CE-continued-existence
Aktives Mitglied
Moin thin_police!
Der Unterschied ist schwer zu "beschreiben" - darum hier diese Erklärung für Dich....
Wie Du siehst, haben Übertragungsliebe (auch wenn Deine Psychologin es Verliebtheit nennt) und
Liebe "Draußen" herzlich wenig miteinander zu tun!
Ich hoffe, der zitierte Text frustriert Dich nicht - ich finde es gut, dass Du Deine Gefühle hinterfragst...das ist wirklich reflektiert und wird Dir helfen!
Alles Gute für Dich!
Ich weiß, es ist ein absolutes Tabu. Sie würde ja auch ihren Beruf riskieren. Aber das tuts nicht weil sie meine Gefühle nicht erwidert. Natürlich wünschte ich mir, ich wäre kein Tabu für sie und sie würde mich beim nächsten Einzelgespräch in die Arme nehmen und mich stundenlang knutschen! 😉 Aber das ist der Wunsch von allen Patienten, die sich in ihren Therapeuten verliebt haben, ist ja auch logisch.
Aber worin besteht denn der Unterschied zwischen Übertragungsliebe und "Verliebtheit" (so wie es auch meine Psychologin nennt)? 😕
Der Unterschied ist schwer zu "beschreiben" - darum hier diese Erklärung für Dich....
Mit der »Übertragungsliebe« eine enge Gefühlsbeziehung des Patienten zum Therapeuten im Behandlungsprozess gemeint.
In dem Gefühl zu ihm/zu ihr wiederholt der Patient frühere Beziehungserfahrungen (z.B. »er kann einfach alles« – wie der Papa oder »ich bin abhängig von seiner Liebe.«) oder lebt neurotische Wünsche aus (sich in den Therapeut verlieben statt sich zu verändern).
Die Übertragungsliebe ist also eine spezielle Form der sog. Übertragungsneurose, d.h. dass sich in der Beziehung zum Therapeuten alle problematischen Persönlichkeitsanteile wiederfinden, also z.B. um jeden Preis gefallen wollen, Konflikten aus dem Weg gehen, indem man sich schwach macht usw.
Diese starken Gefühle gelten durchaus als wichtiges »Material« in der Therapie – die Therapie ist also erfolgreich, wenn die Übertragungsliebe verstanden, durchgearbeitet und aufgelöst ist.
Diese so genannte »Übertragung« kann jedoch auch für den Therapeuten zur narzisstischen Versuchung werden. Oder einfach gesprochen: Wenn der Therapeut mit eigenen früheren narzisstischen Frustrationen oder gar früheren seelischen Verwundungen (Traumata) noch nicht so recht fertiggeworden ist - und parallel dazu einen »Nachholbedarf an liebevoller Anerkennung« hat, dann kann so eine positive Übertragungsbeziehung durchaus auch einmal als »späte Wiedergutmachung des Schicksals« fehlinterpretiert werden.
Das lernt man zwar im Studium zu durchschauen und möglichst zu vermeiden – aber nicht jedem ist es möglich.
Die Zuwendung des Patienten zum Therapeuten ist also nur im Rahmen der »Übertragung« zu sehen.
In so einer Situation ist die reife Grundhaltung des Therapeuten gefordert.
Wie Du siehst, haben Übertragungsliebe (auch wenn Deine Psychologin es Verliebtheit nennt) und
Liebe "Draußen" herzlich wenig miteinander zu tun!
Ich hoffe, der zitierte Text frustriert Dich nicht - ich finde es gut, dass Du Deine Gefühle hinterfragst...das ist wirklich reflektiert und wird Dir helfen!
Alles Gute für Dich!