generell den Haushalt nicht, da das Bad z.B. auch nie geputzt ist, wenn ich wiederkomme und sowas mag ich absolut nicht. Das sind alles so Kleinigkeiten, und dann immer diese angespannte Stimmung... Bin echt froh, dass ich ausgezogen bin.

Heut nacht habe ich bis ca. 2h am Schreibtisch gesessen und versucht noch was zu lernen, da endlich mal Ruhe im Haus war. Mein gr. Bruder kam erst um die Zeit nach Hause. Und wer hat na klar die Küche abends um 23h noch aufgeräumt ... ich natürlich. Er war ja nicht da.

Mmmhh.. schwierige Situation, ich bräuchte einfach mal jemanden, der mich von Innen stärken kann, ich muss einfach denken, dass es nicht für immer ist und wir es auch überstehen werden ...

Vielleicht hast du noch ein paar Tipps.
 
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