Nach den Ausschweifungen der letzten Nacht hatte ich keine Lust mehr auf die "dirty old man"-Rolle. Stattdessen zog es mich zum Reinen, Edlen, Erhabenen. Zur Natur. Raus aus meiner Junggesellenbude, raus aus der Stadt, und am besten auch raus aus meinem Kater. Ich beschloss, Jutta zu besuchen, die wegen ihrer Krebserkrankung aufs Land gezogen war und sich über meinen Besuch stets freute. Eigentlich war ich ja mehr ein Einzelgänger, aber ich denke, ich kann sagen, dass ich ihr in ihrer schweren Zeit ein echter Freund war. Der Tumor war jedenfalls erst einmal besiegt. Soviel zu den Härten des Lebens.
Tatsächlich freute sie sich, mich zu sehen, und ich konnte den freundschaftlichen Kontakt und die herrliche Natur genießen. Den Spaziergang durch den verschlungenen Waldweg, die Wildtiere und den kleinen See mit den Teichrosen.
Als Jutta mit einem großen Messer den Kuchen für uns schnitt, zitterte sie und mehr als ein paar Krümel fielen auf die Tischdecke. Mir wurde klar, dass sie doch noch angeschlagen war und wahrscheinlich bald wieder ihre Ruhe brauchte. Nach dem Kaffee und dem exzellenten selbstgebackenen Kuchen (Krebszellen mögen kein Stevia) verabschiedete ich mich und fuhr, zufrieden mit mir und der Welt, wieder nach Hause.
Holzweg
Schrödingers Katze
Gedöns
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