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Sich selbst Fehler verzeihen: wie?

Du bist ein Mensch. Ein Mensch macht Fehler, ständig und immer wieder, trotz besseren Wissens. Und du hast gelernt aus deinem Fehler: du hast es geschafft! Das ist soviel mehr als manch anderer von sich behaupten kann!! Sei stolz auf dich! Wenn du auch nichts positives aus dieser Zeit ziehen kannst, so doch wenigstens das Wissen: Ich bin stark, ich kann meinen Schweinehund bewältigen!
Diese "versoffene Zeit" kann dir niemand wieder geben, das ist vorbei. Aber die Erfahrung, was es heißt sich aus dem Mist zu ziehen, die kann dir im Gegenzug auch niemand mehr nehmen!
 
Hallo CupCoffie,

ich kann bei deinem Thema nun nicht als Betroffene mitreden. Aber ich hatte ne Freundin, meine beste Freundin die ich je hatte, und die ist mit 30 Jahren am Alkohl grausam gestorben. Echt ganz grausam. Mag die Details hier nicht beschreiben. Zu fürcherlich.

Nun, trocken zu sein, darauf kannst du auf jeden Fall stolz sein. Sehr sehr stolz!

Zum anderen, ich lese deine Beiträge gerne. Sie sind sehr hilfreich. So richtig, nicht nur liebe Worte sondern so richtig mit Sinn. Hättest du diese Zeit nicht hinter dir dann würden deine Worte vielleicht etwas oberflächlicher ausfallen. Also scheint es "leider"😉 irgendwie schon Sinn gemacht zu haben.

Du solltest dich eventuell mit dem Gedanken anfreunden, dass auch du wie alle anderen Menschen auch, nicht perfekt sein kannst UND das nicht alles was man im Leben tut einen Sinn haben muss. WEißt du, die Wichtigste für dich bist du und du solltest dir diese Zeit sehr wohl verzeihen. Eben mit diesen Gedanken, du warst nicht perfekt und nicht alles muss einen Sinn haben. Sei froh, dass du es geschafft hast trocken zu werden und sei stolz drauf. Nicht jeder verfällt dem Alkohol, doch auch nicht jeder schafft es wieder raus.

Du kannst nur den Weg beschreiben den du gegangen bist. Wäre das mit dem Alk nicht passiert wer weiß was dann passiert wäre....muss nicht unbedingt sinnvoller sein.....vielleicht hat dir diese Alkerfahrung den Weg für ein sinnvolleres Leben danach geöffnet. Wer weiß das schon so genau...

Lieben Gruß
Marokko
 
Ich danke euch allen für eure verständnisvollen und aufbauenden Worte;

ja, @Marokko, mit Perfektionismus habe ich viel am Hut, und das Saufen ist mein schwarzer Fleck auf der Weste, den ich nicht rauskriege...
andererseits habt ihr natürlich recht: es ist das selbstverständlichste auf der Welt, Fehler zu machen - aber anderen zu verzeihen ist soviel leichter!

Und vermutlich wäre mein Leben ein anderes, wenn ich nie gesoffen hätte...und ob es ein besseres wäre, sei dahingestellt, Leben, die total "nach Plan" verlaufen, sind ja oft sterbenslangweilig.

Und mein Verständnis für andere Menschen und ihre Abgründe resultiert natürlich daraus, dass ich nur zu gut weiß, wie sich Schwäche, Abgründe, Angst, Verzweiflung anfühlen. Wer mal gesoffen hat, sitzt nicht mehr auf einem hohen Ross und bildet sich ein, besser zu sein als andere.

So gesehen: hat mich das Erlebnis des "Untenseins" letztendlich zu einem besseren, zumindest nachdenklicheren und tieferen Menschen gemacht.

