Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Partner, Anfang 30 und noch immer keine Ausbildung

Anonym

Registrierter Nutzer, anonym
Liebe Mitglieder,

Ich schreibe euch, weil ich selber nicht mehr weiß wo mir der Kopf steht.

Seit knapp 5 Jahren bin ich mit meinem Partner zusammen und in Prinzip sehr glücklich, wäre dort nicht das leidige Thema Ausbildung.
Zu Beginn unserer Beziehung hatte er nichts gemacht, wollte aber an sich arbeiten. Also begann er eine Ausbildung, die er dann zweimal abbrach. Dann machte er ein Jahr absolut nichts, weil er sich für kleine Hilfsjobbs zu schade ist.
Seit August dieses Jahres, hat er mit knapp 30 eine hervorragende Ausbildung gefunden, nachdem sich andere die Finger lecken würden. Am Freitag berichtete er mir dann, dass er gekündigt wurde, weil er seit 3 Wochen nicht mehr da war.

Seitdem fühle ich mich nur noch unendlich leer, manchmal wütend und traurig zu gleich. Es macht mich wütend, dass er mich wieder 3 Wochen angelogen hat, obwohl ich ihm sagte, dass er die Ausbildung ruhig abbrechen kann, wenn es nichts für ihn ist. Hauptsache wir reden gemeinsam darüber.
Wütend bin ich aber auch darüber, dass er nun wieder das Opfer ist. Er suhlt sich im Selbstmitleid, erzählt ich hätte etwas besseres verdient und wenn ich ihn nach Stunden Recht gebe, weil ich es einfach nicht mehr hören kann, sagt er das wir doch zusammen gehören.

Er hat, genau wie ich, schwere Depression nach seiner Aussage, will sich aber nicht behandeln lassen.

Ich bin mit meinem Latein am Ende, wie soll man jemanden helfen, der sich AKTIV nicht helfen lassen will, sondern lieber nur über sein Elend klagt?

Wir wollen/wollten in 3 Jahren heiraten, dann wären wir beide fest im Arbeitsmarkt integriert und wollten dann auch mit der Familienplanung anfangen.

Aber wie soll das von statten gehen, wenn er noch nicht mal für sich selber sorgen kann und immer wieder eine Ausbildung nach der anderen abbricht? Ich brauche einen Mann an meiner Seite, der sich selber, und nicht über seine Eltern, über Wasser halten kann.

Beim Lesen denkt ihr euch sicher alle, dass ich ohne diesen Mann besser dran wäre. Rein rational sehe ich das auch.

Nur mein Herz sagt etwas anderes, denn neben dem Ausbildungschaos und den entsprechenden Lügen, ist er ein sehr zuverlässiger Partner, der ansonsten ehrlich, hilfsbereit und sehr liebevoll ist.

Nur wenn es um eine Ausbildung geht und darum endlich aus seiner Komfortzone zu kommen, wird er zu einem anderen Menschen.

Bis jetzt konnte ich ihn immer auffangen und motivieren, dass am Ende doch alles gut wird. Aber diese Kraft besitze ich seit Freitag nicht mehr, also herrscht mehr oder weniger Funkstille, in der ich ihn sehr vermisse. Gestern telefonierten wir zwar kurz, da musste ich allerdings nach 20 Minuten abbrechen, da so eine enorme Wut in mir aufkochte und ich nichts falsches sagen wollte...

Ich weiß nicht was ich tun soll, gebe ich die Beziehung auf fühle ich mich wie eine Verräterin, bleibe ich, fühle ich mich wie die Doofe mit der man so was ja machen kann.
 
Daß er nicht arbeitet, nichts lernen mag und auch keine Heilung seiner Depression anstrebt, ist zunächst mal allein seine Angelegenheit.

Wenn du allerdings eine Zukunft als Familie mit ihm aufbauen möchtest, dann stellt sich die Frage, wie der Lebensunterhalt dieser Familie erwirtschaftet werden soll. Daß Dein Partner dazu groß beiträgt, würde ich an deiner Stelle nicht einkalkulieren, wenn er unentschuldigt der Arbeit fernbleibt und sich auch für Hilfsarbeiten zu schade ist. Es sei denn, der Partner verfügt über solch ausreichendes Vermögen, daß er daraus genügend Einkommen erzielen kann.

Ich vermute eher, daß an dir die Rolle der Alleinverdienerin des Unterhalts der Familie hängen bleibt. Dann mußt Du schauen, ob Du das leisten kannst und willst. Wenn Du en hohes Einkommen hast und er im Gegenzug ein tüchtiger Hausmann ist, der Haushalt und Kinderbetreuung wuppt, kann das funktionieren. Sonst eher nicht.

Dann bleiben Dir noch die Möglichkeit auf Familiengründung in Deinem Leben zu verzichten und dich an deinen Partner zu binden. Oder dich rechtzeitig nach einem anderen Partner umzusehen.

Das klingt jetzt vielleicht hart, aber in Eurem Alter macht es Sinn, mal sachlich die Lebenslage zu analysieren.

Ich sag, gar nicht, daß Du Dich unbedingt trennen mußt. Wenn Du ihn gern magst und ihr in Liebe miteinander seid, ist das doch schön. Du mußt dann nur realistisch den Part einschätzen, der in den nächsten Jahrzehnten auf Dich zukommt. Und für Dich eine klare Entscheidung treffen, den Part auch dauerhaft zu übernehmen
Viele Beziehungen funktionieren nach dem Muster, in denen Männer die Alleinverdiener sind. Und einige meiner Freundinnen haben diesen Part auch übernommen, z.B. weil ihre Männer als Künstler nur über geringes noch dazu schwankendes Einkommen verfügen. Darüber solltest Du Dir aber bitte im Klaren werden, bevor Kinder gezeugt werden.

Kurz, ich würde an Deiner Stelle mal die ganzen Nebenthemen beiseite lassen und mich auf die Hauptfrage konzentrieren, ob ich mit diesem Mann, so wie er ist und nicht s wie er in Zukunft zu sein verspricht, eine Familie gründen kann und will oder ob ich auf Kinder verzichten möchte.
 
Ich kann Bird leider nur zustimmen:
Es ist an der Zeit für dich, dir ehrliche Gedanken zu machen, ob du mit dem Menschen, der er heute ist, dein restliches Leben verbringen möchtest. Kalkuliere dabei bitte explizit ein, dass er sich niemals ändern wird.
Überleg' dir, ob die Dinge, die du an ihm schätzt, es rechtfertigen, dass du immer alleine für den Lebensunterhalt wirst aufkommen müssen, dass ihr immer eine finanziell ungesicherte Zukunft haben werdet. Und ob du mit deinem Freund unter diesem Umständen trotzdem eine Familie gründen möchtest.
Denn, nach allem, was du uns erzählt hast, halte ich dies für äußerst realistisch.

Und, wenn du zu dem Schluss kommst, dass diese Zukunft nicht dem Leben entspricht, dass du gerne führen möchtest, musst du deine Konsequenzen ziehen, und die Beziehung beenden.
An etwas festzuhalten, was von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, wird nur umso mehr Leid und Schmerz verursachen, je länger du es herausschiebst.

In diesem Fall würde ich dir außerdem empfehlen, sehr konsequent zu sein. Er wird dir beteuern, dass alles sich ändern wird, wird vor dir auf die Knie gehen, dich um eine letzte Chance bitten.

Bleib Konsequent.
Falls er irgendwann eine abgeschlossene Ausbildung hat, kann man sich immer noch einmal zusammensetzen, wenn man dann noch möchte...
Aber, wenn er sich wirklich ändern soll, muss er sehr deutlich spüren, wie ernst es dir ist. Solange er spürt, dass er mit allem bei dir durchkommt, wird er sich nicht ändern, und wird es bei leeren Worten bleiben.


Falls du dich dagegen entscheidest, bei ihm zu bleiben, musst du mit dieser Entscheidung in allen Instanzen leben, und darfst es ihm nicht weiter zum Vorwurf machen, dass er nicht arbeitswillig ist...


Ich wünsche dir ganz viel Glück und alles Gute
 
Ich finde es nicht schlimm, wenn er nicht arbeiten möchte. (Erwerbs-)Arbeit passt nicht in jedes Leben. Frauen haben es da einfacher - die werden als Hausfrauen eher toleriert als Männer.

Das er seine Depression nicht in den Griff bekommt liegt an eben dieser. Du musst für dich abwägen, ob du dich mit ihm weiterhin belasten willst, oder ob ihr euch absprecht und eine andere Vereinbarung treffen wollt: Er macht den Haushalt, du gehst arbeiten.
Wäre das kein Kompromiss?
 
Ich finde es nicht schlimm, wenn er nicht arbeiten möchte. (Erwerbs-)Arbeit passt nicht in jedes Leben. Frauen haben es da einfacher - die werden als Hausfrauen eher toleriert als Männer.

Das er seine Depression nicht in den Griff bekommt liegt an eben dieser.

Dem widerspreche ich. Der Mensch entscheidet, ob er "alles" unternimmt, um seine Probleme in den Griff zu bekommen oder ob er sich mit seinen Problemen arrangiert. Das Ich entscheidet, welcher Mensch ich sein will.

Arbeiten muß nicht in Form einer Festanstellung in einem Betrieb erfolgen. Es gibt auch Freischaffende. Auch fleissige Hausmänner sind nicht ausgenommen.

Jedoch nicht arbeiten zu wollen ist ein anderer Ausdruck für Faulheit. Der Weg zur Tugend führt über Bildung, Ausbildung. Verweigere "ich" mich der (Aus-) Bildung, verweigere "ich" mich der Tugend.
So führt der Mensch das Leben eines moralischen Versagers. Was für ein schlechtes Vorbild für ein Kind, welches so einen Menschen als Vater (oder Mutter) hat.
 
Dem widerspreche ich. Der Mensch entscheidet, ob er "alles" unternimmt, um seine Probleme in den Griff zu bekommen oder ob er sich mit seinen Problemen arrangiert. Das Ich entscheidet, welcher Mensch ich sein will.

Arbeiten muß nicht in Form einer Festanstellung in einem Betrieb erfolgen. Es gibt auch Freischaffende. Auch fleissige Hausmänner sind nicht ausgenommen.

Jedoch nicht arbeiten zu wollen ist ein anderer Ausdruck für Faulheit. Der Weg zur Tugend führt über Bildung, Ausbildung. Verweigere "ich" mich der (Aus-) Bildung, verweigere "ich" mich der Tugend.
So führt der Mensch das Leben eines moralischen Versagers. Was für ein schlechtes Vorbild für ein Kind, welches so einen Menschen als Vater (oder Mutter) hat.


Ich sprach von Erwerbsarbeit, nicht von Arbeit. Arbeit kann auch in anderer Form als Erwerbsarbeit erfolgen. Siehe Kinderziehung, Hausarbeit, ehrenamtliches.
Der Mensch sucht sich Arbeit, aber nicht jeder Mensch ist erwerbstätig.
Wer Menschen nach Erwerbstätigkeit und Bildungsstand abwertet hat ein Defizit an emotionaler Intelligenz.


Deine Aussage, von wegen er muss nur wollen ist auf gesunde Menschen sicher anwendbar, nicht aber auf Depressive.
Du sagst ja auch zu keinem Rollstuhlfahrer er soll sich nicht so anstellen und endlich mal aufstehen, oder?
 
Deine Aussage, von wegen er muss nur wollen ist auf gesunde Menschen sicher anwendbar, nicht aber auf Depressive.
Du sagst ja auch zu keinem Rollstuhlfahrer er soll sich nicht so anstellen und endlich mal aufstehen, oder?

ob er depressiv ist und was für eine Ursache vorliegt, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass er sich selbst so bezeichnet und sich weigert, einen Arzt bzw. Therapeuten aufzusuchen. Da kann man schon auf den Gedanken kommen, dass hier Faulheit mit Depression verwechselt wird.
 
Die TE beschreibt ihn als "weinerlich" und in Selbstmitleid versunken.
Einen Faulen erkennt man daran, dass er diesen Zustand in Gebieten, die ihm liegen aufgibt.
Ein Depressiver hingegen verliert sich in diesem Zustand dauerhaft.
 
Wir sind zu weit entfernt, um die Diagnose "Depression" stellen oder bestätigen zu können. Und ob die von Dir genannten Merkmale für eine Diagnose ausreichen, hinterfrage ich. Jedenfalls passen n.m.M. "Lügen und Faulheit" gut zusammen. Wäre er krank, kann ich keinen Grund erkennen, warum er sich nicht behandeln lässt, es sei den, dass er den Selbstmitleid-Status aufrecht erhalten will, da er jemanden gefunden zu haben glaubt, der ihn durchs Leben zieht, ohne dass er selbst sich bemühen muß. Einer möglichen Diagnose Starrsinn könnte ich folgen.
 
Wir haben uns nun auf einen Monat Funkstille geeignet, besser gesagt ich habe darauf bestanden.
Wir haben beide eine diagnostizierte Depression, allerdings besitzt er nur eine leichte. Was keine Relativierung sein soll, nur damit ihr die Situation besser versteht.

Er ist rund um faul, auch im Haushalt. Wenn er bei mir ist und ich tagsüber in der Uni tut er nichts, außer zocken. Auch da bleibt alles an mir hängen.

Er kommt aus einer gut verdienen Familie, hatte immer alles was er brauchte. Ich bin in Armut aufgewachsen, weswegen es um so mehr stört, dass jemand nichts aus sich macht, obwohl die äußeren Umstände wie geschenkt sind.

Heute morgen, als wir das mit der Auszeit besprachen wollte er heute Abend mit seinen Eltern über eine Therapie reden. Tut er sowieso nicht, sind wieder nur leere Worte. Ich bin so wütend.

Ich hoffe die Auszeit bringt mir Klarheit und das es mir bald besser geht.
 

Anzeige (6)

Autor Ähnliche Themen Forum Antworten Datum
K Arbeitskollegin von Partner zu hilfsbedürftig Liebe 160
M Gute Freundin findet kein Partner Liebe 33
L Partner denkt an Trennung nach Liebe 15

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben