T
Trozzkopf
Gast
Seit vielen Monden schon war Harlan durch das Land gestreift und hatte versucht seinen unnachgiebigen Häschern zu entgehen. Müdigkeit, ja eher unendliche Mattigkeit machten seine Muskeln an Armen und Beinen zu fast leblosen Bündeln, die unter jedem Schritt zu zerreißen drohten. Jetzt, am Ende des Tages, als die orange-rote Sonne wie ein schläfriges Auge den weiten Horizont berührte und allmählich die Hitze des Tages nachließ, erreichte er endlich das von hohen Bäumen umstande grüne Ufer des Flussen Blutwasser.
Harlan hatte nur noch die Kraft, sich wie ein Betrunkener vorwärtstaumelnd fortzubewegen, bevor er völlig erschöpft sich in das weiche Gras sinken ließ. Ohne Widerstand löste sich der schweren Sack mit den zwei Goldbarren aus den verkrampften und teilweise blutigen Fingern. Vor Tagen noch war dieser Besitz das höchste Gut gewesen, welches er - die Gunst des Augenblicks nutzend - in überschäumender Gier an sich gebracht hatte. Nun war es jedoch das tiefste Übel, welches ihn nicht wieder freigab und er mit jeder Meile in Gedanken verfluchte.
In dem Moment, als die Karawane überfallen worden war und er sich unbeobachtet glaubte, hatte er die lederne Kittelschürze des Kutschers, die unachtsam neben den übrigen Goldkisten gelegen hatte, an sich genommen und einen improvisierten Sack daraus geformt. Das Pferd, das ihm zunächst bei der raschen Fluch aus dem Kampfgetümmel herausgeholfen hatte, war vor drei Wochen zusammen mit ihm einen steilen, sandigen Hang herunter gerutscht und hatte sich dabei beide Vorderläufe gebrochen. Mit einem gezielten Hieb seines Schwertes war das treue Tier von seinen Qualen erlöst worden.
Das kühle Naß des Flussen half Harlan, als er seine wunden Hände in die seichten Wellen zögerlich hineinsteckte, seine tauben Finger nur unzureichend zu beleben und nur schwer die Gedanken an ein glückliches Ende seiner rastlosen Wanderung auf einen hoffnungsvollen Weg zurück zu führen.
Auch sein Proviant war fast gänzlich bis auf einen Kanten Brot und ein Stückchen Wurst aufgebraucht. Was nützte ihm jetzt das Gold, wenn er bald verhungern würde? Doch nun legte sich wie Balsam der Mantel des Schlafes um die düsteren Gespinste seines Geistes und ließ Harlan im Gras so verharren, wie er sich niedergesetzt hatte.
Erst spät nach Mittag erwachte er mit Schrecken und sah sich gehetzt um. Sein Herz schlug ihm auf Grund seiner groben Unvorsichtigkeit bis zum Hals und seine Augen erwarteten jeden Moment, einen Verfolger aus den Büschen vorpreschen zu sehen. Doch außer liebliches Vogelgezwitscher und dem gurgelnden Geräusch des Wassers, war nichts zu vernehmen.
Als Harlan sich erneut aufmachen wollt, sah er aus den Augenwinkeln etwas großes, dunkles und längliches in etwa vierzig Schritt aus dem Wasser ans Ufer ragen. Bei näherem Hinsehen konnte er sein Glück zunächst kaum glauben. Dort lag tatsächlich ein Kleiner Kahn, der offensichtlich keinen Besitzer zu haben schien.
Vorsichtig näherte sich Harlan dem Boot und rechnete jeden Moment damit, von einem Menschen angesprochen zu werden. Doch nichts Dergleichen passierte. Als er den Holzkahn erreichte, wandte er seinen Blick nach oben und dankte den Göttern für dieses wahrlich unverdiente Glück. Ein tiefer Seufzer der Erleichterung entfuhr sein Lippen und neue Hoffnung erfüllte seine Brust. Seine Überlegungen überschlugen sich fast, da sein Ziel in so greifbare Nähe gerückt war. Wenn er den Fluß hinunterfuhr, erreichte er in drei Tagen das Schleusentor, welches ihn in das Königreich Melfodias bringen würde.
Mit neuer Kraft schob er das Boot, welches Harlan vorsorglich auf Undichtigkeit untersucht hatte, ins Wasser und, nachdem er sein Gepäck sicher verstaut hatte, sprang er ins Boot hinein.
Zurückgelehnt träumte er nun von seiner Zukunft, während er bedächtig auf dem Fluß dahintrieb. Wieder kamen jene Bilder von einem Haus, Dienern, gutem Essen und schönen Frauen, die ihn wegen seines Standes anhimmeln würden, in den Sinn.
Zu spät wurde Harlan des Reiters gewahr, der am Ufer stand und mit einem Bogen auf ihn anlegte. Der Pfeil, der dann aus seinem Herzen ragte, brachte die Pläne des nun ehemaligen Prinzen so schnell zum Versiegen, wie durstiger und trockener Wüstensand Wasser aufnahm.
Wiedereinmal hatte der Fluß ein Opfer erhalten und die Bedeutung seines Namens Blutwasser auf grausame Weise unterstrichen.
Neue Worte: Fingerfertigkeit - Morgentau - Löwengebrüll - andächtig - fliegend
Harlan hatte nur noch die Kraft, sich wie ein Betrunkener vorwärtstaumelnd fortzubewegen, bevor er völlig erschöpft sich in das weiche Gras sinken ließ. Ohne Widerstand löste sich der schweren Sack mit den zwei Goldbarren aus den verkrampften und teilweise blutigen Fingern. Vor Tagen noch war dieser Besitz das höchste Gut gewesen, welches er - die Gunst des Augenblicks nutzend - in überschäumender Gier an sich gebracht hatte. Nun war es jedoch das tiefste Übel, welches ihn nicht wieder freigab und er mit jeder Meile in Gedanken verfluchte.
In dem Moment, als die Karawane überfallen worden war und er sich unbeobachtet glaubte, hatte er die lederne Kittelschürze des Kutschers, die unachtsam neben den übrigen Goldkisten gelegen hatte, an sich genommen und einen improvisierten Sack daraus geformt. Das Pferd, das ihm zunächst bei der raschen Fluch aus dem Kampfgetümmel herausgeholfen hatte, war vor drei Wochen zusammen mit ihm einen steilen, sandigen Hang herunter gerutscht und hatte sich dabei beide Vorderläufe gebrochen. Mit einem gezielten Hieb seines Schwertes war das treue Tier von seinen Qualen erlöst worden.
Das kühle Naß des Flussen half Harlan, als er seine wunden Hände in die seichten Wellen zögerlich hineinsteckte, seine tauben Finger nur unzureichend zu beleben und nur schwer die Gedanken an ein glückliches Ende seiner rastlosen Wanderung auf einen hoffnungsvollen Weg zurück zu führen.
Auch sein Proviant war fast gänzlich bis auf einen Kanten Brot und ein Stückchen Wurst aufgebraucht. Was nützte ihm jetzt das Gold, wenn er bald verhungern würde? Doch nun legte sich wie Balsam der Mantel des Schlafes um die düsteren Gespinste seines Geistes und ließ Harlan im Gras so verharren, wie er sich niedergesetzt hatte.
Erst spät nach Mittag erwachte er mit Schrecken und sah sich gehetzt um. Sein Herz schlug ihm auf Grund seiner groben Unvorsichtigkeit bis zum Hals und seine Augen erwarteten jeden Moment, einen Verfolger aus den Büschen vorpreschen zu sehen. Doch außer liebliches Vogelgezwitscher und dem gurgelnden Geräusch des Wassers, war nichts zu vernehmen.
Als Harlan sich erneut aufmachen wollt, sah er aus den Augenwinkeln etwas großes, dunkles und längliches in etwa vierzig Schritt aus dem Wasser ans Ufer ragen. Bei näherem Hinsehen konnte er sein Glück zunächst kaum glauben. Dort lag tatsächlich ein Kleiner Kahn, der offensichtlich keinen Besitzer zu haben schien.
Vorsichtig näherte sich Harlan dem Boot und rechnete jeden Moment damit, von einem Menschen angesprochen zu werden. Doch nichts Dergleichen passierte. Als er den Holzkahn erreichte, wandte er seinen Blick nach oben und dankte den Göttern für dieses wahrlich unverdiente Glück. Ein tiefer Seufzer der Erleichterung entfuhr sein Lippen und neue Hoffnung erfüllte seine Brust. Seine Überlegungen überschlugen sich fast, da sein Ziel in so greifbare Nähe gerückt war. Wenn er den Fluß hinunterfuhr, erreichte er in drei Tagen das Schleusentor, welches ihn in das Königreich Melfodias bringen würde.
Mit neuer Kraft schob er das Boot, welches Harlan vorsorglich auf Undichtigkeit untersucht hatte, ins Wasser und, nachdem er sein Gepäck sicher verstaut hatte, sprang er ins Boot hinein.
Zurückgelehnt träumte er nun von seiner Zukunft, während er bedächtig auf dem Fluß dahintrieb. Wieder kamen jene Bilder von einem Haus, Dienern, gutem Essen und schönen Frauen, die ihn wegen seines Standes anhimmeln würden, in den Sinn.
Zu spät wurde Harlan des Reiters gewahr, der am Ufer stand und mit einem Bogen auf ihn anlegte. Der Pfeil, der dann aus seinem Herzen ragte, brachte die Pläne des nun ehemaligen Prinzen so schnell zum Versiegen, wie durstiger und trockener Wüstensand Wasser aufnahm.
Wiedereinmal hatte der Fluß ein Opfer erhalten und die Bedeutung seines Namens Blutwasser auf grausame Weise unterstrichen.
Neue Worte: Fingerfertigkeit - Morgentau - Löwengebrüll - andächtig - fliegend
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