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Trauma, jetzt Depression

  • Starter*in Starter*in Invisible
  • Datum Start Datum Start
I

Invisible

Gast
Hallo,

anfang März erlitt ich ein Trauma. Seither fühle ich mich mutlos, kraftlos, antriebslos, niedergeschlagen.
Vergangenen Donnerstag war ich bei meiner Hausärztin.
Sie verschrieb mir Antidepressiva und riet mir zu einer Psychotherapie.

Nun mein Problem:

~ Wie erzähle ich das meinen Eltern? Bin mir sehr unsicher und weiß nicht, wie verständnisvoll sie da reagieren..

War jetzt Do, Fr. und heute nicht bei der Arbeit.. was mir auch sehr leid tut, weil ich schon arbeiten will, ich bin nur so kaputt und geschafft.

~ Wer kann mir Tipps geben, was ich jetzt am besten tue?

Gruß,
Invisible
 
Wer kann mir Tipps geben, was ich jetzt am besten tue?

Hallo Invisible,
was ist denn dein Ziel, wofür wir dir
Tipps geben sollen? Danach richtet
sich ja bekanntlich der Weg aus, wohin
man kommen will ...

Gruß, Werner

P.S. Was hat dir denn früher geholfen,
wenn es dir so ging wie gerade? Das
wäre auch ein Ansatz, das zu wieder-
holen.
 
Hallo Werner,

mich hat bisher noch nichts so sehr aus der Bahn geworfen, wie das letzte Ereignis, welches ich schlicht und ergreifend nicht verarbeiten kann.
Ich gehe nachher erneut zu meiner Hausärztin, lasse mich für diese Woche krankschreiben und fahre zu meiner Familie. Dort habe ich mehr Abstand, kann mich erholen.
Die Wartezeiten für eine Psychotherapie sind so lange. Ich weiß momentan weder vor-noch rückwärts. Es ist zu lange, wenn ich monatelang auf ein Gespräch warten muss.
Sonst hat mir mein Pferd geholfen. Aber genau das ist nicht mehr da. Das Schlimme ist, dass ich auch beruflich mit Pferden zutun habe. Ich bin sonst voller Tatendrang und Freude zur Arbeit gegangen. Jetzt kann ich morgens nicht mehr aufstehen, weil ich es nicht schaffe. Ich will und kann nichts mehr mit Pferden zutun haben. Meinen einzigen Halt hab ich verloren.
Was nützt es mir, wenn ich weiß, ich leide an einer Reaktiven Depression, Schlafstörungen, Schuldgefühlen und ich muss ewig auf einen Therapieplatz warten? Wie soll ich die Zeit überbrücken? Die Tage scheinen mir einerseits unendlich lange, ich habe außerdem das Gefühl, die Zeit sei seither stehen geblieben...
 
Phasen der Verarbeitung -Hilfe annehmen

Also-- ist Deinem Pferd was passiert?
Und Du fühlst dich schuldig?

Das wissen aber doch Deine Eltern?
Oder ...kannst Du nicht reden mit ihnen?

Wird von Dir erwartet "immer zu funktionieren"?

Es gibt Wunden,die heilen einfach viel zu langsam.
Patentrezepte gibt es nicht--aber Nähe zu lieben Menschen und viel viel viel Arbeit ist ein Weg,um etwas gegen das Versinken in Trauer zu tun. Es ist ein langer Weg.
 
Mein Pferd brach sich am 07. März auf der Koppel das Bein.(Genauer: den Unterarm)
Er war hochgradig lahm, stand unter Schock. Ich rief sofort die Tierärztin an. Ich kam gerade von der Arbeit, als es passierte.
Ich war bis zuletzt bei ihm.
Ich weiß, dass Knochenbrüche bei Pferden nicht heilbar sind. Nur einige wenige. Ich weiß, dass es keinen anderen Ausweg gab. Ich weiß das alles. Ich habe ständig die Bilder in meinem Kopf. Es tut mir so schrecklich leid, dass er so leiden musste. Das hatte er nicht verdient. Ich werde nie vergessen, als ich auf der Straße stand und er mir zuwieherte. Ich ging sofort hin, dort brach meine Welt zusammen. Ich kann es nicht beschreiben. Es ist für mich unbegreiflich. Mein Leben ist so leer ohne hin. Es wiegt so schwer, dass ich die Entscheidung treffen musste.
Meine Eltern wissen das. Meine Mutter fuhr auch gleich zu mir.

