Hallo Jens,
genau damit habe ich meine Probleme. Da ich selbst als Kind so war wie die Kleine und auch weiß, dass sie selbst nicht so wirklich weiß, warum sie das macht, beschäftige ich mich schon sehr lange mit möglichen Ursachen auch ADHS.
Es gibt nun zwei Aspekte, die mich immernoch davon abhalten einen Arzt auf zu suchen:
1. Wie Du schon sagst "Modediagnose". Ich habe Angst, dass zu vorschnell diagnostiziert wird, egal welche Diagnose nun bei rum käme. ADHS z.B., wenn die Diagnose lautet "ja, ADHS", was dann? Ich bin strikt gegen die Behandlung mit Ritalin, wenn die Diagnose "nein, kein ADHS", was dann? In beiden Fällen könnte eine Therapie hilfreich sein, doch auch die richtet sich nach der Diagnose... und wenn die zu vorschnell war? Eben weil ADHS ein zweischneidiges Schwert ist, selbst unter Psychologen... Und bei einer Fehltherapierung würde ich mir mehr Vorwürfe machen als jetzt. Ich bin Patient mit dem berüchtigten gefährlichen Halb- bzw. hier Dreiviertel-Wissen;O)
2. Die Angst vor mir selbst. Wie gesagt kenne ich viele ihrer Probleme von mir selber, mit ihr zum arzt zu gehen, hieße auch mich mit mir auseinander zu setzen. Äh, sozusagen würde ich eine Diagnose in zweifacher Hinsicht bewerten, nämlich auch geltend für mich. Noch schlimmer, wenn die falsch wäre... Das hieße aber eben auch, dass ich, wenn ich denn die Diagnose als richtig so "annehmen" würde, ich mich nicht nur mit der Kleinen und ihrer Therapie auseinandersetzen müssste, ich müsste es sozusagen gleich mitmachen. Ist ja nicht so, dass ich alle Probleme in den Griff bekommen habe, gehe eben nur anders damit um. Um aber wiederum selbst eine Therapie zu machen, bin ich für mich gesehen zu skeptisch in der Diagnostik. Ich für mich habe beschlossen selber damit klarzukommen, habe ja auch vieles bereits erfolgreich geschafft - aber wenn mir natürlich ein Arzt eine Diagnose in die Hand drückt, ist die Gefahr doch viel zu groß, dass man sich erleichert, der Verantwortung für die Probleme entrückt, zurücksinken lässt und einfach aus Erschöpftheit wirklich dann doch alles Vertrauen in den Arzt und seine Therapien und Vorschläge steckt.
Dieses Thema bei der Kleinen und bei mir zu trennen will mir nicht ganz gelingen.
Hoffe Du verstehst das Wirrwarr bei mir - ich gehöre zu den Anwärtern, die selber Psychologie studieren möchten, nicht weil ich sie so toll, sondern in vielen Dingen bedenklich finde, wie sie gelehrt und praktiziert wird.
Gel06