G
Gelöscht 54649
Gast
Ich möchte kein Tagebuch eröffnen, aber trotzdem einen Platz haben, an dem ich zwischendurch Mal Gedanken und Einfälle ablegen kann. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, mitzuführen und ich freue mich sehr über Feedback.
Therapien habe ich im Laufe der letzten 25 Jahre genug gemacht und eigentlich auch immer etwas mitgenommen, aber es hat nie dazu gereicht, mich gegen meine Depressionen und meine Ängste zu stärken.
Erst in den vergangenen 13 Monaten kamen Ideen und "Werkzeuge" hinzu, die mir wirklich helfen - teils direkt durch die Therapie (2x stationär wegen schweren depressiven Episoden), teils aber auch durch meine Mitpatienten.
Man kann nicht nicht kommunizieren, hat irgendein kluger Kopf gesagt. Und wenn man kommuniziert, das ist jetzt meine Auslegung, gibt man etwas an eine andere Person weiter. Ein Päckchen mit Information und Emotion.
Und nicht immer hat man als Empfänger mit dem Inhalt des Päckchens Freude, sondern er verletzt... verletzt, weil er verletzen soll oder er verletzt, weil er an empfindlichen Narben und offenen Wunden rührt, die man sich im Laufe des Lebens zugezogen hat.
Mir fällt es schon extrem schwer, diese beiden Ausgangslagen voneinander zu unterscheiden - dass ich dadurch auch nicht wirklich gelernt habe, wie man mit dem einen oder dem anderen umgeht, kann man sich ja denken.
Ja gut, irgendwie gehe ich damit um, natürlich... aber es wäre halt wünschenswert, wenn es in einer Form wäre, die irgendwo zwischen "Ahhhhh, schnell weg hier!" und dem Gegenüber mit dem Hintern ins Gesicht springen liegt.
Irgendwie sozialkompatibel und so, dass man sich hinterher nicht völlig mies fühlt.
Schön finde ich den Ansatz von Mitpatientin M., die als "Maul, sonst Beule"-Irrwisch in die Klinik kam und irgendwo über ein Buch zum Buddhismus gestolpert ist. Wie sie gelernt hat, die Arten der Verletzung zu unterscheiden, konnte sie mir auch nicht sagen, aber wenn jemand daherkommt und aggressive Kommunikationspäckchen verteilt, lächelt sie freundlich: "Es tut mir leid, dass Du so schlechte Laune hast. Ich hoffe, Dein Tag wird noch besser!"
Päckchen bekommen, reingeguckt, Inhalt doof... return to sender. Und zwar sehr nett und ruhig.
Ich könnte mir von ihr zumindest mitnehmen, dass ich, bevor ich jemanden anmeckere, erstmal in mich hineinspüre, ob mir tatsächlich das, was ich da meckern will, so auf die Nerven geht oder ob ich gerade generell schlecht drauf bin - und dann ob mir diese nervige Sache so wichtig ist, dass ich nochmal darauf zurückkommen möchte, wenn meine Laune sich gebessert hat.
Wenn nicht, kann man es auch ganz bleiben lassen. Ist besser für Blutdruck, Nerven & Co.
Mit dem "immer nett" hadere ich ein wenig.
Muss man immer nett sein? Höflich wäre schon wünschenswert... aber nett und freundlich?
Ja, es freut mich, dass mir in der Klinikzeit jeden Tag von irgendwem gesagt wurde, dass ich so nett und freundlich bin. Und genau bei diesen Leuten will ich ja auch so sein, weil sie selber nett und freundlich sind.
Aber bei W., dem älteren Herren mit den AfD/Maskulinisten-Sprüchen, der sich selbst immer unendlich leid tat und die Probleme aller anderen verlachte und des öfteren mal verlauten ließ, dass jemand anderes einen Knall oder eine Meise habe (ach was - willkommen in der Psychiatrie!) - der irgendwann morgens nach dem Frühstück ohne Anklopfen in unserem Zimmer stand, weil er mit meiner Zimmergenossin eine rauchen gehen wollte.
Will ich da nett und freundlich fragen, ob er eventuell bitte das Zimmer verlassen könnte?
Nee, aufstehen, stumm auf die Zimmertür zeigen und noch hinter ihm hergehen und die Tür fest zumachen.
