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Gast
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Hallo ihr,
ich schreibe hier als Gast - auch wenn ich schon lange in diesem Forum einen Account habe und mich rege beteilige. Aber mein Problem ist mir peinlich und unangenehm und ich möchte es nicht mit meinem Account in Verbindung sehen. Deshalb hoffe ich, ihr könnt mir das verzeihen (wahrscheinlich erkennt man mich sowieso).
Es geht darum, dass ich seit knapp über einem Monat arbeitslos bin und ALG1 beziehe.
Ich bin jung, hochqualifiziert und habe auch Auslandserfahrung.
Und leider musste ich in meinen bisher 10 Jahren Berufserfahung feststellen, dass es mir nicht liegt, einen hochfrequenten Umgang mit Menschen und Kunden zu pflegen. Dahingehend, dass ich mich in meiner Ausdrucksweise und Denken so beeinflusst fühle, dass ich glaube, mich selbst zu verlieren. Um's kurz zu machen: Ich kann nicht freundlich sein, auch wenn Unfreundlichkeit angebracht wäre. Ich kann nicht lügen (sprich: Mist verkaufen), wenn ich weiß, dass es falsch ist. Ich kann nicht die Demütige sein und jemandem in den Hintern kriechen, wenn ich innerlich schon vor Wut schäume. Die Dreistigkeit mancher Menschen verursacht mir Magengeschwüre. Auf normalem Level bin ich mehr als umgänglich, aber 8 Stunden am Tag mit dem Ziel der Gewinnmaximierung kann ich nicht.
Erfahrungen konnte ich auch bereits zum Thema Burn Out und Bore Out und daraus resultierenden Depressionen zu genüge sammeln.
Ich habe lange überlegt, welcher Weg für mich der richtige sein könnte, so dass ich beruflich und privat glücklich wäre.
Noch nie hatte ich mit Arbeitslosigkeit zu tun gehabt. Bei mir war immer alles in sicheren Bahnen und die letzten 10 Jahre hatte ich gerade mal 1 Hauptarbeitgeber.
Nun suche ich und suche und suche und suche. Ich schreibe Bewerbungen wirklich auf alles, was halbwegs passen könnte.
Hauptsächlich Bürotätigkeiten, Sekretariat, Assistenz Geschäftsleitung usw. Eben etwas, wo ich meine Fähigkeiten ohne Kundenkontakt einsetzen kann.
Da ich ein sehr kreativer Mensch bin und Kreativität auch Zeit und Muse benötigt, war es für mich klar, dass ich gerne teilzeit arbeiten würde bis 30 Stunden pro Woche. Schön und gut, denn ich weiß, dass die 40 bis 42 Stunden Vollzeit mich so sehr einnehmen würden, dass es für mich selbst zu viel wäre, denn ich kann weder mit Unterbelastung (sprich Tätigkeiten sind zu einfach), noch mit Überbelastung (sprich: Überstunden, Dauerstress, dauerhaft erreichbar, wie bei meiner letzten Führungsposition) dauerhaft und über so lange Arbeitszeiten umgehen. Im Grunde genommen bin ich ein sehr sensibler Mensch.
Und wenn ich keine Zeit habe, wenigstens noch eine Stunde Ruhe für die Dinge zu finden, die mir persönlich wichtig sind, drehe ich durch.
Leider lebe ich in einer Stadt, in der das Lohngefüge so weit nach unten gedrückt ist, dass es schwer ist, einen gutbezahlten Job zu finden. Damit meine ich schon Jobs, bei denen man 10€/h erhält.
Und umziehen kann ich leider auch nicht, da mein Partner an diese wundervolle Stadt gebunden ist.
Nun hat man mir einen Vermittlungsvorschlag zukommen lassen: Callcenter, 8 Euro/Stunde über Zeitarbeit und über die Arbeitszeiten brauchen wir gar nicht reden.
Ich weiß, dass ich diesen Vorschlag annehmen muss.
Ich weiß, dass die sich ins Fäustchen lachen: Akademiker, 2 Studienabschlüsse und 1er Ausbildung, fließendes Englisch, Auslandserfahrung und 10 Jahre Berufserfahrung für 8 Euro die Stunde am Telefonhörer. Herzlichen Glückwunsch.
