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Trauer um Vater, obwohl....

InesTt

Mitglied
Hallo Forum,

hier geht es nicht um mich, sondern um meine Nichte, 23 Jahre alt, die vor 4 Monaten ihren Vater ( meinen Schwager) verloren hat,

Ich mache mir arge Sorgen um sie, da sie komplett den Halt verloren hat und ich ihr gern helfen würde, obwohl ich dafür sicher nicht die beste Besetzung bin. Und das hat Gründe:

Mein Schwager war kein guter Vater, kein guter Ehemann, kein guter Mensch. Er hat sich nie um seine Tochter gekümmert, er hat seine damalige Frau ( meine Schwester ) sehr schlecht behandelt und endgültig im Stich gelassen, als die Kleine
8 Jahre alt war).
Nach der Trennung sah er seine Tochter nur selten, auf eigenen Wunsch.
Er war illoyal, Alkoholiker, gewalttätig und ging fortgesetzt fremd.
Er kannte nur seine eigenen Interessen und weigerte sich sein Leben lang, Verantwortung als Vater zu übernehmen.
Kindesunterhalt zahlte er sowieso nie, den Kontakt zu seiner Tochter hielt sie selbst notdürftig aufrecht, er hat nie Anstrengungen in diese Hinsicht übernommen,
Und nun ist er gestorben.
Und sie ist völlig fertig.
Schmeißt ihre Ausbildung, verwahrlost, zieht sich von ihrem Freund zurück.
Ich verstehe es nicht.
Warum trauert sie derart um einen Mann, der sich nie für sie interessiert hat, der nie für sie da war, der nur biologisch ein Vater war?
Ich trauere nicht um ihn, meine Schwester trauert nicht um ihn. Wir können beide ihre Verzweiflung nicht nachvollziehen und nachfühlen.
Ihr Freund kommt kaum noch an sie heran. Therapeutische Hilfe lehnt sie ab.
Ich bin ratlos und habe Angst um sie.

Was sagt ihr dazu?
 
Warum trauert sie derart um einen Mann, der sich nie für sie interessiert hat, der nie für sie da war, der nur biologisch ein Vater war?

Vielleicht weil sie ihr ganzes Leben lang gehofft hatte, dass sich das Verhältnis zum Vater doch noch irgendwann einrenkt und alles gut wird... Und jetzt ist das definitiv nicht mehr möglich, weil er tot ist.

Auf jeden Fall ist das schon sehr heftig und ich verstehe Dich, dass Du Dich hilflos fühlst. Ich weiss auch nicht, was Du tun kannst, wenn sie sich von allen abwendet. Ist ja schwierig so einen Zugang zu ihr zu finden und sie z.B. zu professioneller Hilfe zu überreden. Echt eine schwere Situation...
 
Ich trauere nicht um ihn, meine Schwester trauert nicht um ihn. Wir können beide ihre Verzweiflung nicht nachvollziehen und nachfühlen.

Vielleicht ist das ja genau der Faktor, der verursacht, dass sie sich zurückzieht. Für sie scheint ihr Vater trotz allem einen hohen Stellenwert gehabt zu haben. Sie hat also einen Menschen verloren, den sie liebt, und sie trauert – aber sie ist mit dieser Trauer isoliert. Bei euch kann sie keinen Trost suchen, weil sie weiß, wie ihr über ihn denkt. Das macht es wahrscheinlich schwer, den Verlust zu verarbeiten.
 
Ja, ihr habt recht, die Hoffnung auf eine Normalisierung im Kontakt hat meine Nichte immer gehabt und nue aufgegeben.
Obwohl ihr Vater dazu niemals Anlass gefeben hat. Er stieß sie regelmäßig zurück, wenn sie Kontakt suchte. Er machte sie und ihren Anspruch auf Unterhalt für sein Unglück versntwortlich.
Er manipulierte sie emotional, machte ihr ein schlechtes Gewussen, schlug sie regelmäßig, hielt Verabredungen kaum einmal ein.
Ihr ganzes Leben lang ging das so und nicht erst, als er schließlich krank wurde.
Meine Nichte traute sich nie, offen zu ihm zu sein, auf sein verletzendes Verhalten mit Wut und offener Enttäuschung zu reagieren. Bei ihrer Mutter konnte sie das immer.

