Sie war Yogalehrerin, manifestierte Fülle und trug Chakren-Schmuck. Ich trug wie immer mein „Kein Sex unter dem Patriarchat“-Shirt.
Beim Gespräch über revolutionäre Gewalt meinte sie, „Gewalt hat eine ganz niedrige Frequenz“ – da wusste ich: das wird nix.
Ich habe versucht, sie für die permanente Revolution zu begeistern – sie wollte aber lieber über ihr Mondritual reden.
Als ich sagte, dass Liebe unter Kapitalbedingungen immer auch entfremdet ist, hat sie mir ein Flyer für ein Tantra-Retreat gegeben.
Irgendwann fragte sie, ob ich „offen für polyamore Energien“ sei – ich sagte: „Ich teile alles, außer meine revolutionäre Linie.“
Fazit: Ich bin müde. Müde von Esoterik, müde von neoliberaler Datinglogik, müde von der Einsamkeit im Widerstand.
Gibt es irgendwo da draußen noch eine, die Trotzki gelesen hat und weiß, was eine Lohnarbeitsverhältnisanalyse ist?