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selbstmord...aber warum???

C

crying

Gast
Ende April erreichte mich die Nachricht das eine Cousine von mir vermisst wird. Ihre Mitbewohner hatten sie Donnerstag das letzte Mal gesehen und es war schon Samstag. Auch am Sonntag kam keine Nachricht von ihr, auch wenn sie an diesem Tag immer mit ihrer Mutter telefonierte.
Ihre Mitbewohner und ihre Schwester durchsuchten ganz Magdeburg nach ihr. Keine Spur.
Erst am Montag erfuhr ihr Schwester das auf Rügen ein junges Mädchen gefunden wurde auf die die Beschreibung passte.
So schnell wie möglich fuhr sie dorthin um sie zu identifzieren.

Ich erfuhr durch meine Mutter von der schrecklichen Nachricht.
Es war meine Cousine.

Sie hatte alles ins kleinste Detail geplant.

Eine Woche vor ihrem Verschwinden feierten wir noch alle gemeinsam den 50.Geburtstag ihrer Mutter, meiner Tante.
Sie war so glücklich.
Wir tanzten, lachten, unterhielten uns über die Vergangenheit und Zukunft.

Im Nachhinein fiel allen auf das sie sich ungewöhnlich herzlich von allen verabschiedete. Sie nahm uns alle ungewöhnlich doll in den Arm.

Und eine Woche später sprang sie vom Kreidefelsen auf Rügen.

Eine nicht zu bändigende Trauer durchzieht nun unsere Familie.
Kein Tag vergeht mit Gedanken an sie.
Und immer wieder die selbe Frage...
Immer wieder...

WARUM???

Kein Abschiedsbrief, keine Andeutungen...
Sie hatte einen tollen Freund, die perfekte Familie die immer hinter ihr stand, sie hätte ihr Studium fast fertig gehabt und das mit top Leistungen.

Eine der vielen Vermutungen ist das sie nicht mehr leben wollte weil sie dachte das sie alles erreicht hat und das es ab jetzt nur noch bergab gehen könnte. Sie würde arbeiten müssen, alt werden und alles was auf einen zukommt.

Vermutlich wollte sie das alles nicht...

Doch es ist alles so unklar.
War es wirklich deshalb???

Ich kämpfe jeden Tag aufs neue gegen diese unendlich Trauer, die Hilflosigkeit und gegen die ständig wiederkehrende Frage Warum....
 
Liebe Crying,

es gibt ein Lied von der amerikanischen Band Caedmon's Call, das von genau diesem Thema "Warum hat sie das getan?" handelt. Ich habe es heute morgen noch im Auto gehört und wie schon so oft darüber nachgedacht. Der Songschreiber hat es für die Schwester eines früheren Schulfreundes geschrieben, nachdem er auf ihrer Beerdigung war. Ich stelle den Song und den dazugehörigen Kommentar hier mal ohne weiteren Kommentar meinerseits rein (hoffe englisch ist kein Problem):

In November of '95, the sister of a friend of mine from high school
committed suicide. Having never been to a funeral, I was very
apprehensive, especially since I had been asked to play a song during
the service. Seeing her in that room along with all of those people who
loved her and cared about her really made me think. I mainly wondered
if whatever it was that had driven her to that point could have been
worked out in that quiet room with that group of people. I suppose
questions just lead to more questions. I wrote this song on the way
back home in the car. (Derek Webb)

Center Aisle
Thank God I'm back in my car
And driving home, driving home
'Cause the air was thin and so cold
Back in there
It was my first time, won't be my last time
And the questions rise
Expectations fall
In light of it all
There aren't words to say
Words aren't remembered
But presence is
A good friend once told me
And he was there
He was there
But she wasn't there
It's not fair
It's not fair

(Chorus)
What crimes have you committed
Demanding such a penance
That couldn't wait for five more minutes
And a cry for help
'Cause this room is so peaceful
And this room is so quiet
And I hate the silence
And I can't walk the center aisle

I've been here for over three hours
Behind the flowers
So beautiful and young
And so alive
And so in need of someone
Someone to talk to them
'Cause theirs are fragile lives
(repeat chorus)

And I think about my brother
And how I just stood there
With my hands in my pockets
And my heart in my throat

Thank God I'm back in my car
And driving home
And driving home
But in that place I leave
All my days of taking life for granted
And the words I wrote for her
And my best friend crying
And a young girl lying
On all our hearts
(repeat chorus)


Liebe Grüße
LS
 
hallo crying,

das "warum" ist natürlich eine frage, die niemand beantworten kann, wenn deine cousine nichts hinterlassen hat - es wird unbegreiflich bleiben..

falls du an ein weiterleben nach dem tod glauben kannst:
du bzw. die verwandten werden deiner cousine helfen können, wenn ihr in liebe an sie denkt und möglichst nicht in ärger oder gar hass.
denn ich bin überzeugt, dass sie eure emotionen spüren kann und auch wird.
möglicherweise bedauert sie jetzt ihre tat, und so könnt ihr es ihr etwas leichter machen.

es ist schwer - ich wünsche dir bzw. euch die kraft dazu.

liebe grüsse

peter
 
Vielleicht war deine Cousine nur nach außen hin ein fröhlicher Mensch und trug eine Maske, die sie ablegte sobald sie allein war? Vielleicht hatte sie Probleme über die sie mit niemandem reden wollte weil sie dachte ihr könne eh keiner helfen? Mein Problem (Gestank) erschien mir anfangs auch so unlösbar. Es gab Tage an denen wäre ich am liebsten irgendwo runtergesprungen und meine Familie, Freunde, Bekannten hätten nicht gewusst wieso, denn es war mir so peinlich darüber zu reden. Und selbst wenn ich es erzählt hätte, hätten sie das nicht verstanden, weil sie sich nicht in mich hineinversetzen können und sowas eher als Lapalie abgetan hätten. Aus Sicht des Betroffenen ist alles so schlimm und erdrückend und man sieht keinen Ausweg obwohl es immer einen Ausweg gibt. Das sieht man aber erst hinterher, wenn man das "Tal" wieder verlassen hat.

Vielleicht war bei ihr eine unheilbare Krankheit diagnostiziert worden und sie wollte nicht erleben (wenn man das so nennen kann) wie ihr Körper nach und nach zerfällt und wollte niemandem zur Last fallen? Man kann so viele Fragen stellen und versuchen sie selbst zu beantworten was aber letztendlich sinnlos ist.

Ich hielt es für wichtig das Lied "Center Aisle" ins Deutsche zu übersetzen damit es wirklich jeder verstehen kann. Sorry, dass ich so viel Platz dafür beanspruche.

Lonely Skunk
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November 95 hat die Schwester eines Freundes aus der High School Selbstmord begangen. Da ich noch nie auf einer Beerdigung gewesen war, war ich sehr besorgt (ängstlich), besonders weil ich gebeten worden war während des Trauergottesdienstes ein Lied zu spielen. Sie in jenem Raum zusammen mit all denen zu sehen, die sie liebten und sich um sie sorgten, machte mich wirklich nachdenklich. Vor allem fragte ich mich ob was immer es gewesen war was sie zu jenem Punkt getrieben hatte, in jenem stillen Raum mit jener Gruppe von Menschen hätte gelöst werden können. Ich denke Fragen führen nur zu weiteren Fragen. Ich schrieb dieses Lied im Auto auf dem Weg nach Hause. (Derek Webb)

Mittelgang

Gott sei Dank, ich bin wieder in meinem Auto
und fahre nach Hause
und fahre nach Hause
die Luft war so dünn und so kalt
da drin

Es war mein erstes Mal
es wird nicht mein letztes Mal gewesen sein
und Fragen stellen sich
Erwartungen fallen
im Licht des ganzen

Es gibt keine Worte zu sagen
an Worte erinnert man sich nicht
aber daran, dass man da war
erzählte mir mal ein Freund
und er war da
er war da
doch sie war nicht da
es ist nicht fair
es ist nicht fair

Chorus:
Welche Verbrechen hast du begangen
die solch eine Buße erfordern,
die nicht noch fünf Minuten
und einen Hilfeschrei lang warten konnte
denn dieser Raum ist so friedlich
und dieser Raum ist so ruhig
und ich hasse die Stille
und ich kann nicht den Mittelgang entlang gehen

Ich war hier über drei Stunden
hinter den Blumen
so schön und jung
und so lebendig
und sie brauchen dringend jemanden
jemanden der mit ihnen spricht
denn ihr Leben ist so zerbrechlich

Chorus

Und ich denke an meinen Bruder
und wie ich nur so dastand
mit den Händen in den Hosentaschen
und einem Kloß im Hals

Chorus

Gott sei Dank, ich bin wieder in meinem Auto
und fahre nach Hause
und fahre nach Hause
doch an jenem Ort lasse ich
-all die Tage an denen ich
das Leben als etwas selbstverständliches betrachtet habe
-und die Worte, die ich für sie schrieb
-und meinen weinenden besten Freund
-und ein junges Mädchen, das auf unser aller Herz lastet
zurück

Chorus
 
auf die Frage warum wird man nie eine Antwort bekommen. ich versuche das jetzt seit über einem Jahr. meine eltern haben sie im juli 2004 zusammen das leben genommen, sie haben sich erhängt. sie sind, wie jeden sommer, in den urlaub gefahren, eines tages war die kripo bei mir auf der arbeit und hat mir die nachricht überbracht ich kann bis heute nicht sagen, was ich in diesem moment gefühlt habe. alles was wichtig war, war aufeinmal unwichtig. von einer sekunde auf die andere ist aufeinmal alles anders ....
ein abschiedsbrief haben sie hinterlassen. der grund war die krankheit meiner mutter, welche sie früher oder später in den rollstuhl gebracht hätte. ist aber das "wegrennen" eine lösung ? ich bin immer hin und her gerissen, an guten tagen habe ich "verständnis" und kann die entscheidung akzeptieren, an schlechten tagen kommt wut, traurigkeit, verlassenheit und angst hoch.
ich versuche mich dann immer mit den worten aufzubauen, dass meine eltern nicht gewollt hätten, dass ich traurig bin. in manchen momenten klappt das dann auch. ich wünsche allen, die ähnliches erlebt haben - ob ganz nah oder ganz weit weg - die nötige kraft, dies zu überstehen. ich war und bin froh, meinen freundeskreis und meinen freund zu haben, die immer für mich da sind und immer das größte verständnis aufbringen. seit einigen wochen habe ich regelmäßige gespräche mit einer traueregleiterin. sie ist einfach lieb, aber ich denke, nur wer selbst diesen schmerz fühlt kann es wirklich verstehen.

Liebe Grüße Nicole
 
Vielen Dank für eure lieben Beiträge.

Jetzt, ein halbes Jahr nach ihrem Selbstmord, geht es mir wieder einigermaßen.
Es ist immernoch schwer zu fassen was da eigentlich geschehen ist und manchmal überkommt mich auch wieder diese große Ohnmacht wie damals als ich es erfahren habe.

Jedes mal wenn ich mit meiner Verwandschaft zusammensitze kommt das gleiche Thema auf. Es wird diskutiert warum sie es getan hat. Jeder hat eine andere Theorie, jeder andere Gedanken. Doch der Schmerz ist gleich.
 
@Pete

Ich würde gern an ein Weiterleben nach dem Tod glauben und an die Wiedervereinigung der Familie wenn alle die irdischen Welten verlassen haben, aber leider sagt mir mein Verstand das es soetwas nicht gibt.

Doch keiner aus unserer Familie denkt mit Ärger oder gar Hass an sie.
Zumindest denke ich das mal.

Eher mit Schmerz, Liebe und Unverständnis.

Aber die Zeit heilt alle Wunden.
Ich "bete" nur für ihre Eltern und ihre Schwester das sie darüber hinweg kommen.
Für sie ist es verständlicherweise das schlimmste was passieren kann. Sein eigenes Kind zu Grabe zu tragen.
Doch ihre Therapie scheint ihnen gut zu helfen.

Meine Tante sagt noch vor zwei Monaten zu meiner Mutter, das wenn sie nicht ihren Mann und ihren Hund hätte, dann hätte sie sich schon längst einen Strick genommen.
Bei Gedanken daran bekomme ich schreckliche Angst. Doch ich hoffe für sie und wünschen ihnen die größtmögliche Kraft aufzubringen um es zu überstehen.

@Lonely Skunk

Wenn sie eine unheilbare Krankheit oder ähnliches gehabt hätte, dann hätte man das sicher heraus gefunden. So etwas kann es also nicht sein.

Die Frage wird nie geklärt werden, damit muss ich mich abfinden.

Liebe Grüße
crying
 

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