P
primavera7
Gast
Ich habe schon seit vielen Jahren ein Problem, welches vor einigen Wochen aber so eskaliert ist, dass ich den Kontakt zu meiner 85-jährigen Mutter und meiner 44-jährigen Schwester abgebrochen habe.
Meine Mutter ist seit Jahrzehnten chronisch krank (Diabetes Typ 1, Herz). Sie lebt mit meiner Schwester (2 1/2 Jahre jünger als ich) in ihrem Hause. Meine Schwester und ich durften beide studieren. Doch während ich das Studium erfolgreich abgeschlossen habe und seit Jahren eine Autostunde entfernt von Elternhaus wohne und arbeite, hat meine Schwester weder ihr Studium abgeschlossen noch danach eine Berufsausbildung gemacht. Sie lebt seit Jahr und Tag mit meiner Mutter in deren Haus, bewohnt ihr ehemaliges Kinderzimmer und wird von meiner Mutter finanziell voll unterhalten. Wenn man meine Schwester nur oberflächlich kennen lernt, merkt man ihr absolut nichts Anomales an. Sie sieht recht gut und gepflegt aus, ist gebildet und eloquent, wirkt wesentlich jünger als sie ist. Schon vor neun Jahren habe ich aber laienhaft Symptome einer psychischen Erkrankung bei ihr festgestellt (offenbar psychotische Schübe mit völlig irrationalen Wahnvorstellungen). Sämtliche Versuche meinerseits, sie in ärztliche Behandlung zu bringen, sind gescheitert, da sie völlig uneinsichtig ist. Auch Ärzte bis hin zum Sozialpsychiatrischen Dienst agieren sehr zurückhaltend, da meine Schwester bislang nicht körperlich gewalttätig geworden ist. Und meine Mutter "deckt" meine Schwester, auch wenn sie selbst oft genug unter ihren verbalen Ausbrüchen (hysterisches Geschrei) aus nichtigem Anlass zu leiden hatte. Grund: Meine Mutter will partout niemals in ein Heim, sondern klammert sich an meine Schwester, die sich - wenn auch krankheitsbedingt nur sehr unzureichend - um sie "kümmert", sprich: für sie einkauft und natürlich zwangsläufig jeden Tag bei ihr ist. Im Gegensatz zu mir.
Selber habe ich meine Mutter bis vor kurzem alle zwei Wochen am Samstag- oder Sonntagnachmittag besucht und sie zweimal wöchentlich angerufen, aber das zählt nicht. Oft habe ich ihr einen Blumenstrauß oder eine sonstige Aufmerksamkeit mitgebracht oder zu Weihnachten oder zum Geburtstag z.B. einen besonders schönen Pullover geschenkt, da sie sich selbst nichts gönnt. Ich bin mit ihr zweimal im Jahr zu Verwandten gefahren, an denen sie sehr hängt (meine Schwester hat und fährt kein Auto), und habe sie letzten Sommer auch mal für einen Tag zu mir geholt, damit sie mal etwas anderes sah. Auch habe ich ihr zwei Jahre lang monatlich 160 € überwiesen, davon sollte meine Mutter sich eine Putzfrau leisten und das Grab meines Vaters in Pflege geben. Statt dessen gab sie das Geld offenbar meiner Schwester, da habe ich die Zahlung eingestellt.
Ich selbst bin alleinstehend und daher darauf angewiesen, Vollzeit zu arbeiten. Ich kann mich nicht täglich von morgens bis abends um meine Mutter kümmern. Auch meine Schwester tut dies ja nicht, obwohl sie es könnte, sondern macht die Nacht zum Tag und liegt dann bis nachmittags im Bett. Abends kurz vor Geschäftsschluss geht sie dann im Dunkeln einkaufen. Wenn ihr danach ist, macht sie auch etwas im Garten. Das ist dann offenbar eine Heldentat.