Und ihn mir am Abend unter den Arm klemmen und ihm erklären, dass dieses Zimmer für 10 Wochen mein Schlafzimmer und absoluter Privatbereich ist und nur meine Zimmergenossin da ohne Klopfen ein und aus gehen darf. "Und ich bin jetzt mal ganz ehrlich und Du liebst ja auch das offene Wort: ich möchte Dich nicht neben meinem Bett stehen haben und ich mag Deine Einstellung und Deine Meinungen so wenig, dass ich Dich zu Hause nicht mal in meinem Wohnzimmer haben wollen würde."
An der Höflichkeit übe ich noch, versprochen!
Und das Innehalten bei schlechter Laune, das ich oben beschrieben habe, das " ist es mir so wichtig, dass ich das auch noch ein Andermal besprechen wollen würde!" hat mich extrem entstresst und entschuldigt.
Choose your battles - ist das wirklich wert, dass Du Dich so lange damit beschäftigst? Das kostet Kraft!
Lästern, sich ereifern - kostet Energie. Die hat man jetzt nicht unbedingt im Übermaß, wenn man unter Dysthemie leidet oder zusätzlich noch ins ganz tiefe Depriloch fällt.
Netter Nebeneffekt: man erzieht seine Umgebung manchmal ein bisschen mit.
Ja, der Bus hat Verspätung. Ja, das kommt in dieser Stadt recht oft vor und ich vermeide es auch, mit dem Bus zu fahren, wenn's auch mit U- und S-Bahn geht - aber jetzt müssen wir Bus fahren, die kommen im 5 Minuten-Takt und wir haben Zeit. Und wenn's geht, möchte ich die nicht damit verbringen, mir das 20. Mal anzuhören, wie blöd der öffentliche Personennahverkehr hier organisiert ist und dass man doch nur a investieren und b tun müsste, um c zu erreichen, aber die kriegen das ja nicht hin... *meckermotz*
"Hast Du neue Musik auf dem Handy? Lass mich doch mal reinhören!"
Und schwupps ist man im Wohlfühlthema, im Augenblick, tankt Energie, weil's nett ist, die Busfahrt ist viel zu schnell zu Ende, um gemeinsam am Kopfhörer klebend auch noch das vierte Lied zu hören.
Früher hätt' ich mitgemeckert. Weil ein Bus drei Minuten Verspätung hat! 🙄
Tja, das waren dann wohl die vielen Worte zum Mittwoch
Ich hoffe, es ist keine Energieverschwendung, sie zu lesen
Therapien habe ich im Laufe der letzten 25 Jahre genug gemacht und eigentlich auch immer etwas mitgenommen, aber es hat nie dazu gereicht, mich gegen meine Depressionen und meine Ängste zu stärken.
Erst in den vergangenen 13 Monaten kamen Ideen und "Werkzeuge" hinzu, die mir wirklich helfen - teils direkt durch die Therapie (2x stationär wegen schweren depressiven Episoden), teils aber auch durch meine Mitpatienten.
Man kann nicht nicht kommunizieren, hat irgendein kluger Kopf gesagt. Und wenn man kommuniziert, das ist jetzt meine Auslegung, gibt man etwas an eine andere Person weiter. Ein Päckchen mit Information und Emotion.
Und nicht immer hat man als Empfänger mit dem Inhalt des Päckchens Freude, sondern er verletzt... verletzt, weil er verletzen soll oder er verletzt, weil er an empfindlichen Narben und offenen Wunden rührt, die man sich im Laufe des Lebens zugezogen hat.
Mir fällt es schon extrem schwer, diese beiden Ausgangslagen voneinander zu unterscheiden - dass ich dadurch auch nicht wirklich gelernt habe, wie man mit dem einen oder dem anderen umgeht, kann man sich ja denken.
Ja gut, irgendwie gehe ich damit um, natürlich... aber es wäre halt wünschenswert, wenn es in einer Form wäre, die irgendwo zwischen "Ahhhhh, schnell weg hier!" und dem Gegenüber mit dem Hintern ins Gesicht springen liegt.
Irgendwie sozialkompatibel und so, dass man sich hinterher nicht völlig mies fühlt.
Schön finde ich den Ansatz von Mitpatientin M., die als "Maul, sonst Beule"-Irrwisch in die Klinik kam und irgendwo über ein Buch zum Buddhismus gestolpert ist. Wie sie gelernt hat, die Arten der Verletzung zu unterscheiden, konnte sie mir auch nicht sagen, aber wenn jemand daherkommt und aggressive Kommunikationspäckchen verteilt, lächelt sie freundlich: "Es tut mir leid, dass Du so schlechte Laune hast. Ich hoffe, Dein Tag wird noch besser!"
Päckchen bekommen, reingeguckt, Inhalt doof... return to sender. Und zwar sehr nett und ruhig.
Ich könnte mir von ihr zumindest mitnehmen, dass ich, bevor ich jemanden anmeckere, erstmal in mich hineinspüre, ob mir tatsächlich das, was ich da meckern will, so auf die Nerven geht oder ob ich gerade generell schlecht drauf bin - und dann ob mir diese nervige Sache so wichtig ist, dass ich nochmal darauf zurückkommen möchte, wenn meine Laune sich gebessert hat.
Wenn nicht, kann man es auch ganz bleiben lassen. Ist besser für Blutdruck, Nerven & Co.
Mit dem "immer nett" hadere ich ein wenig.
Muss man immer nett sein? Höflich wäre schon wünschenswert... aber nett und freundlich?
Ja, es freut mich, dass mir in der Klinikzeit jeden Tag von irgendwem gesagt wurde, dass ich so nett und freundlich bin. Und genau bei diesen Leuten will ich ja auch so sein, weil sie selber nett und freundlich sind.
Aber bei W., dem älteren Herren mit den AfD/Maskulinisten-Sprüchen, der sich selbst immer unendlich leid tat und die Probleme aller anderen verlachte und des öfteren mal verlauten ließ, dass jemand anderes einen Knall oder eine Meise habe (ach was - willkommen in der Psychiatrie!) - der irgendwann morgens nach dem Frühstück ohne Anklopfen in unserem Zimmer stand, weil er mit meiner Zimmergenossin eine rauchen gehen wollte.
Will ich da nett und freundlich fragen, ob er eventuell bitte das Zimmer verlassen könnte?
Nee, aufstehen, stumm auf die Zimmertür zeigen und noch hinter ihm hergehen und die Tür fest zumachen.
Und ihn mir am Abend unter den Arm klemmen und ihm erklären, dass dieses Zimmer für 10 Wochen mein Schlafzimmer und absoluter Privatbereich ist und nur meine Zimmergenossin da ohne Klopfen ein und aus gehen darf. "Und ich bin jetzt mal ganz ehrlich und Du liebst ja auch das offene Wort: ich möchte Dich nicht neben meinem Bett stehen haben und ich mag Deine Einstellung und Deine Meinungen so wenig, dass ich Dich zu Hause nicht mal in meinem Wohnzimmer haben wollen würde."
An der Höflichkeit übe ich noch, versprochen!
Und das Innehalten bei schlechter Laune, das ich oben beschrieben habe, das " ist es mir so wichtig, dass ich das auch noch ein Andermal besprechen wollen würde!" hat mich extrem entstresst und entschuldigt.
Choose your battles - ist das wirklich wert, dass Du Dich so lange damit beschäftigst? Das kostet Kraft!
Lästern, sich ereifern - kostet Energie. Die hat man jetzt nicht unbedingt im Übermaß, wenn man unter Dysthemie leidet oder zusätzlich noch ins ganz tiefe Depriloch fällt.
Netter Nebeneffekt: man erzieht seine Umgebung manchmal ein bisschen mit.
Ja, der Bus hat Verspätung. Ja, das kommt in dieser Stadt recht oft vor und ich vermeide es auch, mit dem Bus zu fahren, wenn's auch mit U- und S-Bahn geht - aber jetzt müssen wir Bus fahren, die kommen im 5 Minuten-Takt und wir haben Zeit. Und wenn's geht, möchte ich die nicht damit verbringen, mir das 20. Mal anzuhören, wie blöd der öffentliche Personennahverkehr hier organisiert ist und dass man doch nur a investieren und b tun müsste, um c zu erreichen, aber die kriegen das ja nicht hin... *meckermotz*
"Hast Du neue Musik auf dem Handy? Lass mich doch mal reinhören!"
Und schwupps ist man im Wohlfühlthema, im Augenblick, tankt Energie, weil's nett ist, die Busfahrt ist viel zu schnell zu Ende, um gemeinsam am Kopfhörer klebend auch noch das vierte Lied zu hören.
Früher hätt' ich mitgemeckert. Weil ein Bus drei Minuten Verspätung hat! 🙄
Tja, das waren dann wohl die vielen Worte zum Mittwoch
Ich hoffe, es ist keine Energieverschwendung, sie zu lesen