Sie hat mir mitgeteilt, dass Licht Hornissen anzieht, und somit entscheide ich jetzt, ob ich im Dunkeln da liege, oder das Fenster zu mache.
Deswegen bringen viele Leute für den Sommer Fliegengitter an. Dann kann man lüften ohne daß Getier reinkommt.
A propos seltene Tiere, vorletzten Sonntag habe ich einen "Müller" gefunden.
An den offenen U-Bahn-Stationen in der Stadt locken die Lichter nachts viele Tiere an, Käfer prallen gegen die Lampen, fallen auf den Rücken und kommen dann oft nicht mehr hoch, und dann liegen sie auf den Bahnsteigen bis sie vertrocknen, von achtlosen Menschen zertreten werden oder einer Kehrmaschine zum Opfer fallen.
Bei uns sind das meistens Brachkäfer, die gibt es in Mengen, nur selten mal ein Maikäfer, ein paar Nashornkäfer habe ich schon gefunden, und neulich eben den "Müller".
Der auf den ersten Blick aussieht wie ein Mutanten-Maikäfer, größer, dunkler und mit zahlreichen hellen Flecken, als wäre er mit Mehl besprenkelt worden, daher der Name, und mit so großen Fühlern (beim Männchen) daß sie schwer herunterhängen wie lustige schwarze Bunny-Öhrchen. Auf Wiki findet man ihn unter anderem Namen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Walker_(K%C3%A4fer) weil er angeblich Geräusche macht, die an eine altmodische Walkmaschine erinnern.
Meiner war zwar lebendig, aber faul und verschlafen (hab ihn am hellichten Tag aufgegriffen, da schläft jeder anständige Müller, die meisten Arten von Blatthornkäfern sind dämmerungsaktiv, wenn ihre zwei Hauptfeinde, Vögel und Fledermäuse, nicht mehr oder noch nicht aktiv sind) und wollte nicht walken, schade. Während ich noch gegoogelt habe, was für ein Vieh das überhaupt ist, wurde er aber munter und krabbelig und ist dann abgeschwirrt.
Früher soll es so viele Müller im Stadtbereich gegeben haben, daß sie sogar Nürnberger Maikäfer genannt wurden, denn sie ernähren sich als Engerlinge, also Larven die 4 Jahre bis zum fertigen Käfer brauchen, je nach Quelle entweder von verrottenden Kiefernnadeln oder den Wurzeln von Silbergras, einer Pionierpflanze, beides gibt es auf den sandigen Böden Frankens häufig. Deswegen wurden sie selbst in früheren Massenvermehrungen nie zu Schädlingen, sie fressen nichts was dem Menschen am Herzen liegt. Heute allerdings stehen sie auf der roten Liste der aussterbenden Arten.