Im November letzten Jahres musste meine Mutter nach einem Sturz an der Schulter operiert werden. Danach zog sie sich eine lebensgefährliche bakterielle Infektion mit wochenlangen Durchfällen zu, so dass sie bis Mitte Januar dieses Jahres im Krankenhaus lag. Für die Zeit danach wurde vom Krankenhaus eine zunächst für drei Wochen geplante Kurzzeitpflege in einem Altenheim an ihrem Wohnort sowie Beantragung einer Pflegestufe empfohlen. Diese ganzen Dinge habe ich organisiert und geregelt und auch den kompletten finanziellen Eigenanteil für die Kurzzeitpflege übernommen. Von Mitte November bis Mitte Februar habe ich meine Mutter bei Wind und Wetter, Schnee und Eis jedes Wochenende besucht (und zwar, von drei Ausnahmen abgesehen, an beiden Wochenendtagen!), von Heiligabend bis Sonntag nach Neujahr sogar täglich, und in vier weiteren Fällen auch nachmittags an Arbeitstagen. Hierzu bin ich fast ausschließlich täglich von meinem Wohnort aus zu ihr und abends wieder zurück gefahren, da es mit meiner Schwester nicht auszuhalten ist und eine Übernachtung im Elternhaus daher nicht in Frage kam. Die komplette Ausstattung für eine Rehamaßnahe im Dezember, die meine Mutter leider nach wenigen Tagen mangels Rehafähigkeit abbrechen musste, habe ich bis hin zum Koffer ebenfalls kurzfristig besorgt und bezahlt und meine Mutter übers Wochenende in der Rehaklinik auch besucht (An- und Abreise jeweils drei Stunden).
Noch in der Kurzzeitpflege selbst wurde meine Mutter vom Medizinischen Dienst in meinem Beisein und dem meiner Schwester begutachtet. Inzwischen hat sie die Pflegestufe 1 erhalten. Die Gutachterin hatte ziemlich schnell durchschaut, was mit meiner Schwester los ist, und hatte meiner Mutter daher nahe gelegt, auf Dauer in der Einrichtung zu bleiben. Das wollte meine Mutter partout nicht, erklärte sich aber nach und nach mit einer Verlängerung der Kurzzeitpflege bis Anfang März einverstanden. Auch um das alles habe ich mich gekümmert. Meine Schwester besuchte sie fast täglich, aber immer erst abends, frühestens gegen 18.00 Uhr, vorher hatte sie angeblich so viel zu tun, dass sie zu nichts kam. Nun, kein Wunder, wenn man erst nachmittags aufsteht.
Die Heimleiterin hatte meiner Schwester und mir erklärt, dass für eine Pflege meiner Mutter zu Hause Hilfsmittel wie ein Pflegebett, eine Toilettensitzerhöhung etc. nötig seien. Aufgrund ihrer körperlichen Schwäche und der Schultergelenkprothese saß meine Mutter bis Anfang Februar noch im Rollstuhl, ihre Wohnung zu Hause ist aber nicht rollstuhlgerecht. Hierzu hätte meine Schwester zumindest das völlig verwahrloste Schlafzimmer (total unaufgeräumt, Schimmelbefall) meiner Mutter aufräumen und renovieren lassen müssen, was sie aber einfach nicht "gebacken" bekam. Als ich ihr Ende Januar dabei helfen wollte, machte sie mir die ganze Zeit nur Vorschriften (alte Zeitungen, die ich zur Entsorgung eingepackt hatte, packte sie mir z.B. wieder aus) und lautstark pausenlos unverschämte Vorwürfe, es war nicht zum Aushalten. Daraufhin habe ich es aufgegeben.
Mitte Februar begann meine Mutter im Heim dann mit Unterstützung wieder zu laufen. Es war klar, dass sie wieder nach Hause wollte. Daran wollte ich sie gegen ihren Willen auch nicht hindern, ich wollte allerdings schon, dass die "Rahmenbedingungen" für eine Rückkehr und Pflege zu Hause auch in Ordnung waren. Schon vor ihrem Sturz war dreimal täglich ein ambulanter Pflegedienst zur Blutzuckerkontrolle und zum Insulinspritzen gekommen; es war klar, dass dieser bei Pflegestufe 1 nun weitere Pflegeleistungen würde übernehmen müssen. Meiner Schwester hatte es aber nie gepasst, dass dieser Pflegedienst ins Haus kam, da sie sich dadurch in ihrem merkwürdigen Tagesablauf gestört und wohl auch ertappt fühlte. Auch durften die Verwandten und eine bestimmte Nachbarin meine Mutter schon seit Jahr und Tag nicht mehr besuchen - meine Mutter ließ sich dies alles von meiner Schwester gefallen.