---------
Ich habe hier noch nie einen eigenen Hilferuf gestartet, sondern mich immer nur zu den Problemen der anderen geäußert.
Es war eine großartige Erfahrung und Eure Sätze haben mir absolut gut getan...ich habe das ja nicht gewußt, wie sich die "andere Seite" anfühlt, und ich muß sagen: klasse fühlt sie sich an.
Ich weiß jetzt auch, wie verletzlich man ist, wenn man hier ein Problem hinschreibt; dass harte Worte ("Deine Sorgen möcht ich haben!" oder sowas) mich wirklich verletzt hätten.
Aber es hat mir niemand Worte geschrieben, nur kluge, nachdenkliche, mitfühlende. Ihr seid prima. Danke Euch!

CupCoffie
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo CupCoffie,

es ist sicherlich sehr schwer, sich selbst zu vergeben, aber mit Selbstvorwürfen vergiftet man sich nur das Leben.
Die Vergangenheit kannst Du nicht mehr ändern, aber die Zukunft steht Dir offen.
Nicht alles was wir machen oder erleben hat einen Sinn, aber es ist ein Bestandteil unseres Lebens und dadurch werden wir in einer gewisen Weise "geformt".
Auch ich würde gern einige Jahre meines Lebens streichen, aber wäre ich die selbe, wenn ich das alles nicht erlebt hätte??
Du kannst stolz auf Dich sein, denn du hast eine Sucht besiegt!
Du bringst Dich, mit sehr guten Beiträgen, in diesen Forum ein.
Lass nicht zu, dass Deine Vergangenheit Dich "vergiftet", sondern schaut auf das, was Du heute tust und bist und sei mit recht stolz drauf.
 
Hi CupCoffie,

hast du schon einmal daran gedacht, die Erfahrungen deiner "dunklen Jahre" anderen zur Verfügung zu stellen, die den Weg da raus noch nicht gefunden haben? Ich denke da z.B. an die Anonymen Alkoholiker, oder auch die Telefonseelsorge, oder eine Suchtberatungsstelle o.ä. Dann nämlich, so denke ich, würdest du ihnen im Nachhinein Sinn geben können.

War nur so ein Gedanke, den du natürlich nicht in die Tat umsetzen musst, wenn er dir widerstrebt. So eine Tätigkeit muss ja auch in dein aktuelles Lebenskonzept passen.

Ach ja, ich habe da auch noch einen Spruch für dich:

Achte gut auf diesen Tag,
Denn er ist das Leben -
Das Leben allen Lebens.
In seinem kurzen Ablauf
Liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins.
Die Wonne des Wachsens,
Die Größe der Tat,
Die Herrlichkeit der Kraft -

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
Und das Morgen nur eine Vision.
Das Heute jedoch - recht gelebt -
Macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück
Und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.

Darum achte gut auf diesen Tag !


(Sanskritspruch)

In diesem Sinne wünsche ich dir noch einen guten Tag.

Liebe Grüße
Sisandra
 
Ich möchte diese Jahre wiederhaben und "richtig" leben!
Bitte sagt mir, wie Ihr das macht. Oder ob Ihr es auch so schwierig findet.

hallo cupcoffie,

es sind die gleichen gedanken, die mich beschäftigen, auch wenn meine verlorenen jahre einen anderen grund haben.
schwierig finde ich es immer noch, zu akzeptieren, fehler gemacht und dadurch eben auch „vorbeigelebt“ zu haben. jetzt wo die zeit knapp wird, es teilweise zu spät ist, möchte ich aber eins, frieden mit mir schließen, indem ich mir selbst verzeihe. denn zum damaligen zeitpunkt wusste und konnte ich es nicht anders.

ob ich jetzt „richtig lebe“, ich weiß nicht, vielleicht weiß ich in zehn jahren ob ich es getan habe, denn möglicherweise kann man das erst in einer rückschau beurteilen.

eine frage an dich. warum beschäftigt dich das thema gerade jetzt.

lg lydia
 
eine frage an dich. warum beschäftigt dich das thema gerade jetzt.

