stimmt, zu der Geschichte mit dem Geburtstag habe ich gar nichts geschrieben. Das ist wirklich mehr als mies, wenn sich selbst die eigene Familie dem derartig entzieht. Von der Familie kenne ich es jetzt nicht, aber ich weiß durchaus, wie es ist, wenn man am Geburtstag von diversen Leuten, wo man was Anderes erwartet hat oder diese sogar bei einem eingeladen waren, einen riesigen Arschtritt bekommt.
Kannja, bei mir hat das auch eine richtiiiig lange Weile gedauert, bis sich bei mir was gebessert hat. Ich habe zwar jetzt in meinem Heimatort mehr Kontakte als da, wo ich hingezogen bin, aber es ist für mich besser, wenn ich 500 km entfernt jemanden habe, als gar niemanden.
Was unternimmst du denn jetzt genau gegen deine Probleme?
Muss Bird ansonsten recht geben. Viele sind schnell im RatSCHLÄGE geben. Ich weiß, ich habe das zeitweise auch gemacht. 🙁
Bei mir läuft auch nicht alles so rund, wie man jetzt annehmen könnte. Kontakte sind vielleicht das Eine, aber bei mir läuft es beruflich nicht so, wie ich mir das mal vorgestellt habe. Ich werde beruflich was Anderes machen müssen...
Ich glaube, es sollten sich einfach auch mal mehr Menschen eingestehen, dass vieles, was so gemacht und gesagt wird, nur Fassade, Heuchelei, Schönrederei ist. Meiner Meinung nach haben wesentlich mehr Menschen Probleme, als man gemeinhin meint. Psychische Erkrankungen kommen ja nun auch nicht wenig vor insgesamt. Dennoch werden sie wegtabuisiert. Ich weiß nicht, was das soll. Vor allem setzt das nun mal die Betroffenen noch mehr unter Druck.
Ich z.B. stehe ja dazu, dass ich für das Lehramt nicht tragbar respektive stabil genug bin auf Dauer. Das hat auch körperliche und sinnesspezifische Gründe bei mir. Und ich stehe auch bei meinen "engeren Kontakten" dazu, dass ich jahrelang Depressionen hatte, in Therapie war, immer wieder mit solchen Erschöpfungsproblematiken zu tun habe, die bei mir aber damit zusammen hängen, dass ich so spät festgestellt habe, dass ich eigentlich so viele Fehlentscheidungen getroffen habe. Nicht nur auf den Beruf bezogen. Dass ich meine Oma und meine Mama kurz hintereinander verloren habe. Dass ich durch die HSP nicht so belastbar bin wie jemand, der nichts hat usw...
Es sollten einfach mal mehr Menschen dazu stehen, dass nicht alles so easy ist.
Ja, das stimmt, Panthi... Es wird so getan, als müsse man bei einer psychischen Erkrankung eben nur psychologische Hilfe aufsuchen und dann komme man nach sehr absehbarer Zeit komplett heil wieder aus der ganzen Geschichte raus. Ehrlich gesagt habe ich mich selbst betreffend wohl auch jetzt erst begriffen, dass man nach gewissen schlimmen Dingen niemals ganz heil sein kann und immer damit zu kämpfen haben wird.
Ich war ja lange in der Klinik und habe sehr an mir gearbeitet. Auch die Therapeuten dort haben mir sehr geholfen und ich war tatsächlich ein ganzes Stück stabilisiert und hatte wieder etwas Zuversicht und den Glauben wohl doch etwas wert zu sein gewonnen. Doch dann, nach der Entlassung, war ich eben prompt wieder ganz allein und erlebte wieder dieses ausgegrenzt sein, das verletzende Verhalten meiner Familie, Einsamkeit... was bei uns abläuft ist sehr drastisch. Ich saß z.B. nur wenige Tage nach meiner Entlassung an Weihnachten allein zuhause, während mein Bruder zwar alles von meinem Zusammenbruch wusste und auch über Weihnachten hier in unsere Heimatstadt war... aber nur, um ausschließlich mit der Familie seiner Freundin zu feiern. Da erzählen mir die beiden, dass dies ja "Familientraditionen" seien die sich auch zu Gunsten einer anderen Weihnachtsfeier bei meinem Onkel nicht verlegen ließen, weil DIE (in ihrer Familie) schließlich jedes Jahr fix seien. So als ob mich das ja alles gar nichts anginge und es ganz selbstverständlich sei, dass man mich natürlich nicht mit einplant, als gehöre ich ja gar nicht zur Familie...
Als ich meinen Bruder in Vorjahren zu meinem Geburtstag einlud, war ihm das - für mich - zu viel Aufwand. Doch zu jedem einzelnen Geburtstag und jeder Feier mit der Familie seiner Freundin kommt er selbstverständlich hierher. Direkt dort wo ich wohne gibt es jedes Jahr ein wunderschönes, öffentliches Fest. Jedes Jahr kommen mein Bruder und seine Freundin deshalb aus ihrer neuen Heimat extra hierher... ich bin die einzige die nicht mit ihnen auf das Fest gehen darf. Nur die Verwandten seiner Freundin sind eingeladen. Und ich wohne direkt neben diesem Fest... Dann erzählt mir seine Freundin noch so locker am Rande, dass sie ja jedes Jahr noch einige Eintrittskarten übrig habe - aber die könne man ja immer irgendwie loswerden... Das sind nur sehr wenige Beispiele von unendlich vielen wegen der ich mich immer wieder komplett minderwertig, verkehrt und ehrlich gesagt wie Dreck fühle. Wie soll man ein Gefühl von Selbstwert haben, wenn man so behandelt wird und damit so sehr vermittelt wird, dass man eben im Vergleich zu anderen nichts wert ist?
Deine berufliche Krise kann ich auch voll verstehen... Ich hatte ja den kompletten Burn out und traue mir seither kaum noch etwas zu... Ursprünglich hatte ich ja auch mal studiert um ins Lehramt zu gehen. Aber mir ging es ebenso, dass ich es mir, als die psychischen Probleme mich so überrollten, gar nicht mehr zutraute. Und was kommt dann? Das Umfeld macht nur Druck... eine psychische Erkrankung sieht man ja nach außen nicht - also muss man eigentlich gesund sein und ist wohl nur zu faul, soll sich mal zusammenreißen. Dass man sich oft viele Jahre oder sogar ein ganzes Leben davor nur zusammengerissen und trotz allem funktioniert hat, sieht ja keiner. Psychische Erkrankungen sind wirklich ein riesen Stigma, werden kaum ernst genommen oder als wahr akzeptiert. Findet man nicht schnellstens wieder ins ganz normale Leben zurück, egal wie groß die Probleme sind oder wie einsam man damit allein steht, dann wenden sich die erfolgreichen Menschen erst recht angewidert ab. Verurteilen und urteilen können sie ja alle sehr gut oder einem sagen was man tun MÜSSTE... aber einem dabei Beistand leisten oder hinterfragen wieso man Dinge vielleicht nicht schaffen kann, das wollen sie nicht.
Was ich tue, damit es mir besser geht? Wie gesagt, ich war lange stationär in einer Klinik, dann Tagesklinik, seither ambulant weiter in psychiatrischer und psychologischer Behandlung. Dann habe ich mir einen Hund angeschafft durch den ich es endlich wieder geschafft habe in Kontakt zu Menschen zu kommen und der verhindert, dass ich mich wieder einigeln oder fallen lassen kann. Er macht mir so viel Freude und ist oft ein riesiger Trost in der Einsamkeit. Manchmal auch das einzige was mich von gefährlichen Gedanken abhält. Ich bin ja für ihn verantwortlich und er braucht mich. Durch ihn habe ich wieder einen geregelten Tagesablauf bekommen, muss immer raus und habe einige neue Kontakte und sogar Freundschaften gewonnen. Ab davon hinterfrage ich mich ja permanent selbst, denke nach, versuche Dinge besser zu machen, anders zu betrachten, anders mit Situationen umzugehen, nicht mehr ganz so extrem selbstabwertend zu sein...
Aber Liebe, Rückhalt, einen Platz auf dieser Welt, dazu zu gehören... das kann ich mir nicht einfach ersetzen. :wein: Und das ist es auch was mich immer wieder sehr hart zurück wirft. Ich habe leider mittlerweile erkennen müssen, dass die Menschen die ich liebe mir nicht gut tun und mich immer weider in diesen Schmerz reißen. Wer meinen letzten Thread bezüglich meines Bruders gelesen hat, weiß vielleicht was ich meine... Er war der letzte richtig nahestehende Mensch der mir nach dem Tod unseres Vaters geblieben ist und ich habe ihn immer schon sehr geliebt. Deshalb habe ich auf Biegen und Brechen alle Verletzungen ertragen, versucht alles für ihn zu tun, es ihm nur recht zu machen und immer weiter zu schlucken, um ihn ja nicht zu verlieren. Nach den aktuellen Geschehenissen habe ich nun sehr schmerzlich verstehen müssen, dass ich dadurch eigentlich mir selbst schade und immer wieder Rückfälle erleide. Rational betrachtet wäre das einzig sinnvolle den Kontakt ganz abzubrechen... Nur ist das eben verdammt schwer und schmerzhaft. Man kann durch eine Therapie mit einigem tatsächlich besser umzugehen lernen, so dass einiges leichter wird. Aber eben nicht alles.