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Suizid eines Freundes

Mrs. Oizo

Neues Mitglied
Ich habe vom Suizid eines Freundes erfahren und bin völlig am Boden zerstört.

Ich habe diesen Mann vor 20 Jahren kennengelernt und hatte eine kleine Liaison mit ihm, es ging nicht sehr lange, ich war erst 15 Jahre alt. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, rumgeknutscht und ich war auch einmal bei ihm zu Hause, ansonsten war er öfter bei mir. Allerdings erinnere ich mich nicht mehr an viele Details, ich weiß auch nicht, wie lange wir genau zusammen waren und wie das Ganze dann auseinander ging.

Ich habe in den Jahren danach nie wieder etwas von ihm gehört. Voriges Jahr habe ich mal an ihn gedacht und im Internet nach ihm gesucht und hatte einen Zeitungsartikel über ihn gefunden. Ich weiß nicht, warum ich ihn daraufhin nicht versucht habe, zu kontaktieren, das bereue ich nun sehr. Vielleicht hätte ich ihm irgendwie helfen können. War es irgendein Zeichen, dass ich ausgerechnet nach so vielen Jahren an ihn denken musste? Ich war in diesem Sommer in meiner alten Heimat zu Besuch, in dem Moment hat er noch gelebt. Ich hätte ihn also treffen können. Aber ich konnte ja nicht ahnen, was mit ihm passieren wird. Man kontaktiert ja sonst auch nicht einfach seinen Ex-Freund, den man 20 Jahre lang nicht mehr gesehen hat. Wenn ich allerdings gewusst hätte, was er vorhat, hätte ich den Kontakt zu ihm aufgenommen.

Ich habe erfahren, dass er in einer Beziehung war und demnächst heiraten wollte. Warum bringt man sich kurz vor seiner Hochzeit um und bestellt sogar noch das Aufgebot in der Kirche? Er hat sich erhängt und wurde von seiner Freundin gefunden, was für eine grausame Vorstellung. Er hatte keine gesundheitlichen Probleme, vermutet werden nun natürlich psychische, doch es wusste niemand davon. 40 Jahre jung war er.

Ich lebe seit einigen Jahren im Ausland und fühle mich hier nun total hilflos. Ich kann nicht zu seinem Grab gehen und das Schlimmste ist, dass ich ihn ja seit meiner Jugend nie wieder gesehen hatte und also auch nicht weiß, was in seinem Leben genau nach mir passiert ist und was zu diesem schrecklichen Suizid geführt hat. Ich kann mich erinnern, dass er damals mehr verliebt in mich war als ich in ihn. Allerdings gab es am Ende keine dramatische Trennung oder Ähnliches, es lief einfach auseinander. Und natürlich plagt mich nun das schlechte Gewissen, ob es irgendwas mit mir zu tun hatte, ob er darüber nicht hinwegkam, ob er in den Jahren danach an mich gedacht hat. Aber wahrscheinlich ist das zu weit hergeholt, immerhin ist das 20 Jahre her gewesen und er hatte ja eine Freundin, die er heiraten wollte.

Mir erscheint das alles so schrecklich tragisch, ich bin unendlich traurig und plötzlich macht alles keinen Sinn mehr. Ich habe meine eigene Familie, 2 kleine Kinder. Und werde nun so abrupt von meiner Vergangenheit eingeholt und fühle mich so hilflos.

Ich weiß, dass es für einen Suizid viele verschiedene Gründe gibt und dass ihm wahrscheinlich niemand hätte helfen können. Das Schlimmste daran ist, dass man niemals erfahren und verstehen wird, warum er das getan hat. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich weiß auch nicht, warum mich das jetzt so extrem aus der Bahn wirft, immerhin habe ich 20 Jahre lang keinen Kontakt zu ihm gehabt und ihn damals auch nicht gut genug gekannt. Aber es gab eben doch eine Verbindung zwischen uns. Ich habe ihn als fröhlichen, lustigen Menschen in Erinnerung. Es ist einfach so unbegreiflich und unfassbar.

Ich frage mich, ob ich den Eltern eine Trauerkarte schicken soll? Irgendwie ist es das Einzige, was ich für sie machen könnte. Aber erinnern sie sich überhaupt an mich? Ist das eine gute Idee oder reißt es nur noch mehr Wunden auf? Es gibt ja nun auch die Freundin, die das Ganze vielleicht falsch auffassen könnte.
Ich bin einfach sehr verzweifelt und unendlich traurig. Hätte ich nur versucht, ihn zu kontaktieren, ich bereue das nun so sehr.
 
Zuletzt bearbeitet:
Also ein "hätte, hätte" bringt dir nichts und ihm auch nicht.

Ich würde daraus schließen dass man nicht so verkrampft sein sollte, man kann einfach mal jemanden anrufen oder vielleicht auch einfach mal vorbei gehen wenn es sich ergibt.

Ich hatte ein ähnliches Erlebnis. Mein Nachbar und seine Frau waren scheinbar Alkoholiker, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht.
Er hatte wieder mal mit ihr Probleme und hat im Sommer bei 35°C Außentemperatur im Garten ein Lagerfeuer gemacht.
Ich saß bei mir im Computer-Zimmer im Keller und der Qualm zog dort rein. Daraufhin bin ich dann los gelaufen um zu sehen welcher Vollidiot bei 35°C und Sonnenschein jetzt Feuer machen muss.

Ich folgte also dem Geruch bis zu der großen Hecke. Ich wusste dass es sein Grundstück war, konnte ihn aber nicht durch den Sichtschutz (die Hecke) sehen. Bei Nachbarn ist man ja nicht so, man lässt die machen auch wenn es rein rechtlich eigentlich nicht statthaft ist. Ich wollte ihn deshalb keine Probleme bereiten, also ging ich wieder.

Am selben Tag hat er sich dann erhängt. Es lag wohl an dem Streit und dass er bei der Hitze Alkohol konsumiert hat, denn so wirkt es eben noch schneller/stärker.

Hätte ich an dem Tag mal den Kontakt gesucht und wäre etwas offen gewesen ... es gab ja nicht nur die Möglichkeit ihm ans Bein zu pinkeln und die Polizei/Ordnungsamt zu holen, sondern einfach mal kurz mit ihm zu sprechen. Dann hätte ich mit ihm reden können und die Situation erkennen oder auch entschärfen.

Ich war quasi zu feige und konnte dadurch nichts positives machen.
Wäre alles okay gewesen, dann wäre es ja auch nicht schlimm mal zu sagen dass es ganz schön stinkt und ich Probleme habe den Tag bei der Hitze zu überstehen. Oder selbst wenn er gesagt hätte dass ich abhauen soll und mich es nichts angeht was er macht, dann wäre es trotzdem für mich okay gewesen. Menschen die in der Nähe wohnen interessieren sich eben dafür was man so macht.



Wichtiger für dich ist aber dass es ja eigentlich noch ganz viele andere Menschen in seiner Umgebung, seiner Familie und seiner Umgebung gegeben haben muss die davon mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit etwas mitbekommen haben als es für dich möglich war.
Diese anderen Menschen die mit ihm zusammen waren sind Schuld oder auch er, wenn er Dinge nicht gemacht hat die er eigentlich hätte machen können.
Du bist an gar nichts schuld und auch nach so langer Zeit auseinander ...

Ich habe auch viele Leute kennen gelernt und viele davon sehe ich nicht mehr. Der Freundeskreis ist bei mir immer so ausgestaltet damit ich mit der Anzahl an Leuten auch klar komme. Manche Menschen haben 100 Freund und sind bei allen ab und zu, halten die Verbindung am laufen. Ich breche die Verbindungen irgend wann ab wenn es da nichts richtiges mehr gibt was einen zusammen hält. Andere gehen zwanghaft zu den anderen Leuten und machen wieder mal etwas, nur damit die Beziehung nicht zerbricht. Darin sehe ich keinen Sinn, das ist dann nur Mittel zu Zweck. (manch einer hält sich dadurch auch die Option offen mal bei jemanden unter zu kommen oder Unterstützung zu erlangen wenn man Probleme hat oder einfach irgend wo hin gehen zu können wenn man lange Weile hat)
 
Wichtiger für dich ist aber dass es ja eigentlich noch ganz viele andere Menschen in seiner Umgebung, seiner Familie und seiner Umgebung gegeben haben muss die davon mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit etwas mitbekommen haben als es für dich möglich war.
Diese anderen Menschen die mit ihm zusammen waren sind Schuld oder auch er, wenn er Dinge nicht gemacht hat die er eigentlich hätte machen können.
Du bist an gar nichts schuld und auch nach so langer Zeit auseinander ...

Vielen Dank, Atmega. Deine Aussage hier oben hat mir ein bisschen geholfen. Es stimmt, dass es ja in seiner Umgebung andere Menschen gab, die irgendetwas mitbekommen haben müssen. Das ist mir eben so unerklärlich, wie kann es sein, dass niemand etwas wusste oder ahnte. Keiner kann es sich erklären, alle sind fassungslos. Es gibt keinen Abschiedsbrief. Tausend Fragen und keine einzige Antwort.

Es ist so entsetzlich traurig. Ich frage mich auch, warum mich das jetzt nach so vielen Jahren so aus der Bahn wirft, ich hatte doch nie wieder Kontakt mit ihm. Genau das bereue ich nun. Mir tut das einfach so wahnsinnig leid und ich wünschte, ich hätte ihm irgendwie helfen können.
Ich versuche, mich damit zu trösten, dass er es so wollte. Ich hoffe, dass es ihm jetzt besser geht, wo auch immer er nun ist.
 
Wie? Es gab keinen Abschiedsbrief?

Das ist meiner Meinung nach doch etwas ungewöhnlich. Die Leute wollen sich doch eigentlich erklären.
Es sei denn jemand aus seinem Umfeld hat ihn dazu getrieben oder hatte jedenfalls davon gewusst und hat auf seine Hilfeschreie nur mit Verachtung reagiert. Wenn man dann den Brief verschwinden lässt, dann ist man den Verdachtsmoment los.

Ist aber nur eine Theorie ... eine Verschwörungstheorie.


Also eigentlich bekommt man so etwas mit. 😵 Ach, jetzt lässt mich der Gedanke nicht mehr in Ruhe ...

Na egal, das ist nichts was du auch nur hättest verhindern können.
Es gibt mit Sicherheit andere Menschen in deinem Leben welche deine Aufmerksamkeit brauchen.

Das ist eigentlich das Einzige was du daraus mitnehmen kannst, sei vorsichtig und sei nicht verklemmt um mal bei anderen nach langer Zeit zu klingeln. Ich wäre eigentlich auch neugierig wie es manchen Leuten geht die ich lange nicht gesehen habe. Die wohnen teilweise in der Stadt in der Nähe und ich war einfach nicht ein mal innerhalb von 10 Jahren bei ihnen. Man will erst einen richtigen Grund haben um mal vorbei gehen zu können, ansonsten wäre es vielleicht peinlich oder komisch.
 

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