Es liegt mir fern, mich hier wieder mit meinem christlichen Widerpart Rainer anzulegen. Allerdings sehe ich diese Frage schon - darf ich es so sagen? - lebenspraktischer.
Wenn sich ein Mensch, ein junger zumal, auf eine intime Beziehung einlässt, geht er nach meinem Eindruck zunächst doch wohl immer davon aus, dass er seinem Gegenüber nicht nur trauen darf, sondern ihn auch wirklich liebt.
Dass dies dann anders sein kann und sich in der weiteren Begegnung solche Annahmen als Trugschlüsse erweisen, liegt für mich in der Natur der Sache.
Da hat ein Mensch das Beste für sich und sein Gegenüber gewollt und im Verlauf der Beziehung zeigt sich, dass sich dieser Wunsch nicht realisieren lässt. In einer solchen Situation halte ich es schon für geboten, die Beziehung nicht einfach abzuhaken, sondern erst einmal zu erkunden, ob es vielleicht noch doch noch einen Weg gibt, die Beziehung zu retten. Aber, und das sage ich sehr bewusst, es kann durchaus ein Zeichen von Verantwortung gegenüber dem Partner und sich selbst sein, ein Ende der Beziehung herbeizuführen.
Und - damit gehe ich nochmal auf die dezidiert von seinen manifesten christlichen Bekenntnissen getragenen Einlassungen aus- Rainers Rezepte beantworten nicht die Fragen, wie ein Paar mit der Erfahrung persönlichen Scheiterns umgehen kann.
Nehme ich etwa an, beide kommen aus einer bewusst christlichen Haltung, üben vor der Ehe die Zurückhaltung, die Rainer ja offensichtlich vorschwebt, um dann festzustellen, dass sich gerade die Sexualität zum Konfliktfeld entwickelt, wie etwa sollen sie den Konflikt dann auflösen?
Ich habe als gebranntes Kind gerade Erfahrungen mit zwei christlichen, ja sogar katholischen Eheberatungen.
Dabei wurde meine Partnerin in ihrer Verweigerung bestärkt, mir wurde zugemutet, nicht einzufordern, was sie nicht geben wolle. Wie ich also mit dieser Enthaltsamkeit umgehen sollte, was das für mich und mein eigenes Verständnis als Mann bedeutete, darauf erfuhr ich keine Antwort.
Wir übersehen bei dieser Problematik auch einen Aspekt, der vor zwei, drei Generationen noch überhaupt keine Rolle spielte: Die Zeitdauer, die heute eine Ehe zu "überstehen" hat.
Noch in meiner Jugend erlebte ich in meiner Nachbarschaft das Ende etlicher Ehen durch den Tod der Ehepartner. Oft hatte die Ehe gerade mal die Silberhochzeit erlebt.
Unsere Lebenserwartung ist erheblich gestiegen. Und es macht schon einen Unterschied, ob man eine Beziehung über 20 Jahre oder 50-70 Jahre gestalten muss.
Für mich gilt, auch aus christlicher Perspektive, ein Kriterium: Dass ein Mensch es zum Zeitpunkt, in dem er sich mit einem Partner, einer Partnerin einlässt, es ernst meint. Dazu zählt für mich auch (das ist meine männliche Sicht), dass ich mein Gegenüber nicht schmachten lasse und ihm einen Verzicht zumute, den nun mal manche Menschen nicht leisten können.
Ich nenne das unmenschlich, und unmenschliche Verhaltensweisen zu respektieren, verlangt m e i n Glaube nicht von mir.
Noch eine Erfahrung möchte ich hier spiegeln. In meinen jungen Jahren lernte ich zwei sehr beeindruckende Patres kennen, die ihre Berufung mit Engagement und Herzblut ausübten. Schließlich schieden sie aus und verabschiedeten sich von der Gemeinde, weil ihnen die Liebe zu einer Frau dazwischen gekommen war.
Die Kirche Roms, die ich nicht zu vertreten habe, tut sich an dieser Stelle keinen Dienst, verzichtet sie doch ohne Not auf Menschen, die für viele Gemeinden eine Bereicherung sein könnten. Aber, wie gesagt, ich bin evangelisch.
Burbacher