Als meine Mutter dann Mitte Februar in der Kurzzeitpflegeeinrichtung einmal einen sehr hohen Blutzuckerwert hatte und meine Schwester dies mitbekam, drehte sie durch. Sie setzte meine Mutter (auch vorher schon) ständig unter Druck, sie müsse "da raus", tobte mit der Heimleiterin herum und versuchte, dieser die Pflegedokumentation zu entreißen (die Heimleiterin und das Pflegepersonal haben mir das erzählt und ich glaube es ihnen auch, da ich die Ausbrüche meiner Schwester ja selbst kenne). Ich fuhr dann am nächsten Nachmittag von der Arbeit aus noch dorthin und habe meine Mutter unter Tränen über meinen Standpunkt aufgeklärt, dass doch erst zu Hause alles in Ordnung gebracht werden müsse bis zu ihrer geplanten Rückkehr Anfang März. Falls sie sich nicht traue, das meiner Schwester zu sagen, werde die Heimleiterin sie dabei unterstützen. Damit war meine Mutter auch einverstanden. Ich habe ihr auch erzählt, wie meine Schwester sich bei meinem Versuch, ihr beim Aufräumen zu helfen, benommen hatte.
Zwei Tage später kam es dann zum endgültigen Eklat:
Ich erhielt einen aufgeregten Anruf von einer Pflegerin, meine Mutter habe sich am Nachmittag übergeben und wolle sofort (an einem Freitagabend!) wieder nach Hause, obwohl dort noch rein gar nichts organisiert war. Bei ihrem Hausarzt fand ich auch keine Unterstützung, der stand kurz vor seinem Urlaub, war entnervt, sehr ungehalten und das Theater mit meiner Familie (er kennt meine Schwester und die Problematik) nur noch Leid. In Panik fuhr ich noch am selben Abend zu der Pflegeeinrichtung, wo meine Schwester mit meiner Mutter und der Heimleiterin zusammensaß. Meine Schwester empfing mich hasserfüllt mit allen möglichen unverschämten, völlig aus der Luft gegriffenen Lügen und Vorwürfen, meine Mutter würdigte mich weder eines Blickes noch eines Wortes, und die Heimleiterin eröffnete mir, dass meine Mutter entschieden habe, sofort auf eigenes Risiko nach Hause entlassen zu werden, und dass man, da meine Mutter ja soweit noch bei klarem Verstand sei, dies akzeptieren müsse (meine Mutter hat manchmal zwar leichtere Gedächtnisstörungen und Unsicherheiten, aber von einer richtigen Demenz kann - auch laut Gutachten des Medizinischen Dienstes - noch keine Rede sein). Meine Schwester muss meine Mutter die ganze Zeit über, wenn ich nicht da war, bearbeitet und gegen mich aufgehetzt haben (womöglich hat sie ihr eingeredet, ich hätte sie hinter ihrem Rücken auf Dauer ins Heim "stecken" wollen). Die Heimleiterin sagte noch, dass meine Mutter kurz vor meiner Ankunft geäußert habe, sie wolle nun notariell einiges zugunsten meiner Schwester regeln. Ich vermute, sie will sie als Alleinerbin einsetzen (ist mir aber recht, da ich den Kampf um meinen nach bisherigem Testament hälftigen Erbteil an dem Hausgrundstück, das bei gesetzlicher Erbfolge mangels Einkommens meiner Schwester sowieso hätte zwangsversteigert werden müssen, ohnehin nicht auf Kosten meiner Nerven hätte austragen wollen). Vielleicht will sie ihr auch sonstige alleinige Vollmachten (Konto, Pflege etc.) übertragen. Ich sagte dann: "Gut, aber dann komme ich nicht mehr nach Hause." Die Heimleiterin meinte daraufhin, ja, das fände sie dann auch nur konsequent, und zu meiner Mutter gewandt: "Ich habe Ihnen ja vorhin schon gesagt, das kann dann dazu führen, dass Ihre ältere Tochter sich zurückzieht." Meine Mutter daraufhin, ohne mich anzusehen: "Ja, dann ist das eben so."
Als meine Mutter und meine Schwester abgefahren waren, brach ich weinend zusammen und habe von der Heimleiterin noch erfahren, meine Mutter hätte sich ihr gegenüber auch noch genau daran erinnert, dass sie schon zwei Wochen vorher in einer Konfliktsituation (da ging es um eine Verlängerung des Aufenthalts im Heim) zu mir gesagt hatte, sie hielte zu meiner Schwester. Sie wisse also durchaus, was sie tue, es sei ihre Entscheidung. Die Heimleiterin meinte, ich würde gegen dieses symbiotische Bündnis nicht ankommen, meine Schwester hätte meine Mutter offenbar seit Jahren geschickt manipuliert, um von ihrem Scheitern abzulenken und ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Sie empfahl mir dringend, mein eigenes Leben zu führen und mir ggf. professionelle Hilfe zu suchen.
Inzwischen sind vier Wochen vergangen. Auf beiden Seiten keinerlei Kontaktversuche. Ich habe einige Nachbarn meiner Mutter und die Verwandten informiert. Sie alle haben viel Verständnis für mich und teilen die Auffassung der Heimleiterin. Sie meinen, meine Schwester hätte meine Mutter über die Jahre wohl regelrecht einer Gehirnwäsche unterzogen. Über Nachbarn habe ich noch erfahren, dass meine Mutter sich bei niemandem mehr meldet, auch nicht bei den Verwandten, sich jetzt nur noch von meiner Schwester pflegen lässt (in punkto Blutzuckerkontrolle und Medikation ist meine Schwester schon zuverlässig, das weiß ich) und nicht mal mehr den ambulanten Pflegedienst im Haus haben will. Der Diabetologe meiner Mutter ist ebenfalls durch mich informiert, meinte aber, meine Schwester gebe ihm regelmäßig die Blutzuckerwerte meiner Mutter durch, sodass er eine gewisse Kontrolle behalte. Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten gehe so weit, dass man meine Mutter nicht zwingen könne, einen Pflegedienst zu akzeptieren, auch wenn es medizinisch besser wäre. Letzte Woche sollte angeblich auch ein Hausbesuch (wohl durch den Assistenten des Diabetologen oder durch den Hausarzt meiner Mutter) stattfinden. Ob es dazu gekommen ist, weiß ich nicht. Am Montag nach der überstürzten Rückkehr haben zwei Nachbarn bei meiner Mutter nach dem Rechten gesehen. Immerhin wurden sie von meiner Schwester hereingelassen. Meine Mutter hätte am Nachmittag noch im Nachthemd (!) auf dem Wohnzimmersofa gesessen, die Jalousien seien heruntergelassen gewesen (alles auf Betreiben meiner Schwester). Immerhin weiß ich dadurch, dass meine Mutter noch lebt (jedenfalls zu dem Zeitpunkt).
Ich möchte nach wie vor keinen Kontakt, weder zu meiner Mutter noch gar zu meiner Schwester, da ich einfach fix und fertig bin, körperlich wie psychisch. Ich weiß genau, dass ich bei jedem Versuch einer Kontaktaufnahme nur angefeindet und fertiggemacht würde. Dennoch komme ich nicht darüber hinweg, dass meine Mutter nach allem, was auch ich für sie getan habe, mich unter dem Einfluss meiner Schwester so fallen lässt und mir nichts mehr glaubt (ich habe letztlich ihretwegen auf so manches verzichten müssen - dass ich z.B. keine eigene Familie habe, hat zumindest teilweise auch mit der jahrzehntelangen Rücksichtnahme auf meine chronisch kranke Mutter zu tun). Wahrscheinlich war meine Schwester immer ihr Lieblingskind, sie durfte sich mehr herausnehmen als ich und ihr wurde auch mehr zugetraut. Ich weiß außerdem auch nicht so recht, wie ich darüber hinwegkommen soll, falls meine Mutter plötzlich stirbt und ich sie bis dahin nicht mehr gesehen habe, wir also quasi im Krach auseinander gegangen sind. Andererseits habe ich mir absolut nichts zuschulden kommen lassen und daher auch keinen Grund, bei den beiden zu Kreuze zu kriechen. Ein vernünftiges, ruhiges Gespräch ist aber mit beiden nach meinen jahrzehntelangen negativen Erfahrungen in Konflktsituationen absolut nicht möglich.
Dass meine Schwester mich aufgrund ihrer Krankheit und ihres Scheiterns im Leben hasst und uneinsichtig ist, konnte ich ja bislang noch halbwegs akzeptieren. Dass nun aber selbst meine Mutter so weit ist und ich mir von ihr sagen lassen muss "Ich halte zu X." (meine Schwester), obwohl meine Schwester auch meine Mutter nach deren eigenem Bekunden jahrelang immer wieder tyrannisiert hat, darüber komme ich nicht hinweg. Nicht nach allem, was ich für sie getan habe, nach all den Sorgen und Aufregungen, die ich - nicht nur in den letzten Monaten - immer wieder ihretwegen gehabt habe. Außerdem liebe ich meine Mutter (was umgekehrt offenbar nicht der Fall ist). Ich leide sehr unter ihrer Ablehnung und der offensichtlichen Bevorzugung meiner Schwester, habe seit Wochen an nichts mehr Freude und kann diese Grübeleien nicht abstellen.
Es tut mir Leid, dass der Text so lang geworden ist. Ich hoffe, der/die eine oder andere liest ihn trotzdem. Ich meine auch, dass man sonst als Außenstehender die Gesamtsituation nicht richtig nachvollziehen kann.
