Hallo Kleine!
Ich kann deine Situation gut nachvollziehen.
Mein Freund kam vor zwei Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Auch ich war damals 18.
Ein betrunkener Autofahrer kam uns entgegen. Alex versuchte auszuweichen. Wir gerieten ins Schleudern, kamen von der Straße ab und das Auto prallte seitlich gegen einen Baum. Ich habe diesen Unfall beinahe unverletzt überstanden. Aber Alex ist tot. Der Besoffene beging Fahrerflucht. Er wurde nie erwischt.
Ich vermisse Alex schrecklich, und daran wird sich auch nie etwas ändern.
Manchmal denkt man vieleicht, irgendwie damit klarzukommen, aber dann gibt es Momente, in denen die Vergangenheit einen einholt. Ein unbedachtes Wort, eine Geste, eine vertraute Melodie, ein bestimmter Gegenstand, und die Erinnerung an den Schmerz ist wieder da.
Der Tod eines lieben Menschen kann man nicht so leicht verkraften. Es ist verdammt schwer, einen Menschen zu verlieren, der einem sehr nahe stand. Man kann es nicht beschreiben oder verstehen. Alles, was man weiß ist, dass er ein Loch hinterlassen hat, das nie mehr zu füllen sein wird. Man wird es nie vergessen. Man kann nur lernen, damit zu leben.
Man fühlt eine Leere, eine Stille, die einen fast zu erdrücken scheint. Es gibt nichts, was wirklich helfen kann, darüber hinweg zu kommen, dafür gibt es keine Worte, keinen Trost. Es dauert lange, sehr lange Zeit, ehe die Wunden anfangen zu heilen, ehe es aufhört, weh zu tun. Das ist wohl das einzige, was hilft - Zeit.
Kleine, du darfst um deinen Vater trauern. Das hat er verdient. Deine Tränen zeigen, dass du ihn sehr geliebt haben musst. Da ist es nur verständlich, dass er dir fehlt. Das wird er auch immer, und das ist gut so. Wenn er einfach zu ersetzen wäre, hätte sein Leben keinen Sinn gehabt. Ich denke, wo immer dein Vater jetzt ist, er weiß von deiner Trauer und sieht, wieviel er dir bedeutet hat. Und er fühlt mit dir. Er leidet mit jeder deiner Tränen und freut sich über jedes Lachen von dir.
Es ist völlig in Ordnung, dass dein Kummer auch nach vier Jahren noch so groß ist. Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst. Vier Jahre sind wirklich nicht viel Zeit, um den Tod deines Vaters zu verarbeiten.
Im Moment hälst du es vielleicht für unmöglich, aber irgendwann wirst du damit umgehen können.
Ich warte auch noch auf diesen Tag. Ich weine so oft, meist abends, wenn mich keiner sieht. Alex fehlt mir so sehr. Ich finde es furchtbar, wenn im Frühling die Pärchen hänchenhaltend und schmusend draußen spazieren gehen. Ich meine, ich gönne es ihnen ja, aber zu wissen, dass der, den ich gern in den Arm nehmen würde, nie mehr wieder kommt, tut einfach so verdammt weh. Alex hat mir über sehr schwere Zeiten hinwegeholfen, und eigentlich bräuchte ich seine Hilfe noch immer. Aber er ist nicht mehr da. Ich bin dabei, wieder in ein tiefes, depressives Loch abzurutschen, weil ich mit meiner Vergangenheit nicht fertig werde, weil es keinen gibt, der mich auffängt.
Was mir "hilft" ist das Schreiben. Gedichte, Texte, Lieder. Da kann ich meine Gefühle reinbringen, ohne sie direkt aussprechen zu müssen. Es hilft nicht wirklich, aber es ist ein Ventil für alle angestauten Emotionen.
Versuch doch einfach mal, deine Gedanken aufzuschreiben. Anfangs kommt wahrscheinlich nicht mehr als die Frage "WARUM?". Aber dann wird es leichter. Gib es jemandem zu lesen, dem du vertraust. So weiß er, wie du dich fühlst, ohne dass du es ihm sagen musst. Denn das finde ich unheimlich schwer. Oder schreib sie hier ins Forum. Hierfinden sich bestimmt viele Leute, die ein offenes Ohr für dich haben.
Du darfst weinen. Schlechte Laune haben. Niedergeschlagen sein. Trauern. Auch nach vier Jahren. Auch nach zehn Jahren. Das ist völlig okay. Ich wünschte, es gäbe eine Möglichkei, dir den Schmerz zu nehmen.
Lass dich ab und zu von jemandem in den Arm nehmen. Das wird dein Herz nicht heilen, aber es zeigt dir, dass du trotz der Einsamkeit, die du spürst, nicht allein bist.
Hier eines meiner Gedichte.
"Einsamkeit"
Einsamkeit, wie das weite Meer.
In mir drin Stille und alles ist leer.
Traurigkeit, die niemals vergeht.
Immer allein und keiner versteht.
Lastende Schatten, schwarz beseelt.
Niemals glücklich, weil immer was fehlt.
Die vertraute Welt stürzt ein.
Und was war wird nie mehr so sein.
Und nun... Was bleibt? Ein wundes Herz.
Leidend, gepeinigt von Schmerz.
Einem Schmerz, die nie verschwindet.
Stets aus dem Vergessen sich windet.
Ein tapferes Lächeln, doch Kummer im Blick.
Keiner dreht mir die Zeit zurück.
Bleibt Traurigkeit, die niemals vergeht.
Immer allein, denn keiner versteht.