Es war ein Flop. Wir sind tatsächlich zusammen weggefahren, er war auch dann in den Tagen vorher bei der Planung verlässlich und alles war ok. Am ersten Abend bei mir hat er signalisiert, dass er Interesse "an mehr" hat. Es fielen von seiner Seite die Worte: Romantische Absichten. Ich hab mich darüber gefreut, aber am ersten Abend war mir das zu früh. Er schlief im Gästezimmer. Sobald wir am nächsten Tag im Urlaubsort angekommen waren, war dieser Mann distanziert und unnahbar. Es war, als wäre ich plötzlich mit seinem fiesen und kalten Zwillingsbruder verreist.
In der ersten Nacht im Urlaub hab ich mich dann trotzdem herangewagt, wir wollten das beide. Ich hatte schon Sehnsucht nach ihm. Am nächsten Tag war er wieder distanziert. So hat er mich dann 3 Tage mehr oder weniger abblitzen lassen, Ausreden waren zu unbequem und müde... Immer mal kurz etwas Nähe, aber so, dass ich trotzdem am langen Arm gehalten wurde. Geredet/gefragt hat er auch nicht viel, er war einfach offensichtlich nicht an mir als Mensch interessiert. Irgendwann hab ich auch aufgehört Gespräche anzukurbeln. Dann Schweigen wir eben. Es war kein schönes Schweigen. In der Kneipe saß er mir gegenüber und hat nur am Handy rumgewischt. Immerhin hat ein Franzose ein bisschen mit mir geflirtet. Ich dachte von außen muss das schräg aussehen: Ein Mann sitzt einer Frau gegenüber und beachtet sie 0. Einen Abend hab ich ihn sitzen lassen, weil er beim Essen wieder geschwiegen hat und ich das nicht mehr ertragen konnte. Dann kam er hinterher und wollte kuscheln... Weil ich distanziert wurde. Das war mir in dem Moment schon klar. Morgens war er dann wieder abweisend. Das könnte man jetzt so interpretieren, dass er schüchtern und überfordert war, aber das war er keineswegs. Seine Sprache und sein Humor mir gegenüber war derb und komisch sexuell (bumsen, vögeln, Witze über Vergewaltigung). Als ich ihm sagte, dass ich mich damit nicht wohl fühle, da ich ihn für solche "Scherze" nicht gut genug kenne, hieß es, ich hätte Schamgefühle und er wäre eben offen. Er wirkte belustigt. Ich fand seine Worte respektlos, vor allem, weil die Atmosphäre so kühl war. Wenn jemand sonst liebevoll und zugewandt ist, kann er vieles sagen ohne, dass ich es krumm nehme, aber so nicht. Hatte er kein Verständnis für.
Er war vor der Reise nicht so, sonst wäre ich garnicht mit ihm weggefahren und ich denke das wusste er auch.
Irgendwann hat er angefangen dauernd an mir rumzukritisieren, ich hingegen sollte seine "Vorschläge" alle so annehmen, sonst hat er sich angegriffen gefühlt. Insgesamt entstand bei mir immer mehr der Eindruck, es geht ihm um ein Machtgefälle, als würde er mich erziehen wollen. Manchmal kippte er in eine arrogante Art. An Tag 4 hat er mich wieder abblitzen lassen und ich sagte: "Okay, ich gebe auf." Dann erklärte er mir, ich würde Druck machen. Wenn jemand meine Nähe nur als Druck empfindet, lasse ich es bleiben.
Einen Abend war ich alleine im Restaurant und habe die Menschen beobachtet, wie sie miteinander lachen, sich in die Augen schauen, über den Rücken streicheln und dachte mir, ich bin echt im falschen Film gelandet.
An Tag 5 hab ich die Reise abgebrochen und ihn zum Bahnhof gefahren. Ich hab ihm gesagt, dass ich selbst für ein freundschaftliches Verhältnis einen netteren Umgang erwarte. Er sieht sich als Opfer einer enttäuschten Frau und in seinem Verhalten mir gegenüber kein Problem.
Fazit: Es war ein Wagnis, hätte klappen können. Kennenlernen tut man sich durch so eine Reise schnell. Liebeskummer habe ich nicht. Beschäftigt hat es mich trotzdem eine Weile, weil ich das Gefühl hatte, dass da Potential für etwas sehr Ungutes war.