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Schüchtern und Informatik?

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Gast2222

Gast
Hallo,

ich habe demnächst vor Informatik zu studieren und demnach auch später einen Job in der Branche zu bekommen. Ich bin selbst sehr kontaktscheu. Teamarbeit liegt mir schon in der Schule nicht. Referate halten, wo man sich selbst und seine Inhalte präsentiert waren auch immer sehr anstrengend. Im Bereich Informatik muss ich auch öfters von Teamplayern etc. lesen. Nun macht mir das ganze doch etwas Angst. Ich kann es mir momentan schwer vorstellen, dass ich z.B. täglich mich mit Kunden austausche, bzw. mit dem Team.
Im großen und ganzen wollte ich hier mal nachfragen, ob es Leute gibt, die sich in einer ähnlichen Situation befanden wie ich und wie sie damit letzendlich klar gekommen sind. Gewöhnt man sich daran vielleicht mit der Zeit? Habt ihr irgendwelche Maßnahmen ergriffen, damit einen die ganze Teamarbeit leichter fällt? Gibt es vielleicht auch Jobs in der Informatik, bei denen man später nicht ganz so viel Teamwork oder Kundenkontakt benötigt?
Ich wäre sehr dankbar, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen könntet.
 
Hallo,

im Bereich der Softwareentwicklung kannst du dich am besten "verstecken". Das kann sogar soweit gehen, dass du tagelang niemand siehst und nur vor der Kiste hockst. Wenn dir das Spass macht, super. Dachte ich auch mal, damals ging es mir total auf den Wecker mit den dummen Kunden zu sprechen und erst recht denen was beibringen zu müssen. Aber ich kann die sagen, nach 2 Monaten reine Programmiertätigkeit meistens alleine im Büro haben ich hingeworfen. Inzwischen habe ich verstanden, warum. Menschen können nicht wirklich alleine existieren, man braucht immer einen sozialen Kontakt.

Aber probiere es doch einfach aus und mache deine eigenen Erfahrungen. So oder so finde ich es immer gut, wenn man sich persönlich weiterentwickelt (auf neudeutsch seine Soft-Skills verbessert), denn ganz ohne wird es niemals gehen (denn irgendwann wirst du z.B. auch mal in den Urlaub wollen).
 
Wenn du Introvertiert bist und dir der Kontakt gegen dein Gefühl läuft, dann gibt es 2 Wege.
1.) Du suchst dir in der IT Tätigkeiten wo du möglichtswenig Soziale Interaktion pflegen musst
2.) "Fake it 'till you make it". Also gegen das Gefühl/ die Angst solange ankämpfen bis es eine Selbstverständlichkeit wird.

Ich hab auch erst den 1.) weg versucht, aber wie mein Vorredner schon beschrieben hat macht das dich als Mensch und damit als Herdentier nach und nach kaputt.
Also habe ich mir eine Position mit einer Mischung aus beidem gesucht. Am Anfang war der 2.) weg sehr schlimm. Immer in die Angst hineingehen. Gespräche und Small-Talk führen obwohl die Angst einen davon abhalten will.
Irgendwann wird es zur Normalität und die Angst hat zumindest mit gewohnen Mitarbeitern und Kunden keine Relevanz mehr. Bei neuen Leuten wird es dann auch immer Einfacher.
Bei einer ausgeprägteren Form der Sozialen Phobie kann ich das natürlich nicht beurteilen.
 
Ich kann dir von unserer FH aus der Fakultät Informatik berichten, dass in 2er-Teams programmieren gelernt wird. Für größere Projekte werden dann wiederum Teams zusammen gestellt. In der Informatik gibt es viele verschiedene Bereiche, allerdings ist es doch gerade in der Softwareentwicklung so, dass teamübergreifend gearbeitet werden muss, sonst kommt nur Murks bei raus.

Allerdings ist es auch so, dass es in Projekten immer zuständige Leiter gibt, die das Team bzw. die Firma nach außen hin repräsentieren. Wenn du also damit klar kommst keine Führungspositionen zu belegen und dich in einem eingespielten Team wohlfühlst, dann ist das kein großes Problem.

Um Präsentationen wirst du in den Unis inzwischen aber nirgends mehr drumrum kommen, das gehört einfach dazu. In einem Studiengang mehr oder weniger als im anderen, aber ganz ohne klappt das wohl eher nicht.