Soll ich mir professionelle Hilfe suchen oder besteht eine Chance, dass es mit zunehmendem zeitlichen Abstand besser wird?
Meine Mutter ist seit Jahrzehnten chronisch krank (Diabetes Typ 1, Herz). Sie lebt mit meiner Schwester (2 1/2 Jahre jünger als ich) in ihrem Hause. Meine Schwester und ich durften beide studieren. Doch während ich das Studium erfolgreich abgeschlossen habe und seit Jahren eine Autostunde entfernt von Elternhaus wohne und arbeite, hat meine Schwester weder ihr Studium abgeschlossen noch danach eine Berufsausbildung gemacht. Sie lebt seit Jahr und Tag mit meiner Mutter in deren Haus, bewohnt ihr ehemaliges Kinderzimmer und wird von meiner Mutter finanziell voll unterhalten. Wenn man meine Schwester nur oberflächlich kennen lernt, merkt man ihr absolut nichts Anomales an. Sie sieht recht gut und gepflegt aus, ist gebildet und eloquent, wirkt wesentlich jünger als sie ist. Schon vor neun Jahren habe ich aber laienhaft Symptome einer psychischen Erkrankung bei ihr festgestellt (offenbar psychotische Schübe mit völlig irrationalen Wahnvorstellungen). Sämtliche Versuche meinerseits, sie in ärztliche Behandlung zu bringen, sind gescheitert, da sie völlig uneinsichtig ist. Auch Ärzte bis hin zum Sozialpsychiatrischen Dienst agieren sehr zurückhaltend, da meine Schwester bislang nicht körperlich gewalttätig geworden ist. Und meine Mutter "deckt" meine Schwester, auch wenn sie selbst oft genug unter ihren verbalen Ausbrüchen (hysterisches Geschrei) aus nichtigem Anlass zu leiden hatte. Grund: Meine Mutter will partout niemals in ein Heim, sondern klammert sich an meine Schwester, die sich - wenn auch krankheitsbedingt nur sehr unzureichend - um sie "kümmert", sprich: für sie einkauft und natürlich zwangsläufig jeden Tag bei ihr ist. Im Gegensatz zu mir.
Selber habe ich meine Mutter bis vor kurzem alle zwei Wochen am Samstag- oder Sonntagnachmittag besucht und sie zweimal wöchentlich angerufen, aber das zählt nicht. Oft habe ich ihr einen Blumenstrauß oder eine sonstige Aufmerksamkeit mitgebracht oder zu Weihnachten oder zum Geburtstag z.B. einen besonders schönen Pullover geschenkt, da sie sich selbst nichts gönnt. Ich bin mit ihr zweimal im Jahr zu Verwandten gefahren, an denen sie sehr hängt (meine Schwester hat und fährt kein Auto), und habe sie letzten Sommer auch mal für einen Tag zu mir geholt, damit sie mal etwas anderes sah. Auch habe ich ihr zwei Jahre lang monatlich 160 € überwiesen, davon sollte meine Mutter sich eine Putzfrau leisten und das Grab meines Vaters in Pflege geben. Statt dessen gab sie das Geld offenbar meiner Schwester, da habe ich die Zahlung eingestellt.
Ich selbst bin alleinstehend und daher darauf angewiesen, Vollzeit zu arbeiten. Ich kann mich nicht täglich von morgens bis abends um meine Mutter kümmern. Auch meine Schwester tut dies ja nicht, obwohl sie es könnte, sondern macht die Nacht zum Tag und liegt dann bis nachmittags im Bett. Abends kurz vor Geschäftsschluss geht sie dann im Dunkeln einkaufen. Wenn ihr danach ist, macht sie auch etwas im Garten. Das ist dann offenbar eine Heldentat.
Im November letzten Jahres musste meine Mutter nach einem Sturz an der Schulter operiert werden. Danach zog sie sich eine lebensgefährliche bakterielle Infektion mit wochenlangen Durchfällen zu, so dass sie bis Mitte Januar dieses Jahres im Krankenhaus lag. Für die Zeit danach wurde vom Krankenhaus eine zunächst für drei Wochen geplante Kurzzeitpflege in einem Altenheim an ihrem Wohnort sowie Beantragung einer Pflegestufe empfohlen. Diese ganzen Dinge habe ich organisiert und geregelt und auch den kompletten finanziellen Eigenanteil für die Kurzzeitpflege übernommen. Von Mitte November bis Mitte Februar habe ich meine Mutter bei Wind und Wetter, Schnee und Eis jedes Wochenende besucht (und zwar, von drei Ausnahmen abgesehen, an beiden Wochenendtagen!), von Heiligabend bis Sonntag nach Neujahr sogar täglich, und in vier weiteren Fällen auch nachmittags an Arbeitstagen. Hierzu bin ich fast ausschließlich täglich von meinem Wohnort aus zu ihr und abends wieder zurück gefahren, da es mit meiner Schwester nicht auszuhalten ist und eine Übernachtung im Elternhaus daher nicht in Frage kam. Die komplette Ausstattung für eine Rehamaßnahe im Dezember, die meine Mutter leider nach wenigen Tagen mangels Rehafähigkeit abbrechen musste, habe ich bis hin zum Koffer ebenfalls kurzfristig besorgt und bezahlt und meine Mutter übers Wochenende in der Rehaklinik auch besucht (An- und Abreise jeweils drei Stunden).
Noch in der Kurzzeitpflege selbst wurde meine Mutter vom Medizinischen Dienst in meinem Beisein und dem meiner Schwester begutachtet. Inzwischen hat sie die Pflegestufe 1 erhalten. Die Gutachterin hatte ziemlich schnell durchschaut, was mit meiner Schwester los ist, und hatte meiner Mutter daher nahe gelegt, auf Dauer in der Einrichtung zu bleiben. Das wollte meine Mutter partout nicht, erklärte sich aber nach und nach mit einer Verlängerung der Kurzzeitpflege bis Anfang März einverstanden. Auch um das alles habe ich mich gekümmert. Meine Schwester besuchte sie fast täglich, aber immer erst abends, frühestens gegen 18.00 Uhr, vorher hatte sie angeblich so viel zu tun, dass sie zu nichts kam. Nun, kein Wunder, wenn man erst nachmittags aufsteht.
Die Heimleiterin hatte meiner Schwester und mir erklärt, dass für eine Pflege meiner Mutter zu Hause Hilfsmittel wie ein Pflegebett, eine Toilettensitzerhöhung etc. nötig seien. Aufgrund ihrer körperlichen Schwäche und der Schultergelenkprothese saß meine Mutter bis Anfang Februar noch im Rollstuhl, ihre Wohnung zu Hause ist aber nicht rollstuhlgerecht. Hierzu hätte meine Schwester zumindest das völlig verwahrloste Schlafzimmer (total unaufgeräumt, Schimmelbefall) meiner Mutter aufräumen und renovieren lassen müssen, was sie aber einfach nicht "gebacken" bekam. Als ich ihr Ende Januar dabei helfen wollte, machte sie mir die ganze Zeit nur Vorschriften (alte Zeitungen, die ich zur Entsorgung eingepackt hatte, packte sie mir z.B. wieder aus) und lautstark pausenlos unverschämte Vorwürfe, es war nicht zum Aushalten. Daraufhin habe ich es aufgegeben.
Mitte Februar begann meine Mutter im Heim dann mit Unterstützung wieder zu laufen. Es war klar, dass sie wieder nach Hause wollte. Daran wollte ich sie gegen ihren Willen auch nicht hindern, ich wollte allerdings schon, dass die "Rahmenbedingungen" für eine Rückkehr und Pflege zu Hause auch in Ordnung waren. Schon vor ihrem Sturz war dreimal täglich ein ambulanter Pflegedienst zur Blutzuckerkontrolle und zum Insulinspritzen gekommen; es war klar, dass dieser bei Pflegestufe 1 nun weitere Pflegeleistungen würde übernehmen müssen. Meiner Schwester hatte es aber nie gepasst, dass dieser Pflegedienst ins Haus kam, da sie sich dadurch in ihrem merkwürdigen Tagesablauf gestört und wohl auch ertappt fühlte. Auch durften die Verwandten und eine bestimmte Nachbarin meine Mutter schon seit Jahr und Tag nicht mehr besuchen - meine Mutter ließ sich dies alles von meiner Schwester gefallen.
Als meine Mutter dann Mitte Februar in der Kurzzeitpflegeeinrichtung einmal einen sehr hohen Blutzuckerwert hatte und meine Schwester dies mitbekam, drehte sie durch. Sie setzte meine Mutter (auch vorher schon) ständig unter Druck, sie müsse "da raus", tobte mit der Heimleiterin herum und versuchte, dieser die Pflegedokumentation zu entreißen (die Heimleiterin und das Pflegepersonal haben mir das erzählt und ich glaube es ihnen auch, da ich die Ausbrüche meiner Schwester ja selbst kenne). Ich fuhr dann am nächsten Nachmittag von der Arbeit aus noch dorthin und habe meine Mutter unter Tränen über meinen Standpunkt aufgeklärt, dass doch erst zu Hause alles in Ordnung gebracht werden müsse bis zu ihrer geplanten Rückkehr Anfang März. Falls sie sich nicht traue, das meiner Schwester zu sagen, werde die Heimleiterin sie dabei unterstützen. Damit war meine Mutter auch einverstanden. Ich habe ihr auch erzählt, wie meine Schwester sich bei meinem Versuch, ihr beim Aufräumen zu helfen, benommen hatte.
Zwei Tage später kam es dann zum endgültigen Eklat:
Ich erhielt einen aufgeregten Anruf von einer Pflegerin, meine Mutter habe sich am Nachmittag übergeben und wolle sofort (an einem Freitagabend!) wieder nach Hause, obwohl dort noch rein gar nichts organisiert war. Bei ihrem Hausarzt fand ich auch keine Unterstützung, der stand kurz vor seinem Urlaub, war entnervt, sehr ungehalten und das Theater mit meiner Familie (er kennt meine Schwester und die Problematik) nur noch Leid. In Panik fuhr ich noch am selben Abend zu der Pflegeeinrichtung, wo meine Schwester mit meiner Mutter und der Heimleiterin zusammensaß. Meine Schwester empfing mich hasserfüllt mit allen möglichen unverschämten, völlig aus der Luft gegriffenen Lügen und Vorwürfen, meine Mutter würdigte mich weder eines Blickes noch eines Wortes, und die Heimleiterin eröffnete mir, dass meine Mutter entschieden habe, sofort auf eigenes Risiko nach Hause entlassen zu werden, und dass man, da meine Mutter ja soweit noch bei klarem Verstand sei, dies akzeptieren müsse (meine Mutter hat manchmal zwar leichtere Gedächtnisstörungen und Unsicherheiten, aber von einer richtigen Demenz kann - auch laut Gutachten des Medizinischen Dienstes - noch keine Rede sein). Meine Schwester muss meine Mutter die ganze Zeit über, wenn ich nicht da war, bearbeitet und gegen mich aufgehetzt haben (womöglich hat sie ihr eingeredet, ich hätte sie hinter ihrem Rücken auf Dauer ins Heim "stecken" wollen). Die Heimleiterin sagte noch, dass meine Mutter kurz vor meiner Ankunft geäußert habe, sie wolle nun notariell einiges zugunsten meiner Schwester regeln. Ich vermute, sie will sie als Alleinerbin einsetzen (ist mir aber recht, da ich den Kampf um meinen nach bisherigem Testament hälftigen Erbteil an dem Hausgrundstück, das bei gesetzlicher Erbfolge mangels Einkommens meiner Schwester sowieso hätte zwangsversteigert werden müssen, ohnehin nicht auf Kosten meiner Nerven hätte austragen wollen). Vielleicht will sie ihr auch sonstige alleinige Vollmachten (Konto, Pflege etc.) übertragen. Ich sagte dann: "Gut, aber dann komme ich nicht mehr nach Hause." Die Heimleiterin meinte daraufhin, ja, das fände sie dann auch nur konsequent, und zu meiner Mutter gewandt: "Ich habe Ihnen ja vorhin schon gesagt, das kann dann dazu führen, dass Ihre ältere Tochter sich zurückzieht." Meine Mutter daraufhin, ohne mich anzusehen: "Ja, dann ist das eben so."
Als meine Mutter und meine Schwester abgefahren waren, brach ich weinend zusammen und habe von der Heimleiterin noch erfahren, meine Mutter hätte sich ihr gegenüber auch noch genau daran erinnert, dass sie schon zwei Wochen vorher in einer Konfliktsituation (da ging es um eine Verlängerung des Aufenthalts im Heim) zu mir gesagt hatte, sie hielte zu meiner Schwester. Sie wisse also durchaus, was sie tue, es sei ihre Entscheidung. Die Heimleiterin meinte, ich würde gegen dieses symbiotische Bündnis nicht ankommen, meine Schwester hätte meine Mutter offenbar seit Jahren geschickt manipuliert, um von ihrem Scheitern abzulenken und ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Sie empfahl mir dringend, mein eigenes Leben zu führen und mir ggf. professionelle Hilfe zu suchen.
Inzwischen sind vier Wochen vergangen. Auf beiden Seiten keinerlei Kontaktversuche. Ich habe einige Nachbarn meiner Mutter und die Verwandten informiert. Sie alle haben viel Verständnis für mich und teilen die Auffassung der Heimleiterin. Sie meinen, meine Schwester hätte meine Mutter über die Jahre wohl regelrecht einer Gehirnwäsche unterzogen. Über Nachbarn habe ich noch erfahren, dass meine Mutter sich bei niemandem mehr meldet, auch nicht bei den Verwandten, sich jetzt nur noch von meiner Schwester pflegen lässt (in punkto Blutzuckerkontrolle und Medikation ist meine Schwester schon zuverlässig, das weiß ich) und nicht mal mehr den ambulanten Pflegedienst im Haus haben will. Der Diabetologe meiner Mutter ist ebenfalls durch mich informiert, meinte aber, meine Schwester gebe ihm regelmäßig die Blutzuckerwerte meiner Mutter durch, sodass er eine gewisse Kontrolle behalte. Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten gehe so weit, dass man meine Mutter nicht zwingen könne, einen Pflegedienst zu akzeptieren, auch wenn es medizinisch besser wäre. Letzte Woche sollte angeblich auch ein Hausbesuch (wohl durch den Assistenten des Diabetologen oder durch den Hausarzt meiner Mutter) stattfinden. Ob es dazu gekommen ist, weiß ich nicht. Am Montag nach der überstürzten Rückkehr haben zwei Nachbarn bei meiner Mutter nach dem Rechten gesehen. Immerhin wurden sie von meiner Schwester hereingelassen. Meine Mutter hätte am Nachmittag noch im Nachthemd (!) auf dem Wohnzimmersofa gesessen, die Jalousien seien heruntergelassen gewesen (alles auf Betreiben meiner Schwester). Immerhin weiß ich dadurch, dass meine Mutter noch lebt (jedenfalls zu dem Zeitpunkt).
Ich möchte nach wie vor keinen Kontakt, weder zu meiner Mutter noch gar zu meiner Schwester, da ich einfach fix und fertig bin, körperlich wie psychisch. Ich weiß genau, dass ich bei jedem Versuch einer Kontaktaufnahme nur angefeindet und fertiggemacht würde. Dennoch komme ich nicht darüber hinweg, dass meine Mutter nach allem, was auch ich für sie getan habe, mich unter dem Einfluss meiner Schwester so fallen lässt und mir nichts mehr glaubt (ich habe letztlich ihretwegen auf so manches verzichten müssen - dass ich z.B. keine eigene Familie habe, hat zumindest teilweise auch mit der jahrzehntelangen Rücksichtnahme auf meine chronisch kranke Mutter zu tun). Wahrscheinlich war meine Schwester immer ihr Lieblingskind, sie durfte sich mehr herausnehmen als ich und ihr wurde auch mehr zugetraut. Ich weiß außerdem auch nicht so recht, wie ich darüber hinwegkommen soll, falls meine Mutter plötzlich stirbt und ich sie bis dahin nicht mehr gesehen habe, wir also quasi im Krach auseinander gegangen sind. Andererseits habe ich mir absolut nichts zuschulden kommen lassen und daher auch keinen Grund, bei den beiden zu Kreuze zu kriechen. Ein vernünftiges, ruhiges Gespräch ist aber mit beiden nach meinen jahrzehntelangen negativen Erfahrungen in Konflktsituationen absolut nicht möglich.
Dass meine Schwester mich aufgrund ihrer Krankheit und ihres Scheiterns im Leben hasst und uneinsichtig ist, konnte ich ja bislang noch halbwegs akzeptieren. Dass nun aber selbst meine Mutter so weit ist und ich mir von ihr sagen lassen muss "Ich halte zu X." (meine Schwester), obwohl meine Schwester auch meine Mutter nach deren eigenem Bekunden jahrelang immer wieder tyrannisiert hat, darüber komme ich nicht hinweg. Nicht nach allem, was ich für sie getan habe, nach all den Sorgen und Aufregungen, die ich - nicht nur in den letzten Monaten - immer wieder ihretwegen gehabt habe. Außerdem liebe ich meine Mutter (was umgekehrt offenbar nicht der Fall ist). Ich leide sehr unter ihrer Ablehnung und der offensichtlichen Bevorzugung meiner Schwester, habe seit Wochen an nichts mehr Freude und kann diese Grübeleien nicht abstellen.
Es tut mir Leid, dass der Text so lang geworden ist. Ich hoffe, der/die eine oder andere liest ihn trotzdem. Ich meine auch, dass man sonst als Außenstehender die Gesamtsituation nicht richtig nachvollziehen kann.
Soll ich mir professionelle Hilfe suchen oder besteht eine Chance, dass es mit zunehmendem zeitlichen Abstand besser wird?
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