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Studium komplett an die Wand gefahren und Zeit verschwendet- Neustart angehen

Schon. Ich habe meine jüngeren Geschwister großgezogen, mich immer selbst finanziert, mein Studium beendet und mir alles selbst erarbeitet. Das hat mit dem TE allerdings nicht viel zu tun. Ich verstehe nicht, was du konkret aus meinem Beitrag herausliest, was diesen Werten entgegensteht.
Das ist sehr lobenswert. Bei mir sieht es ähnlich aus. Nie arbeitslos, da einfach gejobbt bis ich richtige qualifizierte Arbeit gefunden habe

Der TE hats nun vermasselt und sollte neu starten....und warum sollte er nicht eine Ausbildung machen sollen?

Kolya
 
Hallo allerseits,

kurz zu meiner Person. Ich bin männlich und werde dieses Jahr 23 Jahre alt. Das hier ist mein erster Beitrag, also entschuldigt, wenn ich irgendwas falsch mache.

Ich studierte seit dem WS 21/22 Mathematik. Ich fand das Fach durchaus interessant und war bereit mich auf die Schwierigkeiten einzulassen, die so ein Studium mitsichbringen. Jedoch stellte sich heraus, dass die Schwierigkeiten nicht nur mit den Inhalten des Studiums einhergingen. Ich war nicht wirklich produktiv, was das aktive nacharbeiten der Inhalte angeht.
Ich habe zwar mit Kollegen mich getroffen, wo wir gemeinsam die Übungsaufgaben gearbeitet haben, aber ehrlich gesagt war das leider nur der Fall, das die Infos die wir gelernt haben in meinen Kopf reingingen, aber direkt wieder raus waren.
Ich habe quasi nur die Lösungen aufgeschrieben und dachte mir, später ergeben sich die Sachinhalte von alleine. Das war allerdings nur Wunschdenken. Im ersten Semester habe ich keine einzige Klausur bestanden.
Okay dachte ich mir, ich habe schon vorher gehört, dass Mathe alles andere ein Spaziergang ist und es ein wenig Zeit benötigt bis man sich daran eingewöhnt hat. Jedoch hat es nie wirklich richtig klick gemacht.
Dieses falsche Form von mitarbeiten, plus die Tatsache, dass ich viel prokastiniere, hat dafür gesorgt, dass das Studium nur extrem langsam Fortschritt machte. Hin und wieder habe ich eine Klausur auch bestanden , aber die meiste Zeit waren es nur 5.0. Und dann kam noch hinzu, dass die ersten Drittversuche anstanden. Da habe ich mich mal wirklich hingesetzt und auch aktiv mitgearbeitet. Tatsächlich konnte ich auch eine bestehen. Da dachte ich mir, endlich wird ein Schuh daraus. Einfach die restlichen Klausuren und Prüfungen so meistern und dann hast du bald deinen Abschluss.
Doch dieses Momentum was ich mir angeignet habe, habe ich kaum ausgenutzt und ich bin wieder in die Prokrastination gefallen. Und dann kam der Gau. In diesem Semester ging ich erneut in einen Drittversuch, aber es ist das passiert, was ich dachte, dass es niemals passieren würde. Ich habe einen Drittversuch nicht bestanden und werde exmatrikuliert. Ich habe schon alles und jeden kontaktiert, um zu schauen, ob man noch irgendwas machen kann, doch es ging nicht. Nach 9 Semestern ist mein Studium vorbei, ohne Abschluss.

Und das wohl schlimmste an der Sache ist, dass ich es meinen Eltern verheimlicht habe. Als ich im ersten Semester meine Klausuren nicht bestanden habe und es meine Eltern erzählte, hat es sich nicht richtig angefühlt. Meine Mutter reagierte einigermaßen entspannt darauf, aber mein Vater hackte Tage darauf und ließ mir kaum Ruhe. Du musst mehr lernen, ansonsten ist deine Zukunft im Eimer., wiederholte er 100mal.
Das ging mir auf die Nerven und verursachte Schuldgefühle, Gefühle die ich nicht wahr haben wollte. Ich wollte mit meinem Studium zeigen, dass ich selbstständlich handeln, aus Schwierigkeiten selber herauskommen kann und das ich mir keine Standpauken ertragen muss. Also log ich und sagte am Ende jedes Mal, lief alles gut, Klausur bestanden.
Doch jetzt gibt es kein ausweichen mehr.

Nachdem ich erfahren habe, dass der Drittversuch in die Hose ging, habe ich mir sofort umgeschaut, was ich jetzt machen kann. Ich habe mich schon auf einige Ausbildungsplätze, wie Bankkaufmann, Fachinformatiker oder auch Kaufmann beworben und werde mich noch auf weitere Stellen bewerben.
Das ganze harte theoretische Zeug in der Uni, hat mir doch mehr Schwierigkeiten bereitet und ich hoffe das mir etwas mehr praktische besser liegen würde.
Doch ich habe gleichzeitig Angst, dass ich am Ende leer ausgehe. Diese Stellen auf die ich mich bewerbe sind aüßerst beliebt und ich habe Angst, das Firmen keinen durchgefallenen Mathe-Studenten nehmen, der nach 9 Semester ohne Abschluss steht.

Kurzgefasst: Ich habe knapp 5 Jahre mit einem Studium verschwendet, wo ich durch meine komplett unangemessene Vorgehensweise ich es in den Sand gesetzt habe, meine Eltern die Wahrheit verschwiegen habe, in der Hoffnung, dass sich die Lage bessert und ich jetzt nun dringend einen Neuanfang brauche.

Das war jetzt ein langer Text und mir ist klar, dass nur ich Schuld darin habe, dass meine Lage so schlecht und vermeidbar ist.

Ich würde mich aber sehr freuen, wenn ihr irgendwelche Tipps, wie man aus so einer Situation herauskommt oder einfach nur paar tröstende Worte mir auf dem Weg geben könnt.

Mit freundlichen Grüßen
Ich finde du bist schon auf dem richtigen Weg. Du hast dein Verhalten reflektiert und soweit du konntest es versucht. Jetzt wartet ein neuer Weg auf dich.
Wie sich das entwickelt, wird sich zeigen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und viel Erfolg.
 
Habe eine ähnliche Story wie du hinter mir und eins kannst du mir glauben.
Du hast noch so ziemlich ALLE Möglichkeiten vor dir, auch wenn es dir momentan anders erscheint.
Du bist "erst" 23.
Viele Ausbildungen schaffst du ohnehin mit links, wenn du es immerhin bis ins 9 Semester Studium geschafft hast, noch dazu kannst du viele Ausbildungen aufgrund deines Abis usw. ohnehin auf 2 Jahre verkürzen.
Dann hast du mit Mitte 20 "etwas in der Hand".
Danach gibt es immer noch "Meister" "Fachwirte" "Betriebswirte".
Einfach knallhart weiterbewerben.
Aber natürlich sind in vielen "beliebten" Berufen die Ausbildungsplätze schon meist im Herbst des Vorjahres besetzt, dass muss dir bewusst sein. Aber chancenlos bist du auch nicht. Du hast immerhin nun ein gutes halbes Jahr Zeit um in Richtung Ausbildung etwas zu finden, falls das der Weg ist, den du gehen möchtest.

Wenn dir ne Ausbildung nicht anspruchsvoll genug ist, dann vielleicht mal über ein duales Studium nachdenken. Muss ja nicht gleich Mathematik sein. So ein 0815 Bachelor in BWL ist immer noch besser als gar nichts...🙂

Kopf hoch.
Du bist noch jung.
Und das mit deinem Vater wird auch wieder.
 
Deine alternativen Ausbildungswünsche passen m.E. gut zu deinem studienbedingten Vorwissen. Wenn du gute, marktfähige Bewerbungen schreibst, in denen du vom 0815-Schema abweichst, hast du im Ausbildungsmarkt gute Chancen.
Schau dir die Homepages der Firmen, bei denen du dich bewirbst, genau an und finde etwas, was du gut mit dir identifizieren und thematisieren kannst. Schreibe jede einzelne Bewerbung individuell auf die Firma zugeschnitten und überlege dir, warum du dich bei ausgerechnet dieser Firma bewirbst, Anhaltspunkte dafür findest du wie gesagt auf deren Homepages.
Biete kurze freiwillige Eignungspraktika an, denn dies ist aus Arbeitgebersicht dein Vorteil gegenüber allen anderen Mitbewerbern, die zur Zeit noch in der Abschlussphase ihrer Schulen und daher zeitlich nicht so flexibel sind wie du.
Vielleicht gibt es auch Ausbildungsmessen in deiner Region, die viele Arbeitgeber nutzen, um ihre noch freien Ausbildungsplätze auch kurzfristig zu besetzen.

Zudem sind duale Studiengänge für dich vielleicht auch eine gute zusätzliche Option.

Den Studienabbruch könntest du offen und ehrlich damit thematisieren, dass du im Lauf des Studiums festgestellt hast, dass du doch eher ein Praktiker bist und in Richtung Ausbildung strebst.
Eventuell käme auch eine Überbrückung bis Ausbildungsbeginn nächstes Jahr infrage, denn viele Arbeitgeber im Bereich Wirtschaft/Verwaltung haben ihre Ausbildungs- und dualen Studienplätze für dieses Jahr bereits besetzt.

Die Themen "Aufschieberitis" sowie evtl. nicht zu deinen (vielleicht dir unbekannten?) Ressourcen passender Studienwunsch würde ich auf jeden Fall noch einmal näher beleuchten, denn die scheinen mir die Hauptursache für das Scheitern deines Studiums zu sein (gutes Gesprächsthema auch für deinen Termin bei der Berufsberatung!).

Auf jeden Fall drücke ich dir mal alle fünf Daumen und wünsche gutes Gelingen 🍀
 
Ich bin nicht in Deutschland, also vielleicht macht das Folgende keinen Sinn, aber wäre es nicht möglich, in einen anderen Studiengang mit hohem Mathematikanteil zu wechseln, zum Beispiel in Wirtschaftswissenschaften oder so was? Wenn nicht an derselben Uni, dann an einer anderen? Du hast bereits die Arbeit von neun Semestern investiert, vielleicht könntest du das noch zu deinem Vorteil nutzen?
 
Naja exmatrikuliert werden, kann man schon durch eine fehlgeschlagene Prüfung im Drittversuch. Oder zwei Prüfungen im Drittversuch. Du musst ja nicht alles erzählen, wenn du nicht willst.

Du solltest nur einerseits mal schauen, warum du so viel Prokrastinierst bei mir waren es Depressionen (hab eher nichts gefühlt als dieses depressive tief) . Und Zweitens dich weitergefächert bewerben oder in anderen bundesländern, eher ländlich oder so.
 
Hallo,
da ich wahrscheinlich ein Experte darin bin, wie man das Berufsleben an die Wand fährt, kann ich dir sagen, dass dein Fall jetzt nicht die Vollkatastrophe ist, für das du es hälst. Klar, fürs erste wird sich das für dich schlimm anfühlen, aber ich denke du wirst daraus wahrscheinlich stärker hervorgehen. Du bist auch noch jung genug, dass die Firmen dich nehmen könnten. Ich wünschze dir alles gute für die Zukunft.
 

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