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Sohn macht mir großen Kummer

Lifeless

Mitglied
Hallo Ihr Lieben,

mit meinem Sohn (27 Jahre, gute Berufsausbildung, IQ 136) das ist so eine Sache. Wir haben mehr oder weniger fast nur alleine gewohnt. Sein Vater ist tödlich verunglückt, als Junior 10 Jahre alt war. Es lief aber immer alles sehr gut bei uns. Nicht mal die "Flegeljahre" waren schlimm. Wir waren immer ein super Team.

Als Junior dann aufs Gymnasium ging, merkte ich, dass er irgendwie keinen Plan hatte. Er schwänzte und hatte null Bock. Aber er sagte auch nie, warum oder wieso. Er brach dann in der 11. Klasse ab und bekam seinen Realschulabschluss. Da er eigentlich Berufssoldat wollte, wurde er gleich mit 18 eingezogen. Er sollte zur SpoFö Fallschirmspringen (seine private Springerlizenz hatte er schon). Leider ist er aber seit seinem 4. Lebensjahr öfter einfach mal so umgefallen. Keiner hat was gefunden. Weder Kinderklinik, noch Uniklinik noch Herzklinik. Naja, das ist ein anderes Thema. Jednefalls wurde er dann doch nicht genommen und wurde den Rest seiner Grundausbildung nur herumgeschickt. Einmal kam ich von Arbeit nach Hause und er lagbewusstlos in seinem Zimmer, obwohl er früh hätte in die Kaserne gemusst. Konnten wir aber alles noch klären. Nur ich war immer in allergrößter Sorge, weil ich nie wusste, wann und vor allem WO er wieder umfallen wird. Das ist aber nicht das Thema.

Nach der Grundausbildung war er sehr, sehr niedergeschlagen. Er wusste nicht, wie es weitergehen soll. Aber wir hatten Glück und er konnte kurze Zeit später in meiner Firma eine Ausbildung zum Elektroniker machen. Es hat ihm dann auch prima gefallen. Er sagte immer "Mum, ich bin Dir so dankbar, es macht wirklich viel Spaß". Auch früher sagte er so Sachen wie "Mum, egal, was die anderen sagen, Aber ich hatte die schönste Kindheit, die ein Kind haben kann". Dazu muss ich noch sagen, dass ich selber psysisch sehr angeknackst bin. Durch die schlechte Behandlung durch meine Mutter (ich war ein "Unfall" und wurde dann zur Oma abgeschoben, ich werde bis heute noch mit Vorwürfen und Kritik an allem niedergemacht). Dadurch war es für ein Zwang für mich, dass es allen in meiner nächsten UMgebung - sprich Sohn - gutgehen MUSS. Mir fehlte die KOnsequenz, auch mal streng zu sein. Er ist mir nicht auf der Nase rumgetanzt oder so. Und er meinte auch, dass ich nichts falsch gemacht habe. Aber irgendwas muss trotzdem in meiner Erziehung schiefgelaufen sein. Denn auch er bekam seelisch einen Knacks. Einen Tag schwärmte er, wie toll die Lehre ist, die nächsten Tage machte er einfach blau. Als ich ihn mal zur Rede stellte, rannte er mitten in der Nacht aus der Wohnung und meinte nur, er sei eben zu nichts zu gebrauchen, er mache eh alles falsch. Ich war panisch vor Angst. Sein damals bester KUmpel hat ihn dann gesucht und wieder nach Hause gebracht. Eine Therapie hat immer abgelehnt. Und nur dank unseres Betriebsrates und dass ich schon zig Jahre in der Firma arbeite, hat er seinen Berufsabschluss geschafft. Natürlich wurde er nicht übernommen, weil er eben immer mal blau gemacht hat. Seitdem ging es nur bergab.

Ich musste dann beruflich umziehen und war eben nicht mehr rund um die Uhr für ihn da. Wir hatten dann abgesprochen, dass ich ihm hier, wo ich jetzt wohne, wegen einer Arbeit helfe. Klappte alles super. Er machte hier eine Probewoche in seinem erlernten Beruf, hätte auf Montage fast 2000 EUR netto verdient und der Arbeitsvertrag lag unterschriftsfertig bereit. Auch ne kleine Wohnung stand bereit. Und er hat sich nicht wieder gemeldet bei mir. Und beim Arbeitgeber auch nicht. Ich war so enttäuscht.

Ich habe ihn viel unterstützt. Habe ihm Strom und Heizkosten bezahlt, weil er im Winter im kalten saß. Hab ihm Geld für die Miete gegeben, welches er dann einafch verprasst hat. Zum Schluss hatte ich eine Klage am Hals, weil ich für die Mietzahlungen gebürgt hatte.

Irgendwann bekam ich dann Post. Er wollte sein Fachabitur machen und brauchte da viele, viele Unterlagen. Eine Monat vor dem Abschluss schmiss er alles hin. Das war vor ungefähr 4-5 Jahren. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Keine Antwort auf meine Mails oder auf Briefe. Und Handynummer war auch nicht mehr aktuell. Festnetz hatte er nicht. Einmal rief er dann mal ansagte mir, dass er ins Gefängnis muss, weil er seine Schulden nicht bezahlen kann. Das war aber dann schon ein Zeitpunkt, wo ich ihn finanziell nicht mehr unterstützt habe. Und seitdem ist Funkstille. Er sagte damals nur noch zu mir, ich brauche mir keine Sorgen zu machen, ihm geht es sehr gut und mit Hartz4 kann man besser leben, als immer alle behaupten.

So. Und vor ein paar WOchen meldet sich plötzlich meine Mutter, zu der ich den KOntakt abgebrochen hatte, weil sie mich nur fertig gemacht hat. Es waren alles nur Kleinigkeiten, aber da ich übersensibel bin, war für mich alles immer ein Hammerschlag. Sie wolle wieder Kontakt. Und was macht sie gleich wieder? Überhäuft mich wieder mit Vorwürfen. Ich soll nicht immer so nachtragend sein, ich wäre ja immernoch so schnell beleidigt und ich würde nur lügen. Na egal, die Frau ist halt krank im Kopf. Jedenfalls schrieb sie mir dann in einer ihrer Mails, dass mich ja "wie immer" nichts interessiere. So würde es mich ja wohl auch nicht interessieren, dass mein Sohn wohl obdachlos ist, hoch verschuldet ist und eben auch schon im Gefängnis war.

Ich bin mit meinen Nerven völlig am Ende. Ich rede mir zwar immer ein, dass er mit 27 Jahren alt genug ist, sein Leben selber in die Hand zu nehmen, aber das klappt nicht. Ich habe ihm doch immer versichert, dass ich in jedem Notfall für ihn da bin. Er hat immer abgelehnt - er wollte es alleine schaffen. Ich mache mir solche Vorwürfe, dass ich eine schlechte Mutter war. Wäre er denn sonst so geworden? Ich habe anscheinend so vieles falsch gamcht.... Meinem Jungen geht es dreckig und ich weiß nicht, wie ich ihm noch helfen kann. Ich hatte ihm angeboten, ihn hier zu mir zu holen, damit er neu anfangen kann. Aber er will aus seiner Heimat nicht weg. Verstehe ich ja auch irgendwie. Nur was soll ich tun? Ich tu mich ja selber immer schwer. Durch meine eigene seelische Verfassung bin ich so gut wie nie in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Ich sitze seit Tagen nur noch da und heule. Warum hat er sich nie bei mir gemeldet und im Hilfe gebeten?

Ich bin am Verzweifeln. Wie kann ich meinem Jungen helfen? Ich stelle mir seit Tagen vor, wie er verwahrlost irgendwo auf der Straße lebt und bekomme einen Heulkrampf nach dem anderen. Und wenn andere dann von ihren tollen Kindern schwärmen, muss ich auch fast losheulen.

Wäre er jetzt homosexuell oder ein armer "Künstler" - das alles wären Sachen, mit denen man leben kann. Dann wüsste ich aber, er hat Vorstellungen und Ziele. Aber als Obdachloser, der mal theoretische Physik studieren und in die Forschung gehen wollte... wie soll ich damit umgehen?

LG von einer zur Zeit völlig verzweifelten Lifeless
 
Deine Mutter hats echt drauf. Du tatest Recht daran, den Kontakt abzubrechen und das solltest Du auch wieder tun.

Dein Sohn ist erwachsen und ich finde es konsequent, dass Du ihm kein Geld mehr gibst. Er hat den Kontakt abgebrochen und war für Dich nicht erreichbar. Nicht Du bist diejenige, der alles egal ist.

Hat dieses unempathische Stück Mutter (sorry, dass ich da emotional werde, aber das kommt mir so bekannt vor) Dir auch verraten, wo Dein Sohn jetzt ist oder wie Du ihn erreichen kannst?

Mach Dir keine Vorwürfe. Dein Sohn ist erwachsen und handelt auch so. Er hat diesen Weg gewählt.
 
Hallo Lifeless,

die Situation klingt echt sehr verworren und du hörst dich sehr verzweifelt an. Ich versuche einfach mal meine Ansicht zu schildern.

Du hast deinem Kind versucht eine gute Kindheit zu bieten, hast ihn unterstützt in Sachen Berfuswahl und Ausbildung. Finanziell hast du ihm auch unter die Arme gegriffen. Du hast also sehr, sehr viel gegeben und wolltest deinem Sohn immer alles recht machen und das beste für ihn tun. Nein du hast deinen Sohn nicht schlecht erzogen oder irgendetwas vermasselt. Du hast immer versucht das Beste für ihn herauszuholen. Du warst immer bemüht. Hast ihm immer deine Hilfe angeboten. Das ist eine wahnsinnige Unterstützung. Also mache dich bitte selber nicht fertig. Du warst mit Sicherheit eine gute Mutter. Zumindest ist es das, was man sich darunter vorstellt.

Wichtig ist, dass du ihm die Möglichkeit gegeben hast sich selbst zu finden und alleine mit seinen Problemen klar zu kommen. Natürlich wenn es brenzlig wird, würdest du ihm jederzeit helfen. Dein Sohn hat sich bewusst dafür entschieden, den Kontakt abzubrechen und er ist für sein Leben nun mal verantwortlich. Irgendwann muss man das nun mal erlernen. Du kannst ihn ja nicht ewig retten. Anscheinend wollte er es auch nicht. Natürlich ist es schwierig, dass ihr keinen Kontakt habt. Dein Sohn ist ein erwachsener Mann. So muss man ihn auch behandeln.

An deiner Stelle würde ich ihn aufsuchen. Ihm deine Ängste und Sorgen mitteilen und nach einer Lösung suchen. Du hast geschrieben, dass dein Sohn einen sehr hohen IQ hat. Daher rührt oftmals das schwänzen, da ihnen schnell langweilig wird. Oder aber er bekommt zum Ende einer Ausbildung einfach Angst vor dem, was danach kommt.
 
Meine Sorge giltvor allem, wie dein Sohn damit umgeht.

Warum er immer wieder nichts durchziehen kann, alles wegwirft, das hat einen Grund, den man unbedingt finden muss.

Die Kinder anderer, oder was er hätte alles werden können ist nicht relevant.

Versuch ihn zu finden, wenn es deine Kraft zulässt und bleib an ihm dran, wenn er es zulässt, es gibt immer einen Weg.

Ich drück dir die Daumen und wünsch dir viel Kraft.

Und bleib von deiner Mutter weg, die ist echt krass.
 
Erst mal keine Angst, weidebirke, ich hab meine Mutter schon schlimmer betitelt ;-) Ich mein, es ist doch ein Unterschied, ob man schreibt "Hey, Deinem Sohn gehts nicht gut, wollen wir da mal schauen?" oder "Dich interessiert ja nicht mal, dass Dein Sohn.....". Ich versteh es einfach nicht, wie man so sein kann. Ich versuche, ihr zum 1000. Mal zu erklären, wie ICH fühle und empfinde. Ob das dann wirklich so ist, ist eine andere Sache. Aber ich nehme es halt so wahr. Und sie? Sie beschwert sich, dass sie solche Hasstiraden nicht erwartet hat, ich solle doch endlich mal die Vergangenheit abhaken und nicht immer wieder den Märtyrer spielen. Naja, Ihr habt Recht. Auf so eine Mutter kann ich verzichten.

An meinem Sohn hänge ich halt so sehr, weil er immer die einzige wahre Familie für mich war. Mein Problem ist, dass ich immer alles verstehen will. Und wenn ich was nicht verstehe, macht mich das fertig. Ich kann es dann nicht einfach abhaken. Und ich verstehe nicht, wie ein mensch wie mein Sohn mit so einem Potential nichts draus macht. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin die Letzte, die unbedingt einen "studierten" Sohn will. Auch wenn er einfach nur in seinem Beruf gearbeitet hätte, wäre ich so wahnsinnig stolz auf ihn! Auf mich war es nie jemand :-( Da war immer alles nur normal. Mathe-, Chemie- und Russischolympiaden in der Schule, ein Durchschnitt von 1,2 und Medaillen ohne Ende im Sport... keinen hats interessiert. Aber eine "Drei" war dann voll dramatisch! Ich wollte einfach nur, dass es meinem Sohn mal besser gehen wird als mir. Ich bin nun mal verkorkst und werde da wohl auch nicht mehr rauskommen. Ich warte einfach drauf, bis alles endlich vorbei ist. Therapie kann ich auch vergessen, da suche ich schon über 3 jahre. Und weder die Krankenkasse noch die Ärztliche Vereinigung helfen einem da. Aber mir ist im Grunde genommen egal, was mit mir ist, wenn es meinem Jungen besser gehen würde. Ich weiß nicht, wie ich mit all dem umgehen soll. Ich kann es doch nicht einfach ignorieren! Ich werde am Montag mal dem Meldeamt dort schreiben, dass sie mir mal sagen, ob er noch eine Adresse hat oder nicht. Telefonisch sagen die ja nichts, da konnte ich mir den Mund fusslig reden. Die wollen da Geburtsurkunde und all so was haben.

Auf jeden Fall danke ich Euch von ganzem Herzen für Eure Worte! Die haben wirklich sehr geholfen. Da ich selber sozial sehr isloiert lebe, bin ich sehr froh, diese Plattform hier gefaunden zu haben!!!

LG Lifeless

PS: Natürlich hat meine Mutter NICHT geschrieben, was genau mit meinem Sohn ist. Nur diese Andeutungen. Und als er damals ins Gefängnis musste, haben sie ihn fallen gelassen. Das hat er mir selbst noch erzählt. Fast wortwörtlich haben sie zu ihm gesagt" Also wenn Du Dein Leben nicht in der Griff bekommst und jetzt sogar ins Gefängnis musst, dann können wir nichts mehr für dich tun". Und mir erzählen sie, dass ich Schuld bin, dass mein Sohn auch den Kontakt zu ihnen abgebrochen hat. Ich könnte wetten, dass sie drauf gewartet hat, dass ich genauer nachfrage, damit sie dann wieder loslegen kann, sie hätte mal wieder Recht gehabt und ich wüsste nicht mal, wie es meinem Sohn geht. So wenig würde mich das alles interessieren. Ich bin so stinkwütend!!!!!

@Mea: Ich befürchte, dass auch mein Sohn seelisch sehr labil ist. Meine Mutter hat ihn immer als Mimose beschimpft, wenn er mal etwas sensibler reagiert hat, als sie es erwartet hat bei ihren Vorwürfen. Er hat sie ja sogar schon aus unserer Wohnung geschmissen, weil sie mich wioeder so fertig gemacht hat.

Einen Weg gibt es bestimmt. Doch ich will ehrlich sein, ich weiß nicht, was ich tun soll! Sicher kann ich ihn suchen gehen, das werde ich auch. Aber dann? Wenn er mich wieder wegschickt? Keine Hilfe will von mir? Ich glaube, er schämt sich einfach vor mir wegen dem ganzen Zeug. Wie kann ich ihm begreiflich machen, dass er das nicht muss? Ich bin seine Mutter und will ihm einfach immer zur Seite stehen! Seine Ablehnung macht mich noch fertiger als die meiner Mutter. Beimeiner Mutter bin ich nur wütend, bei meinem Sohn bin ich einfach nur hilflos :-(
 
Hallo Lifeless,

deine Situation mit deinem Sohn , kommt mir so bekannt vor. Glaub mir du bist nicht alleine mit diesem Problem.
Meiner (er ist 24 ) sitzt noch für mindestens 2,5 Jahre ( ist schon über 1 Jahr drin ) im Gefängnis . Er ist verurteilt wegen sexu.....Mißbrauch an einer Minderjährigen. Daneben hat er auch einen gewaltigen Schuldenberg.Der Kontakt ist seit Juli 2012 von meiner Seite her recht sporadisch ( Briefe und ab und zu telefonieren ). Besuchen kann ich ihn nicht , meine Mann besucht ihn 1 mal im Monat.
Glaub mir , ich bin auch verzweifelt, dass alles so gelaufen ist und ich gebe mir auch die Schuld dafür.
Aber im Moment kann ich mir keine großen Gedanken über ihn machen. Ich brauche meine Kraft für mich. Und das versuche ich. Mir zu sagen , er war und ist alt genug , um sein Leben selbst in die Reihe zu bekommen.
Ein vielversprechender Weg ist , dass er im Gefängnis arbeitet und eine Therapie macht.

Vielleicht kannst du es auch so sehen, dass dein Sohn alt genug ist , um zu entscheiden , wie er leben will und von wem und wann er sich Hilfe holen will.
Ich wünsche dir alles Gute und Kopf hoch irgendwie wird das schon, das sAGE ICH MIR AUCH IMMER: lg BRENNENDES hERZ
 
Dein Sohn erinnert mich an mich selbst, wenn ich ehrlich bin.

Ich wollte auch so vieles in meiner Jugend machen und habe nichts davon geschafft, auch u.a. deswegen, weil ich einen Ärztemarathon hinlegen musste, um abklären zu lassen, was u.a. die Ursache für das umfallen bei mir war (habe noch ein paar andere Sachen, die mit der gleichen Erkrankung zusammenhängen).

Meine Erkrankung machte es mir u.a. schwer, mir einzugestehen, dass ich selbst für meinen Erfolg oder Misserfolg verantwortlich bin und kurz bevor etwas anstand, hatte ich dann auch die Reißleine gezogen und alles hingeschmissen, weil es für mich schlicht und ergreifend keinerlei Sinn ergab.

Zwischenzeitlich bin ich mit Medikamenten gut eingestellt und würde gerne eine Zeitmaschine bauen und meinen Eltern in den Hintern treten, damit das alles früher hätte geklärt werden können, aber leider wird das nur ein Traum bleiben, denn viele von den Symptomen werden nicht mit dieser, selbst von entsprechenden Fachärzten, Erkrankung in Verbindung gebracht.

Nun würde ich dir Raten, versuche deinen Sohn dazu zu bringen, zu einem Arzt zu gehen und mit diesem offen und ehrlich zu sprechen, damit ihm geholfen werden kann. Dieses ist zwar schwer, aber das ist die einzige wirkliche Hilfe, die du deinem Sohn anbieten kannst. Sicherlich wird es schwer für dich, ihn davon zu überzeugen, dass es einen Sinn macht, dass auch komplett durch zu ziehen.
 
@brennendes Herz
Darf ich Dich mal etwas genauer fragen? Was genau fühlst Du, wenn Du an Deinen Sohn denkst? Bei mir ist es so eine Mischung aus Schuldgefühl, aber auch Mitgefühl und auch etwas Enttäuschung. Ich rede mir auch ein, dass er alt genug ist. Gleichzeitig aber rede ich mir auch ein, dass er mich braucht. Im Grunde genommen finde ich es fast schon lächerlich, wenn ich alte Mutter meinen Sohn schon wieder an die Hand nehmen will. ABer ich bin so, immer glaube ich, dass ich allen helfen muss. Auch wenn ich dabei auf der Strecke bleibe.

@chrismas:
Das Problem ist, dass mein Sohn im Laufe der Jahre eine regelrechte Aversion gegen Ärzte aufgebaut hat. Er ist laufend umgefallen. Das ging mit 4 Jahren los und zog sich bis ins Erwachsenenalter. Mal fiel er 5-6 x im Monat um, manchmal ein halbes Jahr lang nicht. Er war 2x in einer Herzklinik, in der Uniklinik, selbst im Bundeswehrkrankenhaus haben sie nichts finden. EEG wurde gemacht und alle möglichen Tests. Irgendwann hat er dann aufgegebn, weil er die Nase so voll hatte.

