Hallo Roger,
ich versuchs jetzt mal, obwohl ich eigentlich der Meinung bin, genau die falsche zu sein, die jemanden "Lebensmut einhauchen" versuchen sollte.
Ich selbst bin 25, verharre stetig am Rande des Abgrundes, mit dem Blick nach unten in die Tiefe des Nichts. Auch ich weiß, ich müßte mich nur umdrehen und den Weg zurück ins Leben gehen und doch schaff ichs nicht.
Mein Wunsch nach dem Tod rührt nicht von einer Trennung, nicht durch verlassen werden, aber ich kann doch nachvollziehen, was du gerade durchmachst. Doch solltest du dein Leben nicht auf eine einzige Person beziehen, du solltest dein Leben als ganzes betrachten, wenn jetzt auch scheinbar der wichtigste Bestandteil deines Lebens weggebrochen ist.
Weißt du, viele Beziehungen gehen auseinander, gerade weil der Partner zum Leben geworden ist. Gerade weil man so sehr liebt, dass man glaubt, ohne den anderen nicht zu können. Dadurch belastet man den Partner unbewußt mit einer ziemlich hohen Verantwortung, nämlich die Verantwortung für dein Leben, unter dieser Last kann man nicht frei atmen, nicht sein Leben leben.
Ich glaube, eine Beziehung kann nur gut funktionieren, nur Zukunft haben, wenn man die innere Sicherheit hat, dieses Leben auch alleine bestreiten zu können. Nur wenn man weiß, allein leben zu können, kann man sich das Leben zu zweit schön gestalten. ich weiß nicht, ob du verstehst, was ich meine. Man soll sein Leben mit jemanden teilen, weil es schön ist, weil es zufrieden macht, aber wenn dieser jemand aus welchen Gründen auch immer nicht mehr in der Lage ist, das Leben zu teilen, sollte man sein Leben weiterhin wichtig nehmen und es für eine gewisse Strecke alleine gehen. Vielleicht nicht mehr ganz so toll und ganz so schön, wie es war, aber es ist und bleibt dein Leben, weil du es von anfang an für dich gelebt hast, nicht für andere. Ich habe erkannt, dass mein Leben nicht ausgefüllter ist, nur weil ich einen Partner habe. Mein Partner kann mir mein Leben schöner machen, ja, viel schöner, aber er kann mir die Selbstliebe nicht geben, die mir fehlt. Vielleicht ists bei dir ja ebenso, ich weiß es nicht.
Puh, sorry, ich bin nicht sonderlich gut drauf heute, ich hoffe, du verstehst, was ich meine.
Was ich dir noch sagen will, bevor ich es vergesse.
Warum versuchst du krampfhaft, diese Traurigkeit in dir, diesen Schmerz in dir wegzukriegen. Du spielst mit dem Gedanken, dir das Leben zu nehmen, weil du glaubst, es nicht mehr ertragen zu können. SChau, ich bin auch noch auf dieser Welt, obwohl ich schon des öfteren dem Tod näher war als dem Leben, obwohl mein Herz sich bis heute nichts mehr ersehnt, als die Ruhe. Du bist stärker, als du glaubst zu sein. Doch um das zu erkennen, mußt du deine Schwäche erkennen, deine Schwäche zulassen, um dann zu merken, da ist noch was.
Versuch dich nicht nur in den guten Momenten anzunehmen, versuch die schlechten Momente ebenso zu lieben, wie die guten. Sag dir: ja, mir geht es beschissen, ja ich würd gern sterben, und ich suhl mich in Selbstmitleid! und das ist gut so. du darfst unten liegen, du darfst weinen, hassen, wütend sein, traurig sein. Nur erkenne, dass auch irgendwo deine Stärke in DIR ist. Sie ist da, nicht weil deine Freundin da war, sondern weil du da bist. Liebe dich auch in diesen schlechten, traurigen Zeiten. Bleib für einen Moment am Boden liegen, spüre diesen Schmerz in dir, er zeigt dir, dass DU BIST.
ach man, ich kanns dir nicht so rüberbringen, wie ich gern wollte. tut mir leid, ist selbst nicht gerade mein Tag.
es grüßt und drückt dich
Jessi
- die in einer ähnlichen Situation steckt wie du, aber versucht, den Partner nicht mehr als Lebensinhalt zu sehen, denn der Lebensinhalt sollte man immer selber sein.