Hallo medicus,
Deine Zeilen gehen mir nicht mehr aus dem Sinn. Ich versuche es mal mit einer Allegorie: Beziehung ist für mich wie ein Garten, in den ich andere einladen kann, mit mir Zeit darin zu verbringen. Auch Du hast einen solchen Garten und sprichst Einladungen aus. Aber Du hast Deinen Garten mit hohen Mauern und sogar einer Zugbrücke versehen, denn Du willst ihn und alle schützen, die Deinen Garten betreten. Das klingt erst einmal nicht unvernünftig. Aber wer in die Nähe Deines Tores zu Deinem Garten kommt, dem fallen Deine Schlösser, Deine Sicherungen und Mauern auf und damit geht jede Leichtigkeit verloren. Wer zu Dir kommt, begibt sich in Deine Hände und muss Deinen Regeln folgen. Wer das nicht tut, bekommt die Konsequenzen zu spüren.
Ist das noch einladend? Ist ein Besuch schon strafbar, weil man nicht bleibt? So hohe Mauern beschützen nicht nur, sie nehmen einem auch die Sonne. Zugbrücken sperren nicht nur das Böse aus, sondern alle in Deinem Garten auch ein.
Ich zweifle nicht an Deinen Absichten und an dem, was Du Dir erträumst. Deine Wahl der Mittel, mit denen Du Deine Ziele erreichen möchtest, schränken andere ein, nehmen ihnen die Freiheit und machen aus jedem Gast einen Vogel im Käfig, machen Deinen Garten zu seiner Falle. Du scheinst nur zu sehen, was Du gewinnen könntest, siehst aber nicht, was andere dadurch verlieren und stellst Deine Argumente über die Wünsche der anderen. Das ist keine Einladung mehr, das nannte man früher "shanghaien".
Es geht nicht darum, wer was wann gesagt, etwas geschönt oder gelogen hat. Es geht um den "Geist", der einer Beziehung mit Dir inne wohnt. Andere sollen als Segen annehmen, was Du ihnen bietest. Aber damit nimmst Du Deinem Garten die Sonne und er wird zu einem Gefängnis.
Es ist Deine Entscheidung, wie Du mit Deinen Gästen umgehst und wie Du Deinen Garten gestaltest. Du willst etwas "in den Griff bekommen", was man nicht festhalten kann und darf, denn es kann nur durch Vertrauen erworben werden.