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Studienabschluss mit 34

machmal

Mitglied
Hallo in die Runde,

ich möchte euch gerne an etwas teilhaben lassen, das mich bedrückt, und wissen, was ihr dazu sagt.

Ich bin vor ein paar Wochen 34 Jahre alt geworden und schließe dieses Jahr meinen Master mit guten Noten ab. Was mich selbst so bedrückt, ist dabei mein Alter und die Oberflächlichkeit, mit der ich in Vorstellungsgesprächen bewertet werde.

Ich habe mir mein Studium fast zu 100 % selbst finanzieren müssen und habe kontinuierlich, ohne Aussetzer, jedoch eher intensiv studiert. Das heißt, pro Semester habe ich 3-5 Kurse belegt, die gut bestanden und fachlich etwas mitgenommen. Die Arbeit daneben war teilweise sehr zeitintensiv, da ich Wohnung, Krankenkasse etc. finanzieren muss. Oft habe ich 30 Stunden neben dem Studium gearbeitet.

Warum habe ich so lange gebraucht ?
Weil meine Arbeit, die ich seit 10 Jahren mache, fürchterlich ist und 2., weil ich von niemandem Unterstützung, sondern stattdessen nur Gegenwind erhalten habe. Es ist so, dass ich nie eine Studentin war, die auf Parties gegangen ist, die mit Drogen experimentiert hat, die Seminare unvorbereitet betritt. Dies liegt daran, dass ich früh erwachsen werden musste und mir mein Studium eben selbst finanzieren musste. Ich trage Verantwortung für mein Leben.

Nun ist dies ja eine schwierige Ausgangslage. Dennoch werde ich häufig mit jemandem verwechselt, der stark, erfolgreich etc. ist. Und deswegen auch angefeindet. Leute projizieren die seltsamsten Dinge auf mich, zumeist werde ich niedergemacht. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, oder ob es anderen auch passiert. Ich bin mittlerweile gefrustet, wegen des Alters, weil ich meine Arbeit hasse, weil ich traurig bin, wie mein Leben verlaufen ist. Es ist vielleicht eine Mid-Life-Crisis, vielleicht eine Art Depression, einen Hass auf die Ungerechtigkeit, wenn ich alte Schulfreunde bei facebook sehe.

Ich weiß nicht, ob mich jemand verstehen kann oder jemand eine ähnliche Situation wie ich kennt. Ich bin einfach so unglücklich, so traurig, so frustriert, so leer.

Vielen Dank fürs Lesen und alles Gute !
 
Mach dir keine Sorgen. Wenn du Leistung bringst, wirst du auch eine Stelle finden.

Andere werden mit 34 Professor, und haben ihr Leben lang nur belogen und Betrogen. Wichtig ist, dass du dich vor dir selbst verantworten kannst.

Das was du an Anfeindungen Erlebst ist teilweise der "gute Ton" aka. Ellenbogengesellschaft. Teilweise ist es die art mancher Menschen die eigene Unsicherheit oder Unwissenheit zu übertäuschen.

Es geht auch anderen ähnlich wie dir. Die Gesellschaft zerfällt mehr und mehr, weil die die ignoranten das sagen haben. Such Gemeinsamkeit. Überleg was du besser machen kannst, und schütze dich vor Egoisten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mach dir keine Sorgen. Wenn du Leistung bringst, wirst du auch eine Stelle finden.

Andere werden mit 34 Professor, und haben ihr Leben lang nur belogen und Betrogen. Wichtig ist, dass du dich vor dir selbst verantworten kannst.

Das was du an Anfeindungen Erlebst ist teilweise der "gute Ton" aka. Ellenbogengesellschaft. Teilweise ist es die art mancher Menschen die eigene Unsicherheit oder Unwissenheit zu übertäuschen.

Es geht auch anderen ähnlich wie dir. Die Gesellschaft zerfällt mehr und mehr, weil die die ignoranten das sagen haben. Such Gemeinsamkeit. Überleg was du besser machen kannst, und schütze dich vor Egoisten.

Hallo Gödel,

erst einmal danke für deinen Beitrag !

Sicherlich hast du Recht damit, dass manche Anfeindungen mit der Ellenbogengesellschaft zu tun haben. Und vielleicht werde ich auch eine Stelle finden, wenn ich Leistung bringe.

Dein Beitrag hat mich darüber nachdenken lassen, WAS mich eigentlich so frustriert und gewissermaßen konnte ich Antwort darauf in diesem Satz finden:

"Andere werden mit 34 Professor, und haben ihr Leben lang nur belogen und Betrogen. Wichtig ist, dass du dich vor dir selbst verantworten kannst."

Letzteres kann ich und, ja, darauf habe ich auch stets geachtet. Was mich frustriert, ist, dass ich trotzdem gerne Professorin geworden wäre und Karriere gemacht hätte. Ich hätte vielleicht das Potenzial dazu gehabt, aber mir wurden in meinem Leben wirklich große Steine in den Weg gelegt. Ich meine damit nicht einige fiese Randbemerkungen von Menschen "höheren Ranges" oder schlechtes Wetter. Ich meine, dass ich so etwas wie Chancenungerechtigkeit seit meiner Kindheit am eigenen Leib erfahren habe und bis heute die Konsequenzen des schlechten finanziellen Hintergrunds trage, in den ich geboren bin. Vielleicht, wenn ich nicht in Deutschland, sondern in einem ärmeren Land aufgewachsen wäre, hätte ich dies nicht als so bedrückend empfunden. Doch, seit ich Kind bin, hatte ich immer eher mit der deutschen Mittel- bis Oberschicht zu tun (Besuch des Gymnasiums, danach Studium) und war in meiner Klasse, in einem kleinen Ort in Nordrhein-Westfalen, grundsätzlich die einzige, die von Sozialhilfe aufgewachsen ist und nicht aus einem Einfamilienhaus stammte.

Es ist, gerade an der Universität und in den sozialwissenschaftlichen, erziehungswissenschaftlichen Fächern, immer wieder von Chancengerechtigkeit die Rede, und in Wahrheit, dies habe ich am eigenen Leib erfahren, als ich 20 war und auch jetzt noch, setzt die Universität, vom steten Gebrauch der Worthülse abgesehen, sich überhaupt nicht dafür ein. Ich denke, dies empfinde ich als größtes Hindernis auf meinem Lebensweg und als riesige Ungerechtigkeit. Die Dozenten sind einfach wenig entgegenkommend.

Die zweite große Frustration und Verletzung resultiert daraus, nein, ich bin keine Kampfemanze !, dass es vor allem wegen meines Geschlechts ist, dass ich es trotz meines Alters nicht weiter gebracht habe. Man könnte denken, in Deutschland seien Frauen und Männer gleichberechtigt, doch dies ist unter der Hand, besonders in patriarchalisch geprägten Strukturen wie der Universität, nicht der Fall. Ich liebe meine Fächer und gehe deswegen in Seminare, und doch kam es schon vor, dass männliche Professoren mein Interesse am Seminar mit Interesse an Ihnen verwechselten. Man kann sich nicht vorstellen, wie demütigend es ist, wenn einem die eigene Persönlichkeit abgesprochen wird und einem stattdessen unterstellt wird, man sei verknallt in einen Dozenten, den man im schlimmsten Fall unsympathisch findet. Sich zu wehren ist an der Universität sinnlos, man wird als Zicke verschrien, sobald man nicht die männlichen Machtdynamiken imitiert. Konflikte werden in Seminaren über das Wiederherstellen und Aufbrechen von Hierarchien durch das Anbringen von Wissen ausgetragen.

Kurzum: Es ist diese maßlose Ungerechtigkeit, die mich frustriert. Die Ungerechtigkeit, die dazu führt, dass ich mit meinem Alter noch nicht fertig bin, die 200 Menschen, die mich auf dem Weg zum Abschluss beleidigt haben und die Kommilitonin in der Bibliothek, die in meinem Rücken absichtlich laut über mich lästert, weil ich die Seminare vorbereite. Es verletzt einfach, mein Leben ist so hart und kalt.
 
Was dein Studienabschluss mit 34 wert ist, liegt ganz in der Bewertung des Betrachters: Nach dem Motto, das Glas ist halb voll oder halb leer.

Du kannst jetzt also lamentieren, dass du erst jetzt deinen Abschluss hast.

Oder du kannst dich freuen, dass du jetzt den Abschluss mit guten Noten schaffen wirst. Dabei kannst du dir auf die Schulter klopfen und sagen, dass du trotz des Studiums Arbeitserfahrung hast.

Meiner Meinung nach lässt sich diese Arbeitserfahrung auch im Lebenslauf unterbringen. Lass dir von deinen bisherigen Vorgesetzten Arbeitszeugnisse ausstellen. Wenn du diese vorweisen könntest, dann wäre ein Studienabschluss mit 45 Jahren und älter noch was wert. Auf dem Arbeitsmarkt wird Erfahrung im Berufsleben hoch angerechnet. Lass dir diese Erfahrung also bescheinigen, insofern dies nicht ohnehin schon geschehen ist.

Ich sehe also keinerlei Manko in deinem Lebenslauf. Im Gegenteil.
Vielleicht wirst du anfänglich bei der Arbeitssuche eine kleine Durststrecke erleben wie viele auch jüngere Studienabgänger, aber du wirst sicherlich irgendetwas finden. Und schau noch vorne. Ich wette, da ist noch viel drin.

Hallo ßßx,

danke für den konstruktiven Beitrag, und: Ich finde du hast Recht. Und ich finde deine Einstellung super, denn es hilft nie etwas, den Kopf in den Sand zu stecken :daumen: Dies ist eigentlich auch meine Devise.

Ich weiß auch nicht, warum ich hier schreibe, denn ich weiß dies alles. Es ist nur so, dies ist mir in den 10 Jahren meines Studiums nicht passiert, dass ich KEINE KRAFT MEHR HABE. Keine Kraft, mich hochzuziehen, keine Kraft meine Gedanken zu lenken. Ich habe keine Kraft mehr ! Vielleicht ein Burn-Out oder soetwas ...

Vielen Dank für deine Worte 😉😉🙂
 
Gibt es eine Altersgrenze, um Professor zu werden? Ansonsten könntest du doch noch promovieren.

Hallo Katzo,

nein, die meisten Profs werden sogar erst mit 40/50 zu Profs. Man muss sich spezialisieren, stetig lesen etc. Es ist alles noch drin. Vor 2 Jahren hätte ich hier auch nicht geschrieben, sondern hätte vielleicht promoviert.

Dann kam ein Einschnitt, mein Ex-Freund, der mich zu Tode kritisiert hat, weil ich nicht unterordnend genug sei. Ich habe seitdem Bauchschmerzen, wenn ich zu viel lese, einfach, weil es mich dann zu einer eigenen Persönlichkeit und damit eben auch "schwieriger", kritischer, hinterfragender Macht. Auf Grund meiner Erfahrungen mit diversen Männern, die sowieso am liebsten möchten, dass man die Klappe hält und nicht so schwierig ist, weil sie sich sonst ein fröhliches Mädchen ohne weitere Ansprüche suchen, weiß ich einfach nicht mehr so sicher, wer ich bin, ob ich Karriere machen will. Von mir aus, aus meinem Inneren heraus, natürlich, denn wer hätte nicht gerne eine herausfordernde Arbeit und viel Geld, Ansehen etc. Doch ich ertrage die Demütigungen momentan einfach nicht mehr, die von außen an mich herangetragen werden. Ich kann einfach nicht mehr, ich habe keine Kraft mehr.

Des Weiteren traue ich mir eine Promotion nicht mehr wirklich zu, eben wegen der vielen Kritik an meiner Person in der Universität. Das Problem ist, dass ich dort von den Dozenten/Profs immer als sehr kompetent eingestuft werde, wenn ich dann aber selbstbewusst bin, was ich früher war, werde ich zertrampelt. Ich kann wirklich einfach nicht mehr.

Es fühlt sich an, als ecke ich überall an, als sei ich falsch wie ich bin, als sei alles falsch, was ich mache. Mein Selbstbewusstsein tendiert gegen 0. Kurzum: Ja, der Weg steht noch offen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn gehen kann und will. Vielleicht ist es eine depressive Phase.

Ich will euch auch nicht nerven, es ist nur so, ich kann nicht mehr, ich bin froh, dass ich mit jemandem sprechen kann, der nicht auf mir rumhackt.
 
Dann nimm dir am besten erstmal eine "Auszeit", bei der du nur einen einfachen "Brotjob" ausübst und überleg dir in dieser Zeit, ob du doch noch promovieren willst und ob es nicht mehr Sinn macht, sich auf seine Karriere zu konzentrieren, statt sich von anderen klein reden zu lassen(falls Promotion dein Traum ist).

Falls dir deine Dozenten sagen, dass du das Zeug dafür hast und du der Typ dafür bist, würd ich es später angehen (gibt extra Stipendien nur für die Promotion)
 
Dann nimm dir am besten erstmal eine "Auszeit", bei der du nur einen einfachen "Brotjob" ausübst und überleg dir in dieser Zeit, ob du doch noch promovieren willst und ob es nicht mehr Sinn macht, sich auf seine Karriere zu konzentrieren, statt sich von anderen klein reden zu lassen(falls Promotion dein Traum ist).

Falls dir deine Dozenten sagen, dass du das Zeug dafür hast und du der Typ dafür bist, würd ich es später angehen (gibt extra Stipendien nur für die Promotion)

Hallo Katzo,

die Profs trauen mir dies meist schon zu. Aber ich traue mir nichts mehr zu. Das mangelnde Selbstvertrauen ist fest in mir verwurzelt, ich glaube ein dummer Nichtsnutz zu sein. Es hilft auch nichts, wenn man mir sagt, dass dies nicht stimmt, wenn meine Noten gut sind. Ich glaube einfach nicht an mich. Ich denke, dass ich sehr dumm bin. Ich denke, dass ich so dumm bin, dass ich mit anderen gar nicht mehr rede. Ich sage das nicht einfach nur so, damit man mir das Gegenteil sagt. Es ist ein Gefühl, das meinen Tag bestimmt, dass immer da ist, ein Glaube, den ich ganz fest habe. Das steht mir im Wege.

Es ist auch so, dass ich hier das erste Mal sage, ich hätte gerne Karriere gemacht. Ich sage anderen immer im wirklichen Leben, dass mich Karriere nicht interessiert. Und wenn ich mal wieder eine der Frauen treffe, deren Lebensinhalt aus eigenen Kindern besteht (in meinem Alter häuft sich dies), lüge ich ihr vor, ich wolle auch unbedingt Kinder, um von dieser Art Frau nicht - wie häufig geschehen - heruntergeputzt zu werden. Ich versuche, anstatt mich zu leben, wie ich bin (als jemand, der gerne einen Doktor hätte und keine Kinder will und wissenschaftliche Texte interessant findet), nach außen so zu tun, als sei ich eine naive Frau, die bald Kinder will und die zu dumm fürs Studium ist. Dem liegt die Psychologie zugrunde, dass ich Sorge habe, dass wenn ich dazu stehen würde, dass ich Karriere machen möchte etc., dass ich erst dann Angst vorm Scheitern hätte. Ich begnüge mich mit der Rolle der Dummen etc., um nicht, sollte ich einen Doktor etc. wagen, bestätigt zu bekommen, dass ich dafür nicht geeignet bin. Stell dir vor, du möchtest Sänger werden, aber du lässt es, weil du so nicht weißt, ob du hättest Sänger werden können. Der Traum bleibt dir. Versuchst du es jedoch, gibt es nur noch die Möglichkeit, dass der Traum sich erfüllt oder platzt. Zum anderen wird man von Frauen in meinem Alter gemobbt, wenn man sich nicht an die Standard-Codes hält (ich nenne das immer "weiblicher Einheitsbrei": Nicht auffallen, Frauen sind alle gleich - unsichtbare Regel unter Frauen. Nicht sich für Sachthemen interessieren! Anderen Frauen immer zustimmen und sich über Nichtigkeiten unterhalten).

Alles, was ich schreibe, ist ja gefärbt davon, dass ich tief in mir glaube, zu dumm zu sein. Deswegen weiß ich nicht, ob ich den Doktor angehen soll. Man kann mir sagen: Sie sind nicht zu dumm, ich kann es nicht glauben, weil ich weiß, dass ich dumm bin. Weil alle Menschen gewissermaßen dumm sind. Und ich bin ein Mensch. Es ist also ein Fakt.

Vielleicht versteht mich jemand. Ich denke, ich suche einen Therapeuten auf, das Problem ist doch etwas hartnäckiger, als es scheint. Dennoch danke für den Tipp mit der Auszeit, Katzo, gewissermaßen mache ich dies auch gerade: Ich habe Anfang April die letzte Prüfung und lerne nur dafür, so auch gerade, ansonsten keine Kurse etc., vor allem sehe ich keine Leute. Danach kommen 6 Monate, in denen ich nur arbeite und die Master-Arbeit schreibe, also auch eine kleine Auszeit.

Ich wünsche euch alles Gute :blume:
 
Zuletzt bearbeitet:
Auszeit mit Brotjob und währendessen Therapie macht sehr viel Sinn. Als Professor würdest du mit Sicherheit nicht lange durchhalten, solange du dich so sehr von der Meinung der anderen abhängig machst.

Du hast ja noch Zeit, also 1-2 Jahre zur Aufarbeitung und dann eventuell Professur im Anschluss dürften ja kein Problem sein.

Viel Erfolg, katzo
 
Auszeit mit Brotjob und währendessen Therapie macht sehr viel Sinn. Als Professor würdest du mit Sicherheit nicht lange durchhalten, solange du dich so sehr von der Meinung der anderen abhängig machst.

Du hast ja noch Zeit, also 1-2 Jahre zur Aufarbeitung und dann eventuell Professur im Anschluss dürften ja kein Problem sein.

Viel Erfolg, katzo

Die Meinung der anderen ist mir scheißegal, ich bin mir nur zu schade dazu, mich von anderen beleidigen zu lassen und habe keine Kraft mehr, mich zu wehren. Ich überlege, mir Pfefferspry zuzulegen und der nächsten Hausfrau, die mich beleidigt, wenn ich ihr sage, ich will keine Kinder, ins Gesicht zu sprühen. Wäre auch eine Lösung.
 

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