Hallo nightrains,
erstmal – gerne geschehen. Es ist gut dass du endlich einen Termin für ein Erstgespräch bekommen hast. Geh auf jeden Fall hin! Wenn man dir eine Therapie empfiehlt – dann solltest du eine solche in Erwägung ziehen und durchziehen. Wie schon erwähnt, alleine kann man so ein Traumata selten verarbeiten.
Betreffend des Bromezepan, ich weiß ja nicht welche Stärke/Dosis du täglich nimmst. Ich habe damals Lexatonil 3mg (Inhalt ist ebenfalls Bromezepan) verschrieben bekommen und täglich ¼ - ¼ - 1 eingenommen. Nach ca. 2-3 Wochen wurde das dann immer weiter runterreduziert - gewissermaßen ausschleichen.
Auch ich hatte Zeiten/Tage an dem der Gedanke an Alkohol sehr verlockend war. Und ja es ist dann auch passiert dass ich mir quasi die Kante gegeben habe. Gebracht hat es schlussendlich nichts, außer dass ich mich am nächsten Tag zusätzlich noch physisch mies gefühlt habe! Ich denke also das du einfach vergessen wolltest – nicht mehr denken und fühlen, alles vergessen wolltest und der Alkohol in dieser Stunde als Krücke gedient hat. Wie du selber gemerkt hast ist der Schuss aber nach hinten losgegangen.
Natürlich könnte man deine Überlegungen von dort wegzugehen mit Flucht vor der Wirklichkeit assoziieren. Ich habe es nicht erwähnt, aber genau das habe ich damals gemacht. Ich habe damals begonnen zu chatten und dadurch einen Mann kennengelernt. Was soll ich dir sagen, im September beging mein Mann Suizid, Mitte Oktober lernte ich den Mann kennen und Ende Dezember bin ich zu ihm nach Bayern übersiedelt – rückblickend sollte ich aber korrekterweise sagen nicht übersiedelt sondern vor meinem Leben geflüchtet. Mir kam nicht mal der Gedanke „Wie es meinem Kind geht. Wie sie das alles verkraftet?!“ Damals habe ich dichtgemacht und war zu keinem rationalen Gedanken mehr fähig. Vielleicht verstehst du wenn ich schreibe dieser Suizid hat mich regelrecht aus meinem Orbit geschleudert, ich war in einer emotionalen Ausnahmesituation.
Dieses dichtmachen und nichtakzeptieren hat sich aber nach ca. 2 Jahren gerächt. Ich fiel in ein tiefes emotionales Loch und musste Psychologische Hilfe in Anspruch nehmen – ansonsten wäre ich vermutlich, wie man so schön sagt, vor die Hunde gegangen. Seiner Vergangenheit kann man nicht davonlaufen. Man muss sich den Dingen stellen, nur so hat man die Chance auf einen Neubeginn. Aber dieser Lernprozess war hart und hat seine Zeit gebraucht bis ich das verstanden habe.
Du schreibst dass du leider noch immer Arbeitslos bist. Da ist ein Wegzug durchaus überlegenswert. Ich weiß ja nicht was dir dabei vorschwebt – wo du hin willst. Aber vielleicht findest du dort dann leichter einen Job. Was dir insofern weiterhelfen kann das du neue Perspektiven bekommst und wieder unter Menschen kommst.
Diese Angst von der du schreibst, dem zusammenzucken beim kleinsten Geräusch ist nachvollziehbar. Du bist jetzt alleine in eurer Wohnung und irgendwie ist da vermutlich der kleine Hoffnungsschimmer, das alles ein böser Traum war und deine Lebenspartnerin plötzlich wieder durch die Türe kommt. In dir leben derzeit quasi zwei Seelen – du weißt dass das Geschehene Fakt und nicht mehr zu ändern ist, bist aber noch nicht bereit es auch 100% zu akzeptieren. Bis du das kannst braucht es einfach seine Zeit und die Unterstützung eines guten Therapeuten.
Wie du lesen konntest sind sehr viele Punkte die du beschrieben hast von mir in die Tat umgesetzt worden. Nicht alles war mir dienlich aber heute denke ich dass mir diese Erfahrungen dabei geholfen haben mein Leben, wie ich es heute führe, zu kommen.
Falls du noch Fragen hast kannst du gerne schreiben. Ich kann vielleicht nicht immer sofort antworten aber wenn es meine Zeit zulässt antworte ich dir gerne.
Liebe Grüße
ParadiseAngel