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Physikstudium - Versagensängste

B

Burton

Gast
Hallo erstmal,

ich bin gerade in einer äußerst verzweifelten situation und weiß nicht mir weiter...

Zu mir: Ich bin 23 und habe gerade ein Physikstudium an der Universität begonnen - davor hatte ich schon einmal Softwarrentwicklung studiert, was ich jedoch nach 2 Semestern abgebrochen habe, da es nichts für mich war.

Nun leide ich unter enormen Depressionen u Versagensängsten da ich mir einbilde wenn ich dieses Studium verhaue ist mein Leben endgültig vorbei. Ich merke zwar das das Physikstudium das ist was ich will aber aus zu vielen verschiedenen Gründen kann ich mich nicht konzentrieren und schweife immer wieder ab.

Zu den Problemen : 1. - Mein Vater, ist/war selbst Physiker. Als ich klein war hat er sich jedoch nie wirklich für mich interessiert, das kam erst nach dem Abi auf wenns ums Thema studieren ging. Meiner Mutter gegenüber hat er sich auch die ganze Zeit unmöglich verhalten (beide sind geschieden seit ich 7 bin) aber das wäre zu auschschweifend um es hier in gesamter länge hinzuschreiben. Derzeitiger Stand ist das er aus seiner NOCH davor geführten Ehe zwei Kinder hat, die in seinen Augen nichts bis wenig erreicht haben. Mein Hallbruder hat nicht studiert sondern hat geheiratet und ist arbeiten gegangen. Meine Schwester hat zwar ein Studium abgeschlossen, hat aber danach nicht wirklich karriere gemacht. Nun lastet also der ganze Druck auf seinem "Lieblingssohn" für den er sich davor so gut wie garnicht interessiert hat - er bringt ständig solche sätze wie "lass bloß das studium nicht sausen/ verhau es bloß nicht" usw. - da er mich ja finanziell unterstütz im Studium erhöht das den Druck umso mehr. Als wäre diese Situation nicht schon genug mache ich mir große sorgen um seine Gesundheit - er ist als ich klein war bereits einmal an Krebs erkrankt und die Gefahr besteht immer wieder das dieser zurückkehrt - zudem ist er bereits älter (72). Das ist also einer der Punkte die mich einfach die ganze Zeit völlig fertig machen : Zum einen bin ich sauer auf ihn und seine unmögliche Art mit seinen Mitmenschen umzugehen, zum anderen empfinde ich mittlerweile einfach mitleid mit ihm, da er ein alter mann ist, für den das leben offensichtlich auch nicht immer leicht war.

2. - Meine Mutter war die einzige aus meiner Familie die sich wirklich um mich gesorgt hat, sie hat mich auch im Alleingang und nat. ohne die Hilfe meines Vaters großgezogen. (Wir sind nach deutschland emigriert als ich klein war). Nun ist das Problem das ich nach dem Abi (2009) erstmal so fertig und depressiv war das ich beschlossen habe das studieren erstmal zu lassen und mein leben erstmal auf die reihe zu kriegen. Ich habe mal gejobbt mal gehartzt und habe nebenher gitarre in verschiedenen bands gespielt u unterschiedliche konzerte gegeben. Habe zwischendurch auch eine Freundin gehabt und musste meine Sozialen Fähigkeiten, die bis dato wegen meiner Depressionen bei etwa 0 lagen erstmal aufbauen. Nun ist das Problem : Ich bin 23 und fange gerade erst ein Studium an. Ich fühle mich jedoch bereits so als müsste ich schon einen Schritt weiter im leben sein und bereits arbeiten. Das Studium an sich würde mir sehr Spaß machen wenn die Depressionen nicht wären aber ich habe zurzeit irgendwie das gefühl das ich meine Mutter bereits finanziell unterstützen sollte (sie lebt allein, Hartz 4, kein Geld, weit weg von der Familie, ist auch schon relativ alt). Ich kann das jedoch die nächsten 5 jahre nicht tun und habe deswegen auch gewissensbisse. Ich bereue iwie derzeit meinen Jugendlichen leichtsinn denn nach dem Abi hatte ich in etwa den Gedanken : "Hauptsache Abi gepackt - Studieren kann ich jetzt wann ich will".

3. Die "moderne" Gesellschaft - Ich komme einfach nicht ins reine mit der "modenen" Gesellschaft von der ich den Eindruck erhalten habe, das sie für sehr viele Leute allein daraus besteht zur Arbeit zu gehen und anschließend vor dem Fernseher dahinzuvegetieren. Alles ist mittlerweile auf Leistung getrimmt und menschliche Werte oder gar WISSEN oder INTERESSE an etwas geraten in den hintergrund. Ich merke das vor allem beim Physikstudium was mich sehr schockiert !!

4. Mein weiterer Lebensweg : Ich habe wie bereits erwähnt wegen der hohen Leistungsansprüche und den oben genannten Punkten extreme Versagensängste und Depressionen. Wenn ich nämlich disese Studium verhaue kriege ich kein Bafög mehr und habe damit den Eindruck das mir jeder weitere Weg in ein Studium verwährt bleibt und ich mittlerweile zu alt bin um iwas anderes anzufangen. Außerdem wird mir der Eindruck vermittelt das ich dann in der heutigen Leistungsgesellschaft einfach keinen Job mehr bekomme und am untersten Ende ankomme und somit alle um mich herum (Eltern und co.) enttäusche.

Ich weiß gerade echt nicht was ich machen soll da alles sich auftürmt, ich komme dem Stoff nicht mehr hinterher und das ist in Physik wirklich riskant da man SEHR schnell den anschluss verliert.

Sind meine Ansichten über das Leben und die Gesellschaft also in irgendeiner Form eingeschränkt ?
Was soll ich den nun bez. meiner Eltern, des Studiums und meiner Depression tun ?
Ich weiß gerade selbst nicht mehr weiter und hoffe das jemand hier ein paar Weise Worte für mich hat !

Es ist ein bisschen viel Text geworden aber ich habe versucht es so kurz zu halten wie mir möglich war.

Über Hilfe/Tipps/Worte würde ich mich sehr freun
Burton
 
Auf die schnelle würde ich Dir empfehlen etwas Geld zu investieren und zu einem Coach der auf NLP spezialisiert ist zu gehen. Einfach, um die Blockaden auszuhebeln und, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Such den aber auf jeden Fall sorgsam aus. Am besten in einer Liste schauen oder bei einem Verein nachfragen.
 
Das beste gegen Versagensängste an der Uni ist und bleibt - lernen!

Die Ausführungen zu deinen Eltern sind sicher wichtig für deine Biografie, aber du solltest dich weniger an der Vergangenheit als vielmehr an Gegenwart und Zukunft orientieren, wenn es um das Studium geht.

Je besser es an der Uni läuft, umso weniger werden dich diese Ängste plagen.
 

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