Ich habe jüngst in einem anderen Thread geschrieben, daß ich Singlebörsen grundsätzlich eine schöne Sache finde, gerade für die Schüchternen von uns und diejenigen, die sich schwer damit tun, andere Leute kennenzulernen. Ich würde mich zu beiden Gruppen zählen.
Es kommt allerdings eindeutig auf die Singlebörse an. Tinder schätze ich ähnlich wie Lovoo ein. Auf letzterer Seite habe ich mich kürzlich angemeldet. Dort kann man lediglich einen knappen Kommentar über sich hinterlassen und muß dann schon mit Profil-Likes arbeiten und/oder private Nachrichten schreiben. Das ist nichts für mich, wie ich festgestellt habe. Ich möchte mein Gegenüber nicht nur anhand eines Bildes beurteilen, sondern schon ein paar Informationen erhalten, bevor ich mit der Frau in Kontakt trete. Deshalb bevorzuge ich auch andere Singlebörsen wie etwa Finya, auf denen man eine Selbstbeschreibung anlegen und 100 Fragen beantworten kann.
Dennoch verstehe ich deine Frustration, Rainbow_Lotus. Mir geht es ähnlich. William H. Macy sagte einmal in dem tollen "Magnolia": "Ich habe so viel Liebe zu geben." Und das würde ich auch von mir behaupten. Bei meinem letzten Date hätte ich stundenlang nichts anderes machen wollen, als mit ihr schweigend im Park zu stehen und Arm in Arm zu kuscheln. Da würde ich mir wünschen, daß meine zurückhaltende und ehrliche Art öfter ankommen und nicht gleich als langweilig eingestuft werden würde. Hinzu kommt, daß ich zwar lieb aussehe, aber nicht attraktiv bin, und damit muß ich einfach leben (mache ich auch, weshalb ich meine riesige schiefe Nase auch gern mal mit einem Spruch selbst auf die Schippe nehme). Da habe ich gegen all die Strahlemänner nicht die besten Chancen. 😉
Aber - ja, jetzt kommt das große "Aber" - es gibt Frauen, die auch diese Art Mann suchen. Es sind fürwahr nicht viele, aber es haben sich doch Treffen entwickelt, in denen wir uns spontan mehr als nur sympathisch waren. Es scheiterte bislang letztlich an unterschiedlichen Dingen, sei es, daß sie nach zwei, drei Wochen Nachdenken für sich feststellte, daß es doch nicht richtige Liebe ist, sei es, daß wir beide uns zu sehr mit unserer Unsicherheit angesteckt haben (mir selbst stand tatsächlich kürzlich der Gedanke im Weg, daß ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen es kaum glauben konnte, daß sich tatsächlich ein so toller, intelligenter und hübscher Mensch in mich verlieben könnte).
Dennoch zeigen zwei meiner besten Freunde, daß es funktionieren kann: Meine beste Freundin ist schnell auf einer Singlebörse fündig geworden und seit nunmehr zehn Jahren mit ihrem Liebsten zusammen. Mein bester Kumpel hat es zwei, drei Jahre erst über Plattformen wie Finya probiert, um dann zu Lovoo zu wechseln - durchaus mit der Ambition, die passende Partnerin zu finden, aber auch einer Bettgeschichte nicht abgeneigt. Auf die Art hat er einige Frauen kennengelernt, zahlreiche Dates gehabt und vor einigen Monaten eine Frau kennengelernt, die es eigentlich langsam angehen lassen wollte und dann doch ziemlich schnell dahingeschmolzen ist. Seitdem sind die beiden ein Paar.
Ich würde mir öfter wünschen, in der Hinsicht ein bißchen mehr wie mein Kumpel zu sein, der nach dem Motto "Mit der hat's nicht geklappt? Pah, die Nächste kommt bestimmt" verfährt. Ich bin sehr schnell sehr lange erst einmal eingeschüchtert, wenn ich eine Enttäuschung erlebt habe. Da kann es dann auch mal sein, daß ich monatelang meine Aktivitäten auf Singlebörsen einschlafen lasse.
Um aber zur Eingangsfrage zurückzukommen: Tinder ist sicherlich für eine ernsthafte Beziehung zweifelhaft, aber möglich, wie mein Kumpel aktuell zeigt. Und: Singlebörsen sind nicht gleich Singlebörsen.