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Trauer oder doch eher Wut?

Nirtak

Mitglied
Hhmm, hallo erstmal zusammen, ich weiß nicht recht wie ich anfangen soll. Wie ist das mit der Trauer? Als meine Oma starb dachte ich, ich würde nie darüber hinweg kommen. Sie war der einzige Mensch der mich wirklich geliebt hat. Sie bekam Krebs, hatte fürchterliche Schmerzen und nach langem Flehen gab ich ihr damals eine Überdosis Morphiumtabletten. Ich war 15Jahre zu der Zeit und das habe ich mir bis heute nicht verzeihen können. Ich habe sie so sehr geliebt. Aber ist das dann wirklich Trauer oder eher ein Schuldgefühl? 2012 starb mein Vater, ein menschliches Tier, da konnte ich gar nichts empfinden. 2016 starb dann meine Mutter, ein Miststück, da hab ich ebenfalls nichts empfinden können, bin auch nicht zur Beerdigung und hab deshalb immer noch Stress mit meinen Geschwistern, aber die wissen ja auch nicht was mir Zuhause jahrelang angetan wurde. Voriges Jahr jedoch, das letzte halbe Jahr vielleicht, musste ich vermehrt an Mutter denken und sogar heulen. Ich verstehe das überhaupt nicht, ist das Verzweiflung die ich im Leben ihr gegenüber empfunden habe? Denn wenn es Trauer wäre, würde es mich erschrecken und ich würde es nicht wollen!!! Sorry, wenn ich hier vielleicht etwas verstörend schreibe, aber irgendwie beschäftigt mich das :-?
 


Hallo Nirtak;

Ich gehe ein bisschen von meinen Erfahrungen aus,vllt passt auch etwas für Dich.


Ich denke,deiner Oma gegenüber ist es beides;Trauer natürlich und auch Selbstvorwürfe.

Meine Mutter,und mit ihr hatte ich sehr viel Sadismus und Qual hinter mir,..die ich trotzdem Sterbe Begleitet,..aber auch Sterbe Helfer dort waren und auf die Medikation vom begleitenden Hausarzt hin,ihr Morphium geben durften.
SIE haben ihr auch eine un-gefragte Überdosis Morphium gegeben,nachdem Sie Wochenlang rein,Körperlich nicht Sterben konnte/wollte.Die Geräte zeigten schon lange nix mehr an.
Im nachhinein,hatte ich Schuld Gefühle.War es Mord?
So hatte ich mir für meine Mutter ein normalen Tod gewünscht,aber ihre Seele konnte nicht los lassen.
In meinen Fall,hätte ich was sagen müssen? Hätte ich damit etwas verändert,außer den Sterbe Helfern das Leben schwer gemacht?
All diese Gedanken/Gefühle kamen aber sehr viel später dazu.
In deine Fall:
Du warst 15 Jahre JUNG.DU hättest überhaupt gar KEIN Zugriff zu den Medikamenten haben dürfen.Dort wurde Fahrlässig gehandelt..und genau aus diesen Gründen,das Angehörige,oder wer auch immer nicht befugt ist,wird es NUR von Ärzten gemacht/erlaubt,weil es eben Verantwortung ist.
Nun trägst du diese.
Das ist das Problem der Sterbe-Hilfe,vor allem wenn man den Menschen geliebt hat.
Nein,DU bist nicht Schuld.Von Schuld kann man hier in keiner Weise sprechen.Du hast ihr damit Leid erspart,auch wenn es dir nicht zu gestanden hatte.
Ich kann Dich gut verstehen,das du Haderst,heute im nach hinein.Aber es gibt nur eine Antwort: "So Gott es will/wollte". Schließe Frieden damit.
Du hast deiner Oma nicht das Leben genommen,sondern ganz viel Körperlichen und Seelischen Schmerz.Wenn es nicht so sein sollte,hättest du nie in diese Möglichkeit bekommen.

Zu deiner Mutter:
Ja,es ist erschreckend das man jemanden nach Trauert,der einem nicht gut tat.
Jedes Kind hat das Recht auf Schutz,Verständnis und Liebe.
Ich schätze mal das es vllt kleine Momente gab,wo es Ok war,und du deine Mutter geliebt hast,Sie lieben wolltest,weil es ja deine Mutter ist.Das ist ganz normal,obwohl Sie oft der Täter ist,verzeihen wir Kinder soviel.

