Ich hab eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- u. Notarfachangstellte gemacht und da war es mir auch immer unangenehm, wenn ich mal den Empfang übernehmen sollte. Aber es ging irgendwie. Nach der Ausbildung war ich dann in einem Inkasso-Büro tätig. Da musste ich auch vieles erst lernen, was ich nicht kannte. Natürlich sind da die ersten Telefonate sehr holprig, man kennt das PC Programm noch nicht gut und auch einige Themen sind einen fremd. Das ist natürlich unangenehm, aber das kann man regeln in dem man entweder den Kunden kurz entschuldigt und bei Kollegen fragt oder sogar um einen Rückruf bittet um sich genau darüber zu informieren. Die Kunden sehen darin oft, das sich das gegenüber mit dem Fall auseinander setzt und wird dann auf deinen Rückruf warten. Mit der Zeit weiss man aber immer mehr und irgendwann sind die meisten Anrufe PillePalle.
Ich selbst hab nach einem Burnout im Callcenter allerdings auch arge Probleme zu telefonieren. Anfangs bin ich schon in Tränen ausgebrochen, wenn das Telefon NUR geklinget hat. Ich hab oft alle Leitungen aus den Buchsen für Tage gezogen. Natürlich war mir das peinlich, sowas zu zu geben. Aber es wird nicht besser, wenn man nicht dran arbeitet. Zuerst ging es nur mit Freunden und Familie, mittlerweile kann ich aber auch wieder selbst telefonieren. Oft schreib ich mir aber vorher auf, was ich fragen will bzw. was ich möchte. Werde ich angerufen, bin ich noch ein wenig nervös, aber es geht langsam. Dennoch, ein Job in dem hauptsächlich Telefonarbeit geleistet wird, wäre nichts mehr für mich. Aber ab und zu irgendwo telefonieren, das würde ich wieder schaffen. Man muss nur dran bleiben und üben, üben, üben. Genau wie beim Fahrradfahren!
Nebenbei, es ist gar nicht so ungewöhnlich. Gerade die jüngere Generation, die sich fast ausschliesslich via SMS unterhält, hat damit arge Probleme. Es fehlt halt einfach die Übung darin.