Schön, dass für den TE (und seine Freundin!) alles gut ausgegangen ist. 🙂
Um vielleicht anderen, die ähnliche Probleme in Beziehungen haben, mal die Perspektive der Frau zu geben: Ich bin nämlich so eine, die so gut wie nie Lust hat. Eine Beziehung ist daran kaputt gegangen, eine andere.. naja, gab andere Faktoren, aber geholfen hat es auch nicht. Auch in meiner jetzigen Beziehung ist es ein Problem, wobei ich es, denke ich, halbwegs im Griff habe. Und das ist so:
Ich finde es anmaßend zu sagen, wenn die Frau keinen Bock mehr hat, dann liebt sie den Partner auch nicht mehr. Das ist falsch. Sicher, es kann ein Zeichen dafür sein, bei manchen. Aber ich liebe meinen Freund, wir wohnen zusammen, wir planen unsere Gegenwart und Zukunft zusammen. Ihn zu verlieren wäre ein derber Schlag. Lust auf Sex hab ich trotzdem seltenst.
Das schaukelt sich dann im schlimmsten Fall hoch: Er versucht romantische Stimmung aufkommen zu lassen, sie blockt ab. Nach ein paar Tagen ist er gefrustet, sucht das Gespräch. Sie kann es nicht erklären. Auf beiden Seiten schlechte Stimmung. Sie weiß, dass sich etwas ändern muss, aber ganz ehrlich: Je länger so eine "Trockenphase" anhält, umso schwieriger ist es, weil allein der Gedanke an Sex dann etwas von Zwang hat. So nach dem Motto "Ich muss mal wieder mit ihm schlafen, sonst schmollt er eh den ganzen Abend." Und wenn DAS mal kein Lustkiller ist, dann weiß ich's auch nicht.
Das Problem ist, dass sich diese Lustlosigkeit kaum erklären lässt. Das einzige, was mir einfällt, ist: Ich habe wirklich große Schwierigkeiten, den Kopf freizukriegen, mich fallen zu lassen. Ich kann mich kaum auf meinen Partner konzentrieren, weil mir alles mögliche durch den Kopf geht: Morgen muss ich einen Termin vorbereiten, haben wir eigentlich schon eingekauft, das Wohnzimmer könnte mal wieder geputzt werden, wann habe ich eigentlich das letzte Mal meine Mutter angerufen, und und und. Ist halt ein Nebeneffekt, wenn man ziemlich im Stress ist (und wenn man in dem Wissen lebt, der Partner leidet unter der eigenen Lustlosigkeit, ist das auch etwas, was den Stress eher noch erhöht - ein Teufelskreis!). Zusätzlich noch die Pille, die ebenfalls die Libido senkt, bei mir jedenfalls ziemlich. Zusätzlich Depressionen, die ebenfalls die Libido beeinträchtigen. (Antidepressiva tun dies übrigens auch gerne mal.)
Will damit nur demonstrieren: Hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun, oder mit schlechten Erfahrungen, oder was auch immer. Es ist einfach so.
Man kann aber auch nicht abstreiten, dass Sex nunmal Teil einer gesunden Beziehung ist. Ich würde mir wünschen, jeder Mann hätte eine Engelsgeduld wie der TE hier, aber beim Lesen des Threads ging mir auch durch den Kopf, Mann, die Freundin könnte doch mal zumindest versuchen, etwas zu unternehmen!
Was mir/uns geholfen hat, wollte ich hier einfach dazuschreiben, falls es vielleicht auch anderen hilft. Wobei ich sagen würde, dass dies wirklich nur funktionieren dürfte, wenn man ein gesundes Verhältnis zu sich und seiner Sexualität hat. Jemand, der wirklich schlechte Erfahrungen gemacht hat, dürfte diese Methoden etwas skeptisch sehen, und wahrscheinlich zu recht.
1. Ich habe mich halt irgendwann mit meinem Freund hingesetzt und nach langem Gespräch folgende Regel eingeführt: Er solle einfach aufhören, den Anfang zu machen. Umarmen, ja. Küssen, gerne. Aber nicht antatschen, nicht versuchen aufzuheizen. Sondern mich einfach machen lassen. So ist zumindest die Unsicherheit weg, will er mich gerade liebevoll in den Arm nehmen oder will er eh nur das eine? Das hat ihm sicherlich überhaupt nicht gepasst, da er der Überzeugung war, dann passiert gar nichts mehr. Es gehört schon etwas Vertrauen dazu, aber das sollte in einer Beziehung ja auch da sein. Auf die Art und Weise konnte ich selbst stets das Tempo bestimmen, auch mal meine Grenzen ausreizen, ohne dass ich mir über seine Intention Gedanken machen musste.
2. Und dieser Punkt ist vielleicht etwas merkwürdig, hat aber ganz gut funktioniert. Mein Freund weiß übrigens nichts hiervon, er würde es wohl falsch verstehen. Da der übrige Stress zur Zeit eben da ist, nehme ich mir jetzt ganz bewusst MINDESTENS einmal die Woche ein paar Stunden Zeit nur für ihn. Das ist tatsächlich in meinem Kopf das ganz nüchterne Bewusstsein: Sonntag 14-16 Uhr, Sex mit Partner einplanen. Wenn ich das gedanklich so in den Tagesablauf einbaue, ist es viel einfacher, die anderen Sorgen und Aufgaben für diese Zeitspanne beiseite zu schieben. Und dann ist das auch gar kein Problem mehr.
Keine Ahnung, ob es Sinn ergibt, aber.. naja.