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Gelöscht 71014
Gast
Ich hatte auch einmal ein sehr merkwürdiges Vorstellungsgespräch.
2018/2019 war ich in einem Kurs, den die Arbeitsagentur leitete. Eines Tages sagte man mir, eine Gärtnerei würde eine Sekretärin suchen, ich solle zum Vorstellungsgespräch kommen.
Der Chef und die Chefin dieser Gärtnerei seien jeden Tag auf Wochenmärkten (es war Herbst) unterwegs, ich solle also in eine andere Stadt (mit dem Bus über eine Stunde Fahrzeit) fahren und sie dort um 13.00 Uhr auf dem Markt treffen. Das allein war schon ulkig.
Ich fuhr nun in diese Stadt, gehe auf den Markt und stelle mich dem Chef vor. Dieser meinte seine Schwester, die zweite Chefin ist, wäre noch nicht da und ich solle irgendwo in der Nähe warten.
Ich habe bis nach 14.00 Uhr dort gestanden, es war kalt und regnete leicht. Ich wäre am liebsten gegangen. Als dann endlich die Chefin kam, standen wir mitten auf dem Markt, die beiden blätterten in meinen Bewerbungsunterlagen und der Chef wurde noch unverschämt, unterstellte mir mehrere Dinge, z.B. dass ich mein Zeugnis von der IHK doch wohl selber gedruckt hätte, weil ich einen Notendurchschnitt von 1,1 aufwies.
Am Ende wollten sie jemand, der nur 2 Stunden täglich im Büro hilft und den Rest der Arbeitszeit auf dem Feld und im Gewächshaus schuftet. Der Chef schaute mich dann an und meinte, ich sehe ja kräftig genug aus für schwere Arbeiten.
Ich habe mich verabschiedet und dem Kursleiter nebst Chef der Gärtnerei am nächsten Tag mitgeteilt, dass ich dort ganz bestimmt nicht anfangen werde. Fand ich damals sehr frech und merkwürdig das Ganze.
Schon Wahnsinn, wie mit den Bewerbern umgegangen wird. Frech finde ich hier noch untertrieben.
Da wir grade dabei sind, ich hatte vor 20 Jahren auch mal ein Vorstellungsgespräch, welches ich als frech und äußerst dubios empfunden habe.
Es war für einen Nebenjob, ausgeschrieben als verwaltende Tätigkeit einer Spendeneinrichtung. Ich kam dahin, das Büro war dunkel und klein, das schöne Bürogebäude, in das ich hinein ging entpuppte sich als reiner Durchgang zum potentiellen Arbeitgeber.
Ich klopfte an, wurde schroff mit JA hineingebeten- vor mir saß eine Frau, die mir weder Aufmerksamkeit zu Teil kommen ließ noch mir die Hand zur Begrüßung reichte. Sie sah mich nicht mal an, zeigte nur mit dem Finger auf den Stuhl auf den ich mich setzen sollte, während sie auf ihren Computerbildschirm starrte.
Bewerbungsmappe hatte ich ihr schon vorher zugeschickt - ich nahm ja an, dass sie sie mal angeschaut hätte... hatte sie nicht. Ich musste meinen Lebenslauf (gut, der war damals nicht soooo lang) mündlich wiedergeben. Sie unterbrach mich nach ca 1 Minute schon damit, dass sie das nicht interessierte. Die Aufgabe wäre es, Spenden "einzutreiben" zur ein Warnwestenprojekt für Grundschüler. Das "eintreiben" betonte sie hart, es gäbe Vorgaben, und falls ich die nicht erreiche sollte würde sie beim Arbeitsamt Bescheid sagen, dass ich mich nicht anstrengen würde, und dann bekäme ich kein ALG mehr.
Auf meinen Einwurf, ich wäre nicht arbeitslos, was ich erzählte UND was auch aus meiner Bewerbungsmappe hervorging, wurde nicht reagiert.
Ich fragte nach, warum dann etwas anderes in der Stellenbeschreibung gestanden hätte. Das müsse so sein, sonst würde das Amt keine Arbeitslosen wie mich herschicken, weil die ja alle nicht richtig arbeiten wöllten
Ich wieder: Aber ich bin ja nicht arbeitslos... (wurde wieder überhört)
Fester Stundenlohn gab es im übrigen nicht, wer Spender eintreibt bekam eine Pauschale, 5-10DM (genau weiß ich es gar nicht mehr, auf jeden Fall war es SEHR wenig)
Ich ließ mich von der Frau noch ein paar Minuten belehren, wie faul "wir" Arbeitslosen denn wären, uns gehöre Zwangsarbeit aufgedrückt, man würde HIER das arbeiten schon lernen usw.
Die ganze Zeit schaute sie mich nicht einmal an. Der erneute Einwurf, ich wäre nicht arbeitslos - verhallte im nichts.
Ich zog dann meine Bewerbung, fast schon beledigt, zurück, was sie mit " Wie ist der Name ihres Sachbearbeiters, ich rufe da JETZT an und dann werden Sie sehen was sie davon haben" kommentierte.
Ich wieder: "Aber ich bin doch nicht arbeits... ach egal."
Tür zu, nix wie raus.
Hätte ich damals das Mindset von heute wäre ich direkt zur Polizei gegangen und hätte die Dame angezeigt. Vielleicht hätte ich ihr auch einfach eine Ohrfeige gegeben, dann hätte sie mich wenigstens mal angeschaut.
Stattdessen bin ich nach Hause zu meinem Freund gegangen und hab ihm das erzählt.
Ein paar Jahre später ist dieses illegale "Call-Center" dann auch behördlich geschlossen worden. Die Dame hat natürlich nie Geld weitergeleitet an die Stellen, wofür man Spender finden sollte.