Ich schätze mal,das deine Trauer darin besteht ,darum zu trauern,das du dieses beschütze und liebende Kinderrecht von deiner Mutter nicht bekommen hast,so wie es eigentlich sein sollte.
Wünsche und Träume hängen nach,und vllt auch ein kleine bisschen Liebe.Trotz allem.Es ist so endgültig,was Traurig macht.
Verzeihe ihr,Sie wird es nicht besser gewusst haben.
Versuche es nach und nach abzuschließen und so hin zu nehmen ,wie es passiert ist.Wir können es leider nicht ändern.Es wird immer ein Teil von uns bleiben,und damit einen Lebensweg finden/führen,der auch seine Vor-Bestimmung hat."SO Gott will".
Andere Erklärungen oder Entschuldigungen,habe ich dafür leider auch nicht.Aber dennoch bringt es den eigenen seelischen Frieden.
Ich wünsche Ihn Dir und gerade Du hast Ihn verdient.
 
Zuletzt bearbeitet:


Man sagt zu einer beendeten Liebe:

Erst war es Liebe..
..dann war es Verzweiflung..
..dann kam der Hass und die Wut..
und,dann kam die Gleichgültigkeit.

In der Trauer,ist es nicht gleichgültig,aber wir tragen es nach dem,.. so wie es ist und war,..und Verzeihen,..auch wenn wir nicht vergessen können.
 
@ Schokoschnute
Danke für die lieben Worte, einen Teil kann ich sogar annehmen. Das mit Oma ist ein z.B. ein schöner Gedanke, das ich ihr Leid erspart habe. Das macht es ein wenig sinnvoll und erträglich.
Bei Mutter wäre ich froh wenn ich bei der Gleichgültigkeit angelangt wäre. Verzeihen will ich ihr gar nicht, das wäre für mich als wenn sie alles richtig gemacht hätte, und sie keine Schuld und Verantwortung daran tragen würde. Schokoschnute, was du mit deiner Mutter erleben musstest, tut mir in der Seele weh!!! Warum tun Eltern sowas? Ich könnte meiner Tochter nie etwas antun, obwohl ich selbst keine Vorzeigemama bin (Alkoholsucht - erst seit eineinhalb Jahren trocken, kaputte Beziehung und Trennung von ihrem Vater). Aber ich könnte ihr niemals Gewalt antun oder wissentlich zusehen. Manchmal habe ich geglaubt und mir vorgestellt, das das gar nicht meine Eltern sind, nur so konnte ich mir erklären das sie so zu mir sind.
 
Es tut mir leid, welch schweren Weg Du gehen mußtest. Das war wirklich sehr schlimm.

Verstehe ich Dich richtig, daß Du Wut gegenüber Deiner Mutter akzeptieren kannst? Aber Dich dafür verurteilen würdest, wenn Du um sie trauerst?

Aber die Tränen und die Traurigkeit sind da.

Vielleicht hilft es Dir zu differenzieren und zu erkennen, daß Du nicht um die Mutter trauerst, so wie sie zu Dir war. Sondern um die Mutter, die Sie hätte sein sollen. Wie sie vielleicht auch hätte sein wollen. Schau mal in dich hinein, ob Du das verletzte Kind findest, das um die Mutter weint, die es gebraucht hätte und nach der es sich gesehnt hat. Und die Deine Mutter nicht war.

Der Tod der Mutter, der Oma, das eigene Erwachsensein und Mutter sein bedeutet auch Abschied nehmen von der tiefen Sehnsucht und dem Grundbedürfnis bemuttert zu werden. Darum zu trauern, ist völlig legitim. Das ist nämlich ungeheuer traurig, das nicht erlebt zu haben. Sich nicht bedingungslos geliebt und vollkommen angenommen gefühlt zu haben von seiner Mutter. Über diesen Schmerz zu weinen, ist völlig ok. Und das Weinen kann sehr heilsam sein. Verurteile dich nicht, sondern schau voll Mitgefühl und Liebe auf das Kind, das Du warst und seinen großen großen Kummer.

Hinter der Wut und dem Hass und dem Nicht verzeihen können, steht der Schmerz. Der ungeheure kaum zu ertragende Schmerz des Kindes. Wut, Hass, Unversöhnlichkeit werden gezüchtet und dienen dazu, diesen ungeheuren Schmerz, diese riesige Traurigkeit nicht zu spüren. Sie decken das nicht Aushaltbare des Kindes zu.

Schau, wie stark Du jetzt bist. Was Du trotz der schweren Ausgangsposition in Deinem Leben geschafft hast, du hast dich aus der Betäubung der Sucht gelöst. Und jetzt traut Dein Inneres Dir zu, daß Du kraftvoll genug bist, einen Teil des ungeheuren Schmerzes spüren zu können und durch Tränen abfließen zu lassen. Liebe und Weine mit dem Kind, das Du warst.

Und aus dieser Liebe und Mitgefühl zu Deinem eigenen inneren Kind, liebe Deine Tochter. Liebe sie wie verrückt aus ganzem Herzen. Denn du kennst den Schmerz eines Kindes.
 
Zuletzt bearbeitet:
@bird on the wire

Ja, die Wut kann ich akzeptieren, sie ist zu einem Teil von mir geworden, nicht nur auf sie, meinen Vater genauso. Aber man trauert doch um einen geliebten Menschen, der war sie nicht, beide nicht. Ich will nicht eine einzige Träne wegen denen verlieren, das macht mich nur noch wütender. Das würde bedeuten das sie einen Platz in meinem Herzen haben, den will ich ihnen nicht geben und einräumen. Diese Wut kann ich aushalten, sie hat mich am Leben gehalten, einen Panzer geschaffen der mir guten Schutz bot. Aber diese Traurigkeit manchmal macht mich fertig. Ich liebe meine Tochter wahnsinnig, wollte immer eine gute Mama sein und hab es nicht geschafft, aber seit ich die Sucht bekämpfe hat sich unser Verhältnis gebessert, es ist umso vieles schöner geworden. Sie ist mittlerweile 24 Jahre und unterstützt mich, sie weiß das mit meinen Eltern nicht, aber wir unterhalten uns als wenn wir Schwestern wären. Das haben wir früher nie gemacht. Sie erzählt mir von ihren Freunden, ihrer Arbeit und ihren Sorgen. Das war noch vor gar nicht allzu langer Zeit undenkbar. Daran will ich festhalten und es nicht wieder versauen, denn sie bringt Freude in mein Herz. :-D Danke für deine Antwort 'bird on the wire'
 
Und trotzdem sind sie deine Eltern, ganz emotionslos kann dich deren Tod nicht lassen, egal was sie dir angetan haben. Ich finde das normal und ich finde auch du solltest dir Tränen " erlauben". Man trauert auch um die vielen verpassten Chancen, was hätte sein können, wäre deine Mutter eine richtige Mutter gewesen usw. Das unwiderbringliche zu akzeptieren, ist so mit das härtest, dem man sich im Leben stellen muss.

Genauso, kann ich dir nur zuraten, bei deiner Tochter offen und ehrlich zu sein, warum sollte sie, mit 24 jahren nicht wissen was passiert ist?
Ich verstehe, dass du die jetzt gute Beziehung zwischen euch nicht gefährden willst, dennoch könnte ein offenes Gepräch, eure Beziehung nur intensiveren und vertrauter machen, als umgekehrt, finde ich.

Lg Sanni
 
@ Sanni


Ich glaube sowas kann nur wer sagen, der nicht drin steckt. Tut mir leid, aber Sätze wie "es sind trotzdem deine Eltern" , schlimmer noch , "egal was sie getan haben" kann ich nicht hören. Daran kann ich nichts normal finden. Und was heißt überhaupt Normalität? Was ist an meiner Sicht der Dinge so falsch? Der hohe Moralanspruch der Gesellschaft? Der ach so gelobte Anstand? Nichts als Worte, alles Schall und Rauch. Meiner Tochter soll ich also alles erzählen? Die meisten Menschen sind erschüttert wenn sie mit solchen Dingen, wie sie viele Leute hier im Forum erfahren mussten, konfrontiert werden, sie wollen sich damit nicht auseinandersetzen. Im besten Fall sind sie peinlich berührt. Und da soll ich meine Tochter mit belasten, was ich bis heute nicht auf die Reihe kriege, sie im schlimmsten Fall auch noch traumatisieren? Deshalb habe ich mich für das Forum hier entschieden, um es endlich mal rauszulassen, was mir da draußen die Kehle zuschnürt. Ich bin innerlich nur am schreien, keiner kann es hören. Solche Sätze machen mich echt fertig, sorry für meine Offenheit, ich will dich nicht verletzen, vor den Kopf stoßen oder sonst etwas. Aber ich bin was ich bin, ein sehr wütender Mensch!!!
 
Moin @Nirtak,



Achtung könnte teilweise triggern!


denken, wir können ganz gut nachvollziehen und verstehen. Wir waren damals sehr irritiert, als wir Traurigkeit empfanden nach soviel Wut, die uns doch solange begleitet hatte. Wut, ja auch teilweise Hass, ausgelöst durch die schmerzvollen und schlaflosen Tage und Nächte, lange nachdem eigentlich alles schon weit zurück lag, was sie uns angetan hatten. Doch diese ständigen Flashbacks, die Schmerzen, die tage, die nicht zu Ende zu gehen schien, all dass, hatte dazu geführt ihnen nichts gutes zu wünschen.
Doch erstaunlicher Weise, war es hier diesbezüglich kurz vor ihrem Tod gerade etwas ruhiger, sie konnten und durften gehen (näheres nur nicht öffentlich). Doch als sie starben, zu unterschiedlichen Zeiten, da waren Tränen da und Trauer und wir verstanden nicht, wollten es nicht, ähnlich wie es grad hier bei dir gelesen wurde, doch es ist nicht ungewöhlich...
Mit dem Tod ist ein Mensch gegangen, ein Mensch der mit als erstes in dem Leben eines Kindes Bezugsperson war und dieses Kind war abhängig von diesem Menschen, da können wir als Erwachsenen auch nichts gegen machen, es ist abhängig, denn sein ganzes Leben hängt von diesen Menschen ab und so entwickelt sich eine Beziehung und das Kind hängt an diesen Menschen, denn was bleibt ihm anderes übrig, als diesen Menschen, als den wichtigsten in seinem Leben wahrzunehmen und es muss, weil es will leben.
Diese Bindung aber bleibt, egal, was war, dieses kleine Geschöpf hat die Bindung und es braucht diese, denn es braucht sie zu überleben.
Die Bindung bleibt auch, wenn Wut oder Hass ersetzt, was dieses kleine Geschöpf ursprünglich empfunden hat.
Nun aber ist der Verlust, vor dem sich dieses kleine Wesen immer gefürchtet hatte, es fühlt sich verlassen...

Es nützt nichts wütend zu werden, auf dieses Gefühl der Trauer, denn mit der Wut, wird es nur noch schwieriger und doch darf auch sie da sein, sie kann neben der Trauer existieren und die Trauer neben der Wut. Denn beide Gefühle haben ihre Berechtigung. Denn mit dem Tod, geht auch der letzte Funke an Hoffnung. Hoffnung, die vielleicht auch nur im tiefsten Inneren noch da ist, Hoffnung auf einen liebevollen Menschen, den es aber nicht gab.

Wir mögen nur schreiben, es ist ein Kampf gegen sein Inneres, wenn Gefühle, welche auch immer nicht sein dürfen und bekämpft werden.

Es gibt viele Gründe für die Gefühle, die da sind. Mit dem Tod, ist auch die Person gegangen, die vieles getan hat, was schmerzhaft, kaum ertragbar war und wohin nun mit der Wut, es geht mit der Person auch nicht mehr zu klären.

Was haben wir mit den ungeklärten noch nicht gesagtem, auch weil es keinen Sinn machte, mehr zu sagen, als das was wir gesagt hatten. Noch zu Lebzeiten hatten wir Briefe geschrieben, die diese Menschen erst nach ihrem Tod mitbekommen sollten oder nachgesendet und so verbrannten wir diese ein paar Tage nach der Bestattung.

Wir wünschen dir einen guten Weg für dich zu finden, um mit deinem Schmerz, der Wut und der Trauer umzugehen.

LG
Mittendurch
 
Ich möchte mich bei allen hier für die Antworten bedanken!
@Sanni
Es tut mir leid, das ich dich so angegangen bin. Ich habe bei vielen Zeilen von 'Mittendurch', in einem anderen Thema, soetwas wie Trost, Erklärung und Frieden finden können . Deshalb möchte ich dir sagen, das ich nicht mehr so wütend sein will und deine Aussagen jetzt besser annehmen kann. Verzeih mir.
Doch jetzt möchte ich das Thema hier schließen, ich will nicht mehr soviel darüber nachdenken, es kostet Kraft, zieht mich runter und macht mich eben doch traurig, auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte.
Danke euch allen!!!
LG Nirtak
 

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