Sie hatte immer diese Wahnsinnsangst, dass ihr Vater sie bei offener Kritik gar nicht mehr sehen wollte.
Und nun ist er nicht mehr da. Und ihre größte Befürchtung ist wahr geworden.
Ich verstehe ihren Zusammenbruch. Ihre Enttäuschung. Ihre Trauer verstehe ich in diesem Ausmaß nicht.

wie soll es weitergehen?
Sie redet kaum noch mit jemandem, ist völlig isoliert, wirkt depressiv, ist aggressiv, schmeißt Azsbildung und Partnerschaft, greift ihre Mutter an, die sich ihr Leben lang liebevoll um sie gekümmert und ihr immer den Rücken gestörkt hat.
Sie schmeisst ihr Leben weg.

Natürlich nehme ich ihre Trauer ernst. Auch wenn ich sie nicht nachvollziehen kann.
Ich weiß, dass ich sie nicht wirklich trösten kann.
Aber wer kann es dann?

Ihre Mutter kritisiert sie seit vielen Jahren permanent, nichts kann die ihr recht machen.
Dabei wäre sie eigentlich die beste Trösterin der Welt. Sie ust zugewandt und liebevoll, kann gut zuhören und respektiert ihre Tochter auch dann noch, wenn die sie beschimpft und provoziert.

Was ich nicht verstehe, ist:
warum hängen Kinder
( auch die erwachsenen) so oft viel mehr an den Elternteilen, die sie schlecht behandeln und nie für sie da sind - als an denen, die sie lieben und immer für sie da sind?
Das ist mir ein Rätsel.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo I.,


ich sehe die Sache anders. Ich kann nicht wissen, wie es für einen Mensch, für ein Kind ist, so was zu erleben. Aber es muss wohl ungefähr so für einen Menschen sein, wie deine Nichte es widerspiegelt. Ihr Gefühle und Reaktionen sind sehr wahrscheinlich sehr echt und somit nur zu respektieren und zu beachten. Wir sind die Unwissenden in dieser Situation und deine Nichte ist die Wissende. Sie muss uns ihre Situation erklären. Und wahrscheinlich kann sie es nicht. Aber vielleicht findet sie jemand, dem sie es immer und immer wieder neu erklären kann. Sodass sie im Laufe ihres Lebens vielleicht irgendwann abschließen kann damit?
Jedenfalls glaube ich, dass sie tiefe Wunden hat, die sie mit ihrem Vater verbindet. Und das sind nun mal Gefühle. Wie geht man damit um? Deine Nichte muss es raus finden. Und man kann ihr nur versuchen diesen Weg etwas leichter zu machen.
Schön wie du dich für ihre Situation interessierst. So etwas ist wichtig.
lg
 
Ich verstehe es nicht. Ich trauere nicht um ihn, meine Schwester trauert nicht um ihn. Wir können beide ihre Verzweiflung nicht nachvollziehen und nachfühlen. Was sagt ihr dazu?

Ich sage: Befolge Deine eigenen Ratschläge!
Eine Psychotherapie kann Deiner Schwester und Dir helfen.

Nein, ich habe nicht mißverstanden, dass Du Dir Gedanken über Deine Nichte machst.
Aber wer keine leibhaftigen Erfahrungen, keine Ahnung hat, sollte sich mit Kritik zurückhalten -
von wegen: "Wer seine Mutter narzißtische Alte nennt, dem traue ich so Einiges zu,,,"

Du beschuldigst einen Alkoholiker egoistisch und rücksichtslos gewesen zu sein.
Solche Typen gibt es tatsächlich - leider.
Aber wieviel Zeit hast Du mit ihm verbracht, um ausschließen zu können,
dass er unter dieser Situation, seiner Ex, der Trennung vom Kind und seiner eigenen
Unfähigkeit gelitten hat?
Hat er aus Spass gesoffen?
 
@ Ici:

ach, wie albern, so eine billige Retourkutsche auf meinen Beitrag im anderen Thema!
Es war mir schon bei deinem ersten Posting dort klar, dass du nicht anders kannst, als Klagen und Anschuldigungen an deine Umwelt zu verteilen.
Warum so negativ?

Falls du nicht nur um dich treten willst, lies mein Thema doch zur Abwechslung mal unvoreingenommen durch.
Ich beschuldige nämlich niemanden.
Ich beschimpfe auch niemanden.
Ich tue mir auch nicht selbst leid.
Wenn ich auf Beiträge antworte, lese ich diese vorab durch!

Ich mache mir Sorgen um meine Nichte!

Sie leidet tatsächlich - ihr Vater ist gestorben, der auch nicht immer ein netter Mensch war.
Übrigens:
Alkoholiker oder Drogenabhängige sind selbstverständlich für ihr Tun ind Lassen verantwortlich, denn es hat sie niemand gezwungen, zu trinken.
Mein Schwager war, wie er war. Und sicher hatte er wie alle Menschen auch gute Seiten.
Ich möchte die Tränen meiner Nichte besser verstehen, was mir momentan schlecht gelingt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ihre Mutter kritisiert sie seit vielen Jahren permanent, nichts kann die ihr recht machen.
Dabei wäre sie eigentlich die beste Trösterin der Welt. Sie ust zugewandt und liebevoll, kann gut zuhören und respektiert ihre Tochter auch dann noch, wenn die sie beschimpft und provoziert.

Was ich nicht verstehe, ist:
warum hängen Kinder
( auch die erwachsenen) so oft viel mehr an den Elternteilen, die sie schlecht behandeln und nie für sie da sind - als an denen, die sie lieben und immer für sie da sind?
Das ist mir ein Rätsel.

Ist vielleicht so eine Art Gott-Syndrom, der heimliche, unbewußte aber feste Glaube, man könnte den betreffenden Elternteil doch ändern, einfach indem man da ist, indem man ständig auf ihn einwirkt - da hängt unter Umständen das ganze Selbstwertgefühl dran, gerade bei Kindern und Jugendlichen, die ihren eigenen "Wert" beweisen wollen, und wenn das Elternteil dann plötzlich so "böse" ist wegzusterben, ohne daß es sich vorher geändert hätte, kommt der Zusammenbruch. Das ganze Weltbild von der eigenen Wichtigkeit bricht zusammen, wenn der "Patient", den man "kurieren" möchte, nicht mehr da ist.

Wenn Du wissen willst ob diese Theorie stimmt, mach die Nagelprobe - druck Dir diesen Post einfach aus und gib ihn der Tochter zu lesen. Wirst an der Reaktion merken, ob was dran ist oder nicht.
 
Oder um es anders auszudrücken: sie trauert in Wahrheit gar nicht um den Vater, sondern um ihre eigenen zerstörten Wunschträume, die um ihren Vater herumrotierten, den Wunschtraum, ihn zu einem liebevollen "echten" Vater umerziehen zu können.
Das meine ich mit "Gottsyndrom", ein zu starkes - und unrealistisches, realitätsfernes - Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, was den Einfluß auf andere Menschen angeht. Gerade Kinder und Jugendliche sind für diese Einbildung recht anfällig.
Wenn sich dann der "Patient" durch den Tod quasi flüchtet, ist das ganze Weltbild, das ganze Selbstwertgefühl hinüber, sie fühlt sich schlicht betrogen.
Nämlich um die "Selbstbestätigung", die sie erhalten hätte, wenn es ihr denn gelungen wäre, den gewalttätigen Säufer zu kurieren ... was natürlich von vornherein illusorisch war.
Und gleichzeitig hat sie auch die andere Person, der sie immer wichtig war auch ohne Beweise, nämlich die Mutter, von sich weggestoßen, weil ein "Herr" halt nicht zwei miteinander konkurrierenden (Selbstbestätigungs-)Sklaven/Werkzeugen gerecht werden kann.
Aber das muß man einem jungen Menschen erst mal beibringen ...
 
Ich sage: Befolge Deine eigenen Ratschläge!
Eine Psychotherapie kann Deiner Schwester und Dir helfen.
Wozu soll das gut sein? Es ist imho ganz normal, daß man über einen schlechten Mensch keine Tränen vergießt.

Hat er aus Spass gesoffen?
Warum sonst wohl? Ich habe noch keine Bier- oder Schnapsflasche gesehen, die sich mit gezogener Waffe vor jemanden hingestellt hätte und sagte: "Trink mich oder du stirbst!" Jeder hat die Wahl was er trinkt, Wasser, Kaffee, Limo, Cola ... daß Alk keine Probleme löst, weil die Mistviecher schwimmen können, dürfte auch jedem bekannt sein.
Deshalb geht mir jedes Mitleid mit Alkoholikern und deren Taten ab.
Die Leute sollen ihre Probleme gefälligst lösen, statt sich davor in den Alkoholnebel zu flüchten!
 

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