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Suche nach alternativen Lebenskonzepten

Pivo

Mitglied
Ich (42) selbstständiger Grafiker befinde mich leider seit eine Weile in einer schlechten Auftragslage und muß mir in den kommenden Monaten ernsthafte Gedanken zu meiner finanziellen Situation, wie Job und Wohnung machen. Ich lebe in einer günstigen WG, aber muss aus persönlichen Gründen bald ausziehen. Ein neues WG-Zimmer würde meine Kosten mindestens verdoppeln. Objektiv gesehen habe ich als Freischaffender eh keine Chance auf dem Wohnungsmarkt in Berlin...

Ein Jobwechsel in irgend eine "sichere" Branche kommt für mich eigentlich auch nicht in Frage. Versteht mich nicht falsch, ich arbeite gern und auch hart, aber solche Jobs habe ich bereits in der Vergangenheit ausprobiert und es hat letztendlich nur zu einer schweren Depression mit Selbstmordgedanken geführt.

Obwohl ich eher introvertiert, ruhig und zurückhaltend bin, bin ich mittlerweile auch für Aussteigerprojekte offen. Das kann natürlich auch nach hinten losgehen. Daher frage ich hier mal in die Runde, ob jemand Erfahrung gesammelt hat und sich mit mir austauschen würde ? Falls jemand ähnliche Ziele verfolgt oder kostenlose Beratungsstellen kennt, kann sich gerne per PN oder direkt hier melden.

Liebe Grüße
Pivo
 
Sage mal was du mit Aussteiger-Projekten meinst.
Von NeoNazi oder Linksradikal zu normal? Das sollten sogar ein paar Millionen im Haushalt eingeplant sein.

Gibt es wirklich nichts was du sonst machen könntest?
Irgend ein Bürojob wird doch wohl drin sein oder würdest du gerne im freien arbeiten?

Du kannst im Flüchtlingsheim oder mit flüchtigen zusammen arbeiten, da gibt es auch Personalmangel.
 
Hmm, klingt jetzt ein bisschen so, "als wärest du in die Enge getrieben", was ja nicht per se etwas Schlechtes ist. Manchen passiert das öfter, anderen weniger oft. Wenn es jetzt auf eine Art Neuorientierung hinausläuft, stellt sich ganz nüchtern betrachtet die Frage, was deine Fähigkeiten sind, und was deine Möglichkeiten. In jedem Falle hast du ja noch gut die Hälfte deines Lebens vor dir, oder zumindest ein paar Jahrzehnte.

Wenn du nicht "in irgendeiner Branche arbeiten willst", kannst/wirst du das höchstwahrscheinlich auch nicht tun. Vielleicht könntest du ja zumindest vorerst in deiner Branche bleiben, dir vielleicht ein kleineres Team suchen, welches dir von Arbeitsweise und Umgang zusagt. Berlin bietet/hat ja doch so Einiges.

Was nun extremere Schritte oder gar Auswandern betrifft, so kann ich dem Einiges abgewinnen, da ich entfernt auch etwas in der Art vorhabe, aber das würde ich sehr gut recherchieren, bzw. auf Machbarkeit überprüfen.
 
Sage mal was du mit Aussteiger-Projekten meinst.

Das Leben in ökologischen Dörfern mit Permakultur. Wagendörfer, teilautarke Hofgemeinschaften, Landsitze oder was es sonst noch gibt. Ich bin wirklich offen für alles, so lange es mir stimmig erscheint.

Vielleicht könntest du ja zumindest vorerst in deiner Branche bleiben, dir vielleicht ein kleineres Team suchen, welches dir von Arbeitsweise und Umgang zusagt. Berlin bietet/hat ja doch so Einiges.

Ich werde notgedrungen im Job bleiben müssen und probiere auch weiter die Selbstständigkeit zu erhalten, da ich eigentlich von kleinen und großen Teams die "Schnauze" voll habe. Mir wird Teamunfähigkeit zugeschrieben, da ich mich gegen Hierarchien, Gruppenbildungen, Bevorzugungen ausspreche und im Team stets neutral verhalte. Genau diese anfänglich sympathische Neutralität wird mir irgendwann vorgeworfen: Wenn man sich nicht auf die Seite des einen oder anderen Kollegen stellt, landet man langsam aber unausweichlich irgendwann im Aus als Aussenseiter.

Das ist aber nicht das Hauptproblem, sondern hat sich in 10 Jahren Festanstellung ein anderer Grund in den Vordergrund geschoben. Ich erstelle nicht nur die Grafiken, sondern arbeite auch am Konzept und hier stören mich die Regeln des Kapitalismus. Auf dieser Basis kann man einfach kein gutes Produkt entwickeln. z.B. wird in der Spielebranche mit Suchtmodellen gearbeitet, Jugendlichen mit Vorsatz tausende von Euros aus den Taschen zu ziehen. Andere Branchen arbeiten mit ähnlichen ausgefeilten Konzepten. Das ist die Realität in der wir leben...

Die Erkenntnis hat mich jetzt an den Punkt gebracht, dass ich keinen Sinn mehr darin erkennen kann. 10 Jahre habe ich gehofft etwas in den Teams zu ändern, weitere 10 Jahre habe ich in der Selbstständigkeit versucht ein eigenes Modell zu entwerfen und jetzt bin ich einfach an den Punkt gekommen, das der Kapitalismus das Kernproblem ist, von dem ich mich lösen muss.

"Mach doch einen Job in dem das soziale im Vordergrund steht" wurde mir schon so oft vorgeschlagen. Aber genau da zeigen sich die Auswirkungen des Kapitalismus noch viel schlimmer im Budget. Vielleicht könnt ihr meine Meinung so ansatzweise nachvollziehen, warum ich mich jetzt für ein alternatives Lebenskonzept öffnen möchte.

@Tsunamie: Dein Vorhaben klingt interessant, magst Du mir mehr darüber erzählen ? Für mich kommen eigentlich nur deutsch- bzw. englischsprachige Projekte im Ausland in Frage.
 
Das Leben in ökologischen Dörfern mit Permakultur. Wagendörfer, teilautarke Hofgemeinschaften, Landsitze oder was es sonst noch gibt. Ich bin wirklich offen für alles, so lange es mir stimmig erscheint.

Du willst wirklich weg von dem was du gerade machst.

Ich werde notgedrungen im Job bleiben müssen und probiere auch weiter die Selbstständigkeit zu erhalten, da ich eigentlich von kleinen und großen Teams die "Schnauze" voll habe. Mir wird Teamunfähigkeit zugeschrieben, da ich mich gegen Hierarchien, Gruppenbildungen, Bevorzugungen ausspreche und im Team stets neutral verhalte. Genau diese anfänglich sympathische Neutralität wird mir irgendwann vorgeworfen: Wenn man sich nicht auf die Seite des einen oder anderen Kollegen stellt, landet man langsam aber unausweichlich irgendwann im Aus als Aussenseiter.
Naja, dann bist du eben kein Team-Player, aber vielleicht dann eher ein Teamleiter. Nach deiner Beschreibung hättest du die passenden Eigenschaften.

Die Erkenntnis hat mich jetzt an den Punkt gebracht, dass ich keinen Sinn mehr darin erkennen kann. 10 Jahre habe ich gehofft etwas in den Teams zu ändern, weitere 10 Jahre habe ich in der Selbstständigkeit versucht ein eigenes Modell zu entwerfen und jetzt bin ich einfach an den Punkt gekommen, das der Kapitalismus das Kernproblem ist, von dem ich mich lösen muss.
Ich sehe es so dass diese Branche einfach überlaufen ist und es im wesentlichen nur um Profit geht. Lässt sich aber nicht ändern.

"Mach doch einen Job in dem das soziale im Vordergrund steht" wurde mir schon so oft vorgeschlagen. Aber genau da zeigen sich die Auswirkungen des Kapitalismus noch viel schlimmer im Budget. Vielleicht könnt ihr meine Meinung so ansatzweise nachvollziehen, warum ich mich jetzt für ein alternatives Lebenskonzept öffnen möchte.
Das könntest du wenigstens mal versuchen.

Ein Kumpel von mit hat vorher im Gartenbau (Landschaftsgestaltung, Gärtner) bearbeitet und arbeitet jetzt mit Flüchtlingen zusammen, ich dachte das wäre keine so schlechte Idee und einen Job bei dem man sich nicht so belastet findet man da alle mal.
Er wäre dann auch mit Leuten zusammen und du würdest nicht so alleine in seiner Bude rumsitzen und in Depression verfallen weil dein Leben gerade nicht so läuft wie erhofft.

Es gibt auch Projekte um Prospekte und Informationsmaterial zu gestalten, frage einfach mal ob es dort etwas für Grafikdesign gibt,
Gelder sollten für solche Projekte jedenfalls reichlich vorhanden sein, so dass du nicht so an ein Budget und Gewinn interessiert sein musst.

Mache das einfach mal. Nach einer kleinen Weile der Abkehr von dem Drang sein Leben in die "richtigen" bahnen zu lenken siehst du vielleicht andere Bahnen die für dich vielleicht sogar eine bessere Möglichkeit darstellen.

Geld wird man da auf alle Fälle verdienen können, egal was man jetzt genau macht.
Vielleicht kommst du auch mit Leuten in Kontakt welche dir einen anderen Job vermitteln können.
 
Mit dem Aussteigen änderst du nichts am System, und für dich selber wird es schwierig, wenn dieser Weg nicht funktionieren sollte (wer nimmt dich, wenn du nach 5 Jahren zurück "ins System" willst?). Wäre es nicht besser, innerhalb des kapitalistischen Systems dir einen Job zu suchen, wo du sinnvolle und ehrliche Arbeit machst und gleichzeitig politisch für die Änderung der Verhältnisse kämpfst? Oder wo du Alternativen zu den ethisch verwerflichen Produkten anbietest (z.B. einen Service, der Eltern automatisch vor suchterzeugenden Apps ihrer Kinder warnt und wo sich Auszeiten einstellen lassen, in denen das Kind nicht spielen kann)?

Ich sehe den Kapitalismus nicht so kritisch wie du, ich finde nur, man hat vergessen, das politische System, das für gerechte Rahmenbedinungen, Kontrolle, Begrenzung, Umverteilung usw. sorgen müsste, unabhängig davon zu machen.
 
Ich sehe den Kapitalismus nicht so kritisch wie du, ich finde nur, man hat vergessen, das politische System, das für gerechte Rahmenbedinungen, Kontrolle, Begrenzung, Umverteilung usw. sorgen müsste, unabhängig davon zu machen.

Es ist ja auch nicht das System an sich, es sind die Menschen.

Die Menschen könnten sich dazu entscheiden etwas zu machen was gut ist und wo sie eben nicht so viel Geld verdienen.
Die Menschen entscheiden sich zumeist für das Geld.

In Sozialismus/Kommunismus war es so dass wirklich jeder Arbeit hatte, aber man bekam die Arbeit eben auch zugeteilt.
In der Regel war es zwar so dass man das gemacht hat was man studiert oder gelernt hat, aber wenn diese Möglichkeiten durch nicht ganz perfekte Planung nicht machbar waren, dann wurde man eben auf einen anderen Posten gesetzt.

Außerdem kommt man nur "außerhalb des Systems" wenn man wirklich komplett ohne staatliche Zwänge auskommt.
Das fängt ja schon beim Grundstück an, da muss dir jemand die Grundsteuer zahlen. Auf dem Bauernhof kann man auch nicht alles herstellen, man braucht andere Produkte (Maschinen fürs Acker), Geräte und Produkte aus dem System.
Was macht man wenn man mal krank wird?

Das System hier ist mit Sicherheit nicht perfekt, aber bei weiten besser als alles was es sonst so auf dieser Welt gibt.
 
Es ist ja auch nicht das System an sich, es sind die Menschen.

Die Menschen könnten sich dazu entscheiden etwas zu machen was gut ist und wo sie eben nicht so viel Geld verdienen.
Die Menschen entscheiden sich zumeist für das Geld.

Die Menschen sind, wie sie sind. Der Kommunismus ist daran gescheitert, einen neuen Menschen zu erschaffen. Das System muss so beschaffen sein, dass es mit dem Wesen des Menschen das bestmögliche Resultat erzielt.

Der große Vorteil des Kapitalismus ist sein Anreizsystem. Das hat uns wohlhabend gemacht und Millionen von Chinesen und Indern inzwischen auch (oder zumindest nicht mehr so bettelarm). Der Nachteil ist, dass der Anreiz genauso besteht, seinen Wohlstand mit unlauteren Dingen zu vergrößern: Betrug, Naturzerstörung, Korruption, Kinder süchtig machen usw.

Ich halte dieses System der freien (unternehmerischen, aber auch sonstigen) Entfaltung und der Anreize für gut, nur müsste es viel genauer überwacht werden und in Teilen die Anreize anders gesetzt werden. Dinge wie Ökosteuern, Kapital in Arbeitnehmerhand, so was wie Ethikkommissionen in Großunternehmen, eine direktere Kontrolle der Bürger/Wähler über Missstände (statt alle 4 Jahre zwei Kreuze machen zu dürfen) usw.

Der Kommunismus ist erstens ineffizient (mangelnde Informationen) und es mangelt an Anreizen, und man kann das m.E. zweitens nur mit Unfreiheit durchsetzen, weil der Mensch erfinderisch und unternehmerisch ist.

Einen ganz anderen Weg (dritten Weg) kann ich momentan nicht erkennen.
 
@Tsunamie: Dein Vorhaben klingt interessant, magst Du mir mehr darüber erzählen ? Für mich kommen eigentlich nur deutsch- bzw. englischsprachige Projekte im Ausland in Frage.

Mein Projekt/Weg/Plan ist nicht so besonders außergewöhnlich, hat sich einfach so ergeben.

Ganz allgemein ist so ein Auswandern/Aussteigen sicherlich mit Einigem an Umstellung verbunden, und nicht zwingend ein Zuckerschlecken. Es gibt da eine Doku über ein, ich glaube, australisches Projekt, welches vielleicht einen ganz guten Eindruck davon vermittelt, wie es sein könnte:

https://www.youtube.com/watch?v=XUwLAvfBCzw

Mir persönlich ist das etwas "too much", zumindest aktuell.

Habe mich vor geraumer Zeit und nach einiger Recherche für Kuala Lumpur entschieden. Das hat verschiedene, relativ leicht nachvollziehbare Gründe. Zum einen ist der Lebensstandard bei relativ geringen Lebenshaltungskosten relativ hoch, und zum anderen ist es eines der südostasiatischen Länder, in denen Englisch sehr gut etabliert ist.

Es ist dort ein gigantischer Schmelztiegel aus verschiedenen Kulturen, Religionen und Sprachen, was mir gefällt. Man findet dort auch so einige Expats. Ich selbst bin mit Englisch ganz gut und kann auch ein paar Brocken Chinesisch. Ist für mich auch ein bisschen ein "back to the roots"-Projekt. Habe das Gefühl, dass ich ein bisschen mehr über asiatische Mentalität, Kultur und Sprache lernen sollte.

Ich plane konservativ damit, dass ich in 3-5 Jahren für den Umzug bereit sein sollte. Nicht zuletzt geht es darum, wie ich mich langfristig finanziere, und ich muss noch ein gesundheitliches Problem in den Griff bekommen. Alles andere erscheint mir nicht so besonders schwierig.
 

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