Was für eine Freundin ist das, die dir erzählt, eine Frau wäre klasse, weil sie nicht über dich herzieht, da du beruflich weniger erfolgreich bist als sie? Das suggeriert mir, dass sie es für völlig normal hält, negativ über andere zu reden, die keinen so tollen Job haben wie sie selbst oder Dritte. Und was für eine Clique ist das, in der du über einen Fürsprecher wieder reinkommen könntest, wenn du ein entsprechendes Verhalten (hier die zur Auflage gemachte Therapie) zeigst? Entschuldigung, aber das sind doch keine Freunde. Freundschaft sieht für mich jedenfalls ganz anders aus. Diese Menschen verachten dich (warum auch immer und ich will gar nicht urteilen, wo die Ursache dafür liegt) und ich denke nicht, dass du weiter Kontakt zu ihnen suchen solltest.
Und was für ein Traumprinz ist das, der zwei Monate mit dir die nette Beziehung spielt und dich dann postwendend für seine Ex abserviert? Die Schwangerschaft mal ausgeklammert, ja, du hast dich ihm faktisch an den Hals geschmissen, aber er hat ja auch zugegriffen und so wie du schreibst war es ja schon eine Art Beziehung mit nächtlichen Telefonaten, Geschenken, Familientreffen, Urlaubsplanung und so. Das kriegt der alles problemlos auf die Reihe, obwohl er eigentlich die ganze Zeit in seine Ex verknallt ist, der er dann auch hinterherreist um wieder mit ihr zusammen zu kommen. Das ist bestenfalls ein Schaumprinz und wenn du ihn noch so toll beschreibst. Und diese Melissa hat ja offenbar den absoluten Jackpot mit einem Freund, den sie aufgrund von Gerüchten sitzenlässt, die er dann auch prompt in eine Wahrheit verwandelt. Jetzt ist sie wieder mit einem Typen zusammen, von dem sie weiß, dass er kein Problem damit hat, ganz schnell auf eine andere umzuschwenken, wenn sie mal Stress haben. Traurig, dass du ehrlich zu glauben scheinst, die beiden wären perfekt und irgendwie besser als andere bzw. als du.
Schwanger sitzen gelassen hast du dich selbst, von daher finde ich die Überschrift sehr passend gewählt. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass du dich stark an anderen Menschen orientierst, deren Leben überhöhst, Vergleiche zu Filmen ziehst und immer wieder an deiner eigenen Realität scheiterst. Das Leben ist aber kein Hollywoodfilm - nicht für dich und auch nicht für alle anderen. Zumindest keiner von diesen Happy-Honeymoon-Sonnenuntergang-Filmen.
Wenn du wirklich Medizin studieren wolltest, dann würdest du das tun. Auch mit Kind. Aus irgend einem Grund willst du das nicht genug, um es durch zu ziehen. Das ist völlig ok, aber dann dreh dich darüber nicht ständig im Kreis und halte es dir vor als etwas, was du gerne gehabt hättest aber nicht erreichen konntest. Du könntest das nämlich erreichen, aber anscheinend willst du es nur nicht genug. Wie gesagt, ist doch auch in Ordnung. Nimm dich mal so an, wie du bist, mit allem, was du hast und kannst. Und hör auf, die Menschen in deiner Umwelt als makellose Wesen mit beneidenswertem Traumleben zu begreifen.
Das sind sie nicht und das haben sie nicht, diese Perfektion existiert nur in deinem Kopf und du machst dich offenbar gerne selbst fertig damit. Tu dir selbst den Gefallen und verletze dich nicht weiter mit solchen unproduktiven Gedankenkreiseln.
Und wo ich gerade so bei der Realität bin: du bist schwanger, hast du das überhaupt mal richtig begriffen? Das ist keine Calvin Klein Werbung mit dem perfekten Baby am Stand bei Sonnenschein, das ist eine Realität mit einer Wahnsinnsverantwortung. Ein Kind zu haben ist wie eine Tätowierung quer im Gesicht, du solltest dir verdammt sicher sein, dass es das ist, was du für den Rest deines Lebens kannst und willst. Wenn du über deine Schwangerschaft schreibst, dann immer in der "ich-Form": "ich werde Essattacken haben, ich werde emotional sein, ich werde einen dicken Bauch haben, ich...ich....ich...."
Hast du mal realisiert, dass es auch bei dieser Schwangerschaft nicht ganz in erster Linie um dich geht, sondern um einen Menschen, eine eigenständige Person, die in dir heranwächst?
Wirst du dafür eine reale Verantwortung übernehmen auch wenn du feststellst, dass das kein perfekter Film ist und dass kein Ritter auf dich zugeritten kommt um dich aus deinem vermeintlich miesen Leben zu befreien? Kannst und willst du das?
Du bist Krankenschwester, das ist kein 9 to 5 Job, wie wirst du nach der Elternzeit weitermachen, allein mit Kind? Wirst du umschulen oder Zusatzqualifikationen erwerben, oder wie wirst du das mit dem Schichtdienst regeln? Wie organisierst du die Kinderbetreuung als Alleinerziehende, wenn du arbeitest? Welche Säuglingsausstattung brauchst du am Anfang? Hast du Rücklagen oder einen Finanzplan? Wirst du zurück in dein jetziges Krankenhaus gehen oder etwas anderes machen? Bleibst du am jetzigen Ort wohnen oder ziehst du um und falls du umziehst, wie regelst du das so schnell wie möglich, bevor du zu unbeweglich dafür bist? Macht es Sinn, die Beziehung zu deinem Vater wieder zu optimieren?
Ich finde, das sind die Fragen, die du dir stellen solltest, anstatt über eine Clique nachzudenken, in der dich keiner sehen will, Freunden nachzuheulen, die dich verachten, auf eine andere Frau neidisch zu sein (was es niemals wert ist) und einem Typen hinterher zu heulen, der sich nicht für dich interessiert. Komm mal in der Realität an und beende dieses genießerische Selbstquälen, das letztlich nur eine kranke Form von übersteigertem Egoismus ist. Dein Kind ist entstanden, weil du eine Menge Sch*** gebaut hast, ja, das war blöd, aber jetzt geh mal weg von diesen Geschichten und organisiere dich für dein Kind, das bald kommt.