Er fehlt mir so schrecklich. Ich kann dem Ganzen nur ein klein wenig etwas Gutes abgewinnen: Dass ich bei ihm war. Die ganze Zeit. Am liebsten wäre ich sofort mit ihm gestorben, nicht nur ein Teil, ohne den ich jetzt leben muss.
 
Umarmung!

Es tut mir so leid für Dich!

Du bist etwa so jung wie meine Tochter -
wir mußten vor knapp zwei Jahren eine solche Entscheidung
treffen ,weil ihre Wuschel-Schäferhündin erst einen ruptierten Milztumor hatte--Bauchraum voll --da hatte sie schon Glück,daß sie das überlebte...Not-Fahrt zur Uni-tierklinik ...dann trotz OP,
trotz 5 X Chemo (Monate des Hoffens) urplötzlich einen Rückfall erlitt. Es ging nichts mehr...sie lag unter unseren Bäumen...

Wir waren auch beide dabei ,als sie dann erlöst wurde.

Mehr konnten wir nicht tun. Schon die OP und die Chemo waren...
eigentlich nur pure Hoffnung...
naja..es ist,als verlöre man noch mal ein Kind.

Wir konnten immerhin Monate von ihr schon "Abschied" nehmen..und damit ,daß es schlecht ausgeht,beschäftigen. :wein::wein::wein:

Die Hündin von meinem Sohn hatte 1 Stunde für Sichverabschieden...auch da waren wir (meine Tochter +ich)
die .,die es von jetzt auf sofort entscheiden mußten.
das war vor kurzem...und mein Sohn war auf Arbeit-- ITS.
Es sammelt sich so viel Trauriges...

Du hast richtig gehandelt-- und Du wirst ihn immer im Herzen tragen. Und-- Du warst bei ihm.

Es ist der größte Dienst,den man seinem Tier tun kann--es hinüberbegleiten.

Nimm Dir die Zeit,die Du brauchst!

Dein Pferd würde nicht wollen,daß Du lebenslang trauerst--deshalb: Du wirst auch das Lachen wieder lernen.

Jetzt aber ist es okay. Es ist einfach furchtbar,wenn man so einen Verlust hat!

Ich wünsche Dir,daß Du Dich bei Deiner Mama ankuscheln und ausweinen kannst ...und daß es nicht so lange so doll weh tut!

Umarmung!

Micky
 
... und fahre zu meiner Familie. Dort habe ich mehr Abstand, kann mich erholen.
(...)
Sonst hat mir mein Pferd geholfen. Aber genau das ist nicht mehr da.

Die Idee, dich bei deiner Familie zu erholen,
klingt gut - ich wünsche dir, dass du dort das
wieder findest, was du verloren hast.

Zu deinem Pferd, das dir geholfen hat: Das
war ja nicht immer da, irgendwann hast du
es entdeckt oder gemerkt, dass es dir hilft -
wenn du also offen bist, findest du vielleicht
wieder etwas/jemand, das dir ähnlich gut
beisteht und dich wieder ein Stück deines
Weges begleitet. Genau genommen war es
vermutlich nicht das Pferd selbst, das dir ge-
holfen hat, sondern die Beziehung zu ihm,
das, was ihr zusammen gemacht habt - und
da du noch da bist, gibt es auch eine realis-
tische Chance, dass dieses "Dazwischen"
wieder passiert - auch wenn es ungewöhn-
lich und besonders war: du warst 50% da-
von und weißt, woran du merkst, wenn so
etwas wieder auftaucht!

Viel Glück und baldige Genesung
wünscht dir
Werner

P.S. Das mit der Psychotherapie und den
langen Wartezeiten muss politisch gelöst
werden; wenn ich je eine Chance bekomme,
da Einfluss zu nehmen, werde ich mein
Bestes geben - der derzeitige Zustand ist
schlichtweg ein Skandal.
 
Es ist mir unbegreiflich. Ich kam von der Arbeit - und peng! Plötzlich ist mein Leben ein Anderes. Ich vergesse den Tag nie. Ich habe täglich die Bilder vor Augen. Es zerreißt mir das Herz, wenn ich an ihn denke, an seine letzte Stunde. Es tut mir so leid, dass ich ihn gehen lassen musste. Es tut mir so leid, dass ich nicht stark sein konnte. In der Zeit, bis die Tierärztin kam, hab ich mich nur an ihm festgehalten und geweint. Es tut mir einfach nur so schrecklich leid, dass ich ihm nicht helfen konnte...

