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Orientierungslosigkeit

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Gast

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Hallo,

Zunächst einmal bin ich froh, dass ich auf dieses Forum gestoßen zu sein, da ich hier sehe, dass ich nicht der einzige bin, der so seine Probleme hat.
Nun ja mein eigentliches Problem besteht darin, dass ich im moment absolut nich weiter weiß. Ich hab mein Abi 2008 gemacht und es lag im 1er Bereich. Bis dahin war die Welt auch in Ordnung. Nun ja ich habe während meiner Schulzeit keine Praktika oder mini Jobs gemacht, weil ich kein zusätzliches Geld gebraucht habe(Taschengeld von Eltern hat gereicht) und deswegen auch nicht wirklich mit dem Gedanken beschäftigt habe.
Nach dem Abi hab ich dann angefangen Lehramt an Gymnasien mit den Fächern Mathe/Physik zu studieren. Das liegt wohl daran, dass mein Vater auch Lehrer ist, ich ein falches Bild vom Beruf hatte und naja dachte ich muss jetzt was mit Mathe und Physik machen. Zivi musste ich machen.
Naja die ersten beiden Semester liefen so, dass ich immer so mein 30 CP gemacht habe. Nur hatte während dem Semester schon Zweifel, ob es die richtige Entscheidung ist und mich deswegen auch über andere Fächer informiert. Das Problem ich hab nie wirklich besseres gefunden, was mir gefallen hätte und es deswegen immer wieder aufgeschoben. Dies ging bis in das 3. Semester wo ich jetzt wirklich schon ein wenig krank vom Zweifeln geworden bin. Unruhiger Schlaf, Tränenausbrüche, Appetitlosigkeit...
Naja die letzten Punkte haben sich dann mit der Zeit gebessert und ich hab mich wieder auf die Suche begeben. (Erfolglos) Weswegen ich jetzt erst einmal zum Schluss gekommen bin, das Studieren liegen zu lassen und mir mind. 1 Semester eine Auszeit zu nehmen und Praktika machen will. Unter anderem sollen die Praktika in Lehramt(um vielleicht dort ins klare zu kommen) sein aber auch in anderen Bereichen.
Mein Problem ist es einfach im Moment, dass ich einfach nicht mehr weiß, was ich wirklich will. Ich habe jetzt schon wieder Angst und sorgen, wenn ich mich für was entscheiden werde, ob es das Richtige sein wird. Und ich weiß ich hab schon oft gehört, dass man nie 100% das "Richtige" finden kann, doch glaub ich irgendwie daran, dass schon etwas gibt, was man gerne macht und mit dem man zufrieden ist und wo man sich nicht jeden Tag quälen muss und Zweifel hat, wenn man zur Arbeit geht.
Könnt ihr mir vielleicht einen Rat geben, wie ich das finden werde und wie ich mich wohl demnächst verhalten soll und mehr Mut bekomme?

Außerdem bin ich mir durchaus bewusst, dass ich auf einem hohen Niveau jammere... aber es ist irgendwie schon schrecklich, wenn man nicht weiß wohin man will und so eine innere Leere fühlt. Ich weiß nicht, ob ihr mich in dieser Situation versteht...
 
Was erwartest du vom Leben?
Sorry, aber das ist absolutes Wunschdenken, dass etwas richtig passt. In jeden Studium wird es zig Sachen geben, die dir nicht passen.
Das ganze Leben passt nunmal nicht immer, wenn man mit 30-40 % übereinstimmen kann, ist man doch noch ganz gut bedient, 3-4 % wäre schlechter gewesen ;-)
 
Ist nicht unnormal, viele wechseln das Fach oder zweifeln an dessen Richtigkeit. Mein Vorschlag: Mach ein Praxissemester, ein Praktikum im Lehrerbereich und eines, was nicht so sehr damit zu tun hat, aber was Dir Spass bringt. Vielleicht bist Du auch eher der praktische Typ und mit einer Ausbildung besser aufgehoben? Musst Du aber selbst probieren.

Was noch helfen kann: Ein Profil erstellen mit Dingen, die Du kannst/magst oder eben auch nicht. (Gibt so was im Netz.) Frag Freunde, was sie sich bei Dir vorstellen können. Dann kannst Du Dich langsam ranpirschen.

Und: Die meisten finden am Ende etwas, das einem Spass bringt.

Viel Erfolg!!
 
@gast
Mir ist durchaus bewusst, dass man nicht nur machen kann, was einem Spaß macht. Doch kannst du mir nicht erzählen, dass man alles mit gleicher Freude tut bzw. für einen Beruf nicht mehr geeignet ist und für einen weniger.

Das Problem bei mir ist wohl im moment die große Verunsicherung, weswegen ich das mit den Praktikas wohl auch machen werde.
Was bleibt ist halt die Angst, sich für wieder etwas zu entscheiden und noch einmal falsch zu liegen :/
 
Heyho!
ich bin in einer ähnlichen Situation, studiere im Moment Architektur im ersten Semester und habe festgestellt, dass ich nicht als Entwurfsarchitekt in irgend einem Büro arbeiten will, weil der psychische Stress und der finanzielle Aufwand während dem Studium nicht im Verhältnis stehen zum späteren Verdienst und der Qualität der Arbeit (und dem psychischen Druck). Ich habe jetzt mehrere Praktika und Auslandsaufenthalte hinter mir und weiß es noch immer nicht, was mich manchmal auch an den Rand der Verzweiflung bringt. Aber ich weiß zumindest, was ich nicht machen will und das ist schonmal sehr viel wert!
"Mein" Weg, sieht bis hierhin so aus:

Abitur (2009)
Praktikum in einem Ingenieurbüro (umweltbewusstes Bauen)
Praktikum bei einem Radiosender und Umzug in eine andere Stadt
3 Monate Auslandsaufenthalt in Italien
Praktikum in einem Architekturbüro
Praktikum in einer Windkraftfirma
Praktikum auf einem ökologisch-landwirtschaftlichen Betrieb
Renovierung des Hauses von einer Freundin (Mithilfe)
Jakobsweg
Studiumbeginn Architektur (2010)

Mittlerweile studieren fast alle aus meinem Bekanntenkreis, weshalb ich mir wie ein "Versager" vorkomme, wenn ich mein Studium jetzt abbreche.
Was ich als hilfreich empfunden habe; es gibt bei der Agentur für Arbeit einen Selbsttest mit dem Namen "Explorix", der einem ganz gut Alternativmöglichkeiten von Berufen aufzeigen (kann!). Mir hat es beim Eingrenzen geholfen und um mir bewusst zu machen, wo meine Stärken und Schwächen liegen, bzw. welche menschlichen Eigenschaften in der Berufsausübung unterschiedlich zum Tragen kommen (kreatives, soziales, unternehmerisches, handwerkliches, wissenschaftliches...).
Vielleicht schwenke ich ab Oktober um auf Stadtplanung - könnte mir vorstellen in Stadtentwicklungsprojekten in Megacitys mitzuarbeiten. Altenative 2 ist eine Ausbildung im handwerklichen Bereich, aber ich weiß nicht, wie einfach es ist, vom Studiumsalltag auf einen Arbeitsalltag umzuschwenken, nicht nur von den Arbeitszeiten, sondern auch von der Art der Tätigkeit.
Gerade im Handwerk heißt es Schaffen, schaffen, schaffen! ;-)
Aber vielleicht begreift man den Luxus von einem Studium erst, wenn man mal über einen längeren Zeitraum (regelmäßig) gearbeitet hat.
Ich glaube mit einer Ausbildung ist man mitlerweile nicht schlecht dran: Wenn man seinen Bachelor in der Tasche hat, heißt das noch lange nicht, dass man einen Masterplatz bekommt - zumindest im Moment nicht. Je nach späterem Berufsbild (in meinem Fall Architektur) hat man dann nur noch eine sehr beschränkte Aussicht auf einen Job - das war mit dem Diplom anders.

Jetzt werde ich mein Studium wohl erstmal halbherzig weitermachen und mich parralel dazu auf einen Ausbildungsplatz bewerben. Ein weiterer Grund fürs vorraussichtliche Abbrechen ist auch meine Gesundheit, um die ich mich kümmern möchte. Ich bin vor 3 Jahren an einem Tinnitus erkrankt und "kämpfe" sowohl damit, als auch noch mit einigen anderen Dingen, die mich nur eingeschränkt studierfähig machen.
Ein Job für die Übergangszeit hab ich schon gefunden, 2 Praktikaideen habe ich auch bereits, für einen Workshop in Lehmbau will ich mich anmelden und ich erfüll mir den Traum vom Fliegen im Sommer 🙂
Erwachsenwerden und auf eigenen Beinen stehen ist nicht leicht (hab ich so gehört ;-) ).
Bis dann und beste Grüße!
 
Hallo!

Ich wollte Dir nur mitteilen, dass du definitiv nicht alleine bist. Mir geht es ganz genauso. Und da hilft es wenig, wenn jemand ankommt und sagt, dass nie etwas 100% passen wird. Das weisst du genauso gut wie ich und jeder andere auch. Aber wenn man derartige physische Symptome entwickelt hat, dann kann ja irgendwas nicht stimmen und das solltest du sehr ernst nehmen.

Nimm dir die Zeit und horch in Dich hinein. Was wäre dein absoluter Traum und was hindert dich daran, diesen Traum zu verwirklichen? Was wäre ein Job, in dem du am Ende zufrieden bist?

Allein schon durch dieses Ziel wirst du hoffentlich erkennen, dass es sich lohnt, die Schwierigkeiten auf sich zu nehmen. Wenn du dann bei der "richtigen" Wahl am Boden zerstört bist und dich fragst, warum du das machst (Überforderung mit Arbeiten etc), kannst du dir die Frage dadurch beantworten, dass du das auf dich nimmst, WEIL das und das dein Ziel ist. Und dann wirst du die Schwierigkeiten in den Griff bekommen.

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute für deine Zukunft 🙂
 

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