Das problem ist aber, gibt man diese difizite an, ist man auch nei den Singlebörsen durch.
Leider wahr...
Gerade im Internet, wo jeder Körper- und Augenkontakt wegfällt, legen die Menschen in Kontaktbörsen einen unwahrscheinlichen Wert auf den äußeren Eindruck- dabei ist eben der so unglaublich manipulierbar.
Es ist ja bereits im realen Umgang nicht weiter schwer, sich zumindest einige Wochen lang von einer Seite zu präsentieren, die von der Wahrheit arg abweicht.
Nicht umsonst scheitern die meisten Beziehungen bereits an der 2-Monats-Hürde...
Im Internet, wo man nur das von sich preisgeben oder präsentieren muss, was man explizit will, wo Wahrheit ein relativer Begriff ist, und wo jeder selbst bestimmen kann, wann und in welchen Abständen man in Erscheinung treten möchte, muss man schon viel Glück haben, auf einen Menschen zu treffen, der diese Möglichkeit nicht bewusst zu seinem Vorteil nutzt.
Andererseits verhält es sich genau so, wie du gesagt hast:
Von Anfang an zu den eigenen Schwächen und Defiziten zu stehen, ist fast ein Ausschluss-Kriterium per se. Da hilft es auch nichts, offen zu betonen, dass Ehrlichkeit die einzige solide Basis für eine potentielle Partnerschaft ist, und dass man eben nicht nur aus den erwähnten Negativen besteht, sondern auch sehr viel zu geben hat, dass man sich aber wünscht, eine Bekanntschaft auf dem Grund zu beginnen, und erst im weiteren Verlauf, und gemeinsam, die Besonderheiten und Schönheiten des jeweiligen Gesprächspartners ergründen möchte, anstatt umgekehrt...
Ich kann diesbezüglich natürlich nur aus einer männlichen Perspektive sprechen, aber es macht mich traurig, wie viele Frauen Besonderheit verschmähen und sich bewusst ins Unglück stürzen, anstatt sich die langfristig so viel sinnvollere und erfolgsversprechendere, und damit erfüllendere Mühe zu machen, einem Menschen, der so ehrlich und natürlich vor sie tritt, eine aufrichtige Chance zu geben...
Dann kommt es eben auch schnell zu Beiträgen, wie man sie in Foren wie diesem immer wieder liest:
Frauen, die sich in Männer verlieben, die sich mit der Zeit "verändern", bzw. als Personen herausstellen, die man niemals erwartet hätte, und unglücklich und verzweifelt mit ihrer Partnerschaft sind.
Zuweilen erhält man tatsächlich den Eindruck, dass Frauen ihr eigenes Unglück suchen, und immer und immer wieder auf das selbe Beute-Schema hereinfallen, dass sich dabei doch schon oft als fatal erwiesen hat.
Generell beobachte ich die Tendenz, dass "spannende", interessante und aufregende Männer als wesentlich attraktiver wahrgenommen werden, als "langweilige" Männer, wobei ich diesen letzteren Terminus unfair finde.
Als "langweilig" gilt ein Mann heutzutage ja bereits schon dann, wenn er ein ruhiges, unscheinbares Leben, ohne Krisen und Extreme führt.
Es scheint, als habe Spaß und das Gefühl, am Leben zu sein, in weiten Teilen der Gesellschaft die Liebe als das höchste, anzustrebende Gut in einer Beziehung abgelöst, auch wenn niemand dies so ehrlich thematisiert, sondern eher in der Form:
"Er schadet mir, aber ich liebe ihn...".
Ich möchte mich selbst als Beispiel anführen:
In meiner Jugend war ich ein Frauenheld. Ich habe gesoffen, geklaut, geprügelt. War respektlos, rebellisch, wild und extrem. Und ich hatte immer eine Freundin. Über Jahre hinweg bin ich von einer Frau zur nächsten gesprungen, war nie alleine. Es war so einfach: Ich habe schnell erkannt, wie ein Mensch tickt, und habe mein Verhalten entsprechend angepasst, habe mich jedem Menschen genau so präsentiert, wie er es sich insgeheim gewünscht hat. Zu dieser Zeit hatte ich keine eigene Persönlichkeit, sondern nur eine große Auswahl an Masken, die ich nach Bedarf an- und abgelegt habe. Viel erbärmlicher, dass muss ich selbst aus meiner heutigen Perspektive zugeben, kann ein Mensch nicht werden.
Was sagt es aber nun erst über die Menschheit aus, dass ich gerade als dieses personelle Häufchen Elend so viel Anklang bei Frauen und Männern gefunden habe...
Ab einem gewissen Zeitpunkt habe ich mir sogar einen Spaß daraus gemacht, Frauen zu erobern, die mir die kalte Schulter gezeigt haben, die mich spüren lassen wollten, wie sehr sich mich verachten, nur um sich kurz darauf Hals-über-Kopf in mich zu verlieben. Nicht für lange. Ich war zu kaputt, um die Fassade lange aufrecht zu erhalten. Es hat für mich aber auch gar keine Rolle gespielt. Warum soll man sich um etwas bemühen, was man so leicht haben kann...
Heute, viele Jahre später, habe ich einen ganz bewussten, radikalen Wandel vollzogen:
Ich habe hart an mir gearbeitet, und meine alte Persönlichkeit weit hinter mir gelassen, bemühe mich sehr, mir meinem Platz in der Gesellschaft zu verdienen, ein ruhiges, gleichmäßiges und sinnvolles Leben zu führen, und jedem Menschen mit Respekt und Achtung zu begegnen.
In einer Beziehung erwarte ich viel, gebe aber auch viel, denn nur so hat man, meiner Meinung nach, die realistische Chance auf lebenslanges Glück, und bin generell ein liebevoller und treuer Partner.
Das eigentlich ironische dabei ist, dass ich seitdem keinen Erfolg mehr bei Frauen habe.
In der Kennenlern-Phase machen sie mir die Hölle meiner Vergangenheit, die ich von Anfang an offen thematisiere, da sie ja früher oder später ohnehin zum Thema wird, insofern zum Vorwurf, als sie automatisch davon ausgehen, dass ein kaputter Hintergrund eine kaputte Psyche bedingt, und entfernen sich darufhin schnell wieder von mir, ohne sich überhaupt die Mühe machen zu wollen, den tatsächlichen Menschen in mir zu ergründen.
Kommt es doch einmal zu einer Beziehung, bin ich meinen Partnerinnen zu langweilig, das Leben ohne ständige Beziehungskrisen und emotionale Fieberkurven ist ihnen auf Dauer zu wenig. Irgendwann verlieben sie sich dann in einen anderen Mann, und merken, dass genau dieses Adrenalin ihnen gefehlt hat... und werfen mich weg wie einen alten Lappen...
Vielleicht liege ich mit meiner Wahrnehmung aber auch ganz falsch, und mache lediglich den selben Fehler, den ich bei anderen so oft beobachte, und suche mir selbst auch immer die falschen (potentiellen und späteren) Partnerinnen aus.
Ich bemühe mich zwar, den Wert und die Persönlichkeit eines Menschen über das Äußere zu stellen, und mich nur auf freundliche, herzliche und verständnisvolle Menschen einzulassen...
Aber vielleicht würden es Menschen, die mich dabei beobachten, auch ganz anders einschätzen...
Diese Möglichkeit muss ich natürlich immer in Betracht ziehen.
Bitte versteht meine Gedanken daher als das, als was sie gemeint sind: Als subjektiv...
Entschuldigt, dass ich mich da jetzt so reingesteigert habe... :blume:
Das ist ein schwieriges und schmerzhaftes Thema für mich, und ich leide unter dem Zustand unserer Gesellschaft...
Liebe Grüße