Alle meine Bewerbungen sind abgeschmettert worden - nur Absagen.
Weil: zu teuer (ich würde gerne 10 €/Stunde haben, was ich für eine Assistenz der Geschäftsleitung, die diskret, sorgfältig, vertrauensvoll und erfahren ist, nicht zu viel finde - beim letzten Vorstellungsgespräch wurde ich ausgelacht, mit der Bitte, ich solle mich doch nochmal melden, wenn ich einen Arbeitgeber finde, der mit 5000 Euro Monatslohn zahlt, damit man staunen könne)
Weil: Firma kann nicht mehr als Minijob anbieten, weil sie wohl bald insolvent gehen (die Leute waren supernett, superehrlich, das Vorstellungsgespräch war toll und es hätte alles gepasst)
Weil: zu überqualifiziert
Weil: ? Ja, was eigentlich? Da melden sich die Arbeitgeber für Wochen einfach gar nicht und man sieht dann nur in den Stellenbörsen, dass das Angebot nicht mehr existiert.
Dass es nicht an meinen Unterlagen liegt, wurde mir bereits bestätigt. Da kam schönes Lob von der Arbeitsagentur und ein Arbeitgeber hat mir dermaßen lieb agesagt (wie toll und professionell meine Unterlagen wären, und wie leid es ihm täte, dass er nicht das Budget zur Verfügung hat, um mich einzustellen und das war auch ehrlichgemeint), dass es schon fast rührend war.
Nun gut, jetzt habe ich diesen Vermittlungsvorschlag für das Callcenter und alles sträubt sich in mir, den Senden-Button meiner Bewerbung zu drücken.
Nicht nur, dass so ein Knick im Lebenslauf mein Lebenswerk, welches ich mir so mühsam über Jahre erarbeitet habe, nach unten zieht, das ist es nicht. Es ist die Tatsache, dass es genau das ist, was ich nie im Leben tun wollte. Genau das, was mein Seelenleben wieder ganz tief ins Dunkel zieht.
Ich weiß echt nicht mehr, was ich noch machen soll. Klar kann ich mich bewerben, irgendetwas annehmen und weitersuchen. Aber wenn das so läuft wie momentan, dann ist mir klar, dass ich in dieser Maloche stecken bleiben werde und kein Arbeitgeberprinz kommt und mich mit einem weißen Arbeitsvertrag rettet.
Das soll alles nicht arrogant klingen, ehrlich. Ich habe mich auch als Reinigungskraft beworben. Nicht mal da hab ich ne Antwort bekommen. Das wären 0,22 Euro mehr Stundenlohn gewesen als in diesem Callcenter. Und als Reinigungskraft macht man auch einen ehrlicheren, für mich sinnbehafteteren Job als im Callcenter Outbound (entschuldigt, falls sich damit jemand angegriffen fühlt, das ist nur meine subjektive Meinung).
Wart ihr schon mal in so einer Situation?
Für mich ist das alles Neuland und es fällt mir schwer, zu glauben, dass alles, womit ich mich qualifiziert habe, wie ein Klotz am Bein an mir hängt. Wahrscheinlich wären meine Chancen, eine Führungsposition mit 50+ Stundenwochenzahlen zu kriegen ganz toll, aber sowas macht mich kaputt. Ich weiß echt grad gar nicht, wo mir der Kopf steht. Und der Druck wächst stündlich, denn ich will so schnell wie möglich wieder in eine Arbeitsverhältnis, mit und von dem ich irgendwie leben kann (und ich bin ein bescheidener Mensch).
Was würdet ihr denn tun?
Ach verdammt, ich komm mir vor wie ein totaler Jammerlappen. Vielleicht brauche ich auch nur etwas Zuspruch. Ich weiß es auch nicht. Es macht mich fertig. Von wegen, Arbeitslosigkeit wäre so toll und rosig und man kriegt ne Menge Kohle fürs Nichtstun. Für mich zumindest ist es die Hölle, die ich wirklich niemandem auf lange Sicht hin wünsche.
