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Toxische Scham überwinden?

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 128635
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Danke für deinen Beitrag. Schön, dich wieder zu lesen. Meine Therapeutin meint, dass das Verhalten meiner Mutter zB. Abwehrmechanismen sind. Ich habe selten bis nie gute Erfahrungen gemacht, wenn ich mich geöffnet habe. Auch wenn ich hier viel in der Anonymität von mir Preis gebe, sieht das in meinem Lebensumfeld ganz anders aus. Niemand weiß, wie es wirklich in mir aussieht und etwas in mir möchte das auch nicht, aus Angst vor unmittelbaren Demütigungen. Und diese gingen bisher gerade von jenen Menschen aus, die mir sehr wichtig waren.

Ich verstehe, dass du dich gerne gegenüber anderen Menschen öffnen willst. Man kann sich recht einsam fühlen sonst.

Es gibt nicht umsonst Märchen und Sagen, in denen Menschen Schweigen über ein Geheimnis versprechen und das Versprechen auch halten.

Aber irgendwann belastet es sie so, dass sie eine Möglichkeit finden müssen und sie erzählen das, was sie verschweigen müssen, zwar keinem Menschen - wie versprochen - aber graben in der einsamen Wildnis ein Loch und flüstern es hinein. Die Geschichte von König Midas enthält dieses Element. Oder sie erzählen es dem Ofenrohr. Das ist in einem Märchen so.

Hast du deine Therapeutin denn mal gefragt, welche Reaktion deiner Verwandten sie für am wahrscheinlichsten hält? Da sie dir offenbar nicht abrät, nehme ich an, dass sie dich für stark genug hält, damit umzugehen.

Aber vielleicht wäre das wahrscheinlichste Ergebnis, wenn du dich öffnest, keine neue, grössere Nähe, sondern das Gegenteil, mehr Distanz?

Wärst du bereit dazu, das in Kauf zu nehmen? Vielleicht täte dir das sogar gut, aber trotzdem erst mal sehr weh?

Ich erwarte natürlich nicht, dass du hier darauf antwortest.

Weißt du, Abwehrmechanismen spielen da wirklich eine große Rolle, glaube ich.

Niemand denkt gerne daran, dass er selbst Krankheit 'hier persönlichen Horror einsetzen' bekommen könnte. Darum schiebt man das ganz weit weg und denkt lieber, dass Kranke was falsch gemacht haben.

Und wenn es darüber hinaus noch im eigenen Leben Dinge/ gab, die sehr unerfreulich waren, ist das vermutlich noch stärker ausgeprägt.

Ich kenne deine Mutter nicht, aber vielleicht könnte das auch bei ihr der Fall gewesen sein, je nachdem, wie sie aufgewachsen ist.

Früher war der Umgang miteinander, auch die Erziehung von Kindern, sehr viel härter. Ich erinnere mich an einen Text (möglicherweise von Astrid Lindgren?). In diesem beschrieb eine Ich-Erzählerin, dass sie ihr Kind bestrafen wollte, weil es irgendwas angestellt hatte (im Folgenden aus dem Gedächtnis frei nacherzählt):

'Wobei 'wollen' es eigentlich nicht richtig trifft. Sie wollte ihr Kind eigentlich NICHT bestrafen, aber sie lebte zu einer Zeit und an einem Ort, wo es allgemeiner gesellschaftlicher Konsens war, dass man Kinder verdirbt, dass aus dem Kind nichts rechtes werden könne, dass sie auf unrechte Wege geraten, ohne Strafe.

Sie hatte also das Gefühl und den Gedanken, dass sie ihren kleinen Sohn bestrafen MUSS.

Also kündigte sie ihm Prügel als Strafe an und schickte sie ihn hinaus, dass er sich selbst eine Haselrute zum Schlagen schneiden solle (wie alle Nachbarn ringsum es auch taten und wie sie es von ihren Eltern kannte, die sie auch so gestraft hatten).

Er kam erst nach einer sehr, sehr langen Zeit zurück und als er kam, hatte er in seinen kleinen Händen keine Gerte, sondern den größten Stein, den er nur schleppen konnte.

Als seine Mutter ihn fragte, was das solle, antwortete er weinend: 'ich wollte ja erst einen dünnen Zweig schneiden. Aber dann dachte ich mir, wenn du mir weh tun willst, dann geht das mit einer dicken Gerte besser. Die waren aber so dick, dass ich sie nicht schneiden konnte. Also habe ich den größten Stein mitgebracht, den ich tragen kann.'

Seine Mutter war tief von dem Gedanken getroffen, dass ihr Sohn dachte, dass sie ihm Schmerzen zufügen will. Sie weinte auch und sie schlug ihren Sohn nicht.

Nicht an diesem Tag und auch an keinem anderen Tag. Und sie legte sich den Stein in ihr Regal, damit sie ihn immer sehen konnte.

Sie wollte diesen Tag und die Tränen ihres Sohnes und die eigenen Tränen gut in Erinnerung behalten.

Denn die Nachbarn taten weiterhin, was sie für richtig hielten und rieten ihr das gleiche wie zuvor.'

Ich weiß nicht, ob diese Geschichte wirklich auf eine wahre Begebenheit zurück geht. Aber es gibt wahre, sehr ähnliche Geschichten, die ein weniger gutes Ende nehmen, auch heute noch.

Und das schlechte Ende war vor nur etwa fünf Generationen der bei weitem häufigste Ausgang.

Was ich meine, ist: wenn du dich gegenüber einem anderen öffnest, dann wirst du verwundbar. Und nicht jede/r hat gelernt, in guter Weise mit (eigener oder fremder) Verletzlichkeit umzugehen.

Wenn jemand wirklich mit-fühlt, dann teilt er deinen Schmerz, dann tut ihm wirklich was weh. Und dann hängt seine Reaktion (auch) davon ab, wie er gelernt hat, mit seinem eigenen Schmerz umzugehen.

Es ist viel einfacher, den Schmerz weg zu schieben, als ihn zuzulassen. Dann besteht das Risiko, dass Schmerz zu Leid wird (nach Geneen Roth).

Vielleicht gibt es aber auch manchmal Schmerzen, die so groß sind, dass der Betreffende ihnen ausweichen MUSS, um erst mal weiter zu leben und halbwegs zu funktionieren. Und dann haben die Betroffenen vielleicht weder Kraft noch Willen, ihren Schmerz von fremdem Schmerzen 'wecken' zu lassen, weil das die eigenen Schutzmauern zum Einsturz bringen würde..

Alles sehr spekulativ von mir und hoffentlich nicht völlig unverständlich.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg!

Du wirst mich hier nicht mehr lesen. Leider gelingt es mir nicht, hier ein gutes Maß für das Schreiben und Lesen zu finden. Wenn ich hier schreibe, dann immer zu viel.

Dir, den Moderatoren und den anderen Usern hier ein Danke und ein 'Macht's Gut' auf den Weg!
 
Ich möchte auch gar keine Nähe zur Familie. Nein, das auf keinen Fall. Im Grunde möchte ich sie einfach nur informiert wissen, damit sie mir am Ende nicht vorwerfen können, warum hast du nichts gesagt. Aber genau das gelingt mir nicht, weil ich da irgendwie blockiert bin. Wahrscheinlich schreibe ich einfach nur einen kurzen Brief mit den Fakten. Ich glaube anders geht es nicht.
 

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