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Studium und Depression

  • Starter*in Starter*in Gast1989
  • Datum Start Datum Start
G

Gast1989

Gast
Hallo,

ich habe das letzte Jahr bis Mitte diesen Jahres starke Depressionen gehabt. Familienbedingt. Das Studium gefällt mir eigentlich.
In der Zeit habe ich die Wohnung nur verlassen, um einzukaufen oder zu besonderen Anlässen, um den schein zu wahren.

Dank neuen Zielen(Australien work and travel/langer traum von mir) und Sport, konnte ich mich wieder aufraffen, habe wieder Kontakte aufgenommen, Vorlesungen besucht und fühl mich echt gut.

Mein Problem ist nun, dass ich in den 2 Semestern immerwieder versucht hatte mich aufzuraffen und mich zu Prüfungen angemeldet hatte, aber nicht erschienen bin und sie "weggeschlafen"-> hab 2 Versuche vergeigt...

Jetzt war ich bei einer der Prüfungen, denke aber das ich sie nicht geschafft habe. Die Vorlesung für diese Prüfung war im Deprisemester... Ich will aber nicht exmatrikuliert werden!

Nun die Frage kann ich diese krankheitsbedingten ungenutzen Prüfungen irgendwie Löschen lassen?
Mein Hausarzt sagt, das wäre nur gegangen, wenn ich in der Zeit in Behandlung gewesen wäre. Aber ich hab das Haus in der Depression nicht verlassen geschweige, denn mich getraut zum Psychologen zu gehen (ich wollte mir die Zukunft nicht versauen...*hust*).

Also ist das nachträglich möglich oder hat sie recht?
Ich habe im Internet auch schon gelesen, dass es möglich ist.


Vielen Dank, grüße Stefan
 
Ich kenne einen Fall, aus meinem eigenen Studium, wo man so kulant war, dass man von einem Studenten im nachhinein eine Bescheinigung aktzeptierte, in der stand, dass der Student möglicherweise zum Zeitpunkt erkrankt war. Das ist aber wohl eher ein Einzefall und darauf würde ich nicht bauen. Es gibt bei vielen Hochschulen aber den so genannten Härtefallantrag. In wie fern man davon aber gebrauch machen kann, hängt von der jeweiligen Hochschule ab. Darüber müsstest Du mit den Damen oder Herren im Prüfungsamt sprechen. Das letzte Wort hat, meines Wissens nach, der jeweilige Prüfungsausschussvorsitzende. Das wird ein Professor Deines Fachbereiches sein. Ggf. gibt es auch Seelsorger an Deiner Hochschule, die Dich in welcher Form auch immer unterstützen können. Wie gesagt, einen generellen Anspruch auf Bewilligung des Antrages, sofern es diesen gibt, gibt es da aber nicht. Ich wünsche Dir viel Erfolg. Sollte dies alles nichts nützen und Du wirst exmatrikuliert, würde Dir die Möglichkeit offen stehen, Dein Fach an einer Universität weiter zu studieren, wenn Du von einer Fachhochschule kommst und umgekehrt an einer FH, wenn Du von einer Uni kommst.
 
Ich weiß nicht, wie genau das bei dir ist, aber wir können Prüfungen dreimal wiederholen, ohne exmatrikuliert zu werden. Es geht zur Not aber auch noch ein viertes Mal, und zwar, wenn man einen Härtefallantrag stellt. Der ist grade für Personen mit vielfältig gearteten Schwierigkeiten. Kümmer dich schnellstmöglich drum, vielleicht kannst du da noch was drehen. Dein nächster Weg sollte dich zur Studienberatung führen - ihr habt bestimmt Leute an euer Uni, die sich um sowas kümmern und dir sagen können, wie du aus der Nummer rauskommst!

Perikles hat alles gesagt.
 
Ich glaube nicht daß das geht. Krank sein kann jeder, aber dann muß man sich auch zeitnah dort melden und ein Attest vorlegen. Soviel Einsatzfreude sollte schon vorhanden sein, wenn man denn "nicht exmatrikuliert" werden will. Dieser Wille war damals aber wohl nicht vorhanden?
Wie auch immer, das Forum ist hier wohl der falsche Ansprechpartner. Wieso bist du nicht längst schon zum Prüfungsamt gegangen, wenns dir doch so ernst ist mit der Sache? Glaubst du ein "ja das geht schon klar" von einem Forenuser hat irgendeinen Wert oder Aussagekraft?
 
Hallo, kleines Statusupdate.

Tatsächlich, war/ist der beste Weg die Studienberatung! Ich hab mich zeitgleich mit dem Foreneintrag, an unsere Studienberaterin(und -psychologin) gewandt, die mir zuzeit wirklich hilft und Hoffnung in Aussicht stellen konnte. Studienzeitverlängerung, Beistand und Prüfungswiederholung.

@Perikles. Danke, dass mit der Fh/uni ist eine gute Info, falls es nicht aktzeptiert werden sollte.
@Yukmaus. Du weißt garnicht, wie wenig Einsatzfreude man eine ganze Zeit lang haben kann, in der Zeit sagt man sich leider selber "ja das geht schon klar...". Fragen stellt man sich da auch genug, nur ohne richtige Antworten. Ich glaube du bist jemand, der denkt ich wäre einfach zu faul gewesen, hätte gefeiert oder ähnliches, wenn du jemand nicht glaubst, kannst du ihm auch nicht helfen. Das Forum heißt "Hilferuf" und die anderen Themen gehen schon in die Richtung. =)

Also vielen Dank allen! Hilfreichste Antwort-> Perikles, Gast

grüße stefan
 
Lieber Stefan,

schön, zu lesen, dass es bei dir weitergeht und du dir Hilfe geholt hast. Ich kann sehr gut verstehen, wie es dir ergangen ist. Ich habe selbst eine Krise in meinem (damaligen Erst-) Studium gehabt, mit einer ausgeprägten Depression mit Selbsttötungsphantasien. Menschen, die nie eine derartige Erkrankung hatten können oft nicht nachvollziehen, in welcher grenzwertigen Ausnahmesituation man sich dabei befindet und sie urteilen daher vorschnell. Lass dich daher von etwaigen Vorwürfen von "Faulheit", "du bist nicht belastbar" usw. nicht irritieren. Wenn deine schlimmste Phase hinter dir liegt, wirst du dich verändert haben, um deine Schwächen besser wissen und deine Stärken kennengelernt haben.
Ich möchte dir meine kleine Geschichte erzählen. Nicht weil sie besonders toll oder nachahmenswert wäre (ich hätte mir meinen Lebenslauf in meinen 20ern gern anders vorgestellt), aber vielleicht macht sie dir ein wenig Mut.

Ich habe mein Studium damals sehr engagiert, begeistert und unter Volldampf begonnen, bin voll in meinen Fächern aufgegangen (kennst du die Geschichte des Ikaros?) und habe zügig meine Scheine gehabt, dann ein Stipendium bekommen, im Ausland studiert. Wieder daheim dann begann schleichend aber stetig die Talfahrt. Beste Noten, zwei Hiwistellen, Tutorenstelle, nach aussen war alles paletti, in mir selbst aber machte sich Wüstenlandschaft breit. Das hatte - wie ich heute weiss - ganz verschiedene Ursachen. Aber alle hatten sie im Kern mit meiner persönlichen Entwicklung zu tun, die ich beim Studieren vernachlässigt habe. Hinzu kam eine unglückliche Beziehung (wobei ich nicht weiss, ob das Ursache oder Folge war..), die alles nicht besser machte. Mit schwindendem persönlichen Einsatz trieb ich so voran. Einer meiner Chefs hatte wohl - trotz ansonsten noch recht gut funktionierender Fassade - meine Veränderung bemerkt und sprach mich darauf an. Ich versuchte mich sogar ein klein wenig zu öffnen (aber nicht zu offenbaren) doch er hatte sehr wenig Verständnis dafür, verwies auf meinen bisherigen akademischen Werdegang und dass ich allenfalls einen "kleinen Durchhänger" hätte. Naja, damals glaubte ich natürlich nicht, dass es nur eine Phase war, meiner Erkrankung entsprechend hatte ich eher das Ende (also mein Ende) vor Augen. Ich holte mir, trotzdem ich mir im Klaren war, dass ich krank bin und dass es nicht normal sein konnte, dass man nächtelang nur plant, wie man sich am effektivsten das Leben nehmen kann, leider keine Hilfe, denn es konnte ja nicht sein, was nicht sein darf. Und es war aus meiner kleinen Weltsicht damals eben einfach nicht drin, dass ich versage, nichtmal im kleinsten Bereich, bis dahin war nichts ausser dem Maximum und Optimum für mich akzeptabel, so etwas wie persönliche Reife und Einsichtsfähigkeit fehlten leider. Zu diesem Zeitpunkt lief ich nur noch auf automatischem Minimalbetrieb, liess so ziemlich alles schleiffen, konnte aber auch wegen ständigem Schlafmangel und Angstattacken ohnehin keine vernünftige Leistung erbringen. Ich hatte jeglichen Kontakt zu Freunden verloren, meine Eltern wimmelte ich ab. Ach ja, und ich hatte plötzlich schlechte Noten (völlig verdient).
Meine Eltern merkten natürlich, dass etwas nicht stimmte. Irgendwann teilte ich mit, dass ich mein Studium abbrechen werde, oder mich umbringen, oder beides. Ich hatte plötzlich arge Zweifel an meinem Studium und bildete mir auch ein, das Examen sicherlich nicht zu schaffen, alles Ausfluss meiner Erkrankung, die wiederum ihrerseits ihre diversen Wurzeln hatte. Meine Eltern wohnten damals weit weg von mir und waren voller Sorge und Verzweiflung. Diese Situation zog sich über geschlagene vier Semester, ich schaffte es irgendwie scheinfrei zu werden, aber prüfungsfähig war ich sicher nicht. Anlässlich einer Routineuntersuchung bei einer Frauenärztin (wobei es ein ziemliches Wunder war, dass ich da überhaupt hin bin..) wendete sich schliesslich das Blatt. Sie merkte mir offensichtlich sofort an, dass da etwas nicht stimmte, sprach mich direkt darauf an und ich musste mich offenbaren, denn zu diesem Zeitpunkt konnte ich keine Kraft mehr aufbringen um zu dissimulieren. Ich bin ihr noch heute unendlich dankbar, dass sie den Mut und die Zeit hatte, sich so auf mich einzulassen.
Um die Geschichte mal abzukürzen: ich zog dann zu meinen Eltern, weil ich definitiv die stützende Struktur meiner Familie damals brauchte und studierte nach einem Wartesemester, als ich wieder stabiler war, zunächst an einer anderen Uni weiter, die gleichen Fächer. Aber als ich meinen Lebensmut wiedergefunden hatte, hatte sich das Problem mit der Frage "Wo willst du eigentlich hin im Leben?" noch weiterhin gestellt. Ich habe dann dieses Studium abgebrochen und mir einen unifernen Job gesucht. Zwar war da zunächst ein Gefühl grandios gescheitert zu sein, aber irgendwie gefiel mir auch die Arbeitswelt, ich fand ein für mich interessantes Feld, hatte ein völlig neues Umfeld, andere Menschen, verdiente Geld, bekam ein Angebot für eine Ausbildung. Dann tat sich ein weiteres Törchen auf und ich fand einen Studiengang der mit diesem Arbeitsfeld zu tun hatte. Weiterhin konnte ich eines meiner alten Fächer reaktivieren, als Zweitfach nehmen und sämtliche Scheine anerkennen lassen. Ich studiere immernoch, bin jetzt im Hauptstudium, es geht sehr schnell und ich habe meine alte Begeisterung in neuem Gewand wiedergefunden. Doch ich bin gewarnt und achte weit mehr auf mich und meine Gesundheit. Ich sehe auch bei meinen jüngeren Kommilitonen, wie manche kämpfen müssen mit sich und dem Studium und versuche mit ihnen in Kontakt zu kommen.
Es gibt ja Menschen, die werden irgendwie auf geradem Wege groß, ich weiss nicht, wie sie das machen, oder wie und ob sie glücklich werden. Andere jedoch gehen verschlungene Pfade und bekommen auf dem Weg ihren Schliff.
Ich bin nicht stolz auf meinen Weg (mein alter Ehrgeiz und meine Ansprüche an mich selbst sind andere), doch ich bin froh, wieder unbeschwert leben zu können und einen Weg gefunden zu haben, der unverkennbar meiner ist und mich geprägt hat.
Ich wünsche dir die Kraft, dich für deinen Weg zu entscheiden und Gefährten die dich unterstützen. Es bleibt am Ende immer die Erkenntnis, dass jedem nur ein Leben gegeben ist und er allein den Gestaltungsauftrag hat.
Liebe Grüße, Seeblättchen
 

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