Liebe Lydia,

ich hatte neulich Geburtstag, bin 52. Soooo viele Jahre sind da nicht mehr für "Reparaturen".
Ich beschäftige mich zur Zeit verstärkt mit meinem Innenleben - darauf läuft es hinaus, wenn man nicht mehr immerzu Außenleben haben will/muß - und versuche, seelisch gesünder zu werden, mit mir selbst und anderen liebevoller, besser, toleranter, gewaltfreier umzugehen und meine Macken nicht neurotisch auf dem Rücken anderer (Mann, Sohn, Freunde) auszutoben.

Und wenn ich aus diesen Gründen über mich nachdenke, fällt mir halt immer wieder auf, dass ich mir alles verzeihe - nur DAS nicht.

Aber die Beiträge hier helfen schon wirklich weiter!
 
Hallo CupCoffie.

Ich weiß, dass es alles andere als einfach ist, aber: Versuch einfach, dir zu verzeihen.
Abgesehen davon, dass das Trinken in dieser Ausprägung vielmehr eine Krankheit als ein Laster ist (und du das auch weißt): Menschen machen Fehler. Man ist nicht immer perfekt. Man verschenkt Jahre und tut durch emotionale Irrgänge -grade in Verbindung mit Drogen- Dinge, die man nie geglaubt hätte und von denen man hinterher nichts mehr wissen will.
Kannst du dir nicht zugestehen, dass du (genau weiß ich es ja nicht, kann nur vermuten) - einsam warst? -allein? hilflos, dass du eine Stütze brauchtest? Das Leben ist schwierig, Beziehungen sind schwierig, ein Referendariat ist für einen sensibelen Menschen mit hohen Ansprüchen doppelt und dreifach schwierig.
So wie ich dich beurteilen kann, bist du durch deine Gefühle, deinen Intellekt und deine Geschichte ein Mensch geworden, der für andere Menschen und für viele ihrer Eigenarten und Lebenssituationen Verständnis aufbringt; jemand, der sich mit großer Einfühlsamkeit in andere hineinversetzen und ihnen helfen kann.
Gleichzeitig ist dir ein großer Pragmatismus zu eigen; du hast ein Gespür dafür, was für einen wie immer gearteten Menschen machbar, erträglich und (!) auch gut und heilsam ist. Und, wenn alles nicht besonders viel hilft -oder parallel dazu- hast du die entscheidene Portion Humor.
Deine früheren Erfahrungen und auch die Zeit danach, in der du sie verarbeitet hast, die Lebensabschnitte und Verhaltens-umprogrammierungen und -neudefinitionen hinterher - die werden dafür nicht unergeblich gewesen sein.
Du bist jetzt ein Mensch, der weiß, was er nicht will, er weiß viel genauer als andere, was er tun kann ohne dass unliebsame Kolleteralschäden entstehen, du bist sehr bewusst - und sehr achtsam dir gegenüber und allem um dich herum.
Und 🙂 obwohl ich darauf nicht hinauswollte, sind das auch Resultate aus u. A. dieser Zeit; es sind Dinge, von denen du heute in hohem Maße profitiertst und für die du geschätzt und geliebt wirst.
Die Jahre von damals mag dir keiner wiedergeben können; aber sie haben -im Nachhinein- das Leben mitgeprägt, das du heute hast; und einen Charakter mit einer großen Weitsicht, Wärme und Profil.
~
orbbl
 
@orblbl - das tat aber gut! Ich bin ganz gerührt.

Du hast recht: ich wäre eine andere ohne diese Erfahrungen; ich bin durch diese Erfahrungen gewachsen und geworden, was ich bin.

Ich danke dir, dass du mir das noch einmal so klar gesagt hast, und auch, dass das eine Menge brauchbarer Mensch ist, was ich geworden bin...
anscheinend war ich mir da nicht so sicher, sonst würden jetzt nicht Tränen fließen (wohltuende, keine Sorge!)..
Danke Dir! CC
 
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