jetzt misch ich mich da auch mal ein:
Du scheinst eine Pubertätsdepression zu haben, die hatte ich auch in Deinem Alter. Shit, wenn die Familie einem da nur mit ner Thearpie droht, als wäre es ne Strafe, statt Dich wenigstens mal ner Psychologin vorzustellen und das positiv zu sehen.
Wenn man so drauf ist, wie Du gerade, sucht man einen Sinn im Leben^, fühlt sich selbst tief im Inneren nicht wertvoll genug. Der Traum von einem Baby entsteht aus einem Liebesbedürfnis. Man kehrt das um:
"Wenn MICH eben keiner liebt, dann will ich wenigstens einen Menschen, dem ich meine Liebe schenken kann und der mich auf jeden Fall die nächsten 20 Jahre lang sicher lieben wird."
Andere Leute fühlen sich schwächer und schwächer, lassen sich in die Enge treiben, können nicht "nein" sagen, aus Angst vor Verachtung und noch mehr Isolation. So war das bei mir.
Ich bekam ungeplant ein Kind, als ich selbst noch ein Kind war.
Ausbildung war erst mal nicht drin, denn ich konnte das Kind keinem anvertrauen und meine Mutter wollte endlich arbeiten, nachdem ihre Kids ja nun groß waren.
Geldmangel, Hunger in der Schwangerschaft, während der werdende Vater das Geld verschwendete und bei Freunden aß..................
Mit dem Baby kam ich gut klar, alle hatten mich zwar gewarnt, ich hätte nie mehr zeit für mich, aber ich war glücklich mit dem Kind. Dieses Glück war aber ein Verstecken in einer winzigen Niesche des Lebens, ich hatte nicht das nötige Selbstwertgefühl für MICH zu leben und lebte eben für das Kind. Nach 2 Jahren begann ich, das Abitur auf der Abendschule nachzuholen, als das 2. Kind im Kindergarten war, begann ich zu studieren. Mein Bafög half, wir hatten zum ersten Mal ALLE regelmäßig das zu essen, was uns schmeckte (Ich hatte zu oft nur Spaghetti mit Butter oder Reis mit Salz gegessen, Gemüse war teuer und daher nur für die Kinder. Deren Vater hatte allerdings immer dafür gesorgt, dass ER genug von allem hatte und konnte mit Geld nicht umgehen).
Es war toll, nach langer, langer Zeit mal wieder in die Gesellschaft zu kommen, mit jemandem reden zu können. Aufgrund meiner Armut hatte ich bis dahin nur wenige Bekannte gehabt, aber ein paar Mütter kannte ich sehr gut und war wegen ihnen und wegen der Kinder nicht immer unglücklich. Mein Leben war aber verdammt hart.
Unsere Schulden wuchsen (mein damaliger Mann konnte nicht mit Geld umgehen), meine Ehe war für mich schrecklich, weil er nie mit den Kindern reden wollte geschweige denn spielen, zu den Kids und mir unhöflich und ruppig war, keine Verantwortung übernahm und alles mir überlies.
Ich arbeitete dann, aber wir blieben arm, er gab das Geld eben schneller aus. Es war ein Kampf um die Ressourcen der Familie.
In meiner 2. Ehe versorgte ich dann 4 Personen, wir lebten nun endlich recht gut, Unterhalt bekam ich aber nicht. Mein 2. Mann hat nie gearbeitet, hatte ewig Probleme mit sich selbst und verließ mich eines Tages heimlich, was mir das Genick brach.
Da stehe ich nun:
Meine beiden Kinder sind groß, ich habe alles geschafft, was ich mir für sie vorgenommen hatte. Ich hatte ihnen eine möglichst unbeschwerte Kindheit erkämpft und ihnen alles ermöglicht an Sport, Freizeitmöglichkeit u.s.w. geboten, indem ich selbst auf alles verzichtete (das tat ich wirklich sehr gerne für meine Süßen). Das erste Kind studiert schon, das zweite geht noch zur Schule. beide sind glücklich und selbstbewusst......
Das hört sich doch gut an, oder?
ja, GESCHAFFT habe ich es und für die Kinder alles erkämpft.
Das Problem:
(ja, jetzt kommt das große "aber".....)
meine Freundinnen in meinem Alter haben kleine Kinder, haben Familie.
Ich nicht mehr !
Ich bin nun meiner Meinung nach 20 Kahre zu früh dran, mein Leben ist vorbei, während das meiner Altersgenossen gerade erst angefangen hat.
Ich bin allein.
Es geht mir nun wie Dir, ich schaue jedem Kinderwagen nach...........
Meine Zeit als Mutter ist vorbei und das ist ein unbeschreiblicher Schmerz, weil es ZU FRÜH ist.
Mir fällt nun auch auf, was andere alles erlebt hatten, bevor sie ihre Familie gründeten. Ich war niemals ausgegangen, nie in meinem Leben Händchen haltend durch die Stadt gegangen, nie mit meiner großen Liebe in einem Cafe gewesen.......................mit 35 sah ich endlich mal eine Disco von innen (das gehört doch auch irgendwie zur Allgemeinbildung, oder?)
Fazit:
Junge Mütter schaffen die Versorgung eines Babys besser, als "die Erwachsenen" glauben, aber man wird später auf Elternabenden von den anderen Eltern, die 15 bis 25 (!) Jahre älter sind, nie für voll genommen und bleibt Außenseiter oder/und Rebell (das war meine Rolle, ich hasste verstaubte Ansichten der Lehrer meiner Kinder).
Da man mit allem zu früh dran ist, verzichtet man zwangsläufig auf seine Jugendzeit und wird dafür 20 Jahre zu früh alt (innerlich), weil alle Gleichaltrigen um einen rum Familien haben, während man vom Lebensablauf her ne Oma ist. Es ist nun zu spät die verpasste Jugendzeit zu leben, zu spät eine Familie neu zu gründen und zu früh ins Altersheim zu gehen. Für Karriere und "das Leben genießen" fehlt es an Erfahrung, das können die, die eine Jugend hatten.
Süße, erspare Dir bitte diese Schmerzen!
Überleg es Dir noch mal.........
Alles Liebe,
Annalina