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Scherbenhaufen

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lise

Sehr aktives Mitglied
Ich wünschte ich könnte gewisse Dinge einfach aus meinem Gedächtnis streichen.
Es würde sich leichter leben.
Ich war oft dumm und naiv,war mir aber meistens nicht bewusst das das was ich da tat schlecht für mich war,das es Folgen haben könnte.
Woher denn auch?
Niemand hat mir was beigebracht.
Mein Vater war tot und meine Mutter lies sich lieber durchvögeln.
Und mich auch.
Jahrelang habe ich versucht das was da geschah zu verbergen.
Danach,als es endlich raus war habe ich gekämpft das man mir glaubt.

Niemand hat zu mir gesagt das es nicht gut ist wenn man ZU vertrauensseelig ist und das man dadurch so verletzlich wird.
Niemand hat mir gesagt das ich nicht immer wieder die Fehler anderer verzeihen brauche,weil es mir absolut nichts bringt,ausser das ich noch mehr ausgenutzt werde.
Niemand kam und sagte mir das ich NICHT immer lieb sein muss damit man mich beachtet oder ich Aufmerksamkeit bekam.
Niemand sagte mir,das es ausser meinem Stiefvater noch andere Menschen gab die einem Böses wollen.
Niemand hat mir gesagt das ich NICHT die Verantwortung für alles und jeden übernehmen muss der einmal an meinem Gewissen zupft.
Niemand hat mich mal angeschrien und gesagt das nun Schluss ist,das ich mich wie eine Idiotin benehme und ich endlich aufwachen soll und nicht aus Allem das Positive rauspicken soll.

Doch.
Jetzt tut es jemand.
Und das Resultat von meinem verfickten Leben ist,das ich nur sehr schwer mit Kritik umgehen kann,und den Menschen der mir den Spiegel vorhält auch noch böse bin.
Ich war die ewige Kopfnickerin.
Auch wenn ich wusste das es mir schaden würde.
Und jetzt steh ich vor ein paar Scherbenhaufen.

Ich wollte nie ein böser Mensch sein,man hatte mir jahrelang Böses angetan
das war genug.. bin vielen begegnet die es nicht gut mit mir meinten aber ich war so naiv und habe übersehen,überhört,vergessen und..verziehen immer und immer wieder.

Oft hingefallen,immer wieder aufgestanden.
Oft keinen Weg mehr gewusst aber nicht aufgehört nach einem zu suchen.
Und trotzdem.
Lange habe ich geglaubt das ich alles "gut überstanden" hätte.
Doch tief in mir drin hatte ich Angst vor dem "grossen Knall"...weil ich wusste
das man "sowas" ncht so einfach wegsteckt,und das auch dem grössten Optimisten eines Tages die Luft wegbleibt.
Jetzt,wo die Kinder aus dem Haus sind( ausser dem Jüngsten) ist es ruhiger geworden,ich habe mehr Zeit um einige Dinge Revue passieren zu lassen..und es sind wahrhaftig überwiegend unschöne Dinge...
Die hat jeder,ich weiss,aber bei mir überwiegen sie.
Ich habe mir jahrelang was vorgemacht.
Ich war nicht immer die Starke.
Im Gegenteil,ich war oft schwach.
Mir selbst gegenüber.
Sich seine Fehler nicht einzugestehen ist auch ein Zeichen der Schwäche.
Sie nicht zu sehen oder erkennen zu wollen auch.

Das Leben ist dazu da,um drauss zu lernen..dachte ich bis vor Kurzem.
Aber wieso lernen,wozu?
Man hat ein ganzes Leben nötig um zu lernen..wozu?
Damit ich am Ende meines Lebens meine Fehler wie einen Film vor mir ablaufen sehe?
Oder damit ich es in einem "anderen" Leben besser mache?
Nein.
Wenn man sich an seine Fehler erinnern könnte,würde man sie doch nicht immer wieder machen oder?


Ich wünsche mir,das meine Kinder mir verzeihen können.
Und niemanden anders bin ich Rechenschaft schuldig.
Vielleicht kann ich mir eines Tages selbst verzeihen.


An alle die missbraucht und gedehmütigt wurden und das hier gelesen haben.
Bitte..arbeitet an euch,verdrängt nicht,tut nicht so alsob alles ok ist,der Missbrauch an sich ist furchtbar,aber gerade deswegen holt euch Kraft und Hilfe,damit ihr nicht den Rest eures Lebens für etwas büssen müsst das andere
euch zugefügt haben,bleibt nicht die ewigen Opfer.
Lasst euch nicht von eurem eigenen schlechten Gewissen "benutzen",manipulieren.
Lasst euch nicht kleiner machen,schaut nicht immer zurück,verharrt nicht in der Embryohaltung...aber macht euch auch nicht vor das die Welt "heil" ist,das ist sie nicht,es leben soviel kaputte ,kranke Menschen auf dieser Erde,und man muss seine Ellebogen gebrauchen.
Bringt DEN Menschen Respekt entgegen der euer Respekt VERDIENT.
Ihr habt ihn euch schon lange verdient.
Und sorgt dafür,das ihr ihn nicht vor euch selbst verliert,das wäre der Anfang vom Ende.




