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Schwimmflügel

G

Gast

Gast
Hallo liebe Community,

ich bin etwas ratlos wegen einem guten Freund (23 Jahre alt) von mir. Wir kennen uns nun seit 1 Jahr, verstehen uns aber, als würden wir uns ein ganzes Leben kennen. Wir sind ehrlich zu einander, unternehmen viel und streiten uns auch. Im Grunde nichts Besonderes.
Bevor wir uns kennen lernten, litt mein Freund unter schwerer Depression und versuchte sehr oft sich das Leben zu nehmen. Er war deswegen in Behandlung und ist seit 4 Jahren auf einem deutlichen Weg der Besserung. Abgesehen von einigen Einbrüchen scheint er wirklich stabil zu sein, doch einige Themen quälen ihn nach wie vor, die ich nicht verstehe.
Als Kind liebte mein Freund das Wasser und vorallem das Schwimmen. Während seiner Depression änderte sich das wohl, denn er war nie wieder schwimmen gewesen. Das erste mal schwamm er wieder, als er mit seinem Leistungskurs eine Abschlußfahrt nach Kroatien machte. Dort mussten sie im Meer schwimmen und mein Freund bekam dort Panik, weil er das Gefühl hatte unter zu gehen und traute sich seit dem noch weniger zu schwimmen. Das war so vor 5 Jahren. Als wir uns kennen lernten gingen wir ebenfalls schwimmen, in ein Schwimmbad. Mit mir zusammen traute er sich Schwimmflügel an zu ziehen und hatte riesigen Spaß. Diesen wollte er sich von der 'Depression zurück erkämpfen'.

Seit dem waren wir oft in Schwimmbädern, doch etwas macht mich ratlos. Immer wieder beklagt er sich, dass seine Schwimmflügel nicht gefordert werden würden. Mit seinen Flügelchen gilt er als Nichtschwimmer und darf nicht in die tiefen Schwimmerbecken. In den Nicht-Schwimmerbecken kann er aber immer stehen. Trotzdem weigert er sich die Schwimmfügel im Nichtschwimmerbereich auszuziehen. Ein sehr verständnisvoller Bademeister erlaubte ihm einige Runden im Schwimmerbecken zu ziehen, mit seinen Schwimmhilfen. Der Bademeister und ich waren sehr beeindruckt! Sein Schwimmstil ist sauber, flüßig und wirklich gut. Am selben Tag hatten wir uns, vor seiner Schwimmerbecken-Demonstration, gestritten. Er war wütend, weil das Schwimmbad so voll war und er sich im Nichtschwimmerbecken immer die Beine stieß. Wir schaukelten uns gegenseitig hoch und da riß er sich die Schwimmflügel vom Arm und lief durchs Wasser. Keine Spur von Panik, eher Trotz...? Nach unserer Versöhnung trug er seine Flügel wieder brav.
Ein anderes Mal waren wir am See gewesen. Mein Freund konnte seine Schwimmflügel also endlich mal fordern. Auch hier bewies er wieder gute Schwimmerqualitäten und wieder stritten wir uns. Hier ging er deutlich weiter. Wieder zog er sich die Schwimmflügel aus und schwamm weit in den See hinein. Er ging nicht unter, hatte genug Ausdauer und Konzentration. Er schwamm wirklich gut und ohne Panik.

Ich habe ihm schon mehrfach ans Herz gelegt einen Schwimmkurs zu besuchen oder einen Auffrischungskurs. Er lehnt aber immer ab, da er meint, dass ihm diese Kurse nicht helfen werden. Ich frage mich nun, was hat mein Freund bloß? Offensichtlich kann er schwimmen, aber scheinbar will er nicht? Aber die Einschränkungen der Schwimmflügel stören ihn und gleichzeitig zieht er sie aus Angst an. Dann zieht er sie aber auch aus, wenn wir streiten. Selbst wenn wir länger an Land sind, zum Beispiel bei Freibädern, zieht er sie wieder nicht aus.
 

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Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Hallo, Gast,

für mich sieht es so aus, als ob die Schwimmflügel einen Ersatzhalt darstellen. Deinem Freund fehlt der innere Halt und weniger der Halt im Wasser. Das Wasser könnte man als "das Leben" beschreiben, in dem Dein Freund schwimmt und gerne Schwimmflügel hätte. Diese bekommt er, wenn er ins Wasser geht, aber eben nicht im Leben.

Aus meiner Sicht wäre herauszufinden, welche Lebenssituationen ihm den Eindruck "hier schwimme ich" oder "hier fehlt mir Halt" wecken. Da wäre sicher ein erfahrener Therapeut hilfreich, denn wenn der eigentliche Grund gefunden ist, muß auch eine Lösung her, ggf. ein Verhaltenstraining, wie beim Schwimmenlernen im Schwimmbad.

Ich empfehle, dass Du Deinem Freund nahelegst, einen Therapeuten aufzusuchen.

LG, Nordrheiner
 

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