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Tod eines Freundes

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Gast

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Guten Tag,

meine Geschichte ist etwas - seltsam würde ich sagen. Dies ist auch der Grund warum ich mich niemandem, oder kaum, jemanden mitteilen kann.
Wenn ich hier einfach mal ein offenes Ohr fände wäre das total hilfreich für mich ! Vielen lieben Dank schon mal im Voraus! 🙂

Mich bewegt etwas was schon vor Jahren passiert ist, natürlich, das spielt keine Rolle wie lange es her ist... Aber DAS es mich noch bewegt/tangiert (triggert?) das, gelinde gesagt, nervt mich, beraubt mich meiner Lebensfreude..
Und was es ist weiß ich bis heute noch nicht, nun gut, ich fange einfach mal an.
Vor vielen Jahren (Es war einmal..) lernte ich in einem anderen Forum einen jungen Mann kennen. Er war jung, knackisch, sah gut aus.. Neinnein, nichts von dem! 😉
Ich wusste ja nicht mal wie er aussah!
Aber seine Beiträge berührten mich so sehr dass ich – ohne darüber nachzudenken – ein Gedicht für ihn schrieb! (aber nur für mich) Gut, prosaisch ausgedrückt: Er berührte wohl meine Seele ? denn so was kannte ich an mir nicht.
Wir selber hatten keinen oder kaum Kontakt, und wenn nur sporadisch. Er inspirierte mich einfach.
Dann wurde er nicht mehr gesehen, jahrelang, war weg aus dem Forum..

Jahre später, nämlich 2003, als ich zu einem (Forums-)Treffen ging dachte ich ich guck nicht richtig – sitzt er da einfach mit rum!
Ähm, im Laufe des Abends irgendwie auch plötzlich neben mir, wir hatten viel gelacht und es war ein toller Abend gewesen! 🙂 Ich weiß noch dass ich mich umdrehte zu ihm als ich zur Tür rausging und er sah mir nach und lächelte! 🙂
Das war unsere einzigste und auch letzte (Live) Begegnung gewesen und ich hatte dann auch nichts, oder kaum von ihm gehört oder gelesen, nur über Dritte.

Wiederum Jahre später, nämlich 2005 war er auf einmal wieder in meinem Stammforum gewesen, er tauchte wieder auf, einfach so. Und ich – schrieb ihn an, weil ich mich so gefreut hatte über diese Überraschung! Er freute sich auch – er war nun Single und erzählte mir viel aus seinem Leben. Was soll ich sagen wir entwickelten eine richtige echte Brief-Freundschaft. Er schrieb mir und ich ihm, es ging immer hin und her, wir stürzten uns auf unsere emails/Briefe wie auf Geschenkpackungen – wie er mal sagte! 🙂
Die ganze Zeit über dachte ich mir nichts dabei. Ich lebte ja in einer Beziehung, und dies war „nur“ Freundschaft mit meinem Brieffreund, so redete ich mir ein...
Lags an meiner (damals) verkorksten Beziehung, an den vielen Briefen, an ihm? Ich weiß es nicht, jedenfalls, eines Morgens, kurz bevor ich ihm schreiben wollte und mich auch total darauf freute, setzte ich einen Hut auf, zog ihn mir über die Augen und da wusste ich es! Ich wusste dass es Liebe ist. Es war ein komischer Moment gewesen in diesem Augenblick, so mit geschlossenen Augen unter der Hutkrempe, aber ich wusste es jetzt! Ein Moment der mir in Erinnerung geblieben ist und den ich nie niemals vergessen werde, denn er ist alles was ich bin, was mich ausmacht und das was mich jetzt noch beschäftigt.
Ich liebe ihn.
Damals schrieb ich es ihm, und zwar sofort. Und er antwortete mir, schrieb mir zurück er würde mich auch lieben.
Tja und da war es geschehen. Das Schicksal nahm seinen Lauf, wir überhäuften uns mit Liebesschwüren, telefonierten auch ab und an. Er dichtete für mich, es war als hätten wir etwas losgetreten was kein Anfang und kein Ende nahm..
Schließlich, auch nach Diskussionen warum ich nicht zu ihm kommen würde, beendete er die ganze Sache, schriftlich, natürlich! Ich hatte es nicht gewagt meinem damaligen Partner in die Augen zu sehen und ihm meine Gefühlslage rüberzubringen. Das war mein erstes Versagen gewesen!
Danach war alles aus! Mit ihm hatte ich keinen Kontakt mehr, ich kämpfte auch nicht um ihn, weil ich dachte würde er mich wirklich lieben hätte er den Kontakt nicht einfach abgebrochen, hätte erst mal abgewartet, geschaut, unserer neuen Liebe eine Chance gegeben...
Was ich damals nicht wusste, nein nicht so direkt ist: Er war psychisch krank gewesen. Er litt unter Depressionen und war medikamentös eingestellt deswegen. In seinen Briefen kam das nicht so rüber. Er wollte für mich „toll“ sein, er versteckte seine Ängste, aber er erzählte mir viel, von seiner Familie, seiner Vergangenheit, seiner Schwester, die Selbstmord begangen hatte und wie sehr er noch immer darunter litt. Ich sog jedes Wort auf, ich tröstete ihn, versuchte zu trösten, holte mir selber auch Rat bei ihm. Wir waren wie man so sagt ein Herz und eine Seele gewesen.
Heute bin ich traurig, immer noch!
Trotz dem Kontaktabbruch im Jahr 2005 begann der 2006 wieder aufzuleben. Ich rief ihn einfach an! Ich hatte einen Durchhänger gehabt, meine Trennung bereitete mir Kopfschmerzen, natürlich, und ich wusste nicht an wen ich mich wenden sollte. Er hatte sich auch offensichtlich gefreut über meinen Anruf! Aber er – schrieb mir später mal er hätte Angst gehabt. Er hatte sich nicht zwischen mir und meinen Ex drängeln wollen. Ich denke er hatte einfach Angst und er meldete sich nicht mehr bei mir.

Noch im selben Jahr (August 2006) traf ich einen ehemaligen Freund wieder und wir verliebten uns. Ein Jahr später, also 2007, bin ich zu ihm gezogen. Ich brauche einfach eine stabile Beziehung.
Aber komischerweise, da auch meldete sich Er wieder per email, wie es mir so ginge, blablah. Ich war jetzt wieder in festen Händen und verklickerte ihm das auch. Ich sagte mir ginge es gut, aus und fertig! Er schrieb daraufhin dass er mich nicht mehr missen wolle mich und unseren Briefkontakt, dass er jetzt wirklich nur Freund sein wolle für mich, mehr nicht. Ich ließ mich zögerlich darauf ein und von da an hatten wir zwar sporadischen aber auch wieder regelmäßigen Briefkontakt, erzählten uns von unseren Problemchen. Ja mir fiel schon auf dass seine Briefe so positiv waren. Er hätte jetzt sein Leben im Griff und überhaupt, er würde keine Medikamente mehr brauchen, auch beruflich ginge es voran! Er würde an einem Projekt mitarbeiten wo es ums Filmemachen ging, auch ich käme darin vor, natürlich nur künstlerisch verpackt. Kurz - Er schrieb es wäre alles Bestens.
Mir kam das komisch vor. Und dann spürte ich auch dass mit der angeblichen Freundschaft ich weiß nicht, ich spürte halt dass er mehr wollte und ich zog mich zurück. Ich schrieb ihm kaum noch.
Nach einem halben Jahr (Sommer 2009) schickte er mir eine email mit den Worten: „Ich mag Dich nicht mehr!“
Ich war geschockt, rief ihn einfach an! Seine Stimme klang hart, auch was er mir erzählte, er hätte einen Herzinfarkt Dank seiner toten Schwester überstanden, klang für mich fremd! Er war nicht mehr der den ich mal kannte (und liebte). Wir verblieben aber so dass wir in Kontakt bleiben wollten, aber nur noch per SMS. Ich weiß noch wie mir ne Simse schrieb: "Okay, in diesem Leben keine emails mehr mit Dir!". Aber er bombardierte mich dann mit SMSns, so komischen SAchen, wieder Verschwörungstheorien und da bekam ich Angst vor ihm und brach den Kontakt, auch gegen sein Betteln total ab!
Was ich nicht wusste, durch die (freiwillige) Medikamentenabsetzung hatte er einen Schub bekommen. Er fühlte sich von einer Sekte bedroht und verfolgt. (Silvester 2009) Was mir Kopfschmerzen und Schuldgefühle macht ist die freiwillige Medikamentenabsetzung! Weil er sagte mal er hätte das nur wegen mir getan, es tut mir so leid!!!!

