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Stillstand

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G

Gast

Gast
Hallo,

eigentlich ist meine Situation nicht auszuhalten, denke ich mir desöfteren und dennoch verändere ich nichts.
Ich gammele seit unzähligen Monaten fast nur rum, sehe fern oder bin im Internet, nehme an Gewinnspielen teil etc. Ich fühle mich oft gleichgültig, sodass ich es ertrage so zu leben, dann aber fühle ich mich wieder schwer depressiv wenn ich mir klar werde wie krank das alles ist, dass ich keine Perspektive habe, komplett abhängig von meinen Eltern bin, bei denen ich wohne. Eigentlich sollte ich nämlich meine Diplomarbeit schreiben, seit Monaten, ich schaff es einfach nicht. Ich hasse mich dafür, fühle mich zu dumm dazu, so als ob das Studium umsonst war, da ich zu blöd bin um eine Diplomarbeit zu schreiben.
Ich hasse mich und mein Leben und ich habe oft große Angst davor, dass ich auch für andere nur noch Abschaum bin, ich traue mich gar nicht mehr aus der Wohnung, weil ich fürchte von Nachbarn auf meine Diplomarbeit angesprochen zu werden, ich schäme mich so sehr, habe kein Selbstbewusstsein und keine Kraft, fühle mich sehr unwohl in meiner Haut. Mehr oder weniger ist das seit meiner Jugend so, dass ich mich stark minderwertig fühle, aber so extrem ist es jetzt seitdem ich nur noch die Diplomarbeit schreiben muss und auf mich alleine gestellt bin, keinen Unterricht mehr habe, seitdem ist es noch mehr und mehr bergab gegangen.

Ich weiß einfach nicht, wie ich dieses Studium zu Ende bringen soll, ich will es ja an sich, aber ich schaff es nicht.
Ich weiß nicht, was geschehen muss, dass ich es wenigstens versuchen kann. Vielleicht hab ich auch recht und ich bin wirklich zu dumm dazu und das Schreiben zu anspruchsvoll. Ich ertappe mich oft in Situationen, in denen meine Dummheit/Unwissen/fehlende Allgemeinbildung zu Tage tritt. Aber ich kann mir selbst eigentlich auch kaum mehr trauen. Was kann mir helfen?


Eine Sie
 

Hallo Gast,

schau mal hier: Stillstand. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Hallo liebe Sie 🙂
ich kann dich gut verstehen. Nach 2 Abbrüchen weiß ich, wie sehr man sich als Versager fühlen kann und diese "ich bin zu dumm"-Gedanken kenne ich daher auch. Aber ich habe es nie über das 2. Semester hinaus geschafft. Da du schon so weit gekommen bist, wäre es sehr schade, jetzt aufzugeben. Denn das zeigt doch, dass du wirklich etwas drauf hast. Ein Studium macht sich nicht von allein, dazu gehört viel Gribs, Eigeninitiative, Arbeit usw. Du bist also ganz sicher nicht zu dumm, dazu bist du schon viel zu zeit gekommen 😉 Ich selbst bin psychisch krank, weiß also ist, wenn die eigenen Probleme und Sorgen den Geist lähmen, ich habe auch das Gefühl, nichts mehr auf die Reihe zu bekommen und nicht mehr mit dem Kopf arbeiten zu können. Das ist in deiner Situation aber ganz normal. Du bist depressiv, das sagst du ja selbst. Depressionen verursachen u.a. Denk-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Grübelzwang, Schlafstörungen usw. tun dann meist ihr übriges. Ich würde dir empfehlen (sofern das jetzt noch möglich ist), die Diplomarbeit aufzuschieben und ein Krankheits- bzw. Urlaubssemester einzuschieben. So hast du etwas Luft und kannst dich erst einmal um deine Probleme kümmern und dich in Behandlung begeben. Das wäre meiner Meinung nach nicht verkehrt, denn deine Probleme scheinen ihren Ursprung ja weiter in der Vergangenheit zu liegen. Dass dein Geist nun so blockiert sollte dir ein Warnsignal sein, einzugreifen, solange dein Studienabschluss noch möglich ist. Je länger du damit wartest, desto unwahrscheinlicher wird es, das ganze noch gut zu beenden, denke ich. So zumindest meine Erfahrung. Ich habe es lange vor mir hergeschoben, mir professionelle Hilfe zu suchen, so lange, das nun nichts mehr geht. Ich bin jetzt arbeitsunfähig und bin zu 50% schwerbeschädigt. Habe den Mut, deine Probleme in Angriff zu nehmen und du wirst das schaffen!
Ich weiß nicht, ob es das überall gibt, aber an meiner ersten Uni gab es direkt eine Stelle, an die man sich bei psychischen Problemen wenden konnte. Leider weiß ich nicht mehr, wie sich das nannte. Aber vielleicht, kennst du da ja was an deiner Uni/FH/... Falls nein, wende dich am besten an den StuRa. Die können dir helfen und dort erfährst du alles, was du wissen musst wegen Urlaubssemester usw.
Als Student Zuhause bei den Eltern zu leben ist sicher auch keine Schande. Du tust das ja immerhin, um später finanziell umso unabhängiger zu sein 😉 und sieh mich mal an. Meine Mutter verwaltet mein Geld und kommt einmal die Woche zu mir zum Einkaufen und sauber machen 😉

Wirf bitte nicht die Flinte ins Korn. Du packst das. Das haben schon ganz andere geschafft 😉

Liebe Grüße
 
Ich kann dich sehr verstehen. Auch mir geht es ähnlich, obwohl ich in einer ganz anderen Lebenssituation bin.

Ich habe zwei Kinder groß gezogen, bin nun Mitte 40, habe vor ein paar Jahren über einen 400 Euro Job wieder den Einstieg in den Beruf gesucht und einige Jahre nur am Wochenende gearbeitet. Dann ging mein ältestes Kind ins Studium und ich fragte meinen damaligen Chef, ob ich vielleicht eine Stelle unter der Woche haben könnte.

Darauf meinte er, ja, aber nur, wenn ich die Wochenenden weiter beibehalten würde. Da meine Familie nun schon mehrere Jahre am Wochenende mehr oder weniger ohne mich auskommen musste und ich auch keine Lust mehr auf diese Wochenendarbeit hatte, habe ich gekündigt. Ich hatte mir bei Beginn dieser Arbeit gedacht, wenn ich das ein Jahr oder so mache, kann ich vielleicht wieder halbtags während den normalen Wochenarbeitszeiten einsteigen. Ich muss dazu sagen, dass es sich nicht um eine Verwaltungsarbeit handelte und Kollegen die Arbeit so sehr gehasst haben, dass sie sich Atteste vom Arzt besorgt haben, um nicht am WE arbeiten zu müssen.

Na ja, lange Rede, kurzer Sinn. Ich stand nach fast 4 Jahren, in denen das Familienleben sehr gelitten hat, wieder ohne Arbeit da. Ich habe mich seit dieser Zeit auf alles beworben, was in auch nur annähernd meinem erlernten entsprach, hatte dann auch nach langem Suchen wieder einen Job. Dort habe ich innerhalb 3 Monaten sehr stark abgenommen, da ich die psychische Belastung nicht ausgehalten habe. War total von der Rolle und habe dann gekündigt. Nun sitze ich hier und weiß nicht mehr was mein Leben noch bringen soll. Ich will soooooo gerne wieder arbeiten, aber niemand gibt einer Mittvierzigerin, die mehr oder weniger nur Kinder groß gezogen hat, eine Chance.

Auch ich gehe wenig nach draußen, um nicht nach meiner Arbeitssituation gefragt zu werden. Ich stecke in einem tiefen Loch, aus dem ich nicht mehr herauskomme. Ich denke immer tiefer kannst du nicht mehr fallen und dann gibt es wieder Anlässe und Dinge, die mir den Boden unter den Füßen wegziehen. Auch dieses nicht mehr wie früher gebraucht zu werden, macht mich völlig fertig. Ich fühle mich mehr und mehr nutzlos und überflüssig für diese Gesellschaft. Ich weiß nicht wie oder wer mich dort wieder rausholen kann.
 
manchmal wollen wir "eigentlich" dinge verändern, aber merken, dass wir uns selber massiv im weg stehen.
manchmal gehen mit eigentlich gewünschten veränderungen auch konsequenzen einher, die wir fürchten (weil sie neuland sind, weil sie unseren werten oder überzeugungen entgegen laufen, weil sie auswirkungen auf andere hätten.....)

das kannst du herausfinden, indem du dir ganz genau vorstellst, wie es sein wird, wenn du die diplomarbeit geschrieben hast - deinen abschluß in der tasche hast und nun nicht mehr studentin bist. wie ist das? wo bist du, was tust du, was siehst, hörst, fühlst du.....
welche handlungskonsequenzen deinerseits zieht ein abgeschlossenes studium nach sich? kannst du das schon, oder musst du dafür noch was lernen? wen betrifft deine mutation von der studentin zur.....???...noch? deine familie, deine freunde? werden neue menschen in dein leben treten, alte gehen?

such bei der beantwortung solcher fragen nach einwänden, die du wahrnimmst. solange die nicht zufriedenstellend bearbeitet sind, machjt deine blockade sinn!
 
Vielen Dank für die Antworten!

Zum "anderen" Gast würde ich gerne loswerden und dir sagen, dass du kein bisschen Schuld an der Situation bist und dir nichts vorzuwerfen hast, da du dich bemühst und bewirbst und es richtig war, dass du dir nicht die doppelte und unmenschliche Belastung zugemutet hast, unter der Woche und am Wochenende arbeiten zu müssen. Ich wünsche dir sehr, dass du bald Glück hast und etwas findest und wieder zu Kräften kommst.

Ich selbst habe große Angst davor, irgendwann arbeiten zu müssen, ich denke, das spielt auch mit eine Rolle, dass ich die Diplomarbeit nicht auf die Reihe bringe, unterbewusst zumindest. Wenn ich mal für einen Bruchteil des Tages versuche (und es ist schon länger her, dass ich es versuchte) voranzukommen, habe ich schnell das Gefühl zu dumm dazu zu sein, hab keinerlei Konzentration oder Motivation mehr, es erscheint mir alles sinnlos, weil mir alles so hoffnungslos vorkommt, da ich auch nicht weiß, wo oder was ich danach arbeiten soll, denn ich fühle mich absolut nicht qualifiziert für den Beruf, auf den mein Studium abzielt und ich denke, dass ich mir das absolut nicht einbilde, sondern begründe es mit Tatsachen.
Desweiteren habe ich auch noch eine soziale Phobie, was alles noch extrem erschwert.

Ich habe heute nachdem ich eure Antworten gelesen habe, schnell, jedoch nicht mit absoluter Sicherheit, das richtige zu tun, einen Antrag auf ein Urlaubssemester ausgefüllt, weiß aber nicht, ob dieser noch bearbeitet werden kann, da es eventuell schon zu spät ist. Auch das kriege ich wohl nicht hin etwas fristgerecht zu beantragen, obwohl ich doch so viele Monate nichts gemacht habe.
Ich brauche, denk ich, mehr Zeit, denn in meinem Studium darf ich eine gewisse Semesterzahl nicht überschreiten und ich habe schon viel verstreichen lassen.
Ich hoffe, ich schaffe es irgendwas zu verändern, sollte mir das Urlaubssemester doch noch bewilligt werden. Ich weiß nicht, ob ich die Kraft und den Mut dazu finde. Heute dachte ich an die Möglichkeit eine stationäre Therapie zu machen, die mir schon mal empfohlen wurde, und alles in mir wehrte sich dagegen, Angst, Unwillen etc. machten sich breit. Mit einer wöchentlichen Verhaltenstherapie habe ich es bereits versucht und diese abgebrochen, da ich nicht klar kam mit den Therapeuten, auch mit anderen habe ich gesprochen, einige wollten mich nicht annehemen, sagten, ich solle zuerst eine stationäre Therapie machen, aber ich bin nicht bereit dazu.
Vielleicht muss ich erst auf der Straße landen um zu erkennen, dass ich etwas tun muss, ich weiß es nicht.

Ich fühle mich so elend und weiß nicht, warum ich nicht an den Punkt gelange, wirklich etwas dagegen zu unternehmen. Das Urlaubssemester wird vielleicht am Ende nur ein sinnloser Aufschub sein.
Ich glaube, ich sollte schlafen gehen.

Danke euch
 
Hallo und guten Morgen,

hier ist nochmal der andere "Gast" von gestern. Ich finde es gut, dass du dir ein Urlaubssemester gönnst. In dieser Zeit kannst du dir vielleicht Hilfe suchen, entweder bei deiner Diplomarbeit oder bei der Suche nach einer neuen sinnvollen Tätigkeit. Vielleicht kannst du ja dein Erlerntes verwerten, ohne genau in diesen Beruf zu gehen, dem du dich nicht gewachsen fühlst. Manchmal hilft es auch mal raus aus den 4 Wänden in die Natur zu gehen, um die Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Habe ich auch schon öfter gemacht. Im Wald bei schönem Wetter bekommt man ganz gut einen klareren Blick auf die Dinge.
Den Gedanken mit der Therapie finde ich auch gut. Habe auch schon für mich darüber nachgedacht. Allerdings dann wieder verworfen, weil ich glaube, dass ich ein Mensch bin, der sich einem anderen nicht öffnen kann, ohne dauernd zu denken, der hört nur zu, weil er damit sein Geld verdient.

Aber versuche es, vielleicht hilft es dir und du siehst wieder Licht am Ende des Tunnels.

Danke auch für deine lieben Worte an mich.
Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du doch deine Diplomarbeit auf die Reihe bekommst, denn ich glaube ganz fest, wenn du es bis hierher geschafft hast, dann schaffst du die Arbeit auch noch. Aber lass dir Hilfe zukommen, wo immer du sie finden kannst. Hast du dein Thema festgelegt. Sammle Gedanken, Überschriften und geh in kleinen Schritten voran, dann ist der Weg nicht zu lang und du musst nur kleine Hügel besteigen und keinen Mount Everest.
Ich wünsche dir alles Liebe und Gute auf deinem Weg.

Gast von gestern
 

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