Lise
 
Hm, wer mit 47 einen Lebensrückblick mit "Scherbenhaufen" überschreibt, hat ja wohl -aus eigener Sicht- nicht nur etwas , sondern so ziemlich alles falsch gemacht, was man so machen konnte.

Und alles, weil sich die Mutter "durchvögeln" ließ und die Tochter auch was "abbekam" ? Also Sachen, die Jahrzehnte zurückliegen?

Nichts liegt mir ferner, als solche Taten zu verharmlosen. Die Frage ist nur, ob so etwas nicht als Alibibegründung für alle danach auftretenden Probleme herhalten muss. Das wäre gefährlich, weil es jede Eigeninitiative lähmt. Missbrauch ist grausam, muss behandelt und aufgearbeitet und beim Täter hart bestraft werden. Aber Misserfolge bei der späteren Lebensbewältigung sollte man im Interesse der Ehrlichkeit und Wahrheit gegenüber sich selbst nicht damit begründen.

chio
 
Hm, wer mit 47 einen Lebensrückblick mit "Scherbenhaufen" überschreibt, hat ja wohl -aus eigener Sicht- nicht nur etwas , sondern so ziemlich alles falsch gemacht, was man so machen konnte.
¨


Ja das liest sich so,das könnte man annehmen,ich habe mal Resumee gezogen
und das was da steht habe ICH so empfunden.
Niemand hat mir Vorwürfe gemacht.
Ich habe vier Kinder quasi alleine erzogen und dabei Fehler gemacht wie wohl
viele Mütter,weil ich sie zu sehr geliebt habe und nicht wollte das ihnen das passiert was mir passiert war,nämlich solch eine Mutter zu haben wie meine es war.


chioachen meinte:
Und alles, weil sich die Mutter "durchvögeln" ließ und die Tochter auch was "abbekam" ? Also Sachen, die Jahrzehnte zurückliegen?


Mir kommts so vor alsob du nach dem "alles" am liebsten noch ein "nur"
dazu geschrieben hättest.

Der Freund meiner Mutter hat mich jahrelang als Kind missbraucht und meine Mutter
wusste das,sie hat aber geschwiegen,mich also gewissermassen verraten und
verkauft an dem Kerl der sie durchvögelte.
Besser verständlich?



chioaachen meinte:
Nichts liegt mir ferner, als solche Taten zu verharmlosen. Die Frage ist nur, ob so etwas nicht als Alibibegründung für alle danach auftretenden Probleme herhalten muss. Das wäre gefährlich, weil es jede Eigeninitiative lähmt. Missbrauch ist grausam, muss behandelt und aufgearbeitet und beim Täter hart bestraft werden. Aber Misserfolge bei der späteren Lebensbewältigung sollte man im Interesse der Ehrlichkeit und Wahrheit gegenüber sich selbst nicht damit begründen.


Ich benutze das Geschehene nicht als Alibi,vielmehr wollte ich andere "Opfer"
wachrütteln und ihnen sagen das sie jede Hilfe in Anspruch nehmen sollen die ihnen geboten wird weil sie ihr Leben dann in ihre eigene Richtung lenken können.
Mir hat man damals als Kind keine Hilfe gezeigt.

Ich versinke nicht in Selbstmitleid,ich wollte nur mal meine Gedanken niederschreiben,und vll Menschen,die immer nur im Leben gekämpft haben zeigen,das man auch mal schwache Momente haben darf.


Lise


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Die Frage ist nur, ob so etwas nicht als Alibibegründung für alle danach auftretenden Probleme herhalten muss. Das wäre gefährlich, weil es jede Eigeninitiative lähmt. Missbrauch ist grausam, muss behandelt und aufgearbeitet und beim Täter hart bestraft werden. Aber Misserfolge bei der späteren Lebensbewältigung sollte man im Interesse der Ehrlichkeit und Wahrheit gegenüber sich selbst nicht damit begründen.

Du unterstellst einem Mißbrauchsopfer, es habe sein unglückliches Leben selbst verschuldet, du bagatellisierst den Mißbrauch und ignorierst somit die Ursache.

Du begreifst nicht einmal im Ansatz, wie es in einem Opfer überhaupt aussieht.
Kannst du dir vorstellen, dass der frühkindliche Mißbrauch (oder jeder Mißbrauch an sich) sich nicht einfach so wegtherapieren lässt? Er bleibt immer, ein Leben lang, Teil des Opfers. Er lässt sich nicht abwaschen, nicht abscheuern, nicht abkratzen, er ist da, eingebrannt in die Erinnerung! Eine Therapie mag dabei helfen, das Geschehene zu verarbeiten, sie macht es aber niemals ungeschehen.
Und deshalb muss jeden Opfer, therapiert oder untherapiert mit den Folgen der Tat leben.

Kannst du dir vorstellen, dass der Mißbrauch das Leben der Opfer beeinflusst? Die Traumata lassen Opfer anders handeln, reagieren, als Nichtopfer. Niemand will die Fehler seines Lebens mit dem Mißbrauch entschuldigen, aber es ist meist so, dass diese Fehler nie gemacht worden wären, hätte es den Mißbrauch nicht gegeben.
 
Zuletzt bearbeitet:
@ Missis

Es ist eine Frechheit von dir mir zu unterstellen, ich bagatellisiere den Missbrauch. Es sind derartige Äußerungen, die die Antwort provozieren: "Soll sich nicht so anstellen. Ist vor 30 Jahren mal durchgev.... worden und greint immer noch rum."

Das ist NICHT meine Einstellung. Allerdings liest sich diene Argumentation wie eine Generalabsolution für alles, was im weiteren Leben schief geht. Kann ja nix dafür, ist früher mal missbraucht worden.

Sehr praktisch, aber auch sehr realitätsfern.

chio
 
Nochmal.
Es ist NICHT der Missbrauch alleine der den Rest meines Lebens bestimmt hat.
Aber zum grossen Teil ist es so.
Es ist aber auch die Tatsache,das bei mir,im MEINEM "Fall" NIEMAND da war der mir Hilfe gegeben hat,im Gegenteil,das erste was meine Mutter tat als er aus dem Knast kam war,ihn zu sich zurück zu holen.
Ich wurde also ein zweites Mal verraten.
Und weisst du was?
Selbst DA konnte ich meine Mutter immer noch nicht hassen.
Ich werde mich hüten,dir Chio den weiteren Verlauf meines Lebens zu schildern,du würdest mich für ein Fake halten.

Fakt ist,das wenn man mir früher gesagt hätte das man mir helfen will
oder wenn nur EINE Person da gewesen wäre die mich aufgefangen hätte,mein Leben anders ausgesehen hätte
und ich würde jetzt nicht hier sitzen
und mich fragen ob ich wirklich ALLES für meine Kinder getan habe.
Das ist es worum es mir geht.


Wie ich schon oft erwähnte,ich mag keine Theorethiker.
Und du Chio bist mir auf Grund deiner Erfahrungen nicht objektiv genug.



Lise


Und noch was.
Eben weil ich das alles bagatellisiert habe ist vieles in eine Richtung gelaufen die ich so nicht wollte.
Ich habe mich nie als armes bemitleidenswertes Schäfchen empfunden,das hätte mir auch nicht weitergeholfen und das tuhe ich jetzt auch nicht.
Aber ich habe angefangen die Dinge so wie sie waren zu sehen und sehe auch im Nachhinein das einiges hätte anders sein können wenn ich das mal frûher getan hätte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine Meinung passt euch nicht - also werde ich diffamiert.Nun gut, ich kann damit leben.

Letzte Frage an lise: Könnte es sein, dass du keine Hilfe bekommen hast, weil du NIE welche ernsthaft gesucht hast ? Stichwort Opferhaltung.

Und das wärs von meiner Seite. Bemitleidet euch untereinander weiter. Wenn es hilft.....
Oder ihr glaubt es hilft....

chio
 
Es ist über dreissig Jahre her und ich war ein Kind.
Für die anderen war die "Sache" abgeschlossen.
Und bis vor Kurzem war ich ja auch der Meinung das ich das alles "gut im Griff" hatte.
Gehe jetzt monatlich zu einer Psychologin.
Es liegt noch viel Arbeit vor mir,die mir hätte erspart bleiben können.


Lise
 
Es sind derartige Äußerungen, die die Antwort provozieren: "Soll sich nicht so anstellen. Ist vor 30 Jahren mal durchgev.... worden und greint immer noch rum."

Genau SO ist dein erster Beitrag sinngemäß rübergekommen.

Das ist NICHT meine Einstellung.

Gut.

Dennoch lässt du das notwendige Feingefühl vermissen. Und du stellst quasi in Abrede, dass Mißbrauch Einfluss auf das weitere Leben hat. Du verleugnest den Zusammenhang zwischen unglücklichem Leben und Mißbrauch. Das was du schreibst kann man so auffassen, dass die Opfer ihr Leben eh versaut hätten, auch ohne den Mißbrauch und somit eine tolle Entschuldigung parat haben.

Verliere bitte nicht aus den Augen, dass Mißbrauchsopfer sich ihr Schicksal nicht selbst ausgesucht haben. Weder die Tat, noch deren lebenslange Folgen.

Ich weiss nicht, ob du dich mit dem Thema "kindliche Mißbrauchsopfer" mal näher befasst hast. Da ich anhand deiner Beiträge vermute, eher nein, möchte ich dir kurz schildern, weshalb viele Opfer im späteren Leben Probleme haben.

Den Kindern wird Schweigen abgepresst. Vom Täter, z. T. von Verwandten, die um das Verbrechen wissen und oft schweigen sie auch aus Scham. Viele schweigen Jahre, sogar Jahrzehnte lang, ehe sie ihr Schweigen brechen (können). Manche brechen ihr Schweigen nie.
Und jetzt stell dir mal vor, von Kind an damit leben, nichts sagen dürfen/können, alleine mit diesem Verbrechen. Das prägt Verhaltensmuster über viele Jahre.

Wenn die Opfer erst nach Jahren mit der Wahrheit ans Licht kommen, haben sich viele, aus dem Mißbrauch heraus geprägte Verhaltensweisen und Charakteristika so etabliert und stabilisiert, dass sie nicht einfach dadurch verschwinden, dass endlich das Schweigen gebrochen wird. Dann ist aber unter Umständen schon vieles im Leben verkehrt gelaufen.

Und ich möchte nicht wissen, wie viele Opfer ihre Charaktereigenschaften, Raktionen, Handlungen, etc. überhaupt nicht mit dem Mißbrauch in Verbindung bringen und ihnen gar nicht der Zusammenhang bewusst ist.

Du darfst nicht vergessen, wir sprechen hier nicht von Erwachsenen, gefestigten Menschen, denen mal eben etwas Schlimmes passiert ist, und von denen man erwarten kann, dass sie genau das richtige tun, um mit der Tat fertig zu werden. Wir sprechen von KINDERN, die in ihren Verhaltensmustern über Jahre durch den Mißbrauch geprägt wurden. Kindern, die nicht die Möglichkeit hatten, sich selbst zu befreien, oder gar die richtigen Schritte dahin erkannten und dementsprechend handeln konnten.

Insoweit ist der Mißbrauch also keine Entschuldigung, für Fehlschläge im Leben, sondern eine ERKLÄRUNG.

Im übrigen hat Lise auch von niemandem hier eine Absolution verlangt. Sie hat ausgeführt, wehalb sie diesen Thread erstellt hat. Schade, dass du darauf bisher nicht eingegangen bist, denn DAS ist einegtlich Thema dieses Threads.

Ich benutze das Geschehene nicht als Alibi,vielmehr wollte ich andere "Opfer"
wachrütteln und ihnen sagen das sie jede Hilfe in Anspruch nehmen sollen die ihnen geboten wird weil sie ihr Leben dann in ihre eigene Richtung lenken können.
Mir hat man damals als Kind keine Hilfe gezeigt.
 
Hallo Lise,

ich hatte heute morgen nur die Gelegenheit, dir per Knopfdruck für deinen Beitrag zu danken.
Ich finde das sehr mutig und sehr wichtig, was Du geschrieben hast.
Ein Missbrauch verändert das Leben eines Menschen von Grund auf, ohne dass man was dafür kann. Gerade, wenn man ein Kind ist.

Aber jeder Mensch muss für sich Verantwortung übernehmen und sollte für sich kämpfen. Ich wünsche mir, dass viele Opfer sich Deine Worte zu Herzen nehmen.

Du bist erst 47 - noch nicht am Ende Deines Lebens. Also noch Zeit genug, an Fehlern zu arbeiten und sich die Zukunft schön zu gestalten.
Man kann die Zeit nicht zurückdrehen aber aus seinen Erfahrungen lernen.

Ich kenn Dich nur hier vom Forum, kann das also nur schwer beurteilen, aber die Lise, die ich hier kennen gelernt hab, ist eine sehr liebe, hilfsbereite und auch offene Frau.

Ich bin mir fast sicher, dass Deine Kinder Dir verzeihen (ich weiß ja nicht, worum es geht) und Dich lieben. Kinder spüren doch, ob man sie liebt. Und das ist doch (fast) das Wichtigste.

Manchmal ist es schwer, durch Worte auszudrücken, was man sagen will....

Sori
 
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