Ich gebe es zu, ich mag Mathilda nicht besonders, ich mag sie eigentlich gar nicht. Wir sind Bekannte seit längerer Zeit, mehr aus Gewohnheit als aus Zuneigung. Ab und an treffen wir uns, immer dann, wenn alle möglichen Ausreden schon aufgebraucht sind und ich mich zähneknirschend in mein Schicksal ergebe.
Letztens war ich wieder bei ihr zum Würstchenessen. Sie thronte auf ihrer Couch, den Zipfel der Wurst noch aus dem blutroten Schandmaul hängend und hetzte über ihren wehrlosen und wohlweislich abwesenden Ehegatten. Krokodilstränen rannen die aufgeplusterten Wangen herunter und sie drohte mit Liebesentzug und Trennung. Ich sah ihn gedanklich juchzend vor Freude, sollte es jemals dazu kommen (was es nie käme, ginge es nach ihr).
Ermattet, ausgelaugt und mürrisch fuhr ich wieder nachhause und lege mich sofort ins Bett, noch angefüllt von den Lawinen von Worten, die aus ihr herausgeströmt waren. Und träumte von ihr, ein Albtraum. Ich ging im Traum im Aldi einkaufen, schlenderte nichtsahnend durch die Gänge und da kam sie mir entgegen gestürmt, gehüllt in ein weißes Nachthemd voller Schlamm, heulend und kreischend mit einer billigen Perlenkette geschmückt - wie gerade aus dem Moor entstiegen.
Schreiend schreckte ich aus dem Albtraum hoch und schwor mir, die Bekanntschaft auf Eis zu legen.
Marmorkuchen - Distel - Regenwurm - Buch - Bretagne