Mein Leben ist ein völlig Anderes. Es bleibt mir ein Rätsel, wie ich damit umgehen soll. Ich kann mich der Situation nicht fügen.

Danke, Mickey..
Danke, Werner..


Ich fahr jetzt zu einer Freundin..
 
Hallo.
Ich stöber mich hier grad so durch das Forum. Hab schon zu vielen anderen Themen was geschrieben...
Das mit den "Haustieren" ist so eine Sache....meine Katze, die ich 18 Jahre lang hatte, von klein auf, die eigentlich oftmals die einzige aus der "Familie" war, die mich in den schlimmsten Phasen weinen gesehen hat, die immer da war und mich akzeptiert hat, sie ist 2007 gestorben. Sie war alt, und schwach, ich glaube im nachhinein, das sie so ne Art Herzanfall oder so was hatte, denn ich fand sie völlig erschöpft und verstört auf der Straße, wie sie aus einer Pfütze trank. Danach hat sie zwei Wochen lang vor sich hin vegetiert, zuerst hörte sie auf zu fressen, dann zu trinken, dann machte sie überall hin, unkontrolliert. Der Tierarzt gab uns so ne Aufbau-Paste, die wir ihr in den Mund spritzen sollten, damit sie schluckt und fit bleibt, aber das funktionierte nicht. Der Arzt erkannte sonst nix, und meinte, man kann nicht mehr machen. Durch die Paste verklebten aber ihre Zähne so sehr, das sie den Mund nicht mehr aufmachen konnte. War ja auch egal, sie hatte ja eh schon aufgegeben.
Ich habe also zwei Wochen Sterbebegleitung bei meiner geliebten Katze durchgemacht, und jeden Tag gehadert, schaffe ich es sie einschläfern zu lassen, sie äußerte eigentlich keine Schmerzen, ich hatte immer den Eindruck, sie weiß, wie es um sie steht und sucht sich eine ruhige Ecke im Haus zum sterben.

Doch an dem Tag, wo ich mir dann vorgenommen hatte mit ihr den letzten Schritt zu gehen, nahm sie mir in den frühen morgenstunden die Entscheidung ab. Sie schlief mit mir in meinem Zimmer. Doch diesen Morgen wachte ich auf, weil ich irgendwas spürte, etwas war anders. Ich schaute an die Stelle, wo ich sie zuletzt liegen sah, und da lag sie, als ob sie schläft. Und doch fühlte es sich so komisch an, sie war nicht wirklich tot, aber auch nicht mehr ganz da. Ich rief gleich meine Schwester, sie wollte sie gar nicht mehr anschauen. Ich habe dann meine Katze in den Arm genommen und gestreichelt, bis sie ganz hart und kalt wie Stein geworden war.
Fast wäre ich durchgedreht und hätte sie nicht mehr losgelassen. Erst auf Zureden meiner Mutter ließ ich sie los, legte sie in ein Körbchen und trug sie in den Garten.
Ich habe gemerkt, wie in einem Moment etwas aus ihr raus schwebt...das hört sich vielleicht blöd an, aber ich glaube daran, das ich bei ihr war, als sie ihre Seele verlassen hat. Und ich bin eigentlich nicht besnders fromm oder so...

Jedenfalls habe ich sie dann am selben Tag noch im Garten begraben. Und noch heute, wenn ich mein Elternhaus besuche kommen mir die Tränen, wenn ich die Stelle anschau. Oder wenn ich bilder von ihr anschau, oder dran denke.

Ich verstehe sehr gut, das einen so was aus der Bahn wirft, und ich finde es auch gut, wenn man es zulässt.

Ich bin selbst grade in so ner Situation, wo ich mich am liebsten Krankschreiben lassen würde, weil ich nicht wirklich weiß, wie mein Leben weiter gehen soll, weil ich in einer ziemlichen Krise stecke.

Da scheint alles so trostlos und aussichtslos....das ist ok. Jemand hat mir mal gesagt, es ist ok zu leiden. Man darf leiden, es ist gut, wenn man sich reinfalen lässt.

Schön ist es, wenn man Leute hat, die einen dabei begleiten.

Ich wünsche allen, die ihr geliebtes Tier verloren haben viel Kraft damit umzugehen. Vergessen kann man nie, aber es tut vielleicht irgendwann weniger weh, so wie es auch bei den geliebten Menschen ist, die man auf seinem Lebensweg so alle verliert.

Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen auch, der grade seinen "besten Freund'" verloren hat. Liebe Grüße.
 

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