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Online Therapie

Sisandra

Aktiver Nutzer
Angeregt durch verschiedene Threads, in denen es darum ging, dass die Therapeutensuche sich sehr schwierig gestaltet oder aber der Betroffene sich nicht vorstellen kann einen Therapeuten aufzusuchen, weil dies mit zuviel Angst oder Scham besetzt ist, habe ich mich einmal auf die Suche im Netz gemacht. Ich weiß schon länger, dass es auch sowas wie Online-Therapie gibt. Nur, was ist davon zu halten, wie die Spreu vom Weizen trennen?

Bei meiner Suche bin ich auf einen ganz interessanten Artikel gestoßen:

Hilfe im Netz bei Depressionen: Was Online-Therapien taugen - Gesundheit | STERN.DE

In diesem Artikel werden auch Onlineportale genannt, die Therapie anbieten. Alle hier genannten Therapien werden wissenschaftlich von verschiedenen Universitäten begleitet, insofern denke ich, dass die in dem Artikel aufgeführten Portale schon seriös sein dürften.

Dummerweise wird diese Therapieform bisher nur von wenigen Krankenkassen übernommen. Die Kosten dafür scheinen sich aber in einem überschaubaren Rahmen zu halten und sind bei weitem nicht mit den Kosten für einen niedergelassenen Psychotherapeuten zu vergleichen. Wer sich dafür interessiert, sollte sich aber nicht scheuen, bei seiner Krankenkasse nachzufragen, ob diese vielleicht die Kosten übernimmt.

Vielleicht hilft dies ja dem einen oder anderen hier, entweder um Wartezeiten bei einem niedergelassenen Therapeuten zu überbrücken und dabei nicht ganz vor die Hunde zu gehen, oder aber dies vielleicht sogar überflüssig zu machen.
 
Dein Ansinnen in allen ehren und du bringst es als wohlgemeinte Diskussionsgrundlage.
Doch da bin ich sehr skeptisch...
Ich befürchte, dass die Krankenkassen dies allzu gerne annehmen werden. Sie ist äußerst billig und verschleiert den akuten Notstand.
Es ist wie Motivationskurse für Arbeitslose. Völlig sinnfrei.
Darum wird schnell eine Enttäuschung einsetzen.

Wem auf diese Art tatsächlich geholfen werden kann, gehört nicht zu denen, die am dringendsten Hilfe benötigen.
Viel wichtiger wäre es, die Ursachen zu beseitigen und genau da, wird am wenigsten getan.
Unsere Kinder werden einem frühen Leistungsdruck unterzogen, einer kalten Fremderziehung ausgesetzt, die folgen hat. (Zunehmend haben wird)

Der Mensch hält nicht mit dem Fortschritt und daraus resultierenden Beschleunigungen, Zwängen, Existenzängsten, Bindungsunfähigkeit und Vereinsamung stand.
Eine anonymisierte Therapie (Ich wehre mich dagegen, dies überhaupt so zu nennen!) wird noch mehr zur Vereinsamung der Seele führen.
Wo früher Familien funktionierten, zunehmend durch Therapeuten ersetzt werden, soll in einem Chat, wo man keine Körpersprache und Tonfall lesen kann, eine menschliche Zuwendung erfolgen?
Wo ich Intimstes einem mir unbekannten Menschen anvertrauen soll, wo ich nicht weiß, wer das mitliest?
Wo es bekannt ist, wie schwer es ist, auf einen für sich „guten“ Therapeuten zu stoßen?

Wir brauchen menschliche Zuwendung und eine menschliche Gesellschaft. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen, keine auslesbare Diagnosestation.
 
.....
Viel wichtiger wäre es, die Ursachen zu beseitigen und genau da, wird am wenigsten getan.
.....

Ich habe mir mal erlaubt, diesen wichtigen Satz besonders hervorzuheben.
Diese Programme sind bestenfalls dort geeignet, wo es darum geht, eine
leichte depressive Verstimmung zu "beeinflussen".

Entspannungsübungen, Atemtechnik, Ablenkung und Mut zu kleinen Schritten.
Schön; einigen Menschen kann man so helfen. Den anderen hilft es vielleicht,
die Zeit zu überbrücken, bist eine geeignete Behandlung stattfinden kann.

Die wichtigste Aussage findet man auf der letzten Seite, im letzten Abschnitt:

"...geht es nach drei Monaten deutlich besser. Manchmal kehren die Schatten
zurück, aber dann macht sie eine ihrer Übungen. "Ich bin der Depression nicht
mehr ausgeliefert", sagt sie
. "

Das Problem besteht also weiter, man hat jedoch gelernt, die Symptome
zu verdrängen.
 
Ich denke auch nicht, dass diese Therapieform für jeden geeignet ist, aber wie ich bereits schrieb, vielleicht hilft sie einigen, Wartezeiten zu überbrücken und in der Zeit nicht völlig vor die Hunde zu gehen.

Und ich glaube auch nicht, dass hier mit Verdrängung gearbeitet wird, sondern damit, mit seinen Problemen anders umzugehen. Die Ursachen liegen ja oft auch in äußeren Umständen des Betroffenen. Die kann ein Therapeut auch nicht ändern. Was aber sehr wohl oft passiert, dass ein Betroffener im Laufe einer Therapie die Ursachen erkennt und in der Lage ist, sie dauerhaft selbst zu ändern. Letztlich geht es bei der Online-Therapie wohl darum, Ressourcen zu aktivieren. UND man kann sich die Dialoge abspeichern und jederzeit wieder durchlesen. Auch das kann helfen.

Ich glaube auch nicht, dass diese Therapieform langfristig dazu führen wird, dass die Therapien bei niedergelassenen Therapeuten ersetzt werden. Noch übernehmen ja nicht einmal alle Krankenkassen die Kosten.
 

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