Viele Grüße,
Möchtegern-Gast
ich schreibe hier als Gast - auch wenn ich schon lange in diesem Forum einen Account habe und mich rege beteilige. Aber mein Problem ist mir peinlich und unangenehm und ich möchte es nicht mit meinem Account in Verbindung sehen. Deshalb hoffe ich, ihr könnt mir das verzeihen (wahrscheinlich erkennt man mich sowieso).
Es geht darum, dass ich seit knapp über einem Monat arbeitslos bin und ALG1 beziehe.
Ich bin jung, hochqualifiziert und habe auch Auslandserfahrung.
Und leider musste ich in meinen bisher 10 Jahren Berufserfahung feststellen, dass es mir nicht liegt, einen hochfrequenten Umgang mit Menschen und Kunden zu pflegen. Dahingehend, dass ich mich in meiner Ausdrucksweise und Denken so beeinflusst fühle, dass ich glaube, mich selbst zu verlieren. Um's kurz zu machen: Ich kann nicht freundlich sein, auch wenn Unfreundlichkeit angebracht wäre. Ich kann nicht lügen (sprich: Mist verkaufen), wenn ich weiß, dass es falsch ist. Ich kann nicht die Demütige sein und jemandem in den Hintern kriechen, wenn ich innerlich schon vor Wut schäume. Die Dreistigkeit mancher Menschen verursacht mir Magengeschwüre. Auf normalem Level bin ich mehr als umgänglich, aber 8 Stunden am Tag mit dem Ziel der Gewinnmaximierung kann ich nicht.
Erfahrungen konnte ich auch bereits zum Thema Burn Out und Bore Out und daraus resultierenden Depressionen zu genüge sammeln.
Ich habe lange überlegt, welcher Weg für mich der richtige sein könnte, so dass ich beruflich und privat glücklich wäre.
Noch nie hatte ich mit Arbeitslosigkeit zu tun gehabt. Bei mir war immer alles in sicheren Bahnen und die letzten 10 Jahre hatte ich gerade mal 1 Hauptarbeitgeber.
Nun suche ich und suche und suche und suche. Ich schreibe Bewerbungen wirklich auf alles, was halbwegs passen könnte.
Hauptsächlich Bürotätigkeiten, Sekretariat, Assistenz Geschäftsleitung usw. Eben etwas, wo ich meine Fähigkeiten ohne Kundenkontakt einsetzen kann.
Da ich ein sehr kreativer Mensch bin und Kreativität auch Zeit und Muse benötigt, war es für mich klar, dass ich gerne teilzeit arbeiten würde bis 30 Stunden pro Woche. Schön und gut, denn ich weiß, dass die 40 bis 42 Stunden Vollzeit mich so sehr einnehmen würden, dass es für mich selbst zu viel wäre, denn ich kann weder mit Unterbelastung (sprich Tätigkeiten sind zu einfach), noch mit Überbelastung (sprich: Überstunden, Dauerstress, dauerhaft erreichbar, wie bei meiner letzten Führungsposition) dauerhaft und über so lange Arbeitszeiten umgehen. Im Grunde genommen bin ich ein sehr sensibler Mensch.
Und wenn ich keine Zeit habe, wenigstens noch eine Stunde Ruhe für die Dinge zu finden, die mir persönlich wichtig sind, drehe ich durch.
Leider lebe ich in einer Stadt, in der das Lohngefüge so weit nach unten gedrückt ist, dass es schwer ist, einen gutbezahlten Job zu finden. Damit meine ich schon Jobs, bei denen man 10€/h erhält.
Und umziehen kann ich leider auch nicht, da mein Partner an diese wundervolle Stadt gebunden ist.
Nun hat man mir einen Vermittlungsvorschlag zukommen lassen: Callcenter, 8 Euro/Stunde über Zeitarbeit und über die Arbeitszeiten brauchen wir gar nicht reden.
Ich weiß, dass ich diesen Vorschlag annehmen muss.
Ich weiß, dass die sich ins Fäustchen lachen: Akademiker, 2 Studienabschlüsse und 1er Ausbildung, fließendes Englisch, Auslandserfahrung und 10 Jahre Berufserfahrung für 8 Euro die Stunde am Telefonhörer. Herzlichen Glückwunsch.
Alle meine Bewerbungen sind abgeschmettert worden - nur Absagen.
Weil: zu teuer (ich würde gerne 10 €/Stunde haben, was ich für eine Assistenz der Geschäftsleitung, die diskret, sorgfältig, vertrauensvoll und erfahren ist, nicht zu viel finde - beim letzten Vorstellungsgespräch wurde ich ausgelacht, mit der Bitte, ich solle mich doch nochmal melden, wenn ich einen Arbeitgeber finde, der mit 5000 Euro Monatslohn zahlt, damit man staunen könne)
Weil: Firma kann nicht mehr als Minijob anbieten, weil sie wohl bald insolvent gehen (die Leute waren supernett, superehrlich, das Vorstellungsgespräch war toll und es hätte alles gepasst)
Weil: zu überqualifiziert
Weil: ? Ja, was eigentlich? Da melden sich die Arbeitgeber für Wochen einfach gar nicht und man sieht dann nur in den Stellenbörsen, dass das Angebot nicht mehr existiert.
Dass es nicht an meinen Unterlagen liegt, wurde mir bereits bestätigt. Da kam schönes Lob von der Arbeitsagentur und ein Arbeitgeber hat mir dermaßen lieb agesagt (wie toll und professionell meine Unterlagen wären, und wie leid es ihm täte, dass er nicht das Budget zur Verfügung hat, um mich einzustellen und das war auch ehrlichgemeint), dass es schon fast rührend war.
Nun gut, jetzt habe ich diesen Vermittlungsvorschlag für das Callcenter und alles sträubt sich in mir, den Senden-Button meiner Bewerbung zu drücken.
Nicht nur, dass so ein Knick im Lebenslauf mein Lebenswerk, welches ich mir so mühsam über Jahre erarbeitet habe, nach unten zieht, das ist es nicht. Es ist die Tatsache, dass es genau das ist, was ich nie im Leben tun wollte. Genau das, was mein Seelenleben wieder ganz tief ins Dunkel zieht.
Ich weiß echt nicht mehr, was ich noch machen soll. Klar kann ich mich bewerben, irgendetwas annehmen und weitersuchen. Aber wenn das so läuft wie momentan, dann ist mir klar, dass ich in dieser Maloche stecken bleiben werde und kein Arbeitgeberprinz kommt und mich mit einem weißen Arbeitsvertrag rettet.
Das soll alles nicht arrogant klingen, ehrlich. Ich habe mich auch als Reinigungskraft beworben. Nicht mal da hab ich ne Antwort bekommen. Das wären 0,22 Euro mehr Stundenlohn gewesen als in diesem Callcenter. Und als Reinigungskraft macht man auch einen ehrlicheren, für mich sinnbehafteteren Job als im Callcenter Outbound (entschuldigt, falls sich damit jemand angegriffen fühlt, das ist nur meine subjektive Meinung).
Wart ihr schon mal in so einer Situation?
Für mich ist das alles Neuland und es fällt mir schwer, zu glauben, dass alles, womit ich mich qualifiziert habe, wie ein Klotz am Bein an mir hängt. Wahrscheinlich wären meine Chancen, eine Führungsposition mit 50+ Stundenwochenzahlen zu kriegen ganz toll, aber sowas macht mich kaputt. Ich weiß echt grad gar nicht, wo mir der Kopf steht. Und der Druck wächst stündlich, denn ich will so schnell wie möglich wieder in eine Arbeitsverhältnis, mit und von dem ich irgendwie leben kann (und ich bin ein bescheidener Mensch).
Was würdet ihr denn tun?
Ach verdammt, ich komm mir vor wie ein totaler Jammerlappen. Vielleicht brauche ich auch nur etwas Zuspruch. Ich weiß es auch nicht. Es macht mich fertig. Von wegen, Arbeitslosigkeit wäre so toll und rosig und man kriegt ne Menge Kohle fürs Nichtstun. Für mich zumindest ist es die Hölle, die ich wirklich niemandem auf lange Sicht hin wünsche.
Viele Grüße,
Möchtegern-Gast