Im November 2010, einen Tag vor meinem Geburtstag (auf Geburtstage hatte er immer Wert gelegt, zu gratulieren und so, allerdings hatte er bei mir oft das Datum verwechselt) hat er sich durch Selbstverletzung das Leben genommen.
Seitdem ist nichts mehr so wie es war!
Ich kann mit niemandem darüber reden. Nicht mit Freunden, meinem Freund schon gar nicht, nicht mit seiner Familie. Seine eine noch verbliebene Schwester hatte sich bei mir gemeldet. Wir hatten versucht uns gegenseitig zu trösten, aber ich fürchte für sie war es zu schwer alles. Wahrscheinlich ist sie jetzt in Therapie.

Warum mache ich mir Vorwürfe ich hätte ihm nicht geholfen?
Warum warum kann ich ihn nicht loslassen?
Warum kann ich wenn ich einen Hut sehe nicht aufhören an ihn zu denken?
Es gibt Tage da bin ich so verzweifelt! Ich kann auch mit niemandem darüber reden. Es gibt Tage da geht es mir gut. Ich war bei einer Therapeutin, aber ich hab Hemmungen ihr davon zu erzählen. Wo sollte ich auch anfangen? Ich weiß ja nicht mal warum es mir so schlecht dabei geht. 2009 ist meine Mutter gestorben. Ich war sehr aufgewühlt gewesen.
Aber der Tod von meinem Freund (Brieffreund) hat mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen! Verstehe das einer. Ich nicht! Ich dachte es hätte eher umgekehrt sein müssen? Ich verstehe mich selbst und meine Gefühlslage nicht. Meine Lebensfreude ist so gedämpft, weil all das passiert ist. Und ich denke ich hätte ihm helfen müssen, auch können! Ich weiß dass ich von dieser Denke loskommen muss, aber ich weiß nicht wie. Bin ich denn irgendwie verkorkst? Und wenn ja , wie?
Danke fürs Zuhören!

LG Gast
 
solltest du nicht sauer auf ihn sein?
-das gewaehlte datum, dass er nicht geredet hat, kein abschied, die hervorgerufenen schuldgefuehle..
nicht dass du was haettest machen koennen, selbstmoerder haelst man nicht auf, egal
was du denkst. die die hilfe wollen kuendigen das an..
suizid ist immer ein stueck egoismus.
es wird langsam zeit, dass du es hinter dir laesst.. und besonders ihn. er hat auch nicht
darueber gedacht wie du dich dabei fuehlst wirst..
machst dich unnoetig kaputt.. ok 😉
 
Hallo JamesDK,

ich danke Dir sehr für Deine Antwort!!!
Ehrlich gesagt hatte ich Angst vor der Antwort, deshalb poste ich erst jetzt, sorry!

solltest du nicht sauer auf ihn sein?
Ganz diffus schwebte dieser Gedanke bisher auch mal in meinem Hinterkopf, aber dann verwarf ich ihn sofort wieder.
Das Thema "Schuldgefühle" ist wohl generell ein Thema bei mir, also ja - eine Freundin wies mich ganz sachte darauf hin, hatte mir auch dieses Forum hier empfohlen.
Es tat gut einfach mal alles aufzuschreiben, weil im "wirklichen Leben" kann ich einfach nicht in Worte fassen wie es mir geht - davon abgesehen wie soll ich was erklären was ich selber nicht verstehe - und dann, nunja braucht es ja auch einen geduldigen Zuhörer, der im Alltag nicht soooooooo leicht zu finden ist, auch eine Offenheit meinerseits natürlich.

suizid ist immer ein stueck egoismus.
Ja was. Aber es ist soooo schwer das zu erkennen, ich mag mir nicht vorstellen wie es Angehörigen in so einer Situation geht, wie sie es schaffen "loszulassen" - es ist einfach ein sehr sehr schwerer Prozess weil man sich ständig hinterfragt, seine Entscheidungen anzweifelt. Du hast mir schon ein Stück geholfen, allmählich klarer zu sehen, wird ja auch langsam Zeit. ;-)
Ich danke Dir sehr für Deine Gedanken!

Viele herzliche Grüße,
Gast
 

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