Hallo Ihr Lieben,
also ich habe ihn heute direkt angerufen und gefragt, ob wir uns unverbindlich treffen können,
er sagt sofort zu und meinte, ob ich zu ihm kommen könnte.
Er betonte gleich, dass er privat etwas zu erledigen hat und ab 17:00 Uhr frei wäre (also mal nicht bis 20 Uhr in der Firma).
Die direkte Zusage hat mich etwas verwundert aber auch gefreut.
Für das Telefonat habe ich die Nummer von Arbeit genommen, sonst bekommt man ihn ja doch nicht ans Handy (haben beide Handys von Arbeit).
Also ab und los zu ihm, an der Tür gab es dann eine kurze Umarmung, sein kleines Haus steht in einer guten Gegend, alles sehr gepflegt, aber im Haus... ich muss sagen ich war schockiert.
Das Haus ist de facto leer, es sieht aus, als würde niemand hier leben. Keine Deko nichts, wirklich nichts, was einfach nur da ist um schön zu sein, das Wohnzimmer ist eigentlich nur ein riesiges Büro, ich wage zu behaupten besser eingerichtet wie die meisten in unserer Firma.
Aber nicht falsch verstehen, es war alles extrem gut gepflegt, aber eben wie in einem Labor.
In einer Ecke stand so etwas wie ein Mischpult mit einem MacBook und Kopfhörern (vermutlich sein DJ Hobby).
So etwas wie eine Couch habe ich nicht gesehen...
Wir sind dann in die Küche und er hat uns einen Kaffee gemacht, zwei Tassen hatte er zumindest, bis auf die Kaffeemaschine schien die Küche unbenutzt.
Zur Erklärung, dass er hier wirklich lebt, konnte ich daran erkennen, dass ein aktuelles Projekt unserer Firma auf einem Whiteboard angepint war und die Tassen von unserer Firma waren.
Ich setze einfach voraus, dass er kein krankes Doppelleben führt.
Unser Gespräch war eher schon ein Deeptalk, in Kurzform.
- seine Ex hat sich vor drei Jahren endgültig von ihm getrennt, wobei die Trennung vor ca. vier Jahren begann
- die beiden waren acht Jahre zusammen, Sie wollte Kinder, aber es "klappte" nicht
- nach der Trennung stellte er fest, dass er bis auf Sie und wenige Freunde, außer der Arbeit nichts hat
Also hat er sich das Haus gekauft und zu seinem zweiten Arbeitsplatz gemacht (für mich ist es eher ein Gefängnis mit integrierten Büro).
Zu unserem Abend nach dem Fest meinte er,
- er hatte schon mitbekommen, dass ich was von ihm will
- er kann sein Interesse auch nicht leugnen, sonst wäre er nicht auf mich zu gegangen
- er war froh, dass es nicht zum Sex kam, da er in den letzten 14 Jahren nur mit seiner Ex intim war
- er hat den Abend sehr genossen, da er lange keine Zweisamkeit hatte
- er würde sich eine Frau daten aber im Prinzip anders vorstellen und nicht den dritten vor dem ersten Schritt machen
(aber der Abend ist eben so gelaufen, was auch okay war bzw. war es für ihn schön)
- es war für ihn das erste "Date" nach ca. 14 Jahren mit seiner Ex
Im Kern ist er der Ansicht, dass er nicht viel zu bieten hat und in den letzten drei Jahren sich den privaten Umgang mit Mensch abtrainiert hat. Er war nach unserem Abend selbst schockiert, dass er aufgehört hat zu leben. Er isst unterwegs, die Reinigungskraft kümmert sich um das Haus, wobei es nicht viel zu pflegen gibt und von wo aus er arbeitet, ist ihm egal.
Er hat ebenfalls gesagt, dass er niemanden zumuten will ihn zu erretten, bzw. eine Abfuhr ihn noch mehr verunsichern würde. Er hätte ja drei Jahren sein "neues" Leben so aufgebaut.
Nun ihr könnt euch sicherlich vorstellen, das es nicht einfach war nur so dazusitzen und sich das anzuhören, ohne ihn einmal zu umarmen (einfach anzufassen), für ein zweites Treffen auch echt harter Stoff! Ich dachte aber das so ein Gespräch nicht unterbrochen werden sollte.
Damit er nicht wie ein Versager da steht (ich denke, so sieht er sich selbst), habe ich ihn dann erklärt, dass ich wirklich schon lange nach ihm schmachte, aber dass es immer nur eine Fantasie bleibt, wenn man sich nicht ernsthaft kennenlernt. Ich habe ihn auch gesagt das er aus meiner Sicht die Intimität mit einer Frau nicht verlernt hat! Dass der Abend, unseres ersten Treffens einfach magisch für mich war und er mir in der kurzen Zeit sehr viel gegeben hat.
Wir sind dann irgendwie zu dem Punkt gekommen, das wir uns ein ernsthaftes Date vornehmen sollten, um uns "normal" kennenzulernen.
Er meinte dann nur das er sich diesmal keine Wochen Zeit lässt und mehr Initiative ergreifen wird.
Beim Verabschieden an der Tür gab es dann doch noch einen Kuss, der von ihm ausging, ich kann das schwer beschreiben, aber irgendwie hat er sehr subtil vor dem Kuss gewartet, ob dieser für mich okay ist. Ich hätte in diesem Moment dahin schmelzen können, aber hatte mich im Griff, um nicht wieder in einen "romantischen Rausch" zu verfallen.
Was soll ich sagen, ich habe tatsächlich kein tiefes Bedürfnis jemanden zu retten, aber ich möchte ihn mehr als alles andere und da es nicht mehr einseitig ist, habe ich ein gutes Gefühl dabei.
Was ich extrem finde, ohne dass es mich stört, das er drei Jahre so leben konnte, auf der Arbeit der Shiny Guy und privat ein Einsiedler.
Jetzt bin ich gespannt was von ihm kommt, ich denke einen Funken nach dem Wunsch eines "normalen" Leben konnte ich bei ihm erkennen.
Die Situation überfordert mich auch keines Wegs, aber ich denke, ich muss aufpassen ihn nicht mit meinen romantischen Gefühlen zu überrennen.
Ich bin positiv überrascht, dass ich heute so aus mir rauskommen konnte und hatte nicht das Gefühl abhängig zu sein, auch wenn ich ihn gerade sehr vermisse.
Liebe Grüße Karina