Ansonsten kannst du als Informatiker auch selbstständig arbeiten. Gerade im Bereich Web kannst du als Entwickler gut freelancen und viel via Email abwickeln.
 
@Querdenker
Wie meinst du das mit den verstecken? Ich hab gedacht gerade Software entwickelt man gemeinsam im Team nach Wunsch von Kunden, wodurch das "verstecken" schwer fällt.
Das mit den sozialen Kontakt stimmt wahrscheinlich. Nur frage ich mich, ob man den bei der Arbeit auch braucht. Privat kann man ja noch Kontake pflegen. Hat dir aber scheinbar nicht gereicht oder?

@N13M4ND
Wärst du bereit zu sagen, was für Jobs du bei 1. und 2. gehabt hattest? Würde mich interessieren.

@Kassenzettel
Führungsposition möchte ich auch eher ungern. Ist es dann so, dass die jeweiligen Leiter mit den Kunden diskutieren oder wie kann ich mir das vorstellen. In einen eingespielten Team zu arbeiten könnte ich mir vorstellen. Klappt in der Schule ja auch einigermaßen gut.
Präsentationen mach ich zwar schon ungern aber irgendwie funktioniert es dann ja meistens. Hast du selbst Informatik studiert? Gehört Informatik zu den Fächern, wo man eher mehr Präsentationen machen muss?
 
Mit "verstecken" meine ich, in Abgeschiedenheit arbeiten. In den meisten Berufen ist man gezwungen mit anderen zusammen zu arbeiten und sind ständig zu sehen. Beim Programmieren gibt es zahlreiche Varianten, vom Team bin zum Einzelkämpfer ist alles möglich.

Ich war mal für ca. 1 Jahr als selbstständiger Softwareentwickler in meinem Büro allein zu Hause und musste nur ab und zu zur Post und die neue Version versenden (damals gab's noch kein Internet) oder zu Besprechungen zwecks Abstimmung. Am Anfang fand ich das super, freie Zeiteinteilung, kann zwischendrin mal radfahren oder einkaufen, einfach mal ins Bad gehen, mal nur einen halben Tag arbeiten usw. Aber schon nach 3 Monaten war die Freude vorbei und nach weiteren 3 Monaten ging's mir auf den Wecker. Ich war nämlich meistens alleine, weil alle um mich herum normale Arbeitszeiten hatten. Ätzend war z.B. bei Terminengpass war ich auch mal Abends oder am Wochenende am arbeiten während die Freunde in der Disco oder im Bad waren.

Es gibt also sicher genügend Möglichkeiten, wo du dich "verstecken" kannst. Allerdings gibt es noch genügend Verpflichtungen, wo du dann doch in den Kontakt gezwungen wirst. Von daher würde es schon viel Sinn machen, wenn du auch an deinen Soft-Skills arbeitest. Das lohnt sich.
 
@Kassenzettel
Führungsposition möchte ich auch eher ungern. Ist es dann so, dass die jeweiligen Leiter mit den Kunden diskutieren oder wie kann ich mir das vorstellen. In einen eingespielten Team zu arbeiten könnte ich mir vorstellen. Klappt in der Schule ja auch einigermaßen gut.
Präsentationen mach ich zwar schon ungern aber irgendwie funktioniert es dann ja meistens. Hast du selbst Informatik studiert? Gehört Informatik zu den Fächern, wo man eher mehr Präsentationen machen muss?
Nein, ich habe nicht Informatik studiert, aber einige Kurse machen müssen (quasi Nebenfach). Ob man viele Präsentationen machen muss hängt wohl von jeder Uni/FH ab. Ich würde da mal bei den Studierenden oder Dozenten deines Wunschstudiengangs nachfragen, die können dir erklären, was da auf dich zu kommt.
Meiner Erfahrung nach musst du aber nicht all zu viel Angst davor haben. Viele Studierende sind unsicher bei Präsentationen und die meisten sind auch eher mittelmäßig. Du bist nicht allein mit deinem Problem und die Dozenten reißen niemandem den Kopf ab.
 
Hey,

mein Mann ist 'Informatiker', wenn man das heute noch so nennen kann. Denn es gibt so viele verschiedene Sparten, Aufgabengebiete und Arbeitsweisen... Er hat Wirtschaftsinformatik an einer Fernuni gemacht, Präsentationen gabs sehr wenige, eh klar. Zum Schluss gabs eine Gruppenarbeit, die wegen der Entfernung hauptsächlich über Skype gelaufen ist.

Als ITMitarbeiter hat er ein paar Jahre in einer Firma gearbeitet, er hatte keinen Kundenkontakt, musste sich mit den Kollegen abstimmen, wer macht was und auch z.B. mit der Buchhaltung, wie sie sich das vorstellen.

Die Herausforderung dort war, wie oft in der IT, die Kommunikation. Der eine sagt: das Programm funktioniert nicht mehr. Die IT fragt nach: was genau? Lässt es sich nicht öffnen, geht ein Button nicht, funktioniert eine Verlinkungen nicht, berechnet es falsch? Nein, es funktioniert nicht.

Das ist wie wenn zwei miteinander sprechen ohne die Sprache des anderen zu verstehen.

Heute ist er selbständig. Natürlich hat er so viel Kundenkontakt. Er bekommt einen Auftrag für eine Programmierung oder einen netzwerkaufbau. Er kann dann schon mal 2 Tage nur arbeiten, muss sich aber bei den Kunden rückversichern, ob das schon noch passt.

Denn da ist wieder die Kommunikation: Kunde will ein Programm, dass z.B. die verschiedenen Versicherungen, die er anbietet, vergleicht mit einigen Funktionen.

Der eine erzählt von Versicherungspolicen und deren Berechnung, wovon mein Mann nicht viel Ahnung hat. Mein Mann erklärt, wie er das Programm technisch das lösen könnte und der andere versteht nur Bahnhof.
Das lernt man mit der Zeit, sich verständlich auszudrücken und mit den Kunden zusammen zu arbeiten.
Er sagt, es macht ihm auch großen Spaß, da er dadurch in anderen Sparten viel dazu lernen kann...

Ich kenne gar keinen Beruf, bei dem man gar keinen Kontakt mit niemanden hat.
Ob man in einem funktionierenden Team arbeitet, hängt auch von einem selbst ab. Das Team kann noch so toll sein, man gehört nicht Auto dazu, nur weil man in der gleichen Abteilung arbeitet. Man muss schon seinen Teil dazu beitragen.

Liebe Grüße und alles Gute!
 
Hallo lieber Threadersteller,

ich habe selbst im Bachelor und Master Informatik studiert und habe selbst momentan Berufseinsteiger, habe davor aber schon einige Eindrücke in Firmen durch Praktika sammeln können.

Ich kann nur sagen, dass es in jedem Bereich überaus wichtig ist, sich miteinander abzusprechen. Das heißt nicht, dass Du jeden Tag stundenlang an Diskussionen teilnehmen musst, aber es ist eben wichtig, abzustecken wo eventuell noch Probleme im Produkt sind oder Optimierungsbedarf ist.

Also was du oft als Teamplayer liest ist eher jemand, der in der Lage ist, andere Leute bei Problemen zu unterstützen, diese zu erkennen und anzusprechen usw. Das geht leider nur, indem man miteinander kommuniziert.

Programmieren machst Du aber immer für Dich. Da wirst Du selten mal zu zweit mit einem Kollegen vor dem Monitor sitzen.

Mit Kunden musst Du eigentlich nicht direkt sprechen, wenn Du nicht gerade in den Consulting Bereich gehst. Klar - es kann mal vorkommen, dass man mit wem E-Mail Kontakt hat, aber das ist nichts schlimmes.


Ich war früher ein sehr, sehr schüchterner Mensch - ich hatte sogar Probleme irgendwo wegen beispielsweise einem Arzttermin anzurufen und musste mir davor erst mal überlegen was ich sage! Während der Schule habe ich Gruppenarbeiten gehasst und Präsentationen waren die Hölle.

Das alles hat sich während dem Studium mit der Zeit sehr geändert.
Ich mag immer noch keine Präsentationen, bin aber nicht mehr so extrem nervös wie früher. Das kommt alles - mach Dir keine Sorgen!

Möchtest Du was an Deiner Situation in Bezug auf Schüchternheit, etc denn ändern?
 

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