Wie lang hast du das denn mitgemacht? Gab es auch schöne Zeiten in eurer Beziehung?
Ich hadere nämlich sehr mit mir selbst.. Hatte davor schon 2 lange Beziehungen, die aber im Vergleich wesentlich schlechter waren, war nie wirklich glücklich mit den anderen Partnern. Jetzt bin ich zwar glücklich, weil der Großteil der Beziehung passt und mit den Kleinigkeiten kann ich sogar irgendwie leben (wenn er mal wieder meint im Recht zu sein, dann lass ich ihn halt in dem Glauben etc.), aber wenn ich nur eine Kleinigkeit falsch mache bzw. vergesse oder ihn auf ein Fehlverhalten anspreche, beginnt der Streit - man könnte es auch Krieg nennen 🙁
Ich genieße die gemeinsame gute Zeit sehr, da er dann wirklich alles für mich tut und daher war eine Trennung nie eine Option. Aber oft fahre ich schon mit einem mulmigen Gefühl im Bauch nachhause mit den Gedanken: "Hoffentlich hab ich nichts vergessen.", "Hoffentlich hat er keinen schlechten Tag.", "Hoffentlich hat ihn tagsüber nichts aufgeregt." etc. Vor jedem Satz, den ich sage, muss ich zwei Mal überlegen, ob ich ihn wirklich ausspreche und ob er ihn wohl nicht falsch verstehen könnte.
Dieser Mann hat einfach zwei Seiten: die, in die ich mich verliebt habe und die, die ich nicht aushalte. Ich möchte wirklich bei ihm bleiben, da die schönen Seiten einfach überwiegen, aber wie soll ich mit der anderen Seite umgehen?! 😕 Oder würdet ihr mir trotzdem zu einer Trennung raten?
Drei mal.
Also 3x kam es zu Vorfällen, beim ersten Mal war ich so erschrocken und verwirrt von seinem Ausbruch, dass ich es nicht richtig einordnen konnte, bevor ich es aufgrund des Themas verdrängt habe.
Das Zweite mal erschien mir eher nichtig, betraf mich auch nicht persönlich.
Beim Dritten mal trieb er es einfach zu weit, ich habe dann auch endlich erkannt, dass er ein Muster hat, nach dem er mich die letzten beiden Male schon strategisch fertig zu machen versuchte.
Also habe ich, nachdem ich fast 2 Wochen geglaubt habe, er könne vielleicht nichts dafür und versucht habe zu ihm durchzudringen und ihm auch noch Halt zu geben, ihm mal ordentlich die Meinung gesagt.
Das hat er ganz und gar nicht verkraftet, ich habe ihm dann auch "auf nimmerwiedersehen" gewunschen.
Weil ich mich selbst schützen musste.
Insgesamt hatten wir grob gesagt 3 Jahre eine Fernbeziehung. Vielleicht eher 2, das erste Jahr war noch mehr flirten und annähern.
Es war eine durchweg schöne Beziehung, in der ich mich sehr wohl und verstanden gefühlt habe - nur um dann mit dem Vertrauen, dass ich ihm entgegen gebracht hatte fertig gemacht zu werden.
Weil sämtliches Verständnis nur geheuchelt war und im Endeffekt dazu benutzt wurde, die gesammelten Informationen darüber, wo ich am verletzlichsten bin, gegen mich zu verwenden.
Und es waren nicht mal wirklich Infos, wo ich sagen müsste, die dürfen ja nicht öffentlich werden.
Im Gegenteil, wenn er versuchen würde, mich mit dem, was ich ihm anvertraut habe, bloßzustellen, dann würde er nur zeigen, was für ein kranker Mensch er ist.
Es waren extrem schmerzhafte Erfahrungen aus meiner Vergangenheit, die ich mit ihm geteilt habe, die er dann verwendet hat, um mich zu verletzen.
Gleichzeitig immer wieder behauptet, selbst schlimmes erlebt zu haben, aber ohne dies je spezifisieren zu können.
Letztenendes legte er an eigenen Erlebnissen nur eines an den Tag: Erschreckend große Sympathie für die Menschen, die mir das angetan hatten und allgemein für Tätermotive. Diese verteidigte er nämlich vehement, gegen mich.
Sprich: Er bekämpfte und bestrafte mich dafür, dass ich in die Opferrolle gezwungen worden war oder für Opfer aufstand und mich einsetzte und warf mir Empathielosigkeit vor, wenn ich kein Verständnis dafür aufbringen konnte, dass er Gewalttaten verteidigte.
Ich weiß nicht, aber ich finde es jetzt nicht so schlimm von mir, dass ich keine Empathie für Gewalt habe und mich nicht damit identifizieren kann. Im Gegenteil. Ich find das sogar richtig toll von mir und bin da stolz drauf.
Das konnte er halt überhaupt nicht haben.
Die Trennung war für mich sehr schmerzhaft (ist sie immer noch, um ehrlich zu sein), da er der erste Mensch war, der mir je das Abbild von Verständnis und Zuneigung zuteil werden ließ, gerade in einer Zeit, in der ich anfangs noch in einer Missbrauchssituation feststeckte.
Ich war emotional total von ihm abhängig, er wusste was ich brauchte und fütterte es mir, um mich an ihn zu binden, nur um mir dann, wenn er gerade Lust hatte, wieder wehzutun.
Es waren einfach nur Psychospielchen.
Aber im Endeffekt war die Trennung auch das gesündeste, was mir je passiert ist.
Es geht mir eigentlich fantastisch. Ich habe danach begriffen, dass ich selbst fähig bin zu überleben und es auch schon vor ihm war (er gab mir das Gefühl ohne ihn hilflos und auf ihn angewiesen zu sein, alleine das sollte in einer gesunden Beziehung nie der Fall sein), ich habe etliche richtige Freunde gefunden, bzw erkannt, ich habe viele neue Fähigkeiten und Stärken gefunden, die ich innerhalb kürzester Zeit nach der Trennung total ausbauen konnte, was mir in den gesamten 3 Jahren während der Beziehung überhaupt nicht möglich war, im Gegenteil, ich zog mich total von anderen sozialen Kontakten und Fähigkeiten, ihm zugunsten zurück, weil er meine volle Aufmerksamkeit beanspruchte.
Andererseits hinterlässt sowas auch ein gewisses Gefühl der "Leere".
Solche Menschen lassen in einem ganz bewusst das Gefühl der totalen Erfüllung entstehen. Sie geben dir das Abbild aller positiven Gefühle, die du benötigst, wenn es dir schlecht geht.
Und das machen sie aus einem Grund: Um sicher sein zu können, dass du zu ihnen zurückkommen wirst "um der guten Zeit wegen", die doch "überwiegt", wenn sie dir wehgetan haben.
- Genau die Unsicherheit, die auch in dir aufkeimt.
Weil sie genau wissen, dass sie dir wehtun werden; Bei meinem Ex bin ich mir mittlerweile sogar sicher, dass er das bewusst getan hat, auch im Alltag und es sehr genossen hat.
Er hat immer wieder im kleinen Themen einfließen lassen, die alte Wunden von mir zwar nicht wieder aufrissen, aber ordentlich an der Oberfläche kratzten, worauf ich ihn oft mit einer Erklärung, dass und warum mir gewisse Themen nicht gut tun und der Bitte sie zu unterlassen hinwies (was wirklich einfach gewesen wäre, da es keine Alltagsthemen waren).
Er ignorierte das entweder vollständig und machte weiter, bis es wirklich schlimm für mich wurde, nur um dann zu sagen, er hätte meine mehrmaligen Bitten "überlesen", obwohl sie oft länger waren als meine restliche Antwort oder meine einzige Antwort.
Oder er entschuldigte sich und machte es ein andermal wieder. Und dann wieder. Und wieder. Und wieder.
Obwohl das nun wirklich Themen sind, bei denen man sich leicht merken und vor allem auch denken kann, dass sie anderen nahegehen.
Aber Liebe macht blind und so habe ich das über Monate einfach hingenommen und als Versehen abgetan, weil er doch sonst so verständnisvoll und lieb war - es ergab einfach keinen Sinn.
Wenn man erst mal ent-liebt ist und dann alte Nachrichten nochmal liest, werden solche Muster viel deutlicher und die Gründe dahinter offensichtlicher. 🙁
Wenn dir jemand kein gut tut, lass ihn los.
Es gibt so ein Meme, das ich diesbezüglich sehr schön finde (obwohl ich eigentlich nicht gläubig bin, aber du kannst "Gott" mit Schicksal oder Leben ersetzen):
- freie Übersetzung aus dem Englischen."Wenn Gott /das Leben/Schicksal versucht dich dazu zu bringen einen Menschen hinter dir zu lassen, dann deshalb, um dir zu zeigen, dass jemand, der besser für dich ist, in deiner Zukunft auf dich wartet."