Er weiß, dass ich auch schon vor Jahren eine Therapie gemacht hatte und er fand das okay. Aber er meint eben von sich selbst, dass er sowas nicht braucht, weil er nicht "verrückt" sei. Und sein eines Problem ist eben leider, dass er einfach nichts allein bis zum Ende durchziehen kann. Irgendwann gibt er auf :-(

Am liebsten würde ich ihn ja zu mir holen. Ich habe 3 Zimmer auf 75 m³ - vom Platz her also gut. Nur was dann? Klar bin ich dann für ihn da. Aber er soll ja auch mal richtige Freunde finden und nicht nur bei seiner Mutter rumhängen. Von der Wohnung weiß er gar nichts. Er kennt nur die kleine 2-Raum-Wohnung, in der ich damals noch mit meinem Ex lebte. Und dan gehts ja noch weiter: Ich würde ihm dann ja auch eine kleine Wohnung suchen helfen. Doch was sagt das Amt dazu? Braucht man nicht eine Genehmigung beim Umziehen? Und wie ist das bei Obdachlosigkeit? Ist man da überhaupt noch als Leistungsempfänger registriert?

Ach mensch, mir zerreißt es schon wieder das Herz :-( Ich hab ihm damals schon den Vater genommen, jetzt hab ich auch noch sein Leben versaut... ich könnte nur noch heulen.

LG Lifeless
 
Sein Vater ist tödlich verunglückt, hast Du geschrieben. Wieso solltest Du also Deinem Sohn den Vater genommen haben?

Du hast nicht sein Leben versaut. Wie sollte das vonstatten gegangen sein?
 
Als sein Vater verunglückt ist, waren wir nicht mehr zusammen. Aber ich habe damals die Beziehung beendet. Und warum? Ich war 18/19 und eine typische DDR-Dorfpflanze, die von nichts eine Ahnung hatte. Und meine Mutter hatte mir damals eine Kopfwäsche verpasst, er wäre nichts für mich, er könne doch keine Familie ernähren, er wäre ein Spinner usw. Zum Schluss hab ich es selber geglaubt und Schluss gemacht. Im Nachhinein war das der größte Fehler meines Leben. Er war mein Traummann. Er hat alles für uns getan und gegeben. Er war so stolz auf seinen Sohn - er nannte ihn immer seinen kleinen Eierkuchen. Und so einen Vater habe ich meinem Sohn genommen. Jahre später hatten wir uns dann wieder etwas angenähert. Ich wollte ihm dann alles erklären und um Verzeihung bitten. Und ich hatte natürlich die Hoffnung, dass mein Sohn ihn endlich kennenlernen kann (bei der Trennung war er 3 Monate alt),

Naja und dann hatte ich allen Mut zusammengenommen und wollte ihm alles erklären. Wir arbeiteten in der gleichen Firma, so dass wir da auch tagsüber mal paar Minuten telefonieren konnten. Und genau an diesem Tag passierte dann an seinem Standort ein schlimmes Unglück. Eine Maschine war explodoert. Natürlich waren die Telefone dauerbesetzt und mein damaliger Chef fuhr dann selber dorthin. Ich hatte noch die große Klappe und meinte, ich rufe XXX einfach mal an und frage, was los ist.

Als mein Chef nach Stunden zurückkam, reichte mir der Blick in sein Gesicht. 4 Arbeiter sind ums Leben gekommen - 3 Fremde und einer aus der Firma. Und der eine war XXX. Und das genau an dem Tag, an dem ich ihn um Verzeihung bitten wollte. Das ist nun ca. 18 Jahre her und ich kann es immer noch nicht vergessen. Und mein Sohn hat seinen Vater nie kennen lernen können.

Genommen hab ich meinem Sohn den Vater, weil ich damals noch so blöd war und mich von meiner Mutter hab manipulieren lassen. Und heute? Da fühlt sie sich völlig erschüttert, was für Lügen ich da erzählen würde.

Naja dann zieht eines das andere nach sich. Mein Sohn hatte nie so richtig ein Vater-Vorbild. Die 2 Partner, die ich danach hatte, konnte man in der Pfeife rauchen. Wie soll ein Mensch da ohne seelische Blessuren aufwachsen